Königreich Griechenland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Königreich Griechenland
Βασίλειο της Ἑλλάδος
Vasílio tis Elládos
1832–1924 und 1935–1973
Flagge des Königreiches Griechenland Wappen des Königreiches Griechenland
Flagge Wappen
Ottoman flag.svg
Flag of Greece (1822-1978).svg
Flag of Greece (1822-1978).svg
Flag of the United States of the Ionian Islands.svg
Flag of Cretan State.svg
Flag of the Free State of Ikaria.svg
Flag of Italy (1861-1946).svg
Navigation Flag of Greece (1970-1975).svg
Flag of Greece (1822-1978).svg
Wahlspruch „Freiheit oder Tod“

(Ελευθερία ή Θάνατος  Elefthería i thánatos)
Wahlspruch der Könige:
„Meine Kraft ist die Liebe des Volkes“
(Ἰσχύς μου ἡ ἀγάπη τοῦ λαοῦ)

Verfassung Verfassung vom 2. März 1844
(1844–1867)
Verfassung vom 16. November 1864
(1867–1911)
Verfassung vom 1. Juni 1911
(1911–1924)
Verfassung vom 1. Januar 1952
(1952–1968)
Verfassung vom 15. November 1968
(1968–1973)
Amtssprache Griechisch
Hauptstadt Nafplio (1832–1834)
Athen (1834–1974)
Staatsform Absolute Monarchie (1832–1843)
Konstitutionelle Monarchie (1843–1924 und 1935–1974)
Regierungsform Parlamentarische Demokratie (1843–1924 und 1935–1974)
Autoritäre Diktatur („Regime des 4. August“) (1936–1941)
Militärdiktatur (1967–1974)
Staatsoberhaupt König
Otto (1832–1862)
Georg I. (1863–1913)
Konstantin I. (1913–1917 und 1920–1922)
Alexander (1917-1920)
Georg II. (1922–1924 und 1935–1947)
Paul (1947–1964)
Konstantin II. (1964–1973)
Regierungschef Ministerpräsident
siehe Liste der griechischen Premierminister
Fläche 131.957 km² (1947–1973)[1]
Einwohner 8.768.641 (1971)[2]
Bevölkerungsdichte 66,451 EW/km²
Währung Griechische Drachme
Gründung 3. Februar 1830
(Londoner Protokoll)
Auflösung 1. Juli 1973
(Abschaffung der Monarchie)
Nationalhymne Heil unserm König, Heil! (bis 1862)

Ymnos is tin Eleftherian (ab 1865)
Nationalfeiertag 25. März (1821, Beginn der Griechischen Revolution)
28. Oktober (1940, Ochi-Tag)
Zeitzone UTC+2 OEZ
Lage des Königreiches Griechenland (1973)

Das Königreich Griechenland (griechisch Vasílio tís Elládos Βασίλειο της Ἑλλάδος) bestand von 1832 bis 1924 und von 1935 bis 1973. Es war der erste griechische Staat der Moderne. Bis auf den ersten König aus dem Haus Wittelsbach, stammten alle folgenden aus dem Haus Oldenburg.

Entstehung[Bearbeiten]

Im Jahr 1821 begann die Griechische Revolution gegen das Osmanische Reich, die von den Großmächten Frankreich, Großbritannien und Russland unterstützt wurde. Am 20. Oktober 1827 fand die entscheidende Schlacht von Navarino statt, in der die Griechen mit Hilfe Frankreichs, Russlands und Großbritanniens den Sieg gegen die Türken errangen. Im Jahr 1827 wählte die griechische Nationalversammlung Ioannis Kapodistrias auf sieben Jahre zum Präsidenten. Er wurde jedoch bereits 1831, nachdem auf dem Peloponnes in der Mani Aufstände ausgebrochen waren und er daraufhin den dortigen Fürsten, Petros Mavromichalis, hatte verhaften lassen, vom Bruder und vom Sohn Mavromichalis' ermordet. Zu seinem Nachfolger wurde sein Bruder Augustinos Kapodistrias bestimmt, der bis 1832 regierte.

Das Wappen Griechenlands unter Otto von Wittelsbach (1831-1863)

Nachdem Prinz Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha, der spätere König der Belgier, die ihm angetragene griechische Krone abgelehnt hatte, wurde 1832 auf der Londoner Konferenz von 1832, auf der die Unabhängigkeit Griechenlands international anerkannt wurde, der Wittelsbacher Prinz Otto von Bayern, Sohn des bayerischen Königs Ludwigs I., zum König Griechenlands bestimmt. In den Londoner Protokollen wurden der zukünftige Status des neuen Staates und die Grenzen zum Osmanischen Reich festgelegt. Als Hauptstadt wurde Athen ausgewählt, das 1827 von den Osmanen zurückerobert worden war.

Nach der griechischen Revolution gegen die Herrschaft des Osmanischen Reiches erwachte das griechische Interesse an der Wiedereinführung der Olympischen Spiele. Die von Evangelos Zappas ins Leben gerufenen Olympien gelten als wichtigster Vorläufer der modernen Olympischen Spiele und durch eine königliche Verfügung von Otto I. als eine nationale Aufgabe von hohem Rang angesehen, die auch internationale Beachtung erfuhr. Die erste der Olympien fand 1859 im Stadtzentrum Athens und weitere fanden bis 1889 im eigens dafür errichteten Panathinaiko-Stadion statt.[3] Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit wurden 1896 in Athen abgehalten und erwiesen sich als großer Erfolg. Obwohl die Teilnehmerzahl mit nur rund 250 Athleten gering war, waren sie das größte sportliche Ereignis, das seit der Antike stattgefunden hatte.[4] Nach den beiden weit weniger erfolgreichen Spielen von 1900 in Paris und 1904 in St. Louis standen bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen die sportlichen Wettkämpfe wieder im Vordergrund, die als Rettung der olympischen Idee angesehen werden.[5]

Territoriale Entwicklung[Bearbeiten]

Wappen während der Herrschaft der Glücksburger (1863–1936)

Im Jahr 1864 trat die Republik der Ionischen Inseln dem Königreich bei, das inzwischen nach einem unblutigen Aufstand gegen König Otto von Georg I. aus dem Haus Oldenburg regiert wurde. Die Ionischen Inseln standen zuvor unter dem Schutz des Vereinigten Königreiches. 1881 eroberte Griechenland Thessalien vom Osmanischen Reich. Als 1896 ein griechischer Aufstand gegen die türkischen Herrscher auf Kreta ausbrach, unterstützte das Königreich die Aufständischen gegen das Osmanische Reich, was zum Türkisch-Griechischen Krieg führte, der 1897 mit einer weitreichenden Autonomie des Kretischen Staates unter dem Protektorat des griechischen Prinzen Georg II. endete. Kreta war seit 1898 faktisch unabhängig und erklärte 1908 einseitig die Vereinigung mit Griechenland, welche im Oktober 1912 vom Königreich und 1913 international anerkannt wurde.

Unmittelbar nach der Übernahme Zyperns durch das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland 1878 erfolgte die erste Forderung der Zyprioten nach Vereinigung mit Griechenland. Im Zweiten Balkankrieg von 1913 eroberte Griechenland Südepirus und Makedonien vom Zarentum Bulgarien, welche im Frieden von Bukarest Griechenland zugesichert wurden. Im gleichen Krieg konnte Griechenland Kreta endgültig und den östlichen Dodekanes vom Osmanischen Reich erobern.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Griechenland auf der Seite der Alliierten gegen das Zarentum Bulgarien und das Osmanische Reich. 1916 landeten britische und französische Truppen zur Unterstützung Griechenlands in Thessaloniki. Dennoch drangen 1917 die Mittelmächte bis nach Griechenland vor, woraufhin Konstantin I. das Land verlassen musste. Im September 1918 starteten die Alliierten eine neue Offensive gegen die Mittelmächte bei Thessaloniki und zwangen diese zur Kapitulation.

Wappen nach der Restauration unter Georg II. (1936–1967)
Territoriale Entwicklung Griechenlands 1832–1923
Gebietsansprüche bis 1922 (Megali Idea)

Von 1918 bis 1923 besetzte Griechenland das albanische Nordepirus und während des Griechisch-Türkischen Krieges von 1919 bis 1923 besetzte Griechenland ab 1920 die türkischen Gebiete Ostthrakien und Izmir und eroberte 1923 Westthrakien. 1920 forderte das Königreich die „Rückgabe“ Istanbuls, um es als Erinnerung an das mittelalterliche Konstantinopel zur Hauptstadt zu machen. Nach dem Verlust der türkischen Gebiete wanderten viele dort lebenden Griechen in das Kernland ein und die Megali Idea zur Wiederherstellung des Byzantinischen Reiches wurde aufgegeben.[6]

1923 versuchte Benito Mussolini vergeblich, Korfu zu erobern. Nach der Pariser Friedenskonferenz 1946 erhielt Griechenland 1947 die italienischen Ägäis-Inseln. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges forderten die Zyperngriechen erneut den Anschluss an Griechenland und das Königreich unterstützte ab 1954 deren Forderung. Daraufhin erhob ab 1956 die Türkei Ansprüche auf Zypern, was zur Ausweitung des Zypernkonfliktes führte. In den Zürcher und Londoner Abkommen vom 19. Februar 1959 wurde für Zypern der Status als unabhängiger Staat vorgesehen und am 16. August 1960 erfolgte die Unabhängigkeit Zyperns.

Krisen der Monarchie[Bearbeiten]

1862 wurde König Otto I. durch einen Militärputsch vertrieben; woraufhin er in seine bayerische Heimat zurückkehrte. An seiner Stelle bestimmten die Großmächte Prinz Wilhelm von Dänemark aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, den Sohn des späteren dänischen Königs Christian IX., zum König. Prinz Wilhelm übernahm am 6. Juni 1863 unter dem Namen Georg I. die Regierung in Griechenland.

Unter seinem Sohn Konstantin I. entstand während des Ersten Weltkriegs 1915 eine tiefgehende Kontroverse mit dem mit Großbritannien sympathisierenden Ministerpräsidenten Eleftherios Venizelos, die dazu führte, dass das Land 1916/1917 in einen venizelistischen (Makedonien, die ostägäischen Inseln und Kreta) und einen royalistischen Teil (Südroumeli und Peloponnes) gespalten und von zwei Regierungen mit zwei Armeen regiert wurde, bis König Konstantin das Land verließ und ihm sein zweitgeborener Sohn Alexander nachfolgte. Nach dessen Tod 1920 rief eine Volksabstimmung Konstantin I. wieder zurück, bereits 1922 wurde er durch einen von dem venizelistischen Offizier Plastiras geführten Putsch wieder gestürzt.

Sein Sohn König Georg II. wurde alsbald zunächst in Urlaub geschickt, bis im März 1924 in einer Volksabstimmung die Abschaffung der Monarchie beschlossen wurde. Von 1925 bis 1926 regierte der General Theodoros Pangalos diktatorisch und setzte die Verfassung außer Kraft. 1930 begann die Normalisierung der Beziehung zur Türkei, indem beide auf gegenseitige Gebietsansprüche verzichteten.

Nachdem 1935 die Royalisten wieder an die Macht kamen, kehrte Georg II. nach Griechenland zurück und erneuerte die Monarchie; durch die Unterstützung der Diktatur von Ioannis Metaxas brachte er sie jedoch alsbald beim Volk in Misskredit. Im Zweiten Weltkrieg schlug die griechische Armee 1940 eine italienische Offensive zurück und drang bis nach Südalbanien vor.

Besatzungszonen in Griechenland
(Mai 1941 bis Oktober 1944)
Rot: Deutsches Reich,
Blau: Italien, Grün: Bulgarien

Nach dem im Oktober 1940 vom Königreich Italien begonnenen griechisch-italienischen Krieg wurde Griechenland bis 1944 von Truppen der Esercito Italiano, der Wehrmacht und bulgarischen Streitkräften besetzt und war in eine italienische, eine deutsche und eine bulgarische Besatzungszone aufgeteilt; der König ging mit der Exilregierung nach Kairo. Ab 1942 kämpften Royalisten und Kommunisten gegen die Besatzer, die sich 1944 zurückzogen. Nach Kriegsende wurde die Frage des Fortbestands der Monarchie zunächst zurückgestellt, der König ernannte Erzbischof Damaskinos an seiner Stelle zum Regenten, bis die Verfassungsfrage durch eine Volksabstimmung im September 1946 geklärt wurde. Unter dem Einfluss der Spaltung der Nation durch den Bürgerkrieg votierten bei der unter irregulären Bedingungen stattfindenden Abstimmung 1946 78 Prozent für die Monarchie.[7]

Am 18. Februar 1952 trat Griechenland zusammen mit der Türkei der NATO bei und 1961 wurde mit der Europäischen Gemeinschaft ein Assoziierungsabkommen geschlossen.

1963 lösten sich mehrere rechtsgerichtete Regierungen ab und anschließend errang die Zentrumsunion unter Georgios Papandreou einen Wahlsieg. 1967 ging der letzte griechische König Konstantin II. nach einem missglückten Versuch, die Griechische Militärdiktatur zu stürzen, ohne Abdankung ins Exil. Die herrschende Militärjunta berief den Generalmajor Georgios Zoitakis zum Regenten. Dieser fungierte in Abwesenheit des Königs als Staatsoberhaupt, formell blieb weiterhin der König Staatsoberhaupt. Erst am 1. Juli 1973 wurde die Monarchie abgeschafft.

Nach dem Ende der Militärdiktatur 1974 wurde in einer Volksabstimmung die Monarchie endgültig abgelehnt, bei der nur 30 Prozent der Wählerschaft für ihre Beibehaltung stimmten. Dennoch sieht sich Konstantin II. bis heute als König von Griechenland, was seine Beziehung zur Republik belastet. Während linke Parteien die Monarchie eindeutig ablehnen, verhält sich die konservative Nea Dimokratia neutral, da sich sowohl Gegner der Monarchie als auch Monarchisten in der Anhängerschaft der Partei befinden.

Könige[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Griechische Botschaft
  2. World Gazetteer, Greece
  3.  David C. Young: The Modern Olympics. S. 148.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAthen 1896 – Die Wiedergeburt der Olympischen Spiele. olympiastatistik.de, abgerufen am 1. März 2010.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format1906 Olympics mark 10th anniversary of the Olympic revival. Canadian Broadcasting Corporation, 28. Mai 2008, abgerufen am 1. März 2010 (englisch).
  6.  Ioannis Zelepos: Die Ethnisierung griechischer Identität, 1870-1912. Staat und private Akteure vor dem Hintergrund der „Megali idea“. Oldenbourg, München 2002, ISBN 3-486-56666-0, S. 8.
  7.  Richard Clogg: Geschichte Griechenlands im 19. und 20. Jahrhundert. Köln 1997, S. 171.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Griechische Monarchie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien