Käthe-Kollwitz-Museum

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In Deutschland sind drei Käthe-Kollwitz-Museen – in Köln, Berlin und Moritzburg – der 1867 in Königsberg geborenen Künstlerin Käthe Kollwitz gewidmet.

Käthe Kollwitz Museum Köln[Bearbeiten]

Logo des Kölner Museums
Das Käthe-Kollwitz-Museum Köln (Koordinaten50.9366512730566.94671909)

Das Käthe Kollwitz Museum am Kölner Neumarkt beherbergt die weltweit umfangreichste Sammlung von Werken der Künstlerin und steht bis heute in enger Verbindung zur Familie Kollwitz. Träger des Museums ist die Kreissparkasse Köln.

Museumsgeschichte[Bearbeiten]

Das Käthe Kollwitz Museum Köln wurde 1985 gegründet. Anlass war die erste Präsentation der Käthe-Kollwitz-Sammlung der Kreissparkasse Köln am 22. April 1985, dem 40. Todestages der Künstlerin, in den Räumen der ehemaligen Vorstandsetage des Geldinstituts. Seit 1989 befindet sich das Museum mit 1000 m2 Ausstellungsfläche im Obergeschoss der von Hans Schilling entworfenen Einkaufspassage am Kölner Neumarkt.

Die Sammlungsgeschichte beginnt im Jahr 1976, als im Kontext einer Kollwitz-Ausstellung in der Kundenhalle der Kreissparkasse zwei Lithographien der Künstlerin erworben wurden. Zusammen mit dem Ankauf eines Konvoluts von 60 Zeichnungen aus kollwitzschem Familienbesitz im Jahr 1983 bilden diese den Grundstock für die heute umfangreichste Kollwitz-Sammlung von insgesamt rund 300 Zeichnungen, über 500 druckgraphischen Blättern sowie sämtlichen Plakaten und dem gesamten museal greifbaren plastischen Werk der Künstlerin.

Das Engagement der Bank als Trägerin des Museums ist durch die geschichtlichen Bezüge, die zwischen dem Kollwitzschen Œuvre und den historischen Wurzeln des deutschen Sparkassenwesens bestehen, motiviert. Die Themen der Künstlerin – Armut, Hunger, Leid – stehen für menschliche Nöte, zu deren Überwindung auch die Sparkassen im 19. Jahrhundert angetreten sind. Zudem stellt sich die Kreissparkasse Köln mit der Museumsgründung bewusst in die mäzenatische Tradition der Bürgerstadt Köln.[1] Gemäß einer Vereinbarung mit der Erbengemeinschaft Kollwitz wird die Sammlung ständig komplettiert, dokumentiert, der wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht und der Öffentlichkeit präsentiert.

Leitung[Bearbeiten]

Gründungsleiterin des Käthe Kollwitz Museum Köln war Dr. Jutta Bohnke-Kollwitz, die Enkelin von Käthe Kollwitz. Im Januar 1990 übernahm Hannelore Fischer M. A. die Direktion.

Sammlung[Bearbeiten]

Im Bereich der Druckgraphik befinden sich sämtliche große Werkfolgen im Museumsbesitz: Die frühen, nach literarischen Vorlagen entstanden Radier-Zyklen „Ein Weberaufstand“ (1893-1897) und „Bauernkrieg“ (1901-1908), die Holzschnittfolgen „Krieg“ (1921/22) und „Proletariat“ (1925) sowie die späte lithographierte Folge „Tod“ (1934-1937). Hinzu kommen singuläre Werke wie die große Farblithographie „Selbstbildnis en face“ (1903/04), die als experimentelles Blatt ohne Auflage blieb, oder die letzte Lithographie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ (1941), das Vermächtnis der Künstlerin gegen Soldatentod und Krieg.

Sammlungsschwerpunkte im Bereich der Zeichnungen bilden zum einen besondere frühe Werke wie die Kohlezeichnungen für die satirische Zeitschrift Simplicissimus oder drei der insgesamt zehn erhaltenen farbigen Pastelle, zum anderen das Spätwerk mit Blättern zum Thema Tod. Hinzu kommen Bleistift- oder Kohlezeichnungen zu den Themen Familie, Politik oder Krieg, Liebesszenen und Akte aus der sog. „Secreta“-Mappe, Selbstporträts und Arbeiter-Bildnisse. Vorhanden ist ebenso eine umfangreiche Sammlung von skizzenhaften Vorzeichnungen für das Mahnmal „Die trauernden Eltern“ (1918-1932) auf dem Soldatenfriedhof in Vladso sowie für die Druckfolgen, schwerpunkthaft zur Entstehungsgeschichte der Zyklen „Bauernkrieg“ (1901-1908) und „Krieg“ (1921/22).

