Käthe Schirmacher

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Käthe Schirmacher, Gottheil & Sohn, Danzig, 1893
Käthe Schirmacher 6.von oben links im Suffrage Alliance Congress, London 1909

Käthe Schirmacher (* 6. August 1865 in Danzig; † 18. November 1930 in Meran) war eine deutsche Frauenrechtlerin. In den 1890er Jahren zählte Schirmacher zu den führenden Persönlichkeiten des linken Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung.

Leben[Bearbeiten]

Käthe Schirmacher war Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns und eine der ersten deutschen Frauen, die einen Doktortitel erwarb. Vom Herbst 1893 bis Frühjahr 1895 studierte sie in Zürich, wo sie 1895 im Fach Romanistik bei Heinrich Morf mit einer Promotion abschloss.[1] Während ihrer Zürcher Studienjahre war ihre Partnerin Margarethe Böhm.[2]

1899 gehörte sie zu den Begründerinnen des Verbands fortschrittlicher Frauenverbände, 1904 zu denen des Weltbundes für das Frauenstimmrecht (engl. International Woman Suffrage Alliance, IWSA). Ab 1904 wandte sie sich jedoch konservativen und nationalistischen Kreisen zu. In den Vorstand des "Weltbundes für Frauenstimmrecht" wurde sie 1909 nicht wieder gewählt, zumal sie sich weigerte, für das demokratische Wahlrecht einzutreten.[3] Dadurch kam es 1913 zu einem Bruch mit der Frauenbewegung. In den Jahren 1919 und 1920 saß Schirmacher als Abgeordnete der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in der Weimarer Nationalversammlung, wo sie zum völkischen Parteiflügel gehörte. In ihren Reden findet man viele rassistische Äußerungen, beispielsweise sprach sie vom „vernegerten Frankreich“ und vom „tierischen Moskau“. Auch ging sie von einer „jüdischen Weltverschwörung“ gegen Deutschland aus.

Das nationalkonservative politische Lager, aber auch rechte Kreise der Frauenbewegung, bildeten in Schirmachers letzten Lebensjahren ihr wichtigstes Betätigungsfeld. Ihre Schriften und Vorträge aus dieser Zeit bezeugen die Schwierigkeit ihres Anliegens, ein konservatives Umfeld für die Gleichberechtigung der Frau zu gewinnen. Der umfangreiche Nachlass Schirmachers liegt in der Bibliothek der Universität Rostock.

Ihre letzte Lebensgefährtin, zu der sie ab 1910 nach Marlow in Mecklenburg zog, war Klara Schleker, die erste Frau, die 1920 als Alterspräsidentin ein deutsches Parlament eröffnete. Käthe Schirmacher war auch publizistisch und schriftstellerisch tätig, u.a. verfasste sie den Roman Halb (1893), in dem sie Herrenmoral und Prostitution angriff. Belletristisch gestaltete sie dort und in Die Libertad (1891) eine Fülle von Material, das in ihrer Pariser Studienzeit wurzelte; Protagonistinnen waren in beiden Fällen Studentinnen und Akademikerinnen.[4] Sie starb in Meran.[5]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Libertad. Novelle. Verlag-Magazin, Zürich 1891. 81 S.
  • Der Internationale Frauenkongreß in Chikago 1893. Ein Vortrag, gehalten in der Ortsgruppe des Allg. Dt. Frauenvereins zu Dresden, im Verein "Frauenwohl" zu Königsberg i. Pr., im Verein "Frauenwohl zu Danzig und auf der Generalversammlung des Allg. Schwäbischen Frauenvereins zu Stuttgart. Tittmann, Dresden 1894. 24 S.
  • Théophile de Viau. Sein Leben und seine Werke (1591 - 1626). Dissertation, Phil. Fakultät Zürich. Verlag M. Welter, Leipzig 1896. XII, 168 S.
  • Aus allen Herren Länder. Gesammelte Studien und Aufsätze. Verlag H. Welter, Paris - Leipzig 1897. 2 Bl., 393 S.
  • Literarische Studien und Kritiken. Verlag H. Welter, Paris - Leipzig 1897. 156 S.
  • Voltaire. Biographie. O. R. Reisland, Leipzig 1898. XX, 556 S.
  • Paris!. Illustr. von Arnould Moreaux und F. Marks. Alfred Schall & Grund, Berlin 1900. 365 S.
  • Die Frauenbewegung. Ihre Ursachen, Ziele und Mittel. 1904
    • Die Frauenbewegung. Ihre Ursachen, Ziele und Mittel. 2. durchgesehene Auflage. Deutscher Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, Prag 1909. 16 S. (Sammlung gemeinn. Vorträge, Bd. 311)
  • Die moderne Frauenbewegung. Ein geschichtlicher Überblick. Teubner, Leipzig 1905. V, 130 S. (Sammlg. wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen, Bd. 67)
  • Die Frauenarbeit im Hause. Ihre ökonomische, rechtliche und soziale Wertung. Felix Dietrich, Gautzsch bei Leipzig 1905. 29 S. (2.Aufl. 1912, 22 S.)
  • Die Trennung von Staat und Kirchen In Frankreich. Felix Dietrich, Gautzsch bei Leipzig 1908. 16 S.
  • Moderne Jugend. Ein Wegweiser für den Daseinskampf. Ernst Reinhardt, München 1910. 263 S.
  • Das Rätsel Weib. Eine Abrechnung. 1. - 3. Tsd. Duncker, Weimar 1911. 160 S.
  • Die Suffragettes. 1. Auflage. Duncker, Weimar 1912. 155 S. [Über die engl.Frauenbewegung.] Neuauflage: Jassmann, Frankfurt 1988. VI, 156 S. ISBN 3-926975-00-8.
  • Deutschland über alles!. Ostlandverlag, Charlottenburg 1916. 27 S. (Digitalisierte Ausgabe: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB00007C6500000000)
  • Rede in der Deutschen Nationalversammlung in Weimar am 5. März 1919. Deutschnat. Schriftenvertriebsstelle, Berlin 1919.
  • Flammen. Erinnerungen aus meinem Leben. 1. - 8. Tsd. Dürr & Weber, Leipzig 1921. 94 S. (Zellenbücherei, Bd. 51)
  • Die Geknechteten. (Die reichsdeutsche Irredenta). Brunnen - Verlag K. Winckler, Berlin 1922. 1 Karte, 136 S.
  • Was verdankt die deutsche Frau der deutschen Frauenbewegung?. 1. - 4. Tsd. W. Schneider, Querfurt 1927. 24 S. (Die dt. Frau in Familie, Volk und Staat, Heft 7)
  • Die kollektive Frau. Adolf Klein, Leipzig 1931. 16 S.

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Emma Hosken - Woodward: Männer, Frauen und Fortschritt. Autorisierte Übertragung von Käthe Schirmacher. Weimarer Verlags - Anstalt, Weimar 1893. 82 S. (Bibliothek der Frauenfrage, Bd. 8)
  • Elinor Glyn: Ambrosines Tagebuch. (Reflections of Ambrosine). Autor. Übers. aus dem Engl. von Käthe Schirmacher. Engelhorn, Stuttgart 1904. 152 S. (Engelhorns allgemeine Romanbibliothek, Jg. 20, Bd. 19)
  • Marguerite Poradowska: Eine romantische Hochzeit. (Mirage romanesque). Zwei Bände. Autorisierte Übers. aus dem Franz. von K. Schirmacher. Engelhorn, Stuttgart 1906. 144, 141 S. (Engelhorns allg. Romanbibl., Jg. 22, Bd. 13 + 14)
  • Voltaires Briefwechsel. Ausgewählt und ins dt. übertragen von Käthe Schirmacher. Insel - Verlag, Leipzig 1908. 294 S.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanna Krüger: Die unbequeme Frau. Käthe Schirmacher im Kampf für die Freiheit der Frau und die Freiheit der Nation 1865 - 1930. Bott, Berlin 1934. 195 S.
  • Anke Walzer: Käthe Schirmacher. Eine deutsche Frauenrechtlerin auf dem Wege vom Liberalismus zum konservativen Nationalismus. Centaurus - Verlags-Gesellschaft, Pfaffenweiler 1991. VIII, 143 S. ISBN 3-89085-399-4
  • Andrea Süchting-Hänger: Schirmacher, Käthe. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 5 f. (Digitalisat).
  • Nachlaß (Medienkombination): Dr. - Käthe - Schirmacher - Schenkung an die Universitätsbibliothek Rostock. Gesamtedition des Nachlasses von Dr. Käthe Schirmacher (1865–1930), ca. 63.000 Blatt auf 2.271 Mikrofiches. Mit einem Nachlassverzeichnis auf CD-ROM, Erlangen (Harald Fischer Verlag) 2000, ISBN 3-89131-142-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabi Einsele, "Kein Vaterland". Deutsche Studentinnen im Zürcher Exil (1870-1908), in: Anne Schlüter (Hg): Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, Pfaffenweiler: Centaurus, 1992, S. 17.
  2. http://www.lesbengeschichte.de/bio_willdenow_d.html
  3. Daniela Weiland, "Hermes Handlexikon, Geschichte der Frauenemanzipation in Deutschland und Österreich", Düsseldorf 1983, S. 241.
  4. Gabi Einsele, "Kein Vaterland". Deutsche Studentinnen im Zürcher Exil (1870-1908), in: Anne Schlüter (Hg): Pionierinnen, Feministinnen, Karrierefrauen? Zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland, Pfaffenweiler: Centaurus, 1992, S. 18.
  5. Daniela Weiland, "Hermes Handlexikon, Geschichte der Frauenemanzipation in Deutschland und Österreich", Düsseldorf 1983, S. 240.