Geschichte Frankreichs

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Offizielles Hoheitszeichen der Republik Frankreich

Die Geschichte Frankreichs beginnt in vorgeschichtlicher Zeit. So lassen sich altsteinzeitliche Wohnhöhlen in der Dordogne und Megalithkulturen in der Bretagne nachweisen. In der Bronzezeit drangen ab 700 v. Chr. Kelten ein. Cäsar eroberte von 58–51. v. Chr. Gallien und inkorporierte das Gebiet in das Römische Reich. Durch die Völkerwanderung im 5. Jahrhundert strömten Franken, Westgoten und Burgunder ins Land und passten sich der gallo-römischen Kultur an. Es folgte die Bildung des Fränkischen Reichs (5.–9. Jahrhundert) durch Chlodwig I., welcher um 500 das Christentum annahm. Pippin der Jüngere begründete 751 die Dynastie der Karolinger. Sein Sohn, Karl der Große (französisch Charlemagne), vereinte das Frankenreich mit Sachsen, Bayern und Oberitalien. 800 ließ er sich vom Papst zum Kaiser krönen.

Die Geschichte Frankreichs als eigenständiger Staat beginnt um 831/832, als Kaiser Ludwig der Fromme (778–840) von seinen Söhnen entmachtet wurde. Sie teilten das Frankenreich im Vertrag von Verdun 843 endgültig in einen östlichen, einen mittleren und einen westlichen Teil. Der westliche Teil kann als der Anfang des heutigen Frankreich betrachtet werden. Durch das Fränkische Erbrecht kam es in den ersten Jahrhunderten zu einer zunehmenden Zersplitterung des Landes. Im Bund mit der Kirche und den aufstrebenden Städten konnten die Könige gegen die Feudalherren langsam ihre Macht ausweiten. Heinrich II., Herzog der Normandie und seit 1154 König von England, erwarb durch Heirat große Teile Frankreichs und verstärkte so den Einfluss der Engländer im Land. Mit dem Aufstieg der Kapetinger zum Herrschergeschlecht war ein kultureller Höhenflug verbunden. Zudem stärkte Philipp IV. (der Schöne, 1285–1314) die Königsmacht und erkämpfte für Frankreich bis Ende des 13. Jahrhunderts die Vormachtstellung in Europa. Nach dem Aussterben der Kapetinger erhob der englische König Eduard III. Anspruch auf den französischen Thron und gab damit Anlass für den Hundertjährigen Krieg (1339–1453), in dem Frankreich schließlich von den Engländern befreit und diese somit fast vollständig vom Kontinent vertrieben wurden. Die Valois (1328–1589) wehrten sich mit Hilfe der Eidgenossen siegreich gegen Burgund. Aus dem Streit um die burgundischen Besitzungen entstand der jahrhundertelange Machtkampf gegen die spanisch-habsburgische Macht.

Die Reformation erfasste den Adel und das Bürgertum. 1559–1598 kam es zu Spannungen zwischen Katholiken und Hugenotten. Das Edikt von Nantes (1598, 1685 aufgehoben) sicherte den Hugenotten freie Religionsausübung, wodurch der innere Friede vorerst wiederhergestellt wurde. Unter der Staatsführung durch die Kardinäle Richelieu (1624–42) und Mazarin (1642–61) wurde die Zentralgewalt des Königs verstärkt. Durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–48) gewann Frankreich die erneute politische und kulturelle Vormacht in Europa. Ludwig XIV. (1661–1715) vollendete den Absolutismus in Frankreich. Er führte eine aggressive Außenpolitik, die Frankreich auf Kosten seiner Nachbarn vergrößerte und in einen weltweiten Dauergegensatz mit England mündete. Dabei verausgabte sich das Land zunehmend, was nach dem langen Spanischen Erbfolgekrieg 1701–13 zu einer steigenden Staatsverschuldung führte. Die Bauern und Arbeiter waren auch als Folge der kostspieligen Kriege verarmt und das Bürgertum wollte mehr Mitbestimmung. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 war Sinnbild für den Sturz des Absolutismus und den Beginn der Französischen Revolution, in deren Zuge 1792 die Republik ausgerufen wurde.

Der Machtergreifung Napoleons am 9. November 1799 folgten die Napoleonischen Kriege um die Eroberung Europas, die mit der Schlacht bei Waterloo (18. Juni 1815) in einer endgültigen Niederlage Frankreichs endeten. 1815 wurde Europa durch den Wiener Kongress neu geordnet. Frankreich kam dabei glimpflich davon. Die französische Grenze wurde auf den Stand von 1792 festgelegt, die Monarchie wieder eingesetzt. Mit Ludwig XVIII. kehrten die Bourbonen auf den Thron zurück.

Durch die Märzrevolution 1848 wurde und die Republik wiederhergestellt. Präsident der Zweiten Republik wurde Louis Napoléon. 1852 ernannte er sich zum Kaiser Napoleon III. (Zweites Kaiserreich 1852–70). Er trieb Prestigepolitik und erwarb weitere Kolonien in Nord- und Mittelafrika, Madagaskar und Indochina (siehe Imperialismus). Nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) wurde er abgesetzt und machte der Dritten Republik Platz.

In Europa bildeten sich nach 1871 zwei Machtblöcke: auf der einen Seite der Zweibund/Dreibund (1879 schlossen das Deutsche Kaiserreich und Österreich Ungarn den Zweibund; im Mai 1882 trat Italien diesem bei), auf der anderen Seite die Triple-Entente aus Frankreich, Großbritannien und Russland (entstanden 1894–1907). Diese Konstellation führte zum Ersten Weltkrieg (1914–18). Am Ende stand Frankreich auf der Seite der Sieger. Auf den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1. September 1939) war Frankreich wegen innenpolitischer Konflikte militärisch schlecht vorbereitet. Die 1930–1940 gebaute Maginot-Linie hatte durch die inzwischen weit fortgeschrittenen Panzer an Bedeutung verloren. Die Wehrmacht begann am 10. Mai 1940 den Westfeldzug (= Frankreichfeldzug) mit einem schnellen Einmarsch in den Benelux-Ländern. Anfang Juni vertrieben sie die britischen Truppen vom Festland (Schlacht um Dünkirchen); Mitte Juni besetzten sie kampflos Paris. Am 22. Juni 1940 unterschrieb Frankreich den kapitulationsähnlichen Waffenstillstand von Compiègne; damit war für Frankreich der Krieg zunächst – bis 1944 – vorbei. Zunächst regierte das Vichy-Regime den Süden (die Wehrmacht besetzte nur den Norden); im November 1942 besetzten Truppen der Wehrmacht auch den Süden („Unternehmen Anton“). Charles de Gaulle nahm die Kapitulation von Paris am 25. August 1944 zum Anlass, die Vierte Republik auszurufen.

Die französischen Kolonien strebten nach 1945 nach Unabhängigkeit: Es folgte 1954 der Rückzug aus Indochina, 1956 die Unabhängigkeit Marokkos und Tunesiens. In Algerien, das als Teil vom Mutterland galt, entbrannte 1954–1962 der Algerienkrieg. Algerien erhielt im Jahr 1962 die Unabhängigkeit. Von 1960–1966 gab es 17 Französische Kernwaffentests in Algerien; beim letzten von vier oberirdischen Tests am 25. April 1961 setzte Frankreich einen Trupp von 300 Soldaten wissentlich radioaktiver Strahlung aus.[1]

Von 1958 bis April 1969 blieb Charles de Gaulle Präsident der Fünften Republik.

De Gaulle prägte in dieser Zeit die Entwicklung Frankreichs: Er wollte Frankreichs alten Glanz als Weltmacht wiederherstellen, machte Frankreich zur Atommacht (force de frappe) und leitete die Normalisierung der deutsch-französischen Beziehungen ein (1957 Römische Verträge; einer davon der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft; Deutsch-Französischer Vertrag 1963).

Übersicht[Bearbeiten]

Republiken und Monarchien[Bearbeiten]

Das heutige Frankreich (Französische Republik, République Francaise) wird als Fünfte Französische Republik verstanden und versteht sich staatsgeschichtlich als Nachfolger früherer Republiken. Die erste französische Republik war 1792 ausgerufen worden und existierte bis 1804. Zu den französischen Monarchien siehe Liste der Herrscher Frankreichs.

Das französische Königreich hat sich im Mittelalter stufenlos aus dem westfränkischen Königreich entwickelt. Letzteres war ein Ergebnis der Teilung des Fränkischen Königreiches im Jahre 843. Das Fränkische Reich entstand, als der im heutigen Belgien herrschende salfränkische König Chlodwig I. (481–511) aus der Dynastie der Merowinger die anderen Frankenreiche (z. B. das der Rheinfranken um Köln) eroberte.