Besondere Bedeutung liegt im Sammlungsbestand der plastischen Arbeiten mit sämtlichen 15 museal greifbaren Bronzeplastiken, die fast alle in seltenen frühen Güssen im Museum zu sehen sind. Zusammen mit der Kopie des trauernden Elternpaares in der Kirchenruine Alt St. Alban (1956 durch die Werkstatt Ewald Mataré von dessen Schülern Erwin Heerich und Joseph Beuys geschaffen[2]) und dem „Grabrelief Levy“ (1938) auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Bocklemünd ergibt sich so in Köln die Möglichkeit, das bildhauerische Gesamtwerk der Künstlerin zu überblicken.

Komplett vorhandenen sind ebenso die Plakate, die Käthe Kollwitz getreu ihrer Devise: „Ich will wirken in dieser Zeit“[3] vor allem in den 1920er Jahren gegen den Krieg und für soziale Gerechtigkeit, Humanität und Frieden geschaffen hat.

Ein weiterer Sammlungsbereich ist die fast vollständig vorhandene Buchgraphik von Käthe Kollwitz.

Forschung[Bearbeiten]

Zur wissenschaftliche Erforschung und Dokumentation von Leben und Werk der Käthe Kollwitz führt das Kölner Museum eine Fachbibliothek mit Publikationen von und über Käthe Kollwitz sowie Literatur zu Künstlern, die in ihrem Umfeld gewirkt haben. Darüber hinaus wurde im Jahr 2002 durch die finanzielle Unterstützung des Museumsträgers das Werkverzeichnis der Druckgraphik in Neubearbeitung von Alexandra von dem Kneesebeck veröffentlicht.[4] Aktuell erarbeitet das Museum in Zusammenarbeit mit Annette Seeler das Werkverzeichnis der Plastik von Käthe Kollwitz.[5]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Neben der Präsentation seiner ständigen Sammlung zeigt das Museum überwiegend monographische Sonderausstellungen mit Werken von Künstlern, deren Arbeit historisch oder thematisch im Bezug zu Käthe Kollwitz steht. Weitere Ausstellungen stellen künstlerische Techniken in den Mittelpunkt. Seit 2006 werden parallel zur photokina auch Ausstellungen mit Fotografien gezeigt.

Sonderausstellungen 2014 – 2015
  • "Wie war mein Leben stark in Leidenschaft" – Käthe Kollwitz in Photographien und Selbstzeugnissen. (23. April bis 28. Juni 2015)
  • Karin Kneffel. Arbeiten auf Papier. (16. Januar 2014 bis 19. April 2015)
  • Apokalypsen – Daheim und an der Front. Käthe Kollwitz, die deutschen Expressionisten und der Erste Weltkrieg. (17. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015)
  • Das Auge des Arbeiters – Arbeiterfotografie um 1930. (15. August bis 12. Oktober 2014)
  • Nähe und Distanz – Die Graphikerin Ottilie Ehlers-Kollwitz. (4. Mai bis 15. Juni 2014)
  • Emil Orlik – Zwischen Japan und Amerika. (1. Februar bis 27. April 2014)

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin[Bearbeiten]

Das Museumsgebäude des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin (Koordinaten52.50177713.327013)

Das seit 1986 bestehende Käthe-Kollwitz-Museum in der Berliner Fasanenstraße 24 ist aus der privaten Sammlung des 1993 verstorbenen Galeristen und Kunstsammlers Hans Pels-Leusden hervorgegangen.

Aufbau der Sammlung[Bearbeiten]

Pels-Leusden sammelte seit der Übernahme der Berliner Firma „Buch und Kunst“ am Olivaer Platz im Jahr 1950 die Werke von Käthe Kollwitz, weil diese Künstlerin genial und übergreifend das Leben darstellte. Im Jahr 1965 widmete er seine erste Ausstellung Käthe Kollwitz. Viele internationale Ausstellungen erhielten aus seiner Sammlung Leihgaben. Er übergab als Stiftung an das Museum 95 Druckgrafiken, 40 Zeichnungen und 10 Originalplakate.

Leitung[Bearbeiten]

Gründungsdirektor des Berliner Käthe Kollwitz Museums war Martin Fritsch. Seit 2014 leitet Dr. Iris Berndt die Sammlung.

Ausstellung[Bearbeiten]

In einer ständigen Ausstellung über vier Etagen zeigt das Museum bedeutende Teile des künstlerischen Schaffens von Käthe Kollwitz, die über 50 Jahre lang im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg gelebt und gearbeitet hat.

In der Regel finden hier zweimal im Jahr Sonderausstellungen statt, die das Umfeld der Künstlerin beleuchten. Derzeit verfügt das Museum über rund 200 zeichnerische und druckgrafische Arbeiten – darunter viele berühmte Werke wie etwa die Lithografie Brot! von 1924 – sowie 15 Original-Plakate und ebenso viele plastische Bildwerke. Schwerpunkte bilden die Kollektion der Selbstbildnisse (von 1888/1889 bis 1938), der Holzschnitt-Zyklus Krieg (1922/1923), Arbeiten zum Thema Tod (1903 bis 1942) und zum Gedenkblatt für Karl Liebknecht (1919/1920).

Die Selbstbildnisse zeigen Käthe Kollwitz über alle Altersphasen von jung und lächelnd bis hin ins hohe Alter. Im lichtdurchfluteten Obergeschoss befindet sich die 2,10 m hohe Skulptur der Käthe Kollwitz, die vom Bildhauer Gustav Seitz geschaffen wurde. Aufrüttelnd ist ihre Zeichnung einer Mutter, die ihre Kinder zurückhält, die voller Begeisterung in den Krieg ziehen wollen, mit dem Titel Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden.

Museumsgebäude[Bearbeiten]

Das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin befindet sich in einer 1871 als erstes Wohnhaus in der Fasanenstraße errichteten Stadtvilla, die bereits 1897 zu einem Palais im spätklassizistischen Stil umgestaltet wurde. Der nach dem Zweiten Weltkrieg halbverfallene Bau wurde erst in den 1980er-Jahren grundlegend restauriert und als Museum hergerichtet. Die Villa ist gedrungen, hat große gerundete Fenster, und der Eingang befindet sich auf der Seite.

Auffallend ist der Kontrast zwischen dem gutbürgerlichen Umfeld des Museums und den überwiegend dem proletarischen Milieu ihrer Zeit entstammenden sozialkritischen Motiven der Arbeiten von Käthe Kollwitz.

Das Gebäude, in dem das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin untergebracht ist, gehört zum sogenannten „Wintergartenensemble“, ebenso wie das benachbarte Literaturhaus Berlin mit dem Café Wintergarten, das direkt vom Museumsgarten aus zu erreichen ist, sowie die Villa Grisebach.

Stiftung Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg[Bearbeiten]

Der letzte Wohnsitz von Käthe Kollwitz in Moritzburg bei Dresden gibt mit einer kleinen grafischen Sammlung Einblick über mehr als 50 Jahre künstlerischen Schaffens. Das Museum liegt am Schlossteich mit Blick auf das Schloss Moritzburg. Dieses Museum ist der einzige Ort, an dem sich die Persönlichkeit der Künstlerin noch heute authentisch erfahren lässt, u. a. auch mit Fotografien sowie Tagebuch- und Briefauszügen. (Koordinaten51.16606413.674649)

Literatur[Bearbeiten]

  • Kreissparkasse Köln: Kunst sehen - Leben erfahren. Käthe Kollwitz Museum Köln. Broschüre, 2010.
  • Hannelore Fischer: Das Käthe-Kollwitz-Museum in der Kreissparkasse Köln. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1987. Joh. Heider, Bergisch Gladbach, S.138, ISSN 0722-7671
  • John Lochner-Griffith: Fasanenstraße 24 - das künftige Käthe-Kollwitz-Museum. In: Deutsche Bank AG (Hrsg.): Stadtvilla Grisebach und Käthe-Kollwitz-Museum. 2. Auflage 2005, S. 29.
  • Verena Tafel: Käthe-Kollwitz-Museum. In: Deutsche Bank AG (Hrsg.): Stadtvilla Grisebach und Käthe-Kollwitz-Museum. 2. Auflage 2005, S. 31 bis 38.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kreissparkasse Köln: Kunst sehen - Leben erfahren. Käthe Kollwitz Museum Köln Broschüre, o. J., S. 13.
  2. Fischer, Hannelore (Hrsg): Käthe Kollwitz. Die trauernden Eltern. Ein Mahnmal für den Frieden. Köln 1999, S. 127.
  3. Käthe Kollwitz: Die Tagebücher. Hrsg. von Jutta Bohnke-Kollwitz. Berlin 1989. Eintrag vom 4. Dezember 1922.
  4. Knesebeck, Alexandra von dem: Käthe Kollwitz. Werkverzeichnis der Graphik. Neubearbeitung des Verzeichnisses von August Klipstein, publiziert 1955. 2 Bde., Bern 2002.
  5. http://www.kollwitz.de/Forschung__Werkverzeichnis_Plastik.aspx, abgerufen am 28. Januar 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Käthe-Kollwitz-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien