Köln-Nippes (Stadtbezirk)

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Wappen von Köln
Nippes
Stadtbezirk 5 von Köln
Lage des Stadtbezirks 5 Nippes in Köln
Koordinaten 50° 57′ 52″ N, 6° 57′ 30″ O50.9644444444446.9583333333333Koordinaten: 50° 57′ 52″ N, 6° 57′ 30″ O.
Fläche 31,8 km²
Einwohner 113.487 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 3569 Einwohner/km²
Eingemeindung 1888
Vorwahl 0221
Adresse der
Verwaltung
Neusser Straße 450
50733 Köln
Politik
Bezirksbürgermeister Bernd Schößler (SPD)
Sitzverteilung (Bezirksvertretung)
SPD GRÜNE CDU FDP pro Köln LINKE
6 5 5 1 1 1
Verkehrsanbindung
Autobahn A1 A57
Bundesstraße B9 B51
S-Bahn S6, S11
Straßenbahn 12, 13, 15, 16, 18
Bus 127, 140, 142, 147,
Quelle: http://maps.google.de/, http://www.stadt-koeln.de
Blick über das Nippeser Tälchen mit Altenberger Hof und Bezirksrathaus

Nippes ist ein linksrheinischer Bezirk der Stadt Köln, benannt nach dem gleichnamigen Stadtteil Nippes. Die Kölner Stadtbezirke sind von 1 bis 9 durchnummeriert. Nippes trägt die Nummer 5.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Gebiet des heutigen Kölner Stadtteils Nippes lag nachweislich bereits in der Römerzeit eine Villa. Am Rande des Nippeser Tälchens, einem heute verlandeten Altarm des Rheines (am heutigen Niehler Kirchweg), lag der alte Siedlungskern des heutigen Nippes, die Herrlichkeit Mauenheim. Die Wohnplatzbezeichnung Nippes selbst erscheint erstmals in einer Urkunde des Jahres 1549 im Zusammenhang mit einem damals bekannten Gasthaus (in Höhe der heutigen Florastraße, die damals „Kappesgasse“ hieß). Der Name Nippes (Nipp-Haus) lässt sich möglicherweise als Haus auf einer Anhöhe deuten. Im 17. Jahrhundert war die Gastronomie om Nippes berühmt-berüchtigt.

1794 beginnt die französische Besatzungszeit durch die Revolutionstruppen. Mehrere nördlich von Köln gelegene Ortschaften des vormaligen Kurköln werden zur Mairie de Longerich zusammengefasst, einem politischen Gebilde, das als eine Art Vorläufer des späteren Kölner Stadtbezirks Nippes gelten kann. 1815 wird Europa auf dem Wiener Kongress neu geordnet. Das Rheinland und Westfalen fallen Preußen zu, die Mairie heißt nun Bürgermeisterei Longerich und ist Teil des Landkreises Köln. 1888 wird die damalige Bürgermeisterei Longerich, innerhalb derer Nippes (mit Riehl) eine Sondergemeinde bildet, nach Köln eingemeindet.[1] In Köln-Nippes entstanden als bedeutende Eisenbahneinrichtungen ein Ausbesserungswerk und ein Rangierbahnhof, die aber heute stillgelegt sind. 1861 wird für die Eisenbahn eine eigene Werkstatt eingerichtet.