Der Ausdruck Franken steht als Sammelbegriff für verschiedene germanische Gruppen, die im 3. Jahrhundert in den Regionen an Niederrhein und im Rheindelta erstmals geschichtlich fassbar geworden waren.

Bezeichnung des Staates bzw. der Staatsoberhäupter[Bearbeiten]

Chlodwig I. konnte sich vermutlich erstmals als alleiniger König der Franken bezeichnen. Zuvor hatten mehrere fränkische Könige und Kleinkönige existiert. Nach Chlodwigs Tod im Jahr 511 bis zum Ende der merowingischen Dynastie 751 wurde das fränkische Gesamtreich (Regnum Francorum) abwechselnd durch die fränkischen Teilreiche, wie Neustrien, Austrien, Burgund und Aquitanien und deren Könige dominiert. Franzien (im Französischen France, also der gleiche Ausdruck wie für „Frankreich“) war eine Art fränkischer Kernraum nördlich der Loire. Nachfolger Chlodwigs I. als Herrscher des Gesamtreiches und König der Franken (Francorum Rex, seltener Rex Francorum) waren unter anderem Chlothar I. (558–561), Chlothar II. (613–629), Dagobert I. (632–639), Chlodwig III. (691–695) oder Childerich III. (743–751).

In der karolingischen Epoche bis zur Reichsteilung von Verdun (751–843) bestand die Titulatur König der Franken fort. Karl der Große nahm zudem 800 den Titel eines Römischen Kaisers an, den auch seine Nachfolger übernahmen (siehe Römisch-deutscher Kaiser, Liste der römischen Kaiser (800–924) und Liste der römisch-deutschen Herrscher). Die Teilkönigreiche waren weiterhin von Bedeutung. Die Reichsteilung 843 sah als Ergebnis unter anderem das westfränkische Königreich, aus dem das Königreich Frankreich wurde. Die westfränkischen Herrscher behielten den Titel König der Franken jedoch bis ins 13. Jahrhundert bei, ferner wurden sie weiterhin gewählt. Auch Karl II. (823–877) war römischer Kaiser.

Auch nach dem Dynastiewechsel im westfränkischen Reich von der Karolingern zu den Kapetingern im Jahre 987 – in der Geschichtsschreibung neben 843 oft als Beginn des französischen Königtums angesehen – bestand der Titel König der Franken (Roi des Francs) noch lange fort. Mitkönige sicherten den dynastischen Bestand. Bis ins letzte französische Königsjahr 1848 entstammten die Könige aus der Dynastie der Kapetinger, allerdings aus verschiedenen Häusern (direkte Kapetinger 987–1328, Valois und Nebenlinien 1328–1589, Bourbon und Nebenlinien 1589–1792, 1815–1848).

Philipp II. (1180–1223) verwendete um 1190 erstmals den Titel König von Frankreich (Roi de France, Franciae Rex, seltener Rex Franciae). Ludwig IX. (1214–1270) wechselte während seiner Regierungszeit in der offiziellen Bezeichnung von König der Franken zu König von Frankreich. Der Titel König der Franken bleibt aber bis zu Philipp IV. (1268–1314) in Gebrauch. Auf Münzen findet sich Francorum Rex sogar bis ins 17. Jahrhundert.

Die Titulatur König von Frankreich und Navarra (Roi de France et de Navarre) galt 1285–1328, 1589–1789 und 1815–1830. Zwischen 1328 und 1589 wurde wieder lediglich König von Frankreich verwendet. Nach Beginn der Französischen Revolution wechselte Ludwig XVI. 1789 zum Ausdruck König der Franzosen (Roi des Français); dieser Titel wurde bis 1792 und dann wieder 1830–1848 verwendet. Anstelle auf das Territorium wurde nun auf die Bevölkerung Bezug genommen. Der Zusatz Allerchristlichster König war unter Karl VII. aufgekommen. Die Kaistertitel der Jahre 1804–1815 und 1852–1870 waren Empereur des Français (Kaiser der Franzosen).

Parallel zur Bezeichnung des Herrschers kam der Ausdruck Königreich Frankreich (Royaume de France) ebenfalls im 13. Jahrhundert auf und in Gebrauch und ersetzte Royaume des Francs (Königreich der Franken) bzw. Francie occidentalis (westliches Franken). 1791 (zwei Jahre nach der französischen Revolution) wurde aus der absoluten eine konstitutionelle Monarchie, aus dem Königreich Frankreich für ein Jahr das Königreich der Franzosen (Royaume des Français).

Bezeichnungen der Staatsoberhäupter

Sehr kurze Übergangsperioden, wie z. B. am Beginn der zweiten Republik, sind nicht aufgeführt.

  • 5. Jahrhundert – 12./13. Jahrhundert: König der Franken
  • 12./13. Jahrhundert – 1789: König von Frankreich (und Navarra)
  • 1789–1799: Französische Revolution
  • 1799–1804: Konsul
  • 1804–1815: Kaiser der Franzosen
  • 1815–1830: König von Frankreich und Navarra
  • 1830–1848: König der Franzosen
  • 1848–1852: Präsident der französischen Republik
  • 1852–1870: Kaiser der Franzosen
  • 1870–1871: Präsident der Regierung der nationalen Verteidigung (Trochu)
  • 1871–1940: Präsident der französischen Republik
  • 1940–1944: Staatschef (Petain)
  • 1944–1947: Vorsitzender der Provisorischen Regierung
  • seit 1947: Präsident der französischen Republik
Bezeichnungen des Staates

Vorgeschichte und Antike[Bearbeiten]

Hauptartikel: Urgeschichte Frankreichs

Zu den bedeutenden Fundorten aus der Zeit des Aurignacien, als auf dem Gebiet des heutigen Frankreich Jäger und Sammler lebten, zählen Cro-Magnon und La Ferrassie. Aus dieser Zeit stammen auch die Höhlenmalereien der Chauvet-Höhle und wahrscheinlich auch der Höhle von Lascaux. Aus der mittleren Altsteinzeit sind in weiten Teilen Frankreichs Funde des Mousterien und verwandter Kulturgruppen bekannt. Bis zur Jungsteinzeit drangen südwesteuropäische Bauernkulturen ein (Chassey-Kultur).

Bis 1500 v. Chr. haben sich wie in weiten Teilen Eurasiens und Afrikas weitere Bauernkulturen etabliert. Während der spätbronzezeitlichen Wanderperiode (1250–750 v. Chr.) breiteten sich von Osten her Urnenfelderkulturen aus, im Westen verharrten westeuropäische Bronzekulturen.

Die griechische Kolonisationsphase brachte die Gründung von ionischen Koloniestädten an der französischen Mittelmeerküste: Massalia – Marseille, Olbia, Antipolis – Antibes, Nikaia – Nizza, Agathe, Rhode (Mutterstadt: Phokaia im heutigen Kleinasien).

Im vierten Jahrhundert v. Chr. waren weite Teile Frankreichs Teil des keltischen Kernraums (frühe Latène-Kultur). Die Kelten erreichten im darauffolgenden Jahrhundert die Mittelmeerküste. Zu den keltischen Stämmen zählen z. B. die Aulerci, Bituriges, Arverner, Haeduer, Volcae und Allobroger.

In den Zeiten der Punischen Kriege waren die griechischen Kolonien Südfrankreichs Verbündete Roms. Die Kriegsexpedition der Scipionen gelangte über Massilia und Rhodae in die karthagischen Gebiete der Iberischen Halbinsel (218–209 v. Chr.).

Die Expansion des römischen Reiches brachte auch das westliche Europa unter römische Herrschaft. Kleine Gebiete des heutigen Frankreich im Südosten im Nizza (Nicaea) gehörten bereits zu Ligurien und damit zum italischen Kerngebiet. Die mittelmeernahen Gebiete wurden zwischen 154 und 121 v. Chr. römisch. Zwischen 58 und 51 v. Chr. eroberte Caesar in den Gallischen Kriegen die bis dahin unter keltischer Herrschaft stehenden Gebiete für Rom. Es wurden die römischen Provinzen Gallia, Gallia Narbonensis, Gallia Belgica und Aquitanien eingerichtet.

Vor allem das Rhonetal bis Lyon (Lugdunum) und die Mittelmeergebiete gehörten zu den wirtschaftlichen Zentren des römischen Reiches. Von Lyon strahlten einige Haupthandelsstraßen von Süden nach Nordwesten und Nordosten aus. Residenzort war Arelate. Ein bedeutender römischer Flottenhafen befand sich in Forum Iulii.

Kurz vor der römischen Reichsteilung von 395 erstreckten sich die Diözesen XIII (Galliae) und XIV (Septem Provinciarum) über Frankreich, die zusammen mit XII (Britanniae) und XV (Hispanie) im weströmischen Reich die Präfektur Gallien bildeten.

