Köngen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Köngen
Köngen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Köngen hervorgehoben
48.6819444444449.3666666666667281Koordinaten: 48° 41′ N, 9° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Esslingen
Höhe: 281 m ü. NHN
Fläche: 12,52 km²
Einwohner: 9529 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 761 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73257
Vorwahl: 07024
Kfz-Kennzeichen: ES
Gemeindeschlüssel: 08 1 16 035
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stöfflerplatz 1
73257 Köngen
Webpräsenz: www.koengen.de
Bürgermeister: Hans Weil
Lage der Gemeinde Köngen im Landkreis Esslingen
Alb-Donau-Kreis Landkreis Böblingen Landkreis Göppingen Landkreis Ludwigsburg Landkreis Reutlingen Landkreis Tübingen Rems-Murr-Kreis Stuttgart Aichtal Aichwald Altbach Altdorf (Landkreis Esslingen) Altenriet Altenriet Baltmannsweiler Bempflingen Beuren (bei Nürtingen) Bissingen an der Teck Deizisau Denkendorf (Württemberg) Dettingen unter Teck Erkenbrechtsweiler Esslingen am Neckar Filderstadt Frickenhausen (Württemberg) Großbettlingen Hochdorf (bei Plochingen) Holzmaden Kirchheim unter Teck Köngen Kohlberg (Württemberg) Kohlberg (Württemberg) Leinfelden-Echterdingen Lenningen Lichtenwald Neckartailfingen Neckartenzlingen Neidlingen Neuffen Neuhausen auf den Fildern Notzingen Nürtingen Oberboihingen Ohmden Ostfildern Owen Plochingen Reichenbach an der Fils Schlaitdorf Unterensingen Weilheim an der Teck Wendlingen am Neckar Wernau (Neckar) WolfschlugenKarte
Über dieses Bild

Köngen [ˈkœŋɡən, schwäbisch ˈkeŋɡɐ] ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen, rund neun Kilometer von der Kreisstadt Esslingen am Neckar und rund sechs Kilometer von Nürtingen entfernt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Köngen liegt auf der linken Neckarseite am Nordhang des Neckartals.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Norden Deizisau, im Nordosten Wernau, im Südosten Wendlingen, im Süden Unterensingen und im Westen Denkendorf (alle Landkreis Esslingen).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören das Dorf Köngen, die Höfe Birkenhöfe, Buchenhöfe, Erlenhöfe, Kempflerhöfe, Lerchenhof, Riedhöfe, Rothöfe, Seehof, Talhof und Wangerhöfe und das Haus Altenberg.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Köngen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch
Luftbild von Köngen, 2011
Die Mitglieder des Albvereins Köngen im Jahr 1911 vor dem Eckturm des von General Eduard von Kallee wiederentdeckten Römerkastells

Köngen befindet sich auf dem Gebiet der römischen Siedlung Grinario, die um 100 unserer Zeitrechnung aus einem Kastell entstand. Grinario war Endpunkt der Römerstraße Neckar-Alb-Aare, die in Windisch (Schweiz) ihren Ausgang nahm. 260 wurde der Ort durch die Alamannen zerstört und die Römer vertrieben.

Hauptartikel: Kastell Köngen

Der alamannische Ort, der um 700 entstanden sein muss, wurde erstmals 1075 in einer Urkunde des Klosters Hirsau erwähnt. 1336 verkauften die Herren von Hohenberg den Ort an Albrecht von Aichelberg. 1382 gelangte die Herrschaft an die Herren Thumb von Neuburg, die um 1430 ihren Wohnsitz aus Graubünden nach Köngen verlegten. Hans Friedrich Thumb förderte frühzeitig die Reformation; schon 1527 wurde in Köngen daher lutherisch gepredigt, also sieben Jahre, bevor Herzog Ulrich 1534 die Reformation in Württemberg durchsetzte.[3]

1739 wurde Köngen württembergisch, die früheren Besitzer (Thumb von Neuburg) standen schon seit über 200 Jahren in württembergischen Diensten. 1806 war der Ort kurzfristig Sitz eines Oberamtes, wurde aber schon zwei Jahre später in das Oberamt Esslingen, den heutigen Landkreis Esslingen, eingeordnet.

Religion[Bearbeiten]

Seit der Reformation ist Köngen vorwiegend evangelisch geprägt. Erst seit 1953 gibt es wieder eine römisch-katholische Kirche im Ort. Der Neubau war durch die Ansiedlung vieler katholischer Heimatvertriebener notwendig geworden. Außerdem gibt es eine evangelisch-methodistische Kirchengemeinde und seit 1924 auch eine neuapostolische Gemeinde.

