Königreich Burgund

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Dieser Artikel behandelt das Königreich Burgund, das als Nachfolgestaat des Karolingerreiches von 877/88 bis 1378 existierte. Weitere Erläuterungen des Namens siehe Burgund (Begriffsklärung).

Das Königreich Burgund entstand durch die Fränkischen Reichsteilungen. 561 bis 584 und 639 bis 737 waren fränkische Teilkönigreiche in Burgund entstanden, die zunächst an Neustrien, dann wieder an das Gesamtreich fielen. Schließlich entstand erneut ein Königreich aus denjenigen Teilen des früheren karolingischen Reichsteils Burgund, die bei der Teilung des Frankenreiches 843 im Vertrag von Verdun als Lotharii Regnum an Kaiser Lothar I. fielen (also ganz Burgund außer der heutzutage „Burgund“ („Bourgogne“) genannten Region im Zentrum des heutigen Frankreichs, die 843 an das Westfrankenreich kam).

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten]

Das Königreich Burgund entwickelte sich in drei Etappen:

Karolingische Reichsteilungen[Bearbeiten]

  • Lothar I. teilte kurz vor seinem Tod im Jahre 855 sein Reich unter seinen Söhnen auf (Teilung von Prüm). Die burgundischen Reichsteile erhielt Karl, zusammen mit der Provence.
  • Karl starb 863, woraufhin seine Brüder das neue Reich wieder unter sich aufteilten: Die spätere Freigrafschaft Burgund, die Westschweiz, die Region um Lyon und Vienne sowie das untere Rhônetal rechts der Rhone fielen an den lothringischen König Lothar II., das Wallis, Savoyen, die Dauphiné und die Provence an den italienischen König Ludwig II.
  • Als auch Lothar II. (Lothringen) starb (869), teilten sich dessen Onkel, Karl der Kahle (der über das Westfrankenreich herrschte) und Ludwig der Deutsche (der über das Ostfrankenreich herrschte), dessen Teil von Burgund noch einmal (Vertrag von Mersen), 870: Karl der Kahle erwarb das Rhônetal, Ludwig der Deutsche die Westschweiz und Teile des französischen Jura.
  • Als Ludwig II. 875 ebenfalls starb, erwarb Karl der Kahle auch dessen Reich samt den Teilen Burgunds, die Ludwig II. 863 erhalten hatte.

Regionale Reichsgründungen[Bearbeiten]

Die Königreiche Hoch- und Niederburgund sowie das Herzogtum von Richard dem Gerichtsherrn

Niederburgund umfasste etwa die heutigen französischen Regionen Rhône-Alpes und Provence-Alpes-Côte d’Azur, Hochburgund die spätere Freigrafschaft Burgund, die Westschweiz, Basel, das Wallis, Aosta und Teile der Zentralschweiz. Die spätere Bourgogne gehörte weder zu Hoch- noch zu Niederburgund, sondern zum Westfrankenreich. Fraxinetum in der Provence wurde 888 islamisch.

Niederburgund[Bearbeiten]

  • 877, zwei Jahre nachdem er die burgundischen Lande geerbt hatte, starb Karl der Kahle (Westfrankenreich). Sein Sohn Ludwig der Stammler konnte nicht verhindern, dass sich noch im selben Jahr ein burgundischer Adliger, Graf Boso von Vienne, selbständig machte. Boso ließ sich 880 mit Hilfe des Papstes Johannes VIII. und auf Drängen seiner Gattin Irmengard, einer Tochter Ludwigs II. von Italien, auf einer Versammlung der Großen zu Mantala (Montaille bei Vienne) zum König von Burgund und der Provence proklamieren. Er begründete somit das Reich Niederburgund, das auch das cisjuranische Burgunderreich genannt wurde, oder nach seiner Hauptstadt Arles das Königreich Arelat. Boso konnte sich gegen den neuen König des Ostfrankenreiches, Karl den Dicken (876-887, seit 880 auch König von Italien und seit 881 Kaiser), behaupten, jedoch den äußersten Nordosten seines Landes, Wallis, Aosta und Savoyen, nicht halten.
  • Hugos Sohn Lothar II. war seit 931 Mitregent und nach Hugos Tod im Jahre 948 König von Italien. Er heiratete 947 die ihm versprochene, damals vermutlich 16-jährige Adelheid von Hochburgund, starb jedoch am 22. November 950. Berengar II. von Ivrea setzte Adelheid in Italien fest und erklärte sich am 15. Dezember 950 zum König von Italien. Da Adelheid jedoch nicht nur die (noch nicht 20-jährige) Witwe des italienischen Königs, sondern auch Nichte der Ida von Schwaben, der Gemahlin von Ottos Sohn Liudolf, war, zog Otto im September 951 nach Italien; Otto war daran interessiert, in den Konflikt in Italien einzugreifen, da er als Witwer – seine Gemahlin Edgitha war 946 verstorben – die Möglichkeit zur Heirat Adelheids und damit zur Ausdehnung seiner Herrschaft hatte. Otto führte Adelheid von ihrer Fluchtburg Canossa nach Pavia, wo er sich mit ihr im Oktober 951 vermählte.

Hochburgund[Bearbeiten]

Alamannien und Hochburgund im 10. und 11. Jahrhundert
  • Nach der Absetzung Karls des Dicken (Ostfrankenreich) zerfiel dessen Reich wieder, und auf dem Boden seiner burgundischen Landesteile proklamierte sich 888 in Saint-Maurice der Welfe Rudolf I. (888-912), ein Neffe des Königs Hugo von Frankreich, zum König von Hochburgund. Das Reich umfasste die spätere Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté) und die Markgraftschaft Transjuranien.
  • Rudolf II. von Hochburgund (912-937) führte mehrere Kriege zur Ausdehnung Hochburgunds gegenüber Alamannien. Er erwarb um 912/19/26 Basel und Gebiete im Aargau. Erst die Neugründung des Herzogtums Schwaben unter Burchard II. verhinderte eine weitere Ausdehnung. In der Schlacht bei Winterthur (919) wurde Rudolf entscheidend geschlagen. Schwaben und Hochburgund verbanden sich anschließend zur Durchsetzung beidseitiger Interessen in Italien – Rudolf II. heiratete Berta von Alamannien, eine Tochter Burchards II. Die Grenze zwischen Schwaben und Hochburgund wurde durch die Linie Huttwil-Aarwangen-Basel definiert. 922 wurde Rudolf von der gegen Berengar I. von Friaul, Kaiser und König von Italien, gerichteten Opposition nach Italien gerufen und besiegte Berengar. 926 zog er sich aus Italien wieder zurück und überließ es Hugo von Provence, dem König von Niederburgund. Nach der Krönung Hugos zum König von Italien vereinigte Rudolf 930 die beiden burgundischen Reiche zum Königreich Burgund. 933 versprach er seine Tochter Adelheid dem Lothar, einem Sohn Hugos. 935 schloss er ein Freundschaftsbündnis mit dem deutschen König Heinrich I.

Königreich Arelat[Bearbeiten]

Das Königreich Arelat und das Herzogtum Burgund im 12./13. Jahrhundert
  • Konrad III. der Friedfertige (937–993), der Bruder von Adelheid und Thronfolger Rudolfs, wuchs am sächsischen Hof auf. Gegen ihn erhob Hugo von Provence nach dem Tod Rudolfs II. 937 Ansprüche auf Hochburgund, gegen die Konrad 938 durch den deutschen König Otto I. geschützt wurde. Unter Konrads Herrschaft litt das Reich durch Einfälle der Ungarn und durch Fehden und Raubkriege der Großen. Das Machtvakuum nützen auch die Sarazenen für einen Raubzug in den burgundischen Norden, wobei sie 939 auch das Kloster Saint-Maurice im unteren Wallis plünderten.

Unter Adelheid und Konrad wuchsen die beiden Burgund unter deutscher Hegemonie zusammen. Seither bestand ein einheitliches Königreich Burgund unter Konrad. Das unter den Welfen vereinte Burgund wurde nach der bedeutendsten Stadt Niederburgunds Arles auch Königreich Arelat genannt.

975 Ende der islamischen Herrschaft in der Provence.

  • König Rudolf III. (993–1032), war ein schwacher, durch seine Vasallen bedrängter König. Da er kinderlos geblieben war, schloss er 1006 einen Erbvertrag mit dem Deutschen Reich unter Heinrich II., dem letzten der ottonisch-sächsischen Könige und Kaiser. Heinrich II. war über seine Mutter Gisela ein Neffe Rudolfs III.

1033 fiel das Reich im Erbgang an den fränkischen Kaiser Konrad II. Fortan existierte es als Reichsgut mit formeller Selbstständigkeit innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.

Territoriale Absplitterungen und Ende[Bearbeiten]

In der Stauferzeit ab Mitte des 12. Jahrhunderts wurden die Territorien von Avignon als Grafschaft Venaissin und das Valentinois (Valence) als Markgrafschaft Provence unter den Grafen von Toulouse sowie das Herrschaftsgebiet der Grafen von Savoyen faktisch selbständige Territorien innerhalb Burgunds.

Das Rektorat für die Kaiser übten in den verbliebenen Gebieten die Herzöge von Zähringen aus. Unter ihnen wurden mehrere Städte gegründet (unter anderem Bern). Die Bistümer von Basel, Sion, Lausanne und Genf wurden zunehmend selbständig.

1246 fiel die Grafschaft Provence an das französische Haus Anjou und schied damit ebenfalls de facto aus dem Königreich Burgund aus.

Die Niederlage der Staufer gegen die Anjous nutzte Frankreich zu einer weiteren Gebietskorrektur: Auch das Tal rechts der Rhône zwischen Valence und Avignon (die Ardeche) wurde französisch. Basel, Lausanne und Besançon werden freie Reichsstädte.

1309 wurde der Sitz des Papstes auf französischen Druck hin nach Avignon umgesiedelt.

1349 kam die Dauphiné an den französischen Thronfolger (Dauphin).

1365 wurde Kaiser Karl IV. in Arles als letzter zum König von Burgund gekrönt.

1384 gewann Herzog Philipp der Kühne von Burgund (also der französischen Bourgogne) die Herrschaft über die Freigrafschaft Burgund. Damit war die territoriale Einheit des Königreichs Burgund endgültig zerstört, aber aus der Vereinigung von Herzogtum Burgund (französisch) und Freigrafschaft Burgund (deutsch) entstand ein neues Burgund, siehe Haus Burgund.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Laetitia Boehm: Geschichte Burgunds. 2. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1979.
  • Hermann Kamp: Burgund: Geschichte und Kultur. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53614-4.

Weblinks[Bearbeiten]