Königlich Bayerisches Amtsgericht

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Seriendaten
Originaltitel Königlich Bayerisches Amtsgericht
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) 1968–1972
Produktions-
unternehmen
ZDF
Episoden 53 in 2 Staffeln
Genre Gerichtsshow / Heimatserie
Titellied Amtsgerichtsländler bzw. im Abspann Amtsgerichtspolka
Idee Georg Lohmeier
Musik Raimund Rosenberger, Pepi Scherfler
Erstausstrahlung 13. Januar 1969 auf ZDF
Besetzung

Das Königlich Bayerische Amtsgericht ist eine zwischen 1968 und 1972 entstandene, 53-teilige Fernsehserie des ZDF, die Gerichtsszenen in einem Amtsgericht im fiktiven niederbayerischen[1] Ort Geisbach im Jahre 1912 beschreibt. Zum Amtsgerichtsbezirk Geisbach gehören auch weitere, ebenfalls fiktive Orte wie z. B. Reamading und Kirchzell (nicht zu verwechseln mit dem unterfränkischen Kirchzell).

Inhalt[Bearbeiten]

Die ersten 26 Folgen wurden ab Januar 1969 ausgestrahlt. Eine zweite Staffel von ebenfalls 26 Folgen startete im Oktober 1970 mit großem Erfolg. Die letzte Folge wurde im Januar 1972 ausgestrahlt.

Die Fälle sind meist originell und idealisieren „die gute, alte Zeit“ des Königreichs Bayern vor 1914 unter der Regentschaft des beliebten Prinzregenten Luitpold. Der Autor Georg Lohmeier selbst gilt seit langem als Befürworter der Wiedereinführung der Monarchie in Bayern. Besonderes Markenzeichen der Serie ist der stets schnupfende Amtsrichter August Stierhammer (in der Folge "Das Schmerzensgeld" heißt er Benedikt Stiersdorfer), der manchmal eigenartige und listige Methoden der Prozessführung an den Tag legt. Er wird von Hans Baur gespielt, der unter anderem als Erzähler in den Hörspielen Otfried Preußlers bekannt geworden ist.

Die Serie verhalf einigen, in ihrer Heimat bereits bekannten, bayerischen Schauspielern wie Gustl Bayrhammer zum bundesweiten Durchbruch und wird seit der Erstausstrahlung im ZDF in unregelmäßigen Abständen im Bayerischen Fernsehen wiederholt.

Die erste Szene des Vorspanns zeigt eine Aufnahme von Teisendorf. Der Autor Lohmeier ist im Vorspann kurz als Pfarrer vor der Stiftskirche Laufen zu sehen. Der Viehmarkt wurde am Rupertusplatz in Laufen gedreht. Das im Vorspann zu sehende Amtsgerichtsgebäude existiert als solches nicht, es handelt sich dabei um das Rathaus des Salzachstädtchens Tittmoning mit dem Marktplatz. Besonders „scharfsichtige“ Zuschauer können in einer Einstellung einen Ford Taunus P5 (1964-67) neben dem Marktbrunnen entdecken.

Der Text des Vorspanns, der von Gustl Bayrhammer gesprochen wurde, lautet: „Es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit vor anno 14. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Herr Prinzregent regiert, ein kunstsinniger Monarch, denn der König war schwermütig. Das Bier war noch dunkel, die Menschen war'n typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals. Denn für Ordnung und Ruhe sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das Königliche Amtsgericht.

Beim Abspann ist noch einmal die markante Stimme Gustl Bayrhammers zu hören. Da sagt er: „Das Leben geht weiter, ob Freispruch oder Zuchthaus, auch in der guten, alten Zeit – und auf die Guillotin' hat unser alter Herr Rat eh niemanden geschickt... Eine liebe Zeit, trotz der Vorkommnisse - menschlich halt. Und darum kommt es immer wieder zu diesen Szenen – im Königlich Bayerischen Amtsgericht.

Häufig muss der Gerichtsdiener den Herrn Ökonomierat, Guts- und Brauereibesitzer Joseph Fäustl in dessen Gastwirtschaft aufsuchen, um ihn für eine Zeugenaussage vor Gericht zu bitten. Er trifft den wohlbeleibten, alten Ökonomierat dann gewöhnlich bei einem üppigen und bierigen Wurst- oder Bratenfrühstück an. Dabei leisten ihm manchmal einige der ortsansässigen Honoratioren Gesellschaft. Der lange, magere und stets hungrige Gerichtsdiener bekommt dann oft eine Brotzeit und Bier spendiert und bleibt gleich dabei sitzen, während sich der Herr Ökonomierat ganz gemächlich ins Gerichtsgebäude bequemt oder auch nicht. Tritt er vor Gericht auf, so meist als „Deus ex machina“: Sein Zeugenbeitrag wirkt dann als Schlüssel zur gütlichen Beilegung der Streitigkeit.