Im fünften Jahrhundert durchzogen germanische Gruppen weite Teile der römischen Reiche. Im Gebiet des heutigen Frankreich ließen sich unter anderem die Franken im Norden und die Burgunder im Südosten nieder. 451 besiegten die Römer in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern die Hunnen unter Attila. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches um 476 etablierten sich mehrere Reiche:

  • Reiche der Franken im Norden (z. B. das Reich der Salfranken)
  • Reich der Burgunder im Südosten
  • Reich der Westgoten im Südwesten
  • Teile im Osten gehörten zum Herrschaftsgebiet der Alemannen
  • Teile im Südosten waren Teil des italischen Reiches des Odowaker
  • Um Paris hatte sich als römisches Restgebiet das Reich des Syagrius gehalten
  • In der Bretagne (Aremorica) ließen sich keltische Bretonen nieder

In der Folgezeit eroberten die Franken sowohl das Gebiet des späteren Frankreich als auch weite Teile Europas.

5. Jahrhundert – 843: Fränkisches Reich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fränkisches Reich

Der Merowinger Chlodwig I. schaltete die anderen fränkischen Kleinkönige aus und errichtete das Frankenreich. Die Merowinger eroberten nach und nach die umliegenden Reiche und Gebiete 502–507 Alemannien, 507–511 Aquitanien von den Westgoten, 531 ebenfalls von den Westgoten das Gebiet des heutigen Gascogne und septimanische Gebiete an der oberen Garonne, 532–534 das Reich der Burgunder und 536 die ostgotischen Mittelmeergebiete um Marseille. Die Bretagne stand in loser Verbundenheit zum Frankenreich.

Im 8. Jahrhundert breiteten sich von Afrika her Mauren nach Europa aus und eroberten Spanien und Septimanien. Sie unterlagen 732 in der Schlacht von Tours und Poitiers dem Frankenreich. 759 wurde auch Septimanien fränkisch. Das Frankenreich wurde seit 751 von den Karolingern geführt.

Unter Karl I. (Karl der Große, Charlemagne) erreichte das Frankenreich seine größte Ausdehnung und beherrschte neben dem Gebiet des späteren Frankreich auch weite Teile des übrigen Europa. Dieses Frankenreich wurde 843 in drei Teile geteilt. Aus dem Westfränkischen Königreich entwickelte sich das Königreich der Franken, das seit dem 13. Jahrhundert „Königreich Frankreich“ genannt wurde.

In den westlichen Gebieten des Fränkischen Reiches entwickelten sich aus dem Vulgärlatein die romanischen Volkssprachen (Langue d’oil im Norden, Langue d’oc im Süden), in den östlichen Gebieten wurden die germanischen Idiome weiterentwickelt (Althochdeutsch, Altniederdeutsch); bis um 1000 pendelte sich die romanisch-germanische Sprachgrenze zwischen Nordsee und Matterhorn ein.

Teilung des Karolingerreichs im Vertrag von Verdun im Jahr 843

843–1328: Vom Westfränkischen Königreich zum Königreich Frankreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Westfrankenreich

Mit der Teilung im Vertrag von Verdun begann 843 die Geschichte Frankreichs als eigenständiges Gemeinwesen. Die Söhne des Karolingerkaisers Ludwig I. des Frommen (814–840) teilten das Frankenreich in einen östlichen, einen mittleren und einen westlichen Teil, wie es damals üblich war, wenn der verstorbene Herrscher mehr als einen überlebenden Sohn hatte. Erster König dieses Westfränkischen Reichs, dessen Wurzeln schon in früheren Reichsteilungen in Neustrien und Austrasien begründet liegen, wurde Karl II. der Kahle (843–77); dies kann als Ursprung des heutigen Frankreichs betrachtet werden, wobei der Vertrag von Coulaines 843 nachträglich gleichfalls als Gründungsurkunde erscheint, da er in dem Teilreich ein eigenständiges Verfassungssystem begründete. Französische Gelehrte greifen teilweise noch weiter in der Geschichte aus und sehen Chlodwig I. als ersten König an. Faramund (frz. Pharamond) ist hingegen ein legendenhafter König, der im frühen 5. Jahrhundert gelebt haben soll.

Wie im Ostfrankenreich bilden sich große Territorien: Die Herzogtümer Franzien, Aquitanien (Guyenne), Gascogne, Bretagne und Normandie, die Grafschaften Champagne, Grafschaft Toulouse, Barcelona, Grafschaft Flandern, sowie die Markgrafschaft Gothien. Ursprünglich wurde im Frankenreich das Königreich unter allen Söhnen aufgeteilt. Dies wurde anfangs auch in den drei fränkischen Teilreichen beibehalten. Schon bald änderte sich dies und es bildete sich eine Art staatliche Identität im Westen, Osten sowie in Italien heraus. Das Mittelreich Lotharingien wurde dabei ab 925 endgültig dem Ostreich zugeschlagen. Verbunden war diese Änderung der Sichtweise mit Dynastiewechseln, mit der Einführung neuer Namen für die Reiche sowie mit dem Wechsel von der Erb- zur Wahlmonarchie; durch die Praxis, die Herrschersöhne schon zu Lebzeiten der Väter zu krönen und an der Macht zu beteiligen, wurde in West- und Ostfranken die dynastische Herkunft dominierend. Anders als in Ostfranken/Deutschland, wo die Karolinger 911 ausstarben und während des gesamten Mittelalters nie mehr als fünf Herrscher derselben Dynastie ununterbrochen aufeinanderfolgten, spielten in Westfranken/Frankreich dynastische Kontinuität und das Geblütsrecht bis ins 19. Jahrhundert eine wesentliche Rolle, und die Könige erreichten Anfang des 13. Jahrhunderts sogar die Errichtung einer Erbmonarchie.

Anfangs hatte Westfranken eine starke Stellung unter den Karolingerreichen. Karl II. der Kahle konnte als letzter überlebender Sohn Kaiser Ludwigs I. Italien erwerben und wurde 875 zum Kaiser gekrönt. Durch den frühen Tod seines Sohnes und seiner beiden Enkel löste sich das Reich jedoch auf: 877 wurden Niederburgund (Arelat) und 888 Hochburgund selbstständige Königreiche, und auch die Herrschaft in Italien konnte nicht aufrechterhalten werden. 880 musste der Anspruch auf Lothringen aufgegeben werden, das an Ostfranken fiel. 884 wurde der ursprünglich ostfränkische König und Kaiser Karl III. der Dicke (881–87) Herrscher auch des westfränkischen Reichs, aber wegen seiner Passivität angesichts der normannischen Bedrohung wurde er zur Abdankung gezwungen (Reichstag von Tribur). 888 wurde mit Graf Odo von Paris aus dem Geschlecht der Robertiner ein erster Gegenkönig in Westfranken gewählt. In den nächsten hundert Jahren wechselte die Königsstellung im Westfrankenreich öfter zwischen den Karolingern und den Robertinern. Aber selbst nachdem die Robertiner 987 endgültig die Königsherrschaft im Westfrankenreich übernommen hatten, war das französische Königtum weitgehend auf seinen Kernraum in der Ile de France beschränkt und übte nur eine nominelle Oberherrschaft über die übrigen Herzogtümer in Frankreich aus.

Zu einem Machtfaktor entwickelte sich das burgundische Kloster Cluny und die von ihm ausgehende monastische Reformbewegung (cluniazensische Reform). Der Stifter von Cluny, Herzog Wilhelm der Fromme von Aquitanien, gab dem 910 gegründeten Kloster eine von jeder weltlichen und bischöflichen Gewalt freie Verfassung; es war lediglich dem Papst unterstellt. König Heinrich I. des Ostfrankenreiches (919–36) erteilte dem Kloster das Privileg, Tochterklöster zu gründen und die Reform auch auf diese zu übertragen. Begünstigend für die Ausbreitung war nicht zuletzt das Machtvakuum im Grenzgebiet von Frankreich, Deutschem Reich und dem Arelat, sodass sich die cluniazensische Reform rasch ausbreiten konnte – vor allem im westfränkischen Reich. Das Kloster wuchs im Laufe der Zeit zu einem zentralisierten Mönchsstaat heran, dem im 12. Jahrhundert über 200 Abteien und Priorate unterstellt waren. Cluny entwickelte sich neben dem römisch-deutschen Kaiser zum zweiten bedeutenden abendländischen Machtfaktor dieser Zeit und trug wesentlich zum Mitte des 11. Jahrhunderts eskalierenden Investiturstreit bei.

Frankreich im Jahr 1030. Die Krondomäne, d. h. der eigentliche Königsbesitz ist hellblau gefärbt.

Nach dem Aussterben der Karolinger wurde 987 Herzog Hugo Capet von Franzien, ein Nachfahre des Gegenkönigs Robert I. aus dem Geschlecht der Robertiner, mit Unterstützung der Kaiserin Theophanu König von Frankreich und begründete die später so genannte Kapetinger-Dynastie.

1066 konnte Herzog Wilhelm der Eroberer England erobern. Er war gleichzeitig Vasall des französischen Königs. Das englische Königshaus entwickelte sich zur größten Bedrohung für die französische Krone über die nächsten vier Jahrhunderte.

Der Montségur, letzte Bastion der Katharer in den Albigenserkriegen

Der Aufstieg der Kapetinger begann mit Ludwig VI. dem Dicken (1106–37); durch Ausbildung des Lehnsrechts und Privilegierung der Städte konnte er die Stärkung der Krone auf Kosten des niederen Adels einleiten. Ein französisches Nationalgefühl entstand durch den Angriff Kaiser Heinrichs V. 1124 und durch die Kreuzzüge, in denen sich die Franzosen als „auserwähltes Werkzeug Gottes“ sahen. Ludwig verband sich mit dem Papsttum zum „Schutz gegen Deutschland“. Sein Kanzler, der Zisterzienserabt Suger, stellte zudem eine Verbindung zwischen der Krone und den Zisterziensern her. Sein Kirchenbau, die Basilika Saint-Denis, ist die Grabstätte fast aller französischen Könige und verkörpert als Initialbau der Gotik, die über die nächsten 250 Jahre die europäische Baukunst dominieren wird, die gewachsene Bedeutung Frankreichs.

Unter Ludwig VII. (1137–80) widerfuhr der Krone ein ernster Schlag: Ludwigs geschiedene Frau Eleonore von Poitou und Aquitanien heiratete 1152 Heinrich Plantagenet, Herzog der Normandie, Graf von Anjou, Maine und Touraine, der 1154 auch König von England wurde. Das Angevinische Reich nahm damit etwa die Hälfte des französischen Staatsgebiets ein. Ludwigs Sohn Philipp II. August (1180–1223) verdrängte England im Schulterschluss mit den Staufern aus dem Gebiet nördlich der Loire (1214: Schlacht bei Bouvines), und Ludwig IX. der Heilige (1226–70) konnte 1259 die Angevinen auf einen kleinen Bereich im Südwesten des Reichs (Gascogne und Aquitanien) beschränken. Der englische König Heinrich III. (England) musste zudem Ludwig IX. als Lehnsherrn anerkennen.

Ein weiterer nahezu unabhängiger Vasall war der Graf von Toulouse, der neben der Grafschaft Toulouse auch über das Languedoc gebot. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts unterschied sich der französische Süden kulturell und mit dem Okzitanischen auch sprachlich deutlich vom Norden. Die Verfolgung der „Ketzerei“ im südöstlichen Teil des Reichs löste die Albigenserkriege aus (1209–29). Erste Ziele der mit äußerster Brutalität vorangetriebenen „Bekehrung“ waren Béziers und Carcassonne. Ursprünglich begonnen durch den Papst, spielten ab 1216 religiöse Fragen dabei nur noch eine untergeordnete Rolle – die Kriegführung lag jetzt beim König. Die Krone war auch hier siegreich, und Toulouse und das Languedoc fielen bis 1271 ebenfalls an sie. Der Papst übernahm die Verfolgung der „Ketzer“ (Katharer); die zu diesem Zweck gegründete Inquisition erhielt im Languedoc beinahe uneingeschränkte Macht. In der Region kam es hierauf immer wieder zu Aufständen; 1244 wurde in einem letzten Kriegszug die Festung Montségur erobert.

1226 gelang es Ludwig VIII. (Frankreich), das Reich zur Erbmonarchie zu machen, was in Deutschland bis in die Neuzeit allen Herrscherfamilien verwehrt blieb. Nach dem Tod Kaiser Friedrichs II. im Jahre 1250 wurde Ludwig IX. zum mächtigsten Herrscher des Abendlandes.

1246 vergab König Ludwig IX. die 1204 von den Plantagenets an die Krone zurückgefallene Grafschaft Anjou an seinen jüngeren Bruder Karl und begründete so das Haus Anjou. Anjou erwarb in der Folge exterritoriale Gebiete: 1246 die Grafschaft Provence im römisch-deutschen Kaiserreich, 1266–1442 das Königreich Neapel (päpstliches Lehen aus dem staufischen Erbe), 1278–83 das Fürstentum Achaia (im von den Kreuzfahrern gebildeten Lateinischen Kaiserreich).

König Philipp IV. der Schöne (1285–1314) stärkte das Königtum weiterhin durch kluge Finanzpolitik, die Liquidierung des Templerordens zugunsten der Krone und die Erweiterung der Domaine royal (Krondomäne) um die Champagne. Der Konflikt mit England verschärfte sich aber erneut, und es kam 1297–1305 zu einer ersten militärischen Auseinandersetzung mit den traditionell pro-englischen Städten in Flandern, in der der König aber letztlich die Oberhand behielt.

Auch der Konflikt mit dem Papst um dessen Weltherrschaftsanspruch eskalierte. 1303 setzte Philipp der Schöne den Papst gefangen, und 1309 besiegelte er die Abhängigkeit der Kurie von Frankreich durch deren erzwungene Übersiedlung nach Avignon. Während des nun folgenden mehr als 100-jährigen Papsttums in Avignon erfuhr die Kirche einen starken Autoritätsverlust.

Die Kapetinger-Dynastie erlosch 1328 in der älteren, direkten Linie mit dem Tod König Karls IV. Ihr folgte die Valois-Dynastie, die im Mannesstamm ebenfalls auf Hugo Capet zurückgeht, auf den Thron (bis 1589).

1328–1589: Haus Valois[Bearbeiten]

Frankreich 1429 bis 1453
Herzog Philipp der Gute von Burgund, Kriegsgegner König Karls VII.

Nach dem Tod des letzten Kapetingers wurde 1328 nach salischem Erbfolgerecht (männliche Thronfolge) Philipp von Valois, Graf von Anjou, der Cousin des verstorbenen Karl IV. zum neuen König gewählt; er begründete die Valois-Dynastie (bis 1498). Thronansprüche erhob aber ebenfalls Eduard III. Plantagenet, König von England und Herzog von Aquitanien. Eduard war Neffe Karls IV. in weiblicher Folge. Vor diesem Hintergrund kam es 1339 bis 1453 zum Hundertjährigen Krieg. England erzielte große Anfangserfolge und eroberte bis 1360 neben Calais den gesamten Nordwesten Frankreichs. Es kam in Frankreich zu schweren inneren Konflikten – das Land hatte zusätzlich zu der Pestepidemie von 1348 unter den Kriegsfolgen und dem Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons zu leiden. Ab 1369 konnte Frankreich den Gegner im Kleinkrieg abnutzen und bis 1380 auf wenige Stützpunkte (Calais, Cherbourg, Brest, Bordeaux, Bayonne) zurückdrängen.

König Johann II. der Gute (1350–64) belehnte seine jüngeren Söhne mit den wichtigen Territorien Anjou, Berry und Burgund. Diese Nebenlinien der Valois hatten bis 1477 erheblichen Einfluss im Königreich. Insbesondere das Haus Burgund konnte während dieser Zeit einen erheblichen Besitz anhäufen. Einen ersten Schritt dazu unternahm Philipp der Kühne, Herzog von Burgund (1363–1404), als es 1378 zu einer Auflehnung der flandrischen Städte gegen die kriegsbedingt hohe Steuerlast kam. Philipp von Burgund konnte diesen Aufstand niederschlagen und erhielt mit der Hand der flandrischen Gräfin Margarete von Mâle 1384 Flandern, mit dem Artois, Hennegau und der Franche-Comté. Philipp und sein Neffe Ludwig Herzog von Orléans (1392–1407) nahmen weiterhin die Regentschaft für den geisteskranken König Karl VI. (1380–1422) wahr, waren aber untereinander in Machtkämpfe verstrickt.

Es kam zur Staatskrise, als 1415 England mit der Schlacht von Azincourt erneut den Hundertjährigen Krieg aufgriff. Herzog Philipp der Gute von Burgund (1419–67) stellte sich auf die Seite Englands, als 1419 Anhänger des Dauphin seinen Vater ermordeten. England und Burgund besetzten schnell die Normandie und den Norden Frankreichs einschließlich Aquitanien und der Île-de-France (Krondomäne) mit Paris. Die Rettung kam mit Jeanne d’Arc (auch bekannt als „Jungfrau von Orléans“). Diese konnte den nationalen Widerstand entfachen, zwang 1429 England zur Aufhebung der Belagerung von Orléans und führte Karl VII. (1422–61) zur Salbung in die Kathedrale von Reims. Schließlich wurde sie von den Burgundern gefangen genommen, an die Engländer verkauft und am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In Frankreich gilt sie seither als Nationalheldin. Von der Römisch-katholischen Kirche wurde sie 1920 heiliggesprochen. 1435 versöhnte sich der König mit Burgund, 1436 wurde Paris und 1449–53 schließlich die Normandie zurückerobert. Nach der Schlacht bei Castillon wurde der Krieg beendet.

Frankreich im Jahr 1477

In der Zwischenzeit konnten die Burgunder weiter ihren Herrschaftsbereich ausbauen. Der König konnte 1435 deren Abwendung von England nur durch die Entlassung Burgunds aus der französischen Lehnsabhängigkeit erkaufen. Burgund verdankte seinen Aufstieg der anhaltenden Schwäche der französischen Monarchie. Als jedoch 1461 nach Beilegung des Hundertjährigen Krieges Ludwig XI. den französischen Thron bestieg, änderte sich die politische Lage: Da Burgund nach wie vor als Teil Frankreichs galt, war der Zusammenprall unausweichlich. Der Konflikt wurde noch durch die aggressive Politik Herzog Karls des Kühnen (1467–77) verschärft, der Burgund zum unabhängigen Königreich erklären wollte. Er traf eine entsprechende Vereinbarung mit dem Habsburger Kaiser Friedrich III. (1440–93), der aber im Gegenzug die Hand der burgundischen Erbin Maria für seinen Sohn Maximilian forderte. Dem stimmte Karl letztlich auch zu, konnte jedoch die Früchte seiner Politik nicht mehr ernten, da er 1477 in der Schlacht bei Nancy fiel.

Franz I.

Mit dem Erbfall erhob nun Habsburg Ansprüche auch auf französisches Territorium. Es kam zum Krieg; erst 1493 fielen die Grafschaft Flandern und das Artois mit dem Vertrag von Senlis an Habsburg und wurden in das römisch-Deutsche Reich eingegliedert. Bei Frankreich verblieben die übrigen französischen Territorien aus dem burgundischen Erbe (Burgund, Nevers, Picardie).

Im Zuge der Italienischen Kriege seit 1495 wurden Spanien und Frankreich zunehmend Machtkonkurrenten. Frankreich versuchte mehrfach Mailand zu annektieren und so die Oberhoheit in Italien zu erlangen. Unter der Regierung Franz I. kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit Kaiser Karl V., der seinen Besitz in Süditalien (Neapel) zu verteidigen suchte. Franz’ Offensivkriege blieben letztlich ohne Folgen.

Sein Nachfolger Heinrich II. unternahm ebenfalls Angriffskriege gegen das Haus Habsburg, die nur mäßige Erfolge brachten. Durch die Unterzeichnung des Friedens von Cateau-Cambrésis suchte man einen außenpolitisch stabilen Frieden, da es zu inneren Konflikten mit den Hugenotten kam. Durch diesen Frieden verlor Frankreich seine Vormachtposition an Spanien.

Es kam zur inneren Schwächung Frankreichs und der Krone. Katholisches und protestantisches Lager bekämpften sich in den Hugenottenkriegen gegenseitig, um Einfluss auf die Regierung zu erhalten. In der Bartholomäusnacht am 23./24. August 1572 in Paris wurden wichtige protestantische Persönlichkeiten ermordet. Dies löste erneut Flüchtlingsströme aus.

1589–1789: Haus Bourbon[Bearbeiten]

Bourbonisches Wappen von Frankreich und Navarra seit der Vereinigung beider Kronen 1589
Hauptartikel: Bourbon

Das Ende der direkten Linie der sogenannten Valois führte zu Kämpfen, bei denen schließlich Heinrich IV. aus dem Hause Bourbon rechtmäßig König wurde (1589). Er war der bedeutendste männliche Nachkomme des frz. Königshauses und Neffe des Königs Franz I., so dass er sich gegen das pro-spanische Haus Guise durchsetzen konnte, das den Thron usurpieren wollte. Er war Protestant und musste zum Katholizismus übertreten, um seine Herrschaft zu festigen; dies soll er mit dem Ausspruch „Paris ist eine Messe wert“ kommentiert haben. 1598 brachte das von Heinrich IV. erlassene Edikt von Nantes eine zeitweilige Beruhigung der Lage, die bis zur Eroberung von La Rochelle 1628 anhielt.

Mit der Thronbesteigung Heinrich IV. begann die bedeutendste Epoche der frz. Geschichte: Der erneute Aufstieg Frankreichs zur Vormacht in Europa und die Durchsetzung der absolutistisch-zentralistischen Staatsform. Heinrich installierte eine zentral gelenkte, vom König völlig abhängige Bürokratie und schlug eine aggressive Außenpolitik gegenüber Spanien ein. Seine Ermordung (1610) verhinderte jedoch eine Invasion in den Spanischen Niederlanden. Sein Sohn Ludwig XIII. stand zunächst unter der Regentschaft seiner Mutter Maria von Medici. Es folgte eine Zeit, in der zwei KardinäleRichelieu und Mazarin – die Geschicke Frankreichs an Stelle des Königs lenkten und den Protestantismus energisch zurückdrängten. Mit der Einnahme von La Rochelle 1628 verloren die Hugenotten den letzten der ihnen im Edikt von Nantes gewährten befestigten Rückzugsplätze und waren danach schutzlos der königlichen absolutistischen Politik ausgeliefert. Unter der Leitung Richelieus wurde die Macht der Krone weiter gefestigt, die innere Opposition ausgeschaltet und sehr aktiv Außenpolitik betrieben. Auf Betreiben Richelieus griff 1635 Frankreich aktiv in den Dreißigjährigen Krieg in Mitteleuropa ein und geriet damit automatisch in Konflikt mit Spanien (Französisch-Spanischer Krieg (1635–1659)). Im Westfälischen Frieden von 1648 erhielt Frankreich Gebiete im Elsass zugesprochen und erreichte eine dauerhafte Schwächung der Zentralgewalt im Heiligen Römischen Reich. Mit dem Pyrenäenfrieden (1659) ging die Zeit der Hegemonie Spaniens in Europa auch äußerlich sichtbar zu Ende und das Zeitalter der französischen Dominanz in Europa begann. Diese Dominanz war militärisch und auch kulturell. Fast alle Fürsten Europas orientierten sich am Vorbild der französischen Kultur am Hof von Schloss Versailles.

Französisch wurde ab dem 17. Jahrhundert die lingua franca des europäischen Adels, zunächst in Mitteleuropa, im 18. und 19. Jahrhundert auch in Osteuropa (Polen, Russland, Rumänien); zahlreiche Gallizismen gelangten in die Sprachen Europas.[2] Jahrhundertelang wurde das Französische vom Adel und den Intellektuellen Europas gesprochen und galt als Sprache des Hofes und der Gebildeten (Bildungssprache).

Ludwig XIV.

1643 erbte der damals vierjährige Ludwig den Thron, Mazarin führte die Regierung weiter. Der Adelsaufstand der sogenannten Fronde bekämpfte vergeblich die Herrschaft Mazarins und die absolutistische Macht. Nach dem Tod Mazarins 1661 nahm Ludwig XIV. selbst die Regierung in die Hand. Unter ihm gelangte Frankreich auf den Gipfel seiner Macht. Der König verfügte dabei über eine bisher nie gekannte Machtfülle; er konnte alle Geschicke im Land bestimmen. Der Sonnenkönig war gewissermaßen das Zentralgestirn im absolutistischen Staat, um das sich alles drehte.

Außenpolitisch betrieb Ludwig XIV. in der politischen Tradition seines Großvaters und Richelieus eine expansive Politik mit dem Ziel, das Gewicht Frankreichs in Europa zu stärken. Im blutigen Londoner Kutschenstreit (1661) erzwang er symbolhaft die Anerkennung des diplomatischen Vorrangs der französischen vor der spanischen Krone. Der französische Staat wurde von Grund auf reformiert, indem die Bürokratie effektiv ausgebaut und das Rechtswesen vereinfacht wurde. Die Wirtschaft wurde nach den Grundsätzen des Merkantilismus umstrukturiert und das französische stehende Heer wurde zum größten des Kontinents ausgebaut. Eine große Marine kam hinzu. Dabei stand Colbert dem König zur Seite. Ludwigs Schloss Versailles und die staatliche Organisation Frankreichs wurden überall in Europa in kleinerer Form kopiert. Paris wuchs zu einer der größten Städte und zum wissenschaftlichen und intellektuellen Zentrum Europas heran.

Während der Herrschaft Ludwig XIV. führte Frankreich vier expansive Kriege: Den Devolutionskrieg (1667–1668), den Holländischen Krieg (1672–1678), den Pfälzischen Erbfolgekrieg gegen die Augsburger Allianz (1688–1697) und den Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1713). Letzterer führte zu einer exorbitanten Staatsverschuldung bis nahe an den Staatsbankrott und das Land hatte schwer unter den wirtschaftlichen Belastungen des Krieges zu leiden. Letztlich konnte sich Frankreich jedoch gegenüber der großen Koalition der europäischen Mächte behaupten. Die Kriege führten zu einer enormen territorialen Erweiterung Frankreichs vor allem im Osten gegenüber dem Heiligen Römischen Reich. Durch die zum Teil äußerst rücksichtslose Kriegsführung mit Zerstörung grenznaher Regionen zum Beispiel im Pfälzischen Erbfolgekrieg kam es jedoch zur Entwicklung von antifranzösischen Ressentiments, worin der Keim der später so genannten deutsch-französischen Erbfeindschaft gesehen werden kann.

Durch Ludwigs Edikt von Fontainebleau 1685 wurde das Toleranzedikt von Nantes aufgehoben, um die Einheit des Staates zu vollenden. Kirchen der Hugenotten wurden zerstört, protestantische Schulen geschlossen. Wer im Lande blieb und noch als Protestant erkennbar war, wurde verfolgt. Trotz des Verbots der Auswanderung bei schwersten Strafandrohungen flohen Hunderttausende französische Protestanten in die reformierten Nachbarländer (das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Preußen, Hessen etc.). Für Frankreich bedeutete die Massenemigration meist gut ausgebildeter Menschen einen schweren wirtschaftlichen Schaden; die Einwanderungsländer profitierten davon.

Frankreichs Eroberungen bis in das 18. Jahrhundert

Ludwig überlebte seinen Sohn und seinen ältesten Enkel und starb am 1. September 1715. Sein Urenkel Ludwig XV. folgte ihm auf dem Thron; in der Zeit der Régence gingen der wirtschaftliche Aufschwung und die kulturelle Blüte weiter. Legendär sind die Hofintrigen um Madame de Pompadour und Madame Dubarry. Durch seine erfolglose Teilnahme am Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) gegen Friedrich den Großen verlor Ludwig XV. erhebliche Teile der französischen Kolonien in Nordamerika (Québec, Louisiana) und Teile von Indien an England.

Ludwig XV. starb 1774; dann kam dessen Enkel Ludwig XVI. auf den Thron, der mit Marie Antoinette, einer Tochter der Kaiserin Maria Theresia verheiratet war. Ludwig XVI. machte die von Ludwig XV. noch kurz vor seinem Tod begonnenen Reformen zum großen Teil wieder rückgängig und suchte durch eigene Reformen den Staat zu reorganisieren. Dabei unterlief ihm der Fehler, dass er die Obersten Gerichtshöfe mit mehr Machtkompetenz ausstattete, wodurch es Hochadel und Klerus besser möglich war, seine Reformvorhaben zu bekämpfen. Dies führte in den 1780er Jahren zu einer großen Finanzkrise, zu der auch die Teilnahme am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beitrug. Der König reagierte mit Sparmaßnahmen und versuchte das Finanzwesen neu zu regeln; auch versuchte er die direkte Besteuerung des 1. und 2. Standes zu erreichen. Nach dem extrem harten Winter 1783/84 (siehe auch hier) und den Missernten der Jahre 1787/88 sah sich der König im August 1788 genötigt, die alte ständische Versammlung, die Generalstände (frz. les États generaux), einzuberufen, um die nicht mehr allein zu lösenden Probleme anzugehen. Am 17. Juni 1789 erklärten sich die Abgeordneten des Dritten Standes zur Nationalversammlung und schworen, nicht eher auseinanderzugehen, bis eine Verfassung für Frankreich geschaffen sei (Ballhausschwur). Damit begann das Ende des so genannten Ancien Régime (dt. „ehemalige Herrschaft“).

1789–1814: Von der Französischen Revolution zum Ersten Kaiserreich[Bearbeiten]

Sturm auf die Bastille – 14. Juli 1789

1789–1799: Revolution[Bearbeiten]

Napoléon Bonaparte als Kaiser

Die Französische Revolution begann mit dem Sturm auf die Bastille in Paris am 14. Juli 1789 (heute Nationalfeiertag Frankreichs). Die Revolutionäre wollten dem Absolutismus ein Ende setzen, der nach der Blütezeit unter Ludwig XIV. eine dekadente Phase unter Ludwig XVI. erreicht hatte. Am 26. August 1789 wurde in der Nationalversammlung die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte als erste Menschenrechtserklärung in Europa proklamiert. Nach der missglückten Flucht des Königs nach Varennes organisierte der radikale Club des Cordeliers eine Demonstration, die am 17. Juli 1791 zum Massaker auf dem Marsfeld führte. Die Verfassung des 3. September 1791 wandelte Frankreich von einer absolutistischen in eine konstitutionelle Monarchie.

Einen Tag nach der Kanonade von Valmy wurde am 21. September 1792 die Erste Französische Republik ausgerufen. Die Verschärfung der Gegensätze führte nach dem Tuileriensturm zu den Septembermassakern und letztlich zur Enthauptung des Königs am 21. Januar 1793. Nach dem Aufstand der Jakobiner erfolgte der Ausschluss der Girondisten aus dem Konvent. Die Terrorherrschaft des zwölfköpfigen Wohlfahrtsausschusses von Jakobinern, der zuerst von Georges Danton und dann zunehmend von Maximilien de Robespierre geleitet wurde, begann mit der Annahme der demokratischen Verfassung von 1793, die allerdings nie in Kraft trat. Die Jakobinerherrschaft wurde am 27. Juli 1794 (9. Thermidor) mit der Verhaftung und tags darauf der Hinrichtung Robespierres und seiner Anhänger durch die Thermidorianer beendet, worauf das Direktorium die Macht übernahm. Der Beginn der Koalitionskriege zwischen Frankreich und seinen Nachbarländern war durch zahlreiche französische Siege gekennzeichnet, darunter Napoleons Italienfeldzug von 1796–97.

1799–1804: Französisches Konsulat[Bearbeiten]

Hauptartikel: Französisches Konsulat

Am 9. November 1799 ergriff Napoléon Bonaparte mit dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII die Macht als Erster Konsul. Er ließ 1802 die Sklaverei, die im Zuge der Revolution abgeschafft worden war, in den Kolonien wieder einführen, was in der Kolonie Haiti im Jahre 1804 zu einem erneuten Aufstand führte, worauf Jean-Jacques Dessalines die Unabhängigkeit Haitis erklärte.

1804–1814: Erstes Kaiserreich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Erstes Kaiserreich
Das Wappen des Kaiserreichs unter Napoléon Bonaparte

In der Kaiserkrönung Napoleons I. am 2. Dezember 1804 setzte sich Napoléon selbst die Kaiserkrone aufs Haupt. Napoléon setzte die Annexionspolitik seiner Vorgänger fort und brachte in den Koalitionskriegen den größten Teil Europas unter seine direkte oder indirekte Kontrolle. Er agierte als Imperialist, wobei er den eroberten Ländern auch Errungenschaften der Revolution und des Liberalismus überbrachte: Rechtsgleichheit etwa oder den Code civil („Code Napoléon“).

Am 2. Dezember 1805 siegte Napoléon gegen Russland und Österreich in der Schlacht bei Austerlitz, auch Dreikaiserschlacht genannt. Im Oktober 1806 kam es zu der Schlacht bei Jena und Auerstedt, in der die preußischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Die französischen Truppen marschierten in Berlin ein. Napoleon marschierte durch Polen und unterzeichnete ein Abkommen mit dem russischen Zar Alexander I., das Europa zwischen den beiden Mächten aufteilte. Napoléon setzte einen europaweiten Handelsboykott (die sog. Kontinentalsperre) gegen Großbritannien durch und setzte während des Kriegs auf der Iberischen Halbinsel seinen Bruder Joseph Bonaparte als König in Spanien ein. Die Spanier erhoben sich, und es gelang Napoléon nicht, den Aufstand niederzuschlagen.

Das französische Kaiserreich zur Zeit seiner größten Ausdehnung im Jahr 1812

1809 kam es neuerlich zum Krieg mit Österreich, das dieses Mal jedoch auf sich alleine gestellt war. Napoléon eroberte Wien, büßte aber kurz darauf in der Schlacht bei Aspern den Nimbus der Unbesiegbarkeit ein. Anderthalb Monate später nahm er in der Schlacht bei Wagram erfolgreich Revanche und Österreich musste sich im Frieden von Schönbrunn geschlagen geben.

