Königliche Baugewerksschule

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Haupteingang der Baugewerkschule München. Sie war 1877, nach Jahrzehnten der provisorischen Unterbringung, in ein repräsentatives Gebäude an der Gabelsbergerstraße 123 umgezogen.

Die Königliche Baugewerkschule München wurde 1823 von Gustav von Vorherr nach dem Vorbild der Pariser École polytechnique und der Berliner Bauakademie als erste ihrer Art im deutschen Sprachraum gegründet. Anders als in diesen Städten sollte hier jedoch ein modernes, an den örtlichen Notwendigkeiten orientiertes Bauwesen im Vordergrund stehen, das sogar den bis dahin vernachlässigten ländlichen Raum einbezog.

Die Aus- und Weiterbildung der Bauhandwerker und Parliere zu Baumeistern erfolgte ab diesem Zeitpunkt mit der Möglichkeit der staatlichen Einflussnahme.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Bestrebungen begabte Bauhandwerker schulisch zu Baumeistern fortzubilden, gab es im Königreich Bayern bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Winter 1806 wurde dafür einer der Unterrichtsräume der Münchner Feiertagsschule zur Verfügung gestellt. Wegen erhöhtem Platzbedarf der Feiertagsschule scheiterte das Unternehmen bereits im Jahr darauf.

In der Friedenszeit nach den Napoleonischen Kriegen wurde die Idee wiederaufgenommen. "Im Wintersemester, Ende November 1821 erschienen mehr als 32 Baumeister vom Lande, von verschiedenen Kreisen unseres Königreiches, theils aus eigenem Antriebe, theils von seiten der Regierung dazu aufgemuntert, um sich die abgängigen, gründlichen Kenntnisse, die ihm als wirkliche und künftige Werkmeister unentbehrlich sind auf der Schule zu sammeln. ... So bildete sich in diesem Jahre auf unserer Schule, sozusagen von selbst, von der dringenden Nothwendigkeit und dem Bedürfnisse herbeygerührt, eine ordentliche Bauwerk-Schule für künftige Landbaumeister, die erste und einzige Schule dieser Art in unserem Königreich."[1]

Die Frage der räumlichen Unterbringung und auch der Finanzierung konnte diesmal rasch geklärt werden. So wurde als erste Lehranstalt für Bauhandwerker im deutschen Sprachraum am 10. April 1823 in München die Königliche Baugewerk(s)schule durch König Maximilian I. Joseph von Bayern „zur Vervollkommnung des Bauwesens und besonders der Bildung der Bauhandwerker“ gegründet. Diese befand sich in der Damenstiftstraße 2, in der auch die Höhere männliche Feiertagsschule untergebracht war, die der königlichen Baugewerksschule als „Vorbereitungs- und Repetierschule“ diente. Diese „Feyertagszeichnungsschule für Künstler und Handwerker“ wurde im Jahr 1793 gegründet.

Die Idee zur Schulgründung hatte der Königliche Baurat und Architekt Gustav Vorherr, der auch Herausgeber der „Monatsblätter für Bauwesen und Landesverschönerung“ war. Vorherr war neben acht weiteren Lehrern (z. B. auch dem Bildhauer Ludwig Schwanthaler) bis zu seinem Tod zugleich auch Schulleiter.

Die Baugewerksschule war eine Vorläuferinstitution der Staatsbauschule, die 1971 mit sechs weiteren Ingenieur- und anderen Höheren Fachschulen zur Fachhochschule München zusammengeschlossen wurde.

Ausbildungsinhalte[Bearbeiten]

Ziel der Ausbildung war „Im Allgemeinen die Vervollkommnung der Bauhandwerker und eine Begründung eines verbesserten Volkswesens“ durch zwei Abteilungen, nämlich der Gesellen und Meisterklasse. Jährlich wurden durchschnittlich 140 Schüler aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus fast allen Ländern Europas unterrichtet. Weitergebildet wurden neben Maurern/Parlieren auch Steinbildhauer, Zimmerer, Ofensetzer, Mühlenbauer, Brunnenmacher, Stuckateure, Schlosser und andere.

Die Lehrgegenstände waren vielfältig, das Pensum musste „zwischen Martini und Josephi“, also von 11. November und 19. März, bewältigt werden. Die Schulzeiten waren „vom frühen Morgen bis zum späten Abend, eine gewollte Behandlung wie auf einem Bauplatz, denn Nichts ist verderblicher als das verstündeln des Unterrichts“.

Inhalte: Freihand-, Bau- und Maschinenzeichnen, Grund- und Aufrisse, Konstruktion, Disposition und Dekoration, Schön- und Rechtschreiben, Arithmetik, mit besonderer Hinsicht auf das Baufach, Algebra, Geometrie mit Übungen im Vermessen, darstellende Geometrie und Perspektive, Stein- und Holzschnitt mit praktischen Übungen im Modellieren, Praktische Mechanik und Hydraulik, Brunnenwesen, Mühlenbau, Baumaschinen- und Bauwerkzeugkunde, Technische Chemie, Physik, Baumaterialienkunde, Vorträge zur Architektur, Übungen in Gebäudeaufnehmen und Entwerfen, Kostenvoranschläge entwerfen, Bossieren, Lithographieren, Blitzableiter-Aufstellen, Elemente des Land-, Wasser- und Straßenbaus, „Anweisungen angenehm und zweckdienlich zu reisen“, Exkursionen zu interessanten Bauplätzen und ausgeführten wichtigen Bauwerken, Landesverschönerungskunst und Fremdsprachenunterricht („wenn sich mehrere zusammenfinden“).

Vorherr'scher Fond und -Architekturpreis[Bearbeiten]

Der Unterricht war mit Ausnahme der Fremdsprachen unentgeltlich. Bei „bemittelten Fremden“ wurde ein Schulgeld von vier Gulden erhoben. Durch den Vorherr´schen Fonds, erhielten geeignete Absolventen „angemessene Unterstützungen“ für Bildungsreisen. Außerdem wurde alle zwei Jahre zu Pfingsten für das beste Zeugnis der Königlichen Baugewerksschule ein Preis in Höhe von 25 Gulden (ab 1827 von 50 Gulden) vergeben. Dieser Fond wurde von der Königlichen Unterrichtsstiftungs-Administration verwaltet und der Preis aus dem Zinskapital gebildet.

Daneben wurde ab 1813 alle zwei Jahre der Vorherrische Architekturpreis für den geschicktesten Baulehrling der Münchner Feiertagsschule in Höhe von einem Louis d'or vergeben.

Schüler[Bearbeiten]

  • Johann Georg Behringer
  • Georg Bierling
  • Bernhard Borst
  • Johann Nepomuk Bürkel
  • Georg Hartl
  • Sebastian Hartl
  • Jakob Heilmann
  • Josef Unterpaintner

Lehrer[Bearbeiten]

  • Dr. Karl Wilhelm Dempp
  • Franz Xaver Eichheim
  • Sebastian Haindl
  • Dr. Georg Nagler
  • Jakob Paris
  • Xaver Perzl
  • Lorenz Schröpf
  • Ludwig Schwanthaler
  • Joseph Sedlmair
  • Wilhelm Stephani
  • Franz Zell

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahresbericht über den Zustand der männlichen, wie auch der weiblichen Feyertagsschule, München 1821

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtarchiv München: Nachlass Gustav Vorherr, Nrn. 4, 21 und 23
  • Neues allgemeines Künstler-Lexicon. 1852. S. 539–541
  • Regina Prinz: Der Architekt Gustav Vorherr (1778–1848) und die Idee der Landesverschönerung. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 59, 1996.
  • Georg Waldemer: Vom „Sonnenbau“ und „Gebirgsstyl“, zur Geschichte des ländlichen Bauwesens in Oberbayern von 1800–1850. In: Schönere Heimat 3, 1886
  • Winfried Nerdinger: Klassizismus in Bayern und Schwaben, München, 1981
  • Uta Poss: Ist das Oberpfälzer Bauernhaus „berlinisch“? Ein Indizienprozeß. In: Bayerische Blätter für Volkskunde, 2002/1
  • Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung Nr. 9, München, 1823
  • Klaus Bäumler: Franz Xaver Eichheim (1806–1878) - Die Münchner Baugewerksschule, München, undatiert