Königreich Hawaiʻi

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Kingdom of Hawaiʻi
Aupuni Mōʻī o Hawaiʻi

Königreich Hawaiʻi
Flag of Hawaii.svg
Royal Coat of Arms of the Kingdom of Hawaii.svg
(Details) (Details)

Wahlspruch: Ua Mau ke Ea o ka ʻĀina i ka Pono
(Hawaiisch für Das Leben des Landes wird durch die Rechtschaffenheit bewahrt)

Amtssprache Hawaiisch und Englisch
Hauptstadt Kailua-Kona, Hawaiʻi
von 1810 bis 1820

Lāhainā, Maui
von 1820 bis 1845
Honolulu, Oʻahu
ab 1845

Staatsform Konstitutionelle Monarchie
Staatsoberhaupt König von Hawaii
Fläche 29.311 km²
Gründung 1795
Vereinigung 1810
Ausrufung der Republik 4. Juli 1894
Währung Hawaii-Dollar
US-Dollar
Nationalhymne Hawaiʻi ponoʻī
Ausdehnung des Königreiches Hawaiʻi
Der ʻIolani-Palast, die ehemalige Residenz der Könige von Hawaiʻi
Wappen des Königreiches Hawaiʻi am ʻIolani-Palast

Das Königreich Hawaiʻi war ein Königreich auf der Inselgruppe Hawaii. Es wurde zwischen 1795 und 1810 mit der Eingliederung kleinerer Reiche auf den Inseln Oʻahu, Maui, Molokaʻi, Lānaʻi, Kauaʻi und Niʻihau in das Königreich der größten Insel Hawaiʻi (die sogenannte „Big Island“) gegründet. Nach dem Sturz der letzten Königin 1893 wurde im folgenden Jahr die Republik Hawaiʻi gebildet[1], die bis zur Annexion durch die Vereinigten Staaten 1898 bestand.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach dem Tode von Kalaniʻopuʻu einte Kamehameha I. in blutigen Kriegen die Inseln Hawaiʻis. Ab 1810 war er alleiniger Herrscher aller acht Inseln und damit der erste König von Hawaiʻi.[2] Kamehameha begründete eine nach ihm benannte Dynastie, die bis 1872 regierte. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Kuhina-Nui Kaʻahumanu mit seinem jungen Sohn Liholiho (später Kamehameha II.) die Herrschaft über die Inseln.

Ab 1810 residierte Kamehameha I. meist in Kailua, bevor der Hof 1820 nach Lāhainā wechselte. Erst 1845 wurde mit Honolulu eine dauerhafte Hauptstadt etabliert.[3]

Die Unabhängigkeit Hawaiʻis war immer wieder bedroht. Bereits 1815 bis 1817 scheiterte der Versuch des in russischen Diensten stehenden Deutschen Georg Anton Schäffer, der auf eigene Faust, ohne Unterstützung der zaristischen Regierung, die Kontrolle über die nördlichen Inseln Kauaʻi und Niʻihau zu erreichen versuchte.[4] Erfolglose Episoden blieben auch die kurzzeitige Annexion Hawaiʻis vom 10. Februar 1843 bis zum 31. Juli 1843 durch den Briten Lord George Paulet, belgische Pläne, mit Hilfe der Ladd Company ganz Hawai'i zu übernehmen (1843–1845) und die Besetzung Honolulus durch den Franzosen Legoarant de Tromelin im Jahr 1849.[5]

Die Beziehungen Hawaiʻis zu den Vereinigten Staaten waren anfangs sehr gut. So ließen sich ab 1820 US-amerikanische Missionare (Kongregationalisten) in Honolulu nieder und Königin Kaʻahumanu bekannte sich 1824 zum Protestantismus. Am 19. Dezember 1842 erfolgte die Anerkennung der Unabhängigkeit Hawaiʻis durch die Vereinigten Staaten. Der US-amerikanische Einfluss wurde dennoch etwa seit 1850 immer größer. Um diesem zu begegnen, verstärkten die Könige von Hawaiʻi die Beziehungen nach Großbritannien, dessen Monarchie sie sehr bewunderten. Auch mit anderen Staaten, so beispielsweise mit Preußen sowie den kleineren deutschen Ländern[6], und mit Belgien nahm das Königreich diplomatische Beziehungen auf. Dazu wurden in verschiedenen Städten Konsulate errichtet, wobei die Konsuln jedoch einen großen geografischen Bereich abdecken mussten.

1875 wurde ein Vertrag geschlossen, der es erlaubte, Zucker aus Hawaiʻi zollfrei in die USA zu exportieren. 1887 konnten die USA nach einer Ergänzung des Vertrags den Marinestützpunkt Pearl Harbor übernehmen. Als Königin Liliʻuokalani († 1917) den US-amerikanischen Einfluss zurückdrängen wollte, wurde sie 1893 in einem von Plantagenbesitzern und den USA unterstützten Putsch gestürzt. Ein Jahr später, 1894, wurde die Republik Hawaiʻi errichtet.

Durch äußeren Druck und auch zur Absicherung der Herrschaft gab es eine Reihe bedeutender Reformen. Dazu gehörten die Verfassungen der Jahre 1840, 1852, 1864 und 1887 sowie die geplante Verfassung von 1893.[7] Folgenschwer war 1819 der symbolische Bruch des Kapu-Systems (siehe auch Tapu) durch Kamehameha II., seine Mutter und Kaʻahumanu durch das gemeinsame Essen von Speisen, die für Frauen bis zu diesem Zeitpunkt verboten waren.[8] Ebenfalls wichtig war die Landverteilung Kamehamehas III. von 1848, das „Große Mahele“, wodurch Privateigentum an Land ermöglicht wurde. Dies führte dazu, dass Ausländer rasch großen Landbesitz erwerben konnten.[9]

Die wirtschaftlichen Beziehungen Hawaiʻis mit der Außenwelt erschöpften sich anfangs darin, die Besatzung von Handelsschiffen mit Proviant und Ersatzteilen zu versehen, die Waren in Guangzhou (früher Kanton) verkauften, dem zwischen 1757 und 1842 einzigen erlaubten Handelsposten in China für Nichtchinesen. Die Schiffe kamen häufig von Neuengland und segelten über Kap Hoorn zum Pazifischen Nordwesten und nach Russisch-Amerika. Dort erwarben die Händler Seeotterpelze und brachten sie nach China. Es entstand ein Tauschsystem, das durch des Erklären von Dingen als Kapu organisiert wurde. Bald erwies sich der Export von Sandelholz von Hawaiʻi nach China ebenfalls als wirtschaftlich. Seit 1810 versuchte Kamehameha I., den Handel mit diesem Rohstoff zu monopolisieren, was ihm schließlich 1812 auch gelang.[10] In den 1820er bis 1860er Jahren waren Lāhainā und Honolulu wichtige Häfen für die Walfänger im Nordpazifik, wo diese Handel trieben und bisweilen auch überwinterten. Nach dem Beginn der kommerziellen Erdölförderung ab 1858 ließ der Bedarf nach Waltran allerdings nach, und Zucker entwickelte sich zum wichtigsten Exportgut. Für den Zuckerrohranbau wurde die Einwanderung von Vertragsarbeitern unter anderem aus China (ab 1852), den Südseeinseln (ab 1859), Japan (ab 1868) und Portugal (ab 1878) gefördert. Im 20. Jahrhundert kamen Arbeiter für den Ananasanbau aus Korea (ab 1903), von den Philippinen (ab 1906) und aus Spanien (ab 1907). Erst 1946 endete offiziell die Anwerbung von Arbeitskräften.[11]

1893 wurde die Monarchie mit dem Sturz der Königin Liliʻuokalani abgeschafft. Nachdem Liliʻuokalani zur Unterzeichnung einer Abdankungserklärung gezwungen worden war, übernahm eine provisorische Regierung die Macht, die die Interessen amerikanischer Einwohner Hawaiʻis vertrat. 1894 wurde Hawaiʻi eine Republik, 1898 erreichte die Regierung die seit dem Sturz der Monarchie beabsichtigte Annexion durch die Vereinigten Staaten.

Könige von Hawaii[Bearbeiten]

Zwischen 1795 und 1893 herrschten sieben Könige und eine Königin auf der Inselgruppe Hawaiʻi.

Literarische Reflexion[Bearbeiten]

Mark Twain besuchte das Königreich Hawaiʻi im Jahre 1866 und berichtete in 25 Briefen von seinen Beobachtungen und Erlebnissen.[12] Auch im Werk Robert Louis Stevensons finden sich Spuren seiner Aufenthalte auf den Inseln, so zum Beispiel in der Novelle Der Flaschenkobold.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Donald Rowland: The Establishment of the Republic of Hawaii, 1893–1894. In: The Pacific Historical Review, Vol. 4, No. 3. (Sept. 1935), S. 201–220. (PDF)
  2. Linda Wedel Greene: A Cultural History of Three Traditional Hawaiian Sites on the West Coast of Hawai'i Island (Kapitel 4)
  3. vgl. Lāhainā in Hawaiian Dictionaries
  4. Richard A. Pierce (Hrsg), Russia's Hawaiian Adventure, 1815-1817, Berkeley and Los Angeles: University of California Press, 1965.
  5. www.hawaii.edu: Le Journal du Picpucien Louis Maigret (Webarchive-Link)
  6. Eberhard Fritz: Die Länder im deutschen Südwesten und das Königreich in der Südsee. Baden, Bayern, Württemberg, Hessen und Hawaii im Staatsbildungsprozess des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 70 (2011).
  7. www.hawaii-nation.org: Legal Foundation for Hawaiian Independence
  8. Linda Wedel Greene: A Cultural History of Three Traditional Hawaiian Sites on the West Coast of Hawai'i Island (Kapitel 5b)
  9. Rita Ariyoshi: Hawaii – Der National Geografic Traveller, 2002. S. 31
  10. Mark Merlin, Dan VanRavenswaay: The History of Human Impact on the Genus Santalum in Hawaiʻi. In: USDA Forest Service Gen. Tech. Rep. PSW-122. 1990, S. 46–84 (PDF); Diane Lee Rhodes: Overview of Hawaiian History (Sandalwood Trade, Changes after the death of Kamehameha)
  11. Niklaus R. Schweizer: Hawaiʻi und die deutschsprachigen Völker. Bern, Frankfurt am Main, LasVegas, 1982.
  12. A. Grove Day (Hrsg.): Mark Twain's letters from Hawaii. Honolulu: Univ. Pr. of Hawaii, 2007, ISBN 978-0-8248-0288-2

Literatur[Bearbeiten]

  • Gavan Daws: Shoal of time: a history of the Hawaiian Islands. Hawaii University Press 1968, ISBN 9780824803247 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche-USA)
  •  Michael Dougherty: To steal a kingdom. Probing Hawaiian history.. Island Press, Waimanalo, Hawaii 1992, ISBN 096334840X.
  •  William Adam Russ, Susquehanna University Press (Hrsg.): The Hawaiian Revolution (1893–94). 1992, ISBN 978-0945636434 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  •  Richard A. Wisniewski: The rise and fall of the Hawaiian kingdom. A pictorial history.. Pacific Basin Enterprises, Honolulu 1979.
  • Phil Barnes: A Concise History of the Hawaiian Islands. Petroglyph Press, 3. Auflage 2001, ISBN 0-912180-56-0
  •  Stephan Bierling: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49428-5.
  • Eberhard Fritz: Die Länder im deutschen Südwesten und das Königreich in der Südsee. Baden, Bayern, Württemberg, Hessen und Hawaii im Staatsbildungsprozess des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 70/2011. S. 371–389.
  • David Kalakaua, King of Hawaii: Legends and myths of Hawaii. Ed. and with an introduction by Hon. R.M. Daggett. Publisher: C.L. Webster & Company New York, 1888 - im Internet Archive - online

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Königreich Hawaiʻi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien