Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin

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52.51497613.333274Koordinaten: 52° 30′ 54″ N, 13° 20′ 0″ O

Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin GmbH
KPM logo.png
Rechtsform GmbH
Gründung 1763
Sitz Berlin
Mitarbeiter 169 2009
Umsatz EUR 7,8 Mio 2009
Branche Eisenwaren- und Hartwarengroßhandel
Produkte Porzellanwaren, Besteck
Website www.kpm-berlin.com
Signet der Königlichen Porzellan-Manufaktur von 1841 (Das Zepter ist unter der Glasur aufgebracht und deshalb etwas verschwommen.)

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin wurde von Friedrich dem Großen am 19. September 1763 gegründet. Ihren eigentlichen Ursprung hat sie allerdings in drei privaten Unternehmungen, die unter königlicher Förderung schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts versuchten, die Fertigung des weißen Goldes (Porzellan) in Berlin zu etablieren.

Das Firmensignet ist ein kobaltblaues Zepter, das auf jedes Stück gestempelt (vor 1837 gemalt) wird. Alle bemalten Stücke der KPM werden von den Malerinnen und Malern handsigniert. Die KPM ist auch heute noch eine Manufaktur, also sind alle von ihr hergestellten Geschirrteile und Zierporzellane Unikate.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Am Anfang stand der Berliner Kaufmann und Wollzeugfabrikant Wilhelm Caspar Wegely, der 1751 die erste Berliner Porzellanmanufaktur gründete und diese bis in das Jahr 1757 betrieb. Die Porzellane seiner Manufaktur sind heute sehr selten und begehrt. Sie zeichnen sich durch einen sehr schönen weißen Scherben aus und sind mit einem unterglasurblauen W gekennzeichnet.

Weiterhin ist der für die Frühzeit des Berliner Porzellans sehr wichtige Porzellanmodelleur und Arkanist Ernst Heinrich Reichard zu nennen. Er war zunächst als Modelleur bei Wegely tätig. Von ihm stammen vor allem die mit eigenwilligem bürgerlichem Charme behafteten Putten, allegorischen Figuren, Kavaliere und galanten Damen. Nach der Schließung der Wegely'schen Fabrik betrieb er selbst eine werkstattähnliche Porzellanfertigung in Berlin, über die allerdings bisher nur relativ wenig bekannt ist.

Als der Unternehmer Johann Ernst Gotzkowsky beabsichtigte, dem Wunsch Friedrichs des Großen nachzukommen, eine neue Porzellanmanufaktur in Berlin zu errichten, verkaufte ihm Reichard am 11. Januar 1761 neben seinem kleinen Betrieb auch das "Arcanum", das Know-how zur Fertigung von Porzellan. Reichard wurde "Arkanist" der Manufaktur, und auch seine acht Beschäftigten wurden übernommen.

Gotzkowsky, vom preußischen König als Unternehmer sehr geschätzt und gefördert, nutzte die Gunst der Stunde und konnte weitere wichtige Künstler und Mitarbeiter aus der sächsischen Manufaktur in Meißen abwerben oder auch einfach entführen[1]. Sachsen war in der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) von preußischen Truppen besetzt und die Meißener Porzellan-Manufaktur praktisch in der Hand Friedrichs des Großen. Mit diesen Fachkräften entstand dann – in der Leipziger Straße 4 in Berlin – in nur wenigen Monaten eine recht leistungsfähige Porzellanmanufaktur. Die Porzellane sind mit einem unterglasurblauen G. gekennzeichnet; sie sind allerdings heute äußerst rar. In nur wenigen Museen und öffentlichen Sammlungen finden sich daher entsprechende Stücke, meist sind es einzelne Teile aus Kaffee- und Teeservicen.

Als erster Direktor wurde Johann Georg Grieninger eingesetzt, eine sehr glückliche Wahl. Als Gotzkowsky infolge seiner spekulativen Geldgeschäfte in immer schwierigeres finanzielles Fahrwasser geriet, erwarb der König für 225.000 preußische Reichstaler das inzwischen gut aufgestellte Unternehmen am 8. September 1763[2]. Ein Grund war, den angesehenen Berliner Kaufmann vor dem drohenden Bankrott zu retten, der wichtigere Grund war aber, um das junge Unternehmen, welches ihm so sehr am Herzen lag, vor dem frühen Untergang zu bewahren. Mit der Übernahme der Manufaktur durch Friedrich den Großen begann die eigentliche Erfolgsgeschichte der nun „Königlichen“ Porzellan-Manufaktur in Berlin.

Die Produktion der ab 1827 in Frankreich hergestellten Lithophanien wurde auf Initiative von Georg Christoph Frick (1781–1848, Direktor 1832–1848) rasch auch in Berlin unternommen. Schnell entwickelten sich die Lithophanien zu einem sehr erfolgreichen Produktezweig der Manufaktur.

Ferdinand Hermann Gustav Möller, Direktor der KPM von 1868-1881

1867 wurde Ferdinand Hermann Gustav Möller (* 22. März 1826 in Erfurt; † 31. August 1881 in Berlin) zum kommissarischen Leiter und 1868 zum Direktor der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin. Er wohnte nun in der Direktorvilla der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Für die KPM errichtete er verschiedene Gebäude am neuen Standort an der Wegelystraße am Tiergarten.

1871 wurde die Produktion von ihrem ursprünglich Standort an der Leipziger Straße an ihren heutigen Standort am S-Bahnhof Tiergarten verlegt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Manufaktur mehr und mehr einen Vorbildcharakter für die keramische Industrie zu bilden. Das alte Hartporzellan und ein neues für Biskuitfiguren, wetterbeständige Fliesengemälde und andere Kunsterzeugnisse wurde in immer neuen Modellen und Malereien vorgeführt. Daneben stellte die Manufaktur auch brauchbare Gefäße, Röhren usw. für die chemische Industrie her.

Seit 1876 war der Manufaktur die Chemisch-Technische Versuchsanstalt angeschlossen, als deren Leiter Professor Hermann August Seger 1880 das nach ihm benannte Weichporzellan (Segerporzellan) entwickelte.[3] Die Versuchsanstalt beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung und Erforschung von Neuerungen auf dem Gebiet der Keramik. So gelang 1899 die Herstellung einer Masse, die es ermöglichte, statt in Ton unmittelbar in ihr selbst zu modellieren und dem dann gebrannten Stück den vollen Reiz der bildnerischen Originalarbeit zu erhalten.

1886 wurde Professor Alexander Kips als künstlerischer Leiter an die Berliner Porzellanmanufaktur berufen, der er durch Porzellanfliesenmalerei zu neuem Aufschwung verhalf und das Geschehen der Manufaktur formend beeinflusste. Weitere künstlerische Leiter (teils gleichzeitig Manufakturdirektoren) von höchstem Rang wurden Theodor Schmuz-Baudiss (1908 - 1924/26), Nicola Moufang (1925 - 1928) und Günther von Pechmann (1929 - 1938). Speziell unter Schmuz-Baudiss, ein Vorfahre von Otto Schily), nahm die künstlerische Entwicklung im Rahmen eines späten floralen Jugendstils einen enormen Aufschwung.

Von 1918 bis 1988 führte die KPM den Namen Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin und war Eigenbetrieb des Landes Berlin.

Im Zweiten Weltkrieg - in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 - wurde die Porzellanmanufaktur durch Luftangriffe so schwer beschädigt, dass die Produktion eingestellt werden musste. Im Dezember 1943 wurde die Arbeit in der Massemühle und im Januar 1944 ein Notbetrieb wiederaufgenommen. Die technische Produktion erfolgte bis zum Wiederaufbau (1954-1960) in Selb.

1988 wurde die KPM wieder in Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin umbenannt und als GmbH geführt, deren alleiniger Gesellschafter das Land Berlin war.

Im Februar 2006 übernahm der Berliner Privatbankier und Geschäftsführende Gesellschafter der Allgemeinen Beamten Kasse Kreditbank GmbH Jörg Woltmann als Alleingesellschafter die KPM.

Seitdem gibt es in den Räumlichkeiten der alten Manufaktur in der Wegelystraße die Dauerausstellung KPM-Welt sowie immer wieder wechselnde Sonderausstellungen zu sehen.

Die Porzellan-Manufaktur ist einer der Außendrehorte der ZDF-Telenovela Wege zum Glück; in der Telenovela heißt die Manufaktur „Falkental Porzellan“.

Die Marke [Bearbeiten]

Anfangs bestand die Marke aus einem Zepter und war in blau auf weißem, in Braun auf bemaltem Porzellan aufgetragen. Da diese Marke jedoch nachgeahmt wurde, fügte man seit 1835 die Buchstaben K.P.M. und seit 1844 diesen Buchstaben den königlich preußischen Adler hinzu. Seit den 1840er-Jahren kamen die eigentlichen Stempel mit der Umschrift Königliche Porzellan-Manufaktur und dem preußischen Adler in der Mitte auf. Seit 1870 nutzte man wieder ein Zepter, allerdings in einer etwas veränderten Form.

In den Jahren der kriegsbedingten Auslagerung der Produktion von Berlin nach Selb in den Jahren 1943-1948 wurde dem Zepter ein kleines S am unteren Ende der Marke zugefügt. Die Nachkriegsproduktion aus Selb trägt zudem den Vermerk „Made in Germany U.S.Zone“.

Seit 1832 wird bei den bemalten Gegenständen den in Blau unter der Glasur ausgeführten Marken noch ein Reichsapfel mit KPM darunter in Eisenrot auf der Glasur hinzugefügt (heutzutage nur ein Reichsapfel, ohne KPM). Ist der Reichsapfel in schwarz, so handelt es sich um eingebrannte „Abziehbilder“ bzw. Druckmotive, grün wird für Dekormalerei verwendet, d. h. Ränder und farbige oder goldene Staffierungen oder Fonds. Ein blauer Reichsapfel (dann Unterglasur) steht für Unterglasurdekore (heutzutage Inglasur- oder HTS-Farben), der eisenrote Reichsapfel steht für Freihand-Blumenmalerei und naturalistische Farbstaffierungen wie z. B. bei Rokoko-Figuren oder Tierskulpturen. Ausbildungsmalerei trägt zusätzlich ein „A“ zu den erwähnten Marken. Zweite-Wahl-Porzellane werden mit einer Ritzung des Zepters markiert und sind in der Regel weiß, da fehlerhaft gebranntes Porzellan überhaupt nicht bemalt wird.

Erzeugnisse [Bearbeiten]

Die KPM hat im Laufe ihrer Geschichte eine Vielzahl von Geschirrformen und figürlichem Porzellan hergestellt. Einige Formen werden seit mehr als 200 Jahren weitgehend unverändert produziert. Friedrich der Große, der sich als Eigentümer der Manufaktur scherzhaft seinen „besten Kunden“ nannte, war zeit seines Lebens dem Geschmack des Rokoko verhaftet, welches in seinen Schlössern auch zu einem künstlerischen Höhepunkt geführt wurde. Die Geschirre für die jeweiligen Schlösser und Räume wurden auf die übrige Dekoration und Einrichtung abgestimmt. Bemerkenswert sind folgende Geschirre:

  • Für das Breslauer Stadtschloss wurde die Form Antikzierath von Chefmodelleur Friedrich Elias Meyer entworfen (heute unter dem Namen Rocaille im Programm). Die Fahne ist von einem antikisierenden Stabbündel umgeben, an das sich nach innen plastische Rocaillen und vier Felder mit Blumenornamenten anschließen. Von den vier Feldern gehen jeweils vier Rippen bis in den Spiegel des Tellers. Für das Breslauer Stadtschloss wurden die Felder auf der Fahne mit blauer Schuppenmalerei, die Spiegel mit „natürlichen Blumen“ bemalt.
  • Die Form Kurland, von Johann Karl Friedrich Riese entworfen, ist die erste streng klassizistische Form der KPM. Die Teller sind weitgehend glatt und an den Rändern der Fahne mit Eierstab, Tuchgehängen und Perlenstab verziert. Die erste große Lieferung mit aufwändiger Malerei in Gold und Hellgrün für die Fahne und „natürlichen Blumen“ im Spiegel bestellte Peter von Biron, Herzog von Kurland, nach dem das Service benannt wurde.
  • Um 1770 wurde auch Geschirr mit Reliefmustern an den Rändern produziert, wobei das Relief dem Korb- oder Weidegeflecht nachempfunden wurde. Solches ist beispielsweise unter dem Namen „Neuosier“ bekannt. In der Farbgebung wurde 1784 erstmals die von Friedrich dem Großen sehr geschätzte Farbe „Bleu mourant“ („das sterbende Blau“) verwendet, ein zartes, mattes Blau.
  • Bis heute erfolgreichste Designs der 1930er-Jahre sind Urbino, Urania und Arkadia (ursprünglich nur als Teeservice zum 175. Jubiläum der KPM entworfen) von Trude Petri, wobei die Medaillons auf Arkadia von Siegmund Schütz entworfen wurden und das Service Urania (gleiche Grundform wie Arkadia) erst nach dem Krieg in Produktion ging, ebenso das Tafelservice Arkadia. Unter der Federführung der Meisterwerkstatt sind seit jeher auch figürliche Porzellane unterschiedlicher Stilrichtungen der jeweiligen Epoche geschaffen worden, hierzu gehören auch neuzeitliche Tierplastiken wie der Eisbär Knut, Flusspferde oder Buddy-Bär-Miniaturen.
  • Die Manufaktur hat sich auch als Hersteller von Industrieporzellanen einen Namen gemacht. So wurden die Porzellanisolatoren, auf denen der Berliner Funkturm steht und die ein Abfließen der Sendeenergie über die Erdung verhindern, gefertigt.
  • 2011 wurde in Zusammenarbeit mit Bugatti ein Auto in Porzellan gekleidet.