Nach Köngen ist der Bund der Köngener benannt, weil dort 1919 eine für die Bildung des Bundes wichtige Tagung stattgefunden hatte.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze).

Stichtag Einwohnerzahl
1600 900
1740 1.010
1800 1.400
1. Dezember 1871 ¹ 2.088
1. Dezember 1900 ¹ 2.288
17. Mai 1939 ¹ 3.036
13. September 1950 ¹ 4.160
6. Juni 1961 ¹ 5.923
27. Mai 1970 ¹ 8.113
25. Mai 1987 ¹ 8.058
31. Dezember 1995 8.818
31. Dezember 2000 9.408
31. Dezember 2005 9.681
31. Dezember 2010 9.613

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Köngen hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:[4]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2009
Sitze
2009
%
2004
Sitze
2004
Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 56,1 %
 %
40
30
20
10
0
32,5 %
32,5 %
26,9 %
11,0 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+7,2 %p
+4,2 %p
+3,0 %p
+4,1 %p
-12,5 %p
FW Freie Wähler 32,5 6 25,3 5
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,5 6 28,3 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,9 4 23,9 5
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 11,0 2 6,9 1
JUNGE Junge Liste 12,5 2
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 56,1 % 59,7 %

Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine silberne Glocke“.

Köngen führt die größte Glocke der Peter-und-Paulskirche im Wappen. Diese Glocke soll während des Dreißigjährigen Krieges aus Angst vor Plünderern vergraben worden sein. Als der Krieg vorbei war, lebte jedoch niemand mehr, der das Versteck kannte. Die verschollene Glocke wurde der Sage nach schließlich durch Schweine aus dem Boden gescharrt. Seither führt sie den Namen „Sauglocke“.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Köngen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Luftbild von Köngen mit Blick auf DHL-Zentrum, Bundesstraße 313 und Autobahn 8

Verkehr[Bearbeiten]

Köngen ist durch die Bundesstraße 313 und die Bundesautobahn 8 an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Durch eine Buslinie ist auch der Bahnhof der Nachbargemeinde Wendlingen am Neckar gut erreichbar. Von dort fahren Züge in Richtung Tübingen und Oberlenningen sowie die S-Bahn in Richtung Stuttgart und Kirchheim/Teck.[5].

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

DHL betreibt in Köngen ein Paketzentrum mit 700 Mitarbeitern.[6] Außerdem sind hier Firmen aus dem Maschinenbau (ALMiG Kompressoren, MATEC) und der Kunststoffverarbeitung (Minda Schenk Plastic Solutions) angesiedelt. Zudem hat hier der Modediskount AWG seinen Sitz.

Bildung[Bearbeiten]

In Köngen gibt es mit der Burgschule, einer Haupt- und Realschule, und der Mörikeschule, einer Grundschule, zwei staatliche Schulen. Die Anne-Frank-Schule (Förderschule) und das Robert-Bosch-Gymnasium in Wendlingen werden auch von Köngener Schülerinnen und Schüler besucht. Außerdem gibt es sieben Kindergärten in Köngen. Die Bücherei der Gemeinde Köngen befindet sich im Dachgeschoss der Zehntscheuer.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Köngen liegt an der Neckarlinie des Obergermanischen Limes. Im Ort zweigt von dieser Limeslinie der 23 km lange Lautertal-Limes ab, der am Alblimes bei Donnstetten endet. Dieser schnurgerade Weg war bis zu seiner Deutung als Grenzbefestigung im Jahre 1976 schon lange als Sibyllenspur bekannt.

Das Köngener Schloss wurde 1392 zunächst als Burg vom Ortsherren, dem freien Reichsritter Hans Thumb von Neuburg erbaut. Die Neuburg gibt es heute noch als Ruine nördlich von Chur in Graubünden, Schweiz. Bereits 1398 wurde die Burg zu einer vierflügligen Wasserburg ausgebaut. 1520 wurde die Burg von Truppen des Schwäbischen Bundes stark beschädigt. Daher erfolgte ab 1520 ein fast vollständiger Neubau. Die Burg verwandelte sich in ein Renaissanceschloss. Dabei wurde 1538 das Schmuckstück, der Rittersaal ausgebaut, der heute noch nahezu unverändert erhalten ist. Die Umbauten zogen sich fast das ganze 16. Jahrhundert hin. Im Werksverzeichnis von Heinrich Schickhardt wird erwähnt, dass er um 1600 am Schloss ein Torhaus angebaut hat. Dieses wurde während der Umgestaltung durch Dr. Jakob Friedrich Weishaar zusammen mit zwei Flügeln abgerissen. 1825 kaufte der Kammerpräsident Jakob Friedrich Weishaar das Anwesen und ließ es nach seinen Bedürfnissen umgestalten. Bis in die 1930er-Jahre war es ein Ort der Kultur. Hier wurde der bekannte „Bund der Köngener“ gegründet, in dem auch Gerhard Gollwitzer Mitglied war. Der Kunstmaler Christian Mali und die holländisch-deutsche Malerfamilie Peters hielten sich oft im Schloss auf. Es wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats September 2004“ ernannt. In den letzten Jahren wurden an der Ostwand des Rittersaales Fresken aus dem 18. Jahrhundert freigelegt und restauriert, die Gestalten der antiken Mythologie und Geschichte zeigen.[10]

