Köhlbrandwerft

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Die Köhlbrandwerft war eine von 1921 bis 1957 bestehende Werft am Korbmachersand in Hamburg-Altenwerder, gegründet von dem Schiffbauer Paul Berendsohn (1877–1959). Sie war insbesondere als Abwrackwerft bekannt. 1938 wurde das Unternehmen durch die Stadt Hamburg „arisiert“.

Geschichte[Bearbeiten]

Im März 1921 pachtete der aus Burg in Dithmarschen stammende Schiffbauer Paul Berendsohn von der Stadt Hamburg das Gelände am Korbmachersand im Norden von Altenwerder, am ehemaligen Mündungsbereich des Köhlfleet in den Köhlbrand, laut Vertrag auf 60 Jahre. Er gründete eine Werft zum Bau von kleinen und mittleren Schiffen. Gebaut wurden Küstenschiffe und Leichter für die Afrika- und Südamerika-Fahrt, ebenso ein Raddampfer für China, der in Teilen an sein Ziel verschifft und dort zusammengebaut wurde. Insbesondere entwickelte sich das Unternehmen bis in die 1930er Jahre zu einer der bekanntesten Abwrackwerften Deutschlands. Segelschiffe, wie die Viermastbark Parma der Flying P-Liner, und andere Fahrzeuge von über 10.000 Tonnen Größe, wie die Graf Waldersee der HAPAG und das Linienschiff SMS Kaiser Wilhelm II. der Kaiserlichen Marine, konnten längsseits der Werft liegen und mittels Schneidbrennern demontiert werden. Das Werftgelände umfasste 1938 über drei Hektar und drei Helgen, auf denen Schiffe bis zu 1000 Tonnen Größe entstanden. Es waren rund 120 Werftarbeiter beschäftigt.

1938 wurde Paul Berendsohn, der jüdischer Herkunft war, enteignet. Zwar hatte seine Werft zu diesem Zeitpunkt einen Nennwert von 1,9 Millionen Reichsmark, doch schrieb man ihm nach Abzug der sogenannten „Judenabgaben“ und der Reichsfluchtsteuer lediglich 167.000 RM gut. Dieser Betrag wurde sodann von der Devisenstelle sichergestellt, Behrendsohn und seine Familie konnten 1940 bei ihrer Emigration in die USA lediglich für 10.000 RM Devisen kaufen.[1]

Die Stadt Hamburg nutzte das Werftgelände zunächst als Lager, 1943 übergab sie das Unternehmen den Bootsbauern Hans Hamann und Max Spiess, die zuvor Anlagen an der Alster am Mühlenkamp betrieben hatten, die jedoch durch Bomben zerstört worden waren. Unter dem Namen Hamburger Werft Hamann & Spiess firmierte der Betrieb bis nach dem Krieg, dann kam es zu einem Inhaber- und Kapitalwechsel. Als Hamburger Werft KG Usinger & Co stand sie bis 1951 im Eigentum von Max Spiess, dem Kapitän Heinrich Usinger und dem Ingenieur Alfred Seeberger. 1951 zeichnete Max Spiess dann als Alleininhaber.

Ende der 1940er Jahre kam Paul Behrendsohn nach Hamburg zurück und prozessierte gegen die Stadt auf Schadensersatz nach dem Wiedergutmachungsgesetz. 1950 und 1953 erhielt er jeweils Teile der Werft zurück, die nun wieder unter dem Namen Köhlbrandwerft lief, 1955 wurde ihm eine Entschädigung zugesprochen. 1957 verkaufte er die Anlagen an die Abbruchfirma Eisen & Metall in Hamburg.[2]

Paul Behrendsohn starb 1959 in Hamburg. Seine Kinder blieben in den USA.

Das am Werftgelände gelegene Wohnhaus der Familie Behrendsohn war im Jahr 2000 das letzte Haus, das bei der Räumung Altenwerders für die Umsetzung der Hafenerweiterungspläne abgerissen wurde. Heute ist das Gelände die Nordkehre des Containerterminal Altenwerder (CTA).[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Diercks: Der Hamburger Hafen im Nationalsozialismus. Wirtschaft, Zwangsarbeit und Widerstand. Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Hamburg 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Passionsweg eines Schiffbauers. In: Hamburger Abendblatt, 10. Januar 1950 (abgerufen 14. Mai 2009)
  2. Wilhelm Chr. K. Stammer: Hamburgs Werften, Hamburg 1992, S. 31 f.
  3. Altenwerder: Die ersten Poller stehen. In: Hamburger Abendblatt, 29. November 1999 (abgerufen 14. Mai 2009)


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