Jacob Mayer produzierte ab 1839 als deutschlandweit erster in Köln-Nippes (am heutigen Wilhelmplatz) Gussstahl nach einem in England bekannten Stahlformverfahren. Es handelte sich um die erste Produktionsstätte dieser Art in Deutschland. Die Industrialisierung von Nippes begann 1850 mit der Errichtung einer Dampfmühle durch Heinrich Auer – die „Auer-Mühle“. Seit 1911 ist nach ihrem Erbauer die Auerstraße benannt. Der Kaufmann Julius Vorster und der Chemiker Hermann Julius Grüneberg gründeten am 1. November 1858 die Chemische Fabrik Vorster & Grüneberg, in der Ammoniak hergestellt wurde. 1869 entstand die Ammoniakfabrik Nippes.[2] Sie war die Vorläuferin der Chemische Fabrik Kalk. Mit den Clouth Gummiwerken kam 1868 einer der größten industriellen Arbeitgeber nach Nippes. Die Fabrik von Weltruhm prägte während ihrer Vergrößerungsphase das Stadtbild von Nippes. Das aufstrebende Unternehmen war in der Gummiwarenherstellung tätig und diversifizierte auch stark in andere Verbundstoffe. Seinen wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte das von Franz Clouth gegründete Unternehmen im Jahre 1962, als es 2.241 Beschäftigte zählte. Eine Unternehmenskrise war die Ursache für anhaltende Verluste, die die Muttergesellschaft Continental AG bewogen, einen Teil von Clouth zu verschmelzen und andere Teile zu veräußern. Schließlich wurde am 17. Juni 2003 von der Stadt Köln beschlossen, das inzwischen auf 160.000 m² angewachsene Firmengelände zu erwerben, um es für Wohnungsbau und „nicht störendes Gewerbe“ zu nutzen. Dabei war zu berücksichtigen, dass die Bebauung an der Niehler Straße unter Denkmalschutz steht. Förderbänder wurden noch bis 16. Dezember 2005 hier hergestellt, seitdem ist die Clouth Gummiwerke AG ein Teil der Industriegeschichte Deutschlands. Franz Clouth lebte bis zu seinem Tod am 7. September 1910 in einer 1883 werksnah errichteten Villa an der Niehler Straße. Nach ihm ist seit 1915 die Franz-Clouth-Straße benannt.

Erste Straßenbenennungen erfolgten 1873 (Christina-, Holbein-, Longericher- oder Siebachstraße). Die Siebachstraße setzt sich aus den Namen der Familien Siepen und Selbach zusammen, die zwischen 1865 und 1875 in der Hartwichstraße eine Zuckerfabrik betrieben. Erste Straße in Nippes war die Niehler Straße (früher: Niehler Weg), wohl eine alte Durchgangsstraße der Römer.

Gliederung[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk Nippes wurde am 1. Januar 1975 geschaffen und umfasst die Stadtteile Bilderstöckchen, Longerich, Mauenheim, Niehl, Nippes, Riehl, Weidenpesch. Er grenzt von Norden im Uhrzeigersinn an die Kölner Stadtbezirke 6 Chorweiler, 9 Mülheim (durch den Rhein getrennt), 1 Innenstadt und 4 Ehrenfeld.

Politik[Bearbeiten]

Wahl zur Bezirksvertretung
vom 30. August 2009
(Stimmen in Prozent) [3]
 %
40
30
20
10
0
30,6
25,5
21,8
7,0
6,0
5,3
3,8
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004[4]
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,7
+5,7
-5,5
+0,8
+0,5
+1,6
-2,3

Das Bezirksrathaus befindet sich an der Neusser Straße 450, etwa am Berührungspunkt der Stadtteile Weidenpesch, Mauenheim und Nippes.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Schreiber: Mauenheim einst und jetzt. Ein Beitrag zur Geschichte von Köln-Nippes. 2. erw. Auflage, Köln 1962
  • Stadtteilarchiv Köln-Nippes e. V.: Loß mer jet durch Neppes jon. Ein Streifzug durch die Geschichte. Köln (1. Auflage) 1987
  • Reinhold Kruse, Wolfgang Klein, Köln-Nippes – Alte Bilder erzählen, 2010

Fußnoten / Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im Dezember 2013 beging der Bezirk den 125. Jahrestag der Eingemeindung mit einer Ausstellungseröffnung im Bezirksrathaus.
  2. Andreas Dornheim, Forschergeist und Unternehmermut: der Kölner Chemiker und Industrielle Hermann Julius Grüneberg, 2006, S. 148
  3. stadt-koeln.de – Kommunalwahl 2009, abgerufen am 23. März 2011
  4. stadt-koeln.de – Analyse Kommunalwahl 2004 (PDF; 2,6 MB), abgerufen am 23. März 2011

Weblinks[Bearbeiten]