  • Die unter Denkmalschutz stehende Ulrichsbrücke über den Neckar wurde nach den Plänen des Baumeisters Heinrich Schickhardt von 1600 bis 1602 erbaut. Sie steht an der Stelle einer früheren römischen Brücke.[11]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • In Köngen findet alljährlich das 3K-Festival mit bis zu 2000 Besuchern statt.
  • Pfingstmarkt am Pfingstmontag
  • Herbstmarkt
  • Kulturtage
  • Wochenmarkt
  • Pfingstmusikfest des Musikverein Köngen e.V.
  • Sonnenblumenfest

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit Köngen in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Jakob Friedrich Weishaar (1775–1834), württembergischer Politiker, Präsident der Abgeordnetenkammer, lebte von 1823 bis zu seinem Tod in Köngen
  • Anna Peters (1843–1926), Kunstmalerin, lebte und arbeitete von 1894 bis 1924 immer wieder auf Schloss Köngen.
  • Pietronella Peters (1848–1924), Kunstmalerin, lebte und arbeitete von 1894 bis 1924 immer wieder auf Schloss Köngen.
  • Else Klink (1907–1994), von 1935 bis 1991 Leiterin des Eurythmeum Stuttgart, lebte in Köngen.
  • Eduard Mörike (1804–1875) war von Mai bis Dezember 1827 Vikar mit Pfarrer Nathaniel Gottlieb Renz.[12]
  • General Eduard von Kallee (1818–1888) hat 1885 das Militärlager des Kastell Köngen aufgrund militärstrategischer Überlegungen gefunden.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wurster, Otto: Eßlinger Heimatbuch für Stadt und Umgebung. Eßlingen 1931. Darin: Köngen (S. 27-281).
  • Der Landkreis Esslingen. Hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 2, Seite 81
  • Kathrin Fastnacht: Köngen. Ein Schloss und seine Herrschaften. Konrad-Verlag, Weißenhorn 2007. ISBN 978-3-87437-530-6.
Erste ausführliche Monografie über das Köngener Schloss.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Köngen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 255–257
  3. Baldwin Keck: Die Peter-und Pauls-Kirche in Köngen. Hrsg. von der evang. Kirchengemeinde, Köngen 1981, S. 19.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEndgültige Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2009 mit Vergleichsangaben von 2004. Gemeinde Köngen. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2013, abgerufen am 2013-28-07.
  5. Verbund-Liniennetz auf den Seiten des VVS (PDF; 1,7 MB), abgerufen am 22. Oktober 2010
  6. Lebensadern einer Stadt, Teil 4 in der Stuttgarter Zeitung vom 6. Dezember 2006 (PDF; 416 kB), abgerufen am 16. September 2010
  7. Archäologie in Deutschland, Ausgabe 2/2006. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart. S. 72
  8. a b Konrad Miller: Die römischen Kastelle in Württemberg. Verlag J. Weise, Stuttgart 1892. S. 16.
  9. Dieter Planck: Restaurierung und Rekonstruktion römischer Bauten in Baden-Württemberg in: Günter Ulbert, Gerhard Weber (Hrsg.): Konservierte Geschichte? Antike Bauten und ihre Erhaltung. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0450-0, S. 150
  10. Elisabeth Maier: Artikel Die Rache der Königin Tamiris im Rittersaal. Restaurator Hans Cabanis stellt freigelegte Wandmalereien vor, in: Eßlinger Zeitung vom 9. März 2010, S. 13.
  11. Details zur Ulrichsbrücke auf den Seiten des Geschichtsvereins Köngen
  12. Zitat aus den Internetseiten des Geschichtsvereins Köngen: „Nachdem Eduard Mörike seine Vikarstelle in Möhringen aufgeben musste, sollte er nach dem Beschluss der Kirchenbehörde vom 18. Mai 1827 als Vikar in Kirchentellinsfurt eingesetzt werden. Dieser Beschluss wurde aufgehoben, als ihn der Köngener Pfarrer Nathaniel Gottlieb Renz am 20. Mai zu seiner Unterstützung anforderte. Am 24. Mai traf Mörike (…) in Köngen ein.“