Die Handlung der Gerichtsszenen folgt einem wiederkehrenden Schema. Nach anfänglicher Aufregung und hochkochenden Emotionen auf der Anklagebank und im Zuschauerraum löst sich unter der strengen, bisweilen augenzwinkernden Verhandlungsführung des erfahrenen Vorsitzenden aufgrund eines „Drehs“ alles in Wohlgefallen auf. Meist, nachdem der eine oder andere Schwindel aufgeflogen ist. Gleich darauf verträgt man sich wieder, alles war nicht so böse gemeint und die Gemüter haben sich längst wieder beruhigt.

Lohmeier malt im „Königlich Bayerischen Amtsgericht“ ein mitunter stark überzeichnetes, ironisches Gesellschafts- und Landschaftsbild; Stereotype werden überreichlich bedient. Die Behauptung seines gestrengen Amtsrichters, vor Gericht seien alle gleich, entspricht nicht der Praxis: So darf ein „Herr“ und Vertreter der örtlichen Geldmacht wie z.B. der Ökonomierat Fäustl einer Ladung vor Gericht Folge leisten oder nicht; er darf kommen, wann er will, und auch das Wort ergreifen, wann es ihm beliebt. Die Herrschaften dürfen in aller Ruhe sagen, was sie zu sagen haben, ohne dass ihnen das Wort abgeschnitten wird. Zudem kommt ihren Aussagen regelmäßig mehr Gewicht zu; sie sind meist entscheidend. Im Gegensatz dazu dürfen sich die „gewöhnlichen Leute“ wenig bis nichts herausnehmen, sie werden vom Vorsitzenden bei jedem kleinsten Anlass wie Schulbuben angeraunzt und zurechtgewiesen, ja niedergebrüllt. Das mag verständlich scheinen, da diese Leute oft als einfältige, ordinäre und ungehobelte Charaktere angelegt sind.

Besetzung[Bearbeiten]

Weitere, immer wieder auftretende Personen:

Nach jeder Folge spielen Pepi Scherfler (Tubist) und seine Musikanten die beliebte Amtsgerichtspolka.

Folgen[Bearbeiten]

1. Staffel (1969):

  1. Der Pfarrgockel (mit Gustl Bayrhammer, Erni Singerl und Eva Vaitl)
  2. Bierkrawall (mit Maxl Graf, Max Grießer, Karl Obermayr und Fritz Straßner)
  3. Die Drud (mit Margot Mahler)
  4. Nachtwächter (mit Ludwig Schmid-Wildy, Fritz Straßner und Olf Fischer)
  5. Der Brunnenmacher (mit Maxl Graf, Hans Stadtmüller und Karl Tischlinger)
  6. Der Wald und die Bäume (mit Fritz Straßner)
  7. Der Marksteinrucker (mit Christa Berndl, Max Grießer und Fritz Straßner)
  8. Der Liebesbriefschreiber (mit Rolf Castell, Max Grießer und Alfred Pongratz)
  9. Einheirat (mit Maxl Graf, Willy Harlander und Franziska Stömmer)
  10. Der Finanzamtmann (mit Veronika Fitz)
  11. Schmerzensgeld (mit Veronika Fitz, Willy Schultes und Ludwig Schmid-Wildy)
  12. Das Fahrtrecht (mit Maxl Graf, Hans Stadtmüller und Fritz Straßner)
  13. Der Leichenbitter (mit Rosl Mayr)
  14. Der Atheist (mit Max Grießer, Willy Harlander und Rosl Mayr)
  15. Der Mäzenas (mit Alfred Pongratz, Erni Singerl und Karl Tischlinger)
  16. Der Wildschütz (mit Maxl Graf und Willy Schultes)
  17. Die Polizeistund' (mit Ludwig Schmid-Wildy, Veronika Fitz und Willy Harlander)
  18. Die Körperverletzung (mit Maxl Graf, Karl Obermayr und Alfred Pongratz)
  19. Der Geizige (mit Enzi Fuchs, Karl Obermayr und Fritz Straßner)
  20. Concordia (mit Ludwig Schmid-Wildy, Max Grießer und Willy Harlander)
  21. Die alte Burgl (mit Elfie Pertramer, Fritz Straßner und Adolf Ziegler)
  22. Der gesetzliche Fehler (mit Franziska Stömmer und Karl Tischlinger)
  23. Die Entführung (mit Veronika Fitz, Max Grießer und Ludwig Schmid-Wildy)
  24. Aufruhr (mit Maxl Graf und Karl Obermayr)
  25. Der Parasit (mit Ludwig Schmid-Wildy)
  26. Das Elektrische (mit Gustl Bayrhammer, Willy Schultes und Franziska Stömmer)