Die seit 1986 vielerorts in Berlin angebrachten Berliner Gedenktafeln sind ebenfalls aus KPM-Porzellan gefertigt.

Literatur [Bearbeiten]

  • Winfried Baer, Ilse Baer, Suzanne Grosskopf-Knaack: Von Gotzkowsky zur KPM. Aus der Frühzeit des friderizianischen Porzellans. Arenhövel, Berlin 1986, ISBN 3-922912-15-X.
  • Winfried Baer, Ilse Baer, Waltraud Strey: ...auf allerhöchsten Befehl: Königsgeschenke aus der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin - KPM Ausstellungskatalog Bonn, Düsseldorf, Berlin 1983-1984; Arenhövel, Berlin 1983, ISBN 3-922912-06-0.
  • Michaela Braesel, Katharina Dück, Johanna Lessmann: Berliner Porzellan des 18. Jahrhunderts. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 1993, ISBN 3-923859-17-1 und falsch ISBN 3-923859-17-0 (formal falsche ISBN).
  • Karl H. Bröhan: Porzellan-Kunst. Teil 1: Berliner Porzellane vom Rokoko bis zum Empire. (Teil 2: Kunst-Porzellane und Keramik um 1900.). Ausstellungskatalog. Sammlung Karl H. Bröhan, Berlin 1969, ISBN nicht vorhanden.
  • Margarete Jarchow: Berliner Porzellan im 20. Jahrhundert - Berlin Porcelain in the 20th Century. (zweisprachig:dt./engl.) Reimer, Berlin 1988, ISBN 3-496-01054-1.
  • Erich Köllmann, Margarete Jarchow: Berliner Porzellan 2. Auflage, Neuausgabe. Klinghardt & Biermann, München 1987, ISBN 3-7814-0264-9.
  • Jakob Kurpik: Das Archiv der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin im Schloß Charlottenburg. Häufige Schäden und ihre Ursachen. In: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Jahrbuch 2 (1997/1998), S. 189-194 (Digitalisat auf perspectivia.net, abgerufen am 25. Februar 2013).
  • Georg Lenz: Berliner Porzellan. Die Manufaktur Friedrichs des Großen 1763–1786. Neudruck der Ausgabe. Hobbing, Berlin 1913 / Helmut Fischer (Hrsg.), Scherer, Berlin 1991, ISBN 3-89433-018-X.
  • Plötz-Peters, Hannelore: Zwei Bildplatten als Verlobungsgeschenk. Der Werdegang des KPM-Direktors Frick und ein Präsent aus seinem Todesjahr. In: Keramos. Nr. 158, 1997, S. 55–62.
  • Günter Schade: Berliner Porzellan. Zur Kunst und Kulturgeschichte der Berliner Porzellanmanufakturen im 18. und 19. Jahrhundert. Keysersche Verlagsbuchhandlung, München 1987, ISBN 3-87405-170-6.
  • Gisela Zick: Berliner Porzellan der Manufaktur von Wilhelm Caspar Wegely, 1751 - 1757. Mann, Berlin 1978, ISBN 3-7861-1134-0.
  • Berlin Handbuch: Das Lexikon der Hauptstadt FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Das Geschworenengericht. In:Der Stralauer Fischzug. Sagen, Geschichten und Bräuche aus dem alten Berlin. Verlag Neues Leben, Berlin 1987, ISBN 3-355-00326-3, S. 198/ 199.
  2. Arnulf Siebeneicker: Offizianten und Ouvriers - Sozialgeschichte der Königlichen Porzellan-Manufaktur und der Königlichen Gesundheitsgeschirr-Manufaktur in Berlin 1763 - 1880. de Gruyter, Berlin [u.a.] 2002, S. 23.
  3. Segerporzellan

Siehe auch [Bearbeiten]