In diesem Jahr ließ sich Napoléon von Joséphine scheiden, da sie ihm keine Kinder gebären konnte, und heiratete 1810 Marie-Louise von Habsburg. Nach der Niederlage der Grande Armée („Großen Armee“) im Russlandfeldzug 1812 kam das Französische Kaiserreich ins Wanken. Die endgültige Niederlage der Franzosen kam 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig. Nach der Niederlage ging Napoléon ins Exil nach Elba, einer kleinen Mittelmeerinsel. Ludwig XVIII. wurde als König eingesetzt. Schon 1815 kehrte Napoléon aber wieder aufs Festland zurück, wo ihn das Militär, das ihn aufhalten sollte, begeistert empfing. In Paris übernahm Napoléon die Herrschaft der Hundert Tage, bis er bei Waterloo, (auch „Belle Alliance“ genannt), in der Nähe von Brüssel endgültig besiegt wurde. Frankreich musste die eroberten Gebiete wieder aufgeben, konnte sein altes Territorium (einschließlich Elsass-Lothringens) aber vollständig erhalten.

1814–1871: Von der Restauration zum Zweiten Kaiserreich[Bearbeiten]

Die Restauration wurde in Frankreich mit der Charte constitutionnelle von 1814 eingeleitet, die nach dem kurzen Zwischenspiel der napoleonischen hundert Tage bis 1830 galt. Es wurden nun wieder Könige aus dem Hause Bourbon eingesetzt, das mit Ludwig XVIII. und Karl X. immer despotischer regierte. Am 26. Juli 1830 löste Karl X. das Parlament auf. Auf den „Staatsstreich“ reagierte die liberale Opposition mit Aufrufen zum Widerstand gegen das Regime. Es kam zur Julirevolution von 1830.

In der Julimonarchie kam der als liberal geltende Louis-Philippe aus der Nebenlinie Orléans des Hauses Bourbon auf den französischen Thron. Als sogenannter Bürgerkönig führte er seine vom Großbürgertum gestützte Regierung zunächst liberal, gab dann aber seiner Politik eine zunehmend reaktionäre Richtung, bis hin zum Beitritt Frankreichs in die Heilige Allianz, ein ursprünglich von Preußen, Russland und Österreich gegründetes, der Restauration verpflichtetes Staatenbündnis. Louis-Philippe wurde durch die Februarrevolution 1848, die zur zweiten französischen Republik führte, gestürzt. Louis Napoléon Bonaparte, ein Neffe Napoléon Bonapartes, wurde zum Präsidenten gewählt.

Am 2. Dezember 1852 krönte sich Louis Napoléon Bonaparte als Napoléon III. zum Kaiser. Er sicherte seine Macht durch Militär und Repressionsmaßnahmen, durch eine erfolgreiche Außenpolitik sowie durch materielle Zugeständnisse an die Bevölkerung. Sein Zweites Kaiserreich dauerte bis zum 2. September 1870, als er im Deutsch-Französischen Krieg militärisch scheiterte und in preußische Gefangenschaft geriet. Am 4. September wurde die Dritte Französische Republik ausgerufen.

1870–1944: Pariser Kommune, Dritte Republik, Vichy-Regime[Bearbeiten]

1870–1871: Pariser Kommune[Bearbeiten]

Hauptartikel: Pariser Kommune

Nach einer Kapitulation des Kaiserreichs kam es in Paris zum Volksaufstand gegen diese Kapitulation; die sogenannte Pariser Kommune entstand. Die Abgeordneten der Kommune forderten die Gründung einer föderalistischen Republik. Die konservative Mehrheit der französischen Nationalversammlung schickte Truppen gegen die Kommune. Nach zweimonatiger Belagerung kam es vom 21. bis 28. Mai 1871 zu erbitterten Barrikadenkämpfen um die französische Hauptstadt. Fast ein Viertel der Arbeiterbevölkerung kam bei den Kämpfen und den darauffolgenden Massenexekutionen ums Leben.

1871–1940: Dritte Republik[Bearbeiten]

In der Folge wurde Frankreich wieder Republik. 1905 wurde als eine Konsequenz aus der Affäre Dreyfus das Gesetz zur Trennung von Religion und Staat angenommen, wodurch die vollkommene Trennung von Staat und Kirche – frz. la laïcité, dt. Laizismus – in der Verfassung verankert wurde. Im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 (frz. La Grande Guerre) starben etwa 1,5 Millionen französische Soldaten. Frankreich gehörte nach dem Krieg zu den Siegermächten der Entente und diktierte den Verlierern 1919 im Versailler Vertrag harte Bedingungen. Das 1871 an Deutschland verlorene Elsass-Lothringen kam wieder an Frankreich.

In der Zwischenkriegszeit verfolgte Frankreich zunächst die Politik der Sicherheit am Rhein (Ruhrgebietsbesetzung im Januar 1923 unter Ministerpräsident Poincaré), der die deutsch-französische Annäherung im Locarnovertrag 1925 folgte. Die folgenden Jahre waren Krisenjahre mit schnell wechselnden Regierungen. 1930 bis 1936 baute man mit bis zu 20.000 Arbeitern die Maginot-Linie; sie war sehr teuer und erwies sich im Zweiten Weltkrieg (Westfeldzug) als personalintensiv und nutzlos. Offensivere Taktiken wurden nicht oder zu spät ergriffen; die Entwicklung der Panzer wurde unterschätzt.

Am 6. Februar 1934 beteiligte sich die faschistische Bewegung Croix de Feu an einer großen antiparlamentarischen Straßenschlacht. Nach dem Rücktritt von Édouard Daladier (1934) bildete Gaston Doumergue eine Regierung der nationalen Einheit (frz. Union Nationale), die ohne Zustimmung der Kommunisten und Sozialisten auskommen musste. Im Mai 1936 konnte die neu gebildete Front populaire (übersetzt: Volksfront) aus Sozialisten, Kommunisten und Radikalsozialisten die Parlamentswahlen gewinnen (mit der Parole «Brot, Frieden, Freiheit»). Der Sozialist Léon Blum wurde 1936/37 und 1938 Ministerpräsident. Sein Nachfolger wurde zweimal der Radikalsozialist Edouard Daladier. Die 'Front populaire' verfolgte konsequent das Prinzip der Nichteinmischung und war auf Frieden und Verteidigung eingestellt. Gegenüber Deutschland verfolgte sie eine Appeasement-Politik (ähnlich wie Neville Chamberlain, der von Mai 1937 bis 1940 britischer Premierminister war). Da seit 1930 die Maginot-Linie gebaut wurde, fühlten sich viele vor einem deutschen Angriff sicher (ähnlich die Tschechoslowakei, die von 1933 bis 1938 den Tschechoslowakischen Wall baute).

Als Hitler am 1. September 1939 den Polenfeldzug begann, erklärten Frankreich und Großbritannien ihm zwei Tage später den Krieg. Frankreich war jedoch militärisch kaum vorbereitet. Die französische Armee blieb bis zur deutschen Besetzung Belgiens am 10. Mai 1940 in der Defensive („Sitzkrieg“). Der Westfeldzug der Wehrmacht endete nach wenigen Wochen ("Blitzkrieg") mit der völligen Niederlage der französischen Armee. Am 14. Juni 1940 besetzten deutsche Truppen die offene Stadt Paris. Staatspräsident Albert Lebrun beauftragte nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Reynaud Marschall Pétain am 16. Juni 1940 mit der Regierungsbildung und Waffenstillstandsverhandlungen. Hitler konnte den Besiegten die Bedingungen diktieren; der Waffenstillstand von Compiègne (22. Juni 1940) war de facto eine Kapitulation.

1940–1944: Zweiter Weltkrieg: Vichy-Regime und France libre[Bearbeiten]

Besetztes Frankreich und Vichy-Regime
Deutscher Kontrollposten mit Stacheldrahtverhau und Hakenkreuz-Flagge an der Demarkationslinie am Fluss Cher 1941, Aufnahme der Propagandakompanie. Das Schild verbietet Juden, wie sie in der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz definiert wurden, den Übergang in das besetzte Frankreich.
Unter dem Vichy-Regime wurde auf den Franc-Münzen das Motto „Liberté, Egalité, Fraternité“ durch „Travail, Famille, Patrie“ ersetzt.