2. Staffel (1970/71):

  1. Die Kollision (mit Rolf Castell, Harry Hardt, Karl Tischlinger, Max Grießer, Katharina de Bruyn und Veronika Fitz)
  2. Das Bienenhaus (mit Gustl Bayrhammer, Willy Schultes und Eva Vaitl)
  3. Der Gewissenhafte (mit Beppo Brem, Ludwig Schmid-Wildy und Erni Singerl)
  4. Der Fünfer (mit Beppo Brem, Maxl Graf und Hans Stadtmüller)
  5. Der zerbrochene Maßkrug (mit Rolf Castell, Katharina de Bruyn, Ludwig Schmid-Wildy und - in der Schlussszene - Georg Lohmeier)
  6. Der Rosstäuscher (mit Michl Lang, Gerd Fitz, Hans Stadtmüller, Katharina de Bruyn, Amsi Kern und Ludwig Schmid-Wildy)
  7. Die Vergiftung (mit Willy Schultes, Gustl Bayrhammer, Bernd Helfrich und Kathi Leitner)
  8. Das Damenkränzchen (mit Adolf Ziegler, Katharina de Bruyn, Ruth Kappelsberger, Marianne Lindner, Karl Tischlinger, Michl Lang und Max Grießer)
  9. Die Trompete (mit Willy Harlander und Eva Vaitl)
  10. Der anonyme Brief (mit Rolf Castell, Ludwig Schmid-Wildy, Katharina de Bruyn und Fritz Straßner)
  11. Der Schabernack (mit Gustl Bayrhammer, Maxl Graf und Franziska Stömmer)
  12. Der Dieb und seine Bräute (mit Katharina de Bruyn, Willy Schultes und Karl Tischlinger)
  13. Der gestohlene Ochse und das Beichtgeheimnis (mit Christiane Blumhoff, Adolf Ziegler und Beppo Brem)
  14. Das Gespenst (mit Karl Obermayr und Alfred Pongratz)
  15. Die Haberer und ihre Beleidigungen (mit Gustl Bayrhammer, Karl Obermayr und Maxl Graf)
  16. Die heiligen drei Madeln (mit Franz Muxeneder, Erna Waßmer, Willy Schultes und Annemarie Wendl)
  17. Der Hochzeitslader (mit Gustl Bayrhammer, Elisabeth Biebl, Rosl Mayr, Karl Obermayr und Max Grießer)
  18. Die neue Magd (mit Gustl Bayrhammer, Christiane Blumhoff, Veronika Fitz und Bernd Helfrich)
  19. Die Verwechslung oder Babettes Verehrer (mit Rolf Castell, Bernd Helfrich und Fritz Straßner)
  20. Die Identität (mit Max Grießer, Willy Harlander und Margot Mahler)
  21. Der Spritzenmeister (mit Gustl Bayrhammer, Maxl Graf und Hans Stadtmüller)
  22. Der Erbonkel (mit Gerd Fitz, Veronika Fitz und Erni Singerl)
  23. Der Viehdiebstahl (mit Max Grießer, Franz Helminger und Rosl Mayr)
  24. Der Bierpantscher (mit Peter Steiner, Willy Harlander und Maria Hellwig)
  25. Der Lokomotivführer (mit Ludwig Schmid-Wildy, Beppo Brem, Maxl Graf und Eva Vaitl)
  26. Der Wilderer (mit Maxl Graf und Peter Steiner)

3. Staffel (1972):

  1. Der Böllerer

Rundfunkserie[Bearbeiten]

Etliche Jahre nach der Fernsehserie wurde das Königlich Bayerische Amtsgericht neu aufgelegt, diesmal im 1. Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks. Der Herr Rat wurde in der Radioserie von Rolf Castell gesprochen.

DVD[Bearbeiten]

Die Folgen 1 bis 44 sind auf DVD erhältlich (Stand Mai 2014)

Quellen und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Georg Lohmeier: Vorwort zu Königlich Bayerisches Amtsgericht, Ehrenwirth, München 1969

Weblinks[Bearbeiten]