Känguru-Methode

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Eine Mutter trägt ihr zehn Wochen zu Früh geborenes Kind auf dem Oberkörper (2002)

Als Känguru-Methode (Englisch Kangaroo care) wird in der Neogeborenenmedizin eine Methode bezeichnet, bei der ein Neugeborenes (meist ein Frühgeborenes) Haut an Haut auf dem Oberkörper eines Erwachsenen gelegt wird.

Die Methode wurde zunächst in Gebieten angewandt, in denen Inkubatoren nicht verfügbar oder nicht hinreichend zuverlässig waren. Sie findet heute weite Verwendung in der Betreuung von Frühgeborenen. Die Bezeichnung lehnt sich an die Fortpflanzung von Beuteltieren, insbesondere Kängurus, an, die ihren noch unreifen Nachwuchs einige Zeit am Körper tragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Aufgrund steigender Sterblichkeit am Instituto Materno Infantil in Bogotá (Kolumbien) entwickelte der Arzt Edgar Rey Sanabria, ein Professor für Neonatologie an der Universidad Nacional de Colombia eine Methode, um den Mangel an Inkubatoren, Betreuungspersonal und weiteren Mitteln zu mindern. Er schlug vor, frühgeborene Kindern regelmäßig in Hautkontakt mit ihren Müttern zu bringen, um die Neugeborenen dadurch warmzuhalten und zu stillen.

In den frühen 1990er Jahren fand die Methode weite Verbreitung in den Vereinigten Staaten. Wurden zunächst nur Frühgeborene damit versorgt, fand die Methode später auch Verwendung bei Normalgeborenen.

Bei einer Umfrage unter 323 Frühgeboreneneinrichtungen in Deutschland, an der sich 162 beteiligten, gaben 160 der befragten Einrichtungen an, die Känguru-Methode zu verwenden.[1]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Frühgeborene, die mit der Känguru-Methode versorgt werden, haben eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit und sind weniger anfällig für schwere Krankheiten, darunter Krankenhausinfektionen und Atemwegserkrankungen.[2] Verbesserungen sind ebenfalls bei Körpertemperatur, Herzschlag und Atemfrequenz nachweisbar.[3][4]

Weitere Studien deuten auf eine bessere geistige Entwicklung, geringeren Stress, weniger Empfinden sowie positive Auswirkungen auf Wachstum und motorische Entwicklung hin.[4][3][5][6][7][8] Darüber hinaus konnte der Anteil der Frühgeborenen, die ausschließlich durch Stillen gefüttert wird, gesteigert werden.[4] Die Methode kann sich positiv auf Mutter-Kind-Beziehung auswirken.[9] Sie wirkt sich positiv auf die Zufriedenheit und Zuversicht der Eltern aus.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Thiel, A. Längler, T. Ostermann: P05.21. Kangarooing in German neonatology departments: results of a nationwide survey. In: BMC Complementary and Alternative Medicine 2012, 15. bis 18. Mai 2012, Supplement 1, S. 381 doi:10.1186/1472-6882-12-S1-P381.
  2. Conde-Agudelo, Diaz-Rossello, & Belizan, 2003.
  3. a b Ludington-Hoe, S., Hosseini, R., & Torowicz, D. (2005). Skin-to-skin contact (kangaroo care) analgesia for preterm infant heel stick. AACN Clinical Issues, 16 (3), 373-387.
  4. a b c d Charpak, N., Ruiz, J., Zupan, J., Cattaneo, A., Figueroa, Z., Tessier, R., Cristo, M., Anderson, G., Ludington, S., Mendoza, S., Mokhachane, M., & Worku, B. (2005). Kangaroo mother care: 25 years after. In: Acta Paediatric, 94 (5), S. 514-522.
  5. Feldman, R., Eidelman, A., Sirota, L., & Weller, A. (2002): Comparison of skin-to-skin (kangaroo) and traditional care: Parenting outcomes and preterm development. In: Pediatrics, 110 (1), S. 16–26.
  6. McCain, G., Ludington-Hoe, S., Swinth, J., & Hadeed, A. (2005): Heart rate variability responses of a preterm infant to kangaroo care. In: Journal of Ostetrics, Gynecologic, and Neonatal Nursing, 34 (6), S. 689-694.
  7. Penalva, O., & Schwartzman, J. (2006): Descriptive study of the clinical and nutritional profile and follow-up of premature babies in a Kangaroo Mother Care Program. In: Journal of Peditrics, 82 (1), 33-39.
  8. Johnston, C., Stevens, B., Pinelli, J., Gibbins, S., Filion, F., Jack, A., Steele, S., Boyer, K., & Veilleux, A. (2003): Kangaroo care is effective in diminishing pain response in preterm neonates. In: Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine. 157 (11), S. 1084–1088.
  9. Dodd, V. (2005): Implications of kangaroo care for growth and development in preterm infants. In: Journal of Ostetrics, Gynecologic, and Neonatal Nursing, 34 (2), S. 218–232.
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