Nach der Niederlage im Westfeldzug blieb Frankreich besetzt. Der Waffenstillstandsvertrag sah eine Aufteilung Frankreichs in verschiedene Zonen vor. Die von den Deutschen besetzte und unter Militärverwaltung gestellte „Zone occupée“ (besetzte Zone) umfasste den Nordosten und Norden des Landes, die Atlantik- und die Kanalküste sowie die de facto vom Deutschen Reich annektierten Gebiete Elsass und Lothringen. Der deutsche Militärbefehlshaber residierte mit seinen Behörden in Paris. Das Département Nord und Pas-de-Calais unterstanden der Militärverwaltung in Belgien, der äußerste Südosten dem Bündnispartner Italien. In der „Zone libre“ (Freie Zone) entstand das von den Deutschen abhängige konservativ-autoritäre Vichy-Regime (die offizielle Bezeichnung war État Français), eine bis zum Vordringen der Alliierten 1944 mit Deutschland kooperierende Regierung. Die Regierung erhielt ihren Namen von ihrem Regierungssitz, dem Kurort Vichy in der Auvergne. Chef de l’État (Staatschef) war Marschall Henri Philippe Pétain. Die Freie Zone wurde am 11. November 1942 von Wehrmacht-Truppen besetzt (Unternehmen Anton), als den Alliierten die Landung in Nordafrika gelang. Wie in den anderen von Deutschland besetzten Staaten kam es auch in Frankreich zu bewaffnetem Widerstand gegen die Besatzung und ihre Helfer (siehe Résistance). Der deutschen Partisanenbekämpfung fielen insgesamt rund 13.000 bis 16.000 Franzosen zum Opfer, darunter 4.000 bis 5.000 unbeteiligte Zivilisten.[3]

Charles de Gaulle rief in einer Radioansprache (Radio Londres, Appell vom 18. Juni 1940) die Franzosen zum Widerstand gegen das NS-Regime auf, wobei er sich zugleich an die Spitze der Widerstandsbewegung stellte. Die französische Exilregierung erhielt Unterstützung von Winston Churchill sowie durch das Leih- und Pachtgesetz der US-Regierung. Bei der Landung in der Normandie und der Befreiung Frankreichs waren mit untergeordneter Bedeutung auch Truppen des Freien Frankreich beteiligt.

Seit 1944: Provisorische Regierung, Vierte und Fünfte Republik[Bearbeiten]

1944–1947: Provisorische Regierung[Bearbeiten]

De Gaulle bildete am 3. Juni 1944 eine provisorische Regierung.[4] Nach dem Rückzug bzw. der Kapitulation der deutschen Besatzer kam es zuerst zu wilden Ausschreitungen gegen der Kollaboration verdächtigte Landsleute; später wurde die Einrichtung einer Commission d’Épuration auf regionaler Ebene bewirkt. Marschall Pétain (* 1856) wurde am 15. August 1945 zum Tod verurteilt (von de Gaulle wurde die Strafe zwei Tage später in lebenslange Haft umgewandelt) und der Ministerpräsident des Vichy-Regimes Pierre Laval am 15. Oktober 1945 hingerichtet.

Am 13. November 1945 wurde de Gaulle durch die französische Nationalversammlung zum Ministerpräsidenten gewählt.

1947–1958: Vierte Republik[Bearbeiten]

Die Verfassung der Vierten Republik war bereits am 13. Oktober 1946 durch einen Volksentscheid beschlossen worden. Als erster Staatspräsidenten trat 1947 der Sozialist Vincent Auriol sein Amt an. 1954 wurde René Coty sein Nachfolger.

Frankreich war trotz der Niederlage 1940 gegen das Deutsche Reich von den Siegermächten (USA, Großbritannien, Sowjetunion) als gleichberechtigte Macht (Besatzungsmacht) anerkannt worden. Frankreich wurde auch eine der Veto-Mächte im UNO-Sicherheitsrat. In die Zeit der Vierten Republik fällt der Indochinakrieg, mit dem durch die Niederlage für Frankreich 1954 das Ende des französischen Kolonialreichs eingeleitet wurde. Die durch den Algerienkrieg ausgelöste Krise beendete die Vierte Republik, und brachte 1958 Charles de Gaulle wieder an die Macht. De Gaulle verlangte vor seiner Wahl als Staatspräsident Sondervollmachten zur Lösung der Algerienkrise sowie eine Verfassungsänderung zur Stärkung der präsidialen Autorität gegenüber Regierung und Parlament. Die neue Verfassung wurde im selben Jahr per Volksentscheid angenommen und markierte das Ende der Vierten Republik. Herausragende Politiker sind René Pleven, Robert Schuman, Pierre Mendès-France und Georges Bidault.

Seit 1958: Fünfte Republik[Bearbeiten]

Seit 1958 gilt Frankreich als semipräsidentielle Demokratie, der Begriff ist in der Politikwissenschaft allerdings umstritten. Von 1958 bis 1969 war Charles de Gaulle Staatspräsident. Im September 1958 bestätigten die Franzosen per Referendum mit 80% die Verfassung der Fünften Französischen Republik, die auf einen Vorschlag de Gaulles zurückging. Darin wurde die exekutive Macht bekräftigt und dem Président de la République weiterhin die Repräsentation des Staates zugesprochen. Er ist Befehlshaber der Armee, kann Gesetze verabschieden und die Assemblée Nationale jederzeit auflösen. 1962 beendete de Gaulle den Algerienkrieg. Die meisten Franzosen mussten Algerien daraufhin verlassen. 1968 brachen in Paris die Mai-Unruhen aus, denen sich viele Arbeiter anschlossen. De Gaulle setzte Neuwahlen an und gewann noch einmal. 10 Monate später verlor er jedoch ein Referendum und trat zurück. Seine Nachfolger Georges Pompidou (1969–74) und Valéry Giscard d’Estaing (1974–81) führten die Politik des Gaullismus im Wesentlichen fort. Im Mai 1981 kam mit der Wahl des sozialistischen Staatspräsidenten François Mitterrand (1981–95) und dem anschließenden Wahlsieg der Sozialistischen Partei (PS) die gemäßigte Linke an die Macht (siehe auch Kabinett Mauroy). 1986 verlor Mitterrand die absolute Mehrheit im Parlament und musste fortan mit dem gaullistischen Premierminister Jacques Chirac regieren; eine Phase der Cohabitation begann.

1995 gewann Chirac die Präsidentschaftswahl gegen den PS-Kandidaten Lionel Jospin. Chirac verlor 1997 die absolute Mehrheit im Parlament an die Sozialisten; Jospin wurde Premierminister. 2002 setzte sich Chirac bei den Präsidentschaftswahlen erneut gegen den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin und Jean-Marie Le Pen, den Chef der rechtsextremen Nationalen Front (frz. le Front National), durch. Jospin belegte nur Platz drei hinter dem Amtsinhaber Chirac und Le Pen, er trat von allen Ämtern zurück. Von 2002 bis 2007 amtierte dann wieder eine konservative Regierung unter den Premierministern Raffarin und de Villepin. Die Ablehnung des EU-Referendums am 29. Mai 2005 und die Unruhen in vielen französischen Vorstädten im Herbst 2005 (siehe: Unruhen in Frankreich 2005) machten einen Reformstau deutlich sichtbar. So gewann im Mai 2007 der ehemalige Wirtschafts- und Innenminister Nicolas Sarkozy die Stichwahl der Französischen Präsidentschaftswahl gegen die Sozialistin Ségolène Royal. Mitte 2008 brachte er eine große Verfassungsreform auf den Weg, die unter anderem die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Legislaturperioden begrenzt und dem Parlament mehr Einfluss auf die Politik des Landes geben soll.

Mit dem Élysée-Vertrag (1963) verstärkte sich die Annäherung und die Kooperation in den deutsch-französischen Beziehungen. Zentral für die ökonomische Integration Europas wurde die Einführung des Euro (als Buchgeld am 1. Januar 1999 (damit waren die Wechselkurse endgültig fixiert); als Bargeld am 1. Januar 2002).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H.-G. Haupt u. a.: Kleine Geschichte Frankreichs, Stuttgart, Reclam 1994.
  • Ernest Lavisse: Histoire de France depuis les origines jusqu’à la Révolution, 9 Bände, Paris 1903–1911.
  • Nouvelle Histoire de la France contemporaine, 20 Bände, Paris 1972–2005.
  • Jean Favier (Hrsg.): Geschichte Frankreichs, (6 Bände), Stuttgart 1989 ff.
  • Wolfgang Schmale: Geschichte Frankreichs, Ulmer (UTB), Stuttgart 2000, ISBN 3-8252-2145-8.
  • Olivier Büchsenschütz, u. a.: Gallien (Frankreich). In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 10, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, ISBN 3-11-015102-2, S. 345–402.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geschichte Frankreichs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Frankreich – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Soldaten für Atomtests missbraucht“, Bericht des ORF vom 17. Februar 2010
  2. Vgl. Joachim Grzega: Latein – Französisch – Englisch: Drei Epochen europäischer Sprach- und Wortschatzgeschichte, in: Grzega, Joachim, EuroLinguistischer Parcours: Kernwissen zur europäischen Sprachkultur, Frankfurt: IKO, ISBN 3-88939-796-4, S. 73–114.
  3. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, München, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, ISBN 978-3486579925
  4. siehe auch fr:Gouvernement provisoire de la République française