Königreich Korsika

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Regno di Corsica (Kors.)
Königreich Korsika
Bannière Royaume de Corse (selon Gelre).svg
Coat of Arms of Corsica.svg
Amtssprache Korsisch, Italienisch
Hauptstadt Corte
Staatsform Konstitutionelle Monarchie
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Theodor von Neuhoff
Fläche 8.680 km²
Unabhängigkeit 1736
Europe location Corsica.png

Das Königreich Korsika war ein kurzlebiges Königreich auf der Mittelmeer-Insel Korsika. Der westfälische Baron Theodor von Neuhoff wurde am 15. April 1736 von einem Konvent der korsischen Bevölkerung zum korsischen König gewählt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert ging Korsika an die Republik Genua, die damals ihren Machthöhepunkt erreichte. Im Laufe der Jahrhunderte stritten sich die Krone Aragons, Frankreich, und Genua über die Vorherrschaft auf der Insel. Dabei kam es mehrmals zu militärischen Auseinandersetzungen und Anarchie. Letztendlich setzte sich Genua durch: 1559 wurde die Hoheit Genuas über die Insel durch den Vertrag von Cateau-Cambrésis bestätigt. 1553 und 1564 gab es korsische Aufstände unter Führung von Sampiero Corso. Trotz beachtlicher Erfolge konnten die Korsen aufgrund mangelnder Einigkeit keinen Sieg erringen. 1568 nach der Ermordung von Sampiero Corso wurde schließlich ein Friedensvertrag mit Genua ausgehandelt. In den folgenden Jahren litt die korsische Bevölkerung sehr stark. Für die Genuesen war Korsika weiterhin lediglich ein Gebiet, das sie für ihren Profit ausbeuten konnten. Auch die ursprünglich vereinbarte Autonomie wurde nicht gewährt. 1729 erhoben sich die Korsen, empört über eine neue due semi genannte Herdsteuer zur Revolte. 1732 war die Autorität Genuas wiederhergestellt. Zwei Jahre später erhoben sich die Korsen jedoch abermals, und 1735 proklamierte eine Versammlung in Corte die Unabhängigkeit Korsikas.

Das Königreich[Bearbeiten]

Theodor von Neuhoff war ein westfälischer Baron. Er arbeite an verschiedenen europäischen Höfen. 1732 wurde Neuhoff Agent für Österreich in Italien. Dort kam er in Kontakt mit korsischen Freiheitskämpfern. Führer der Korsen waren von den Genuesen unter Bruch der Zusage eines freien Geleits verhaftet und nach Genua verschleppt worden. Neuhoff gelang es, die Freilassung zu erreichen, was sein Ansehen bei den Exil-Korsen in der Toskana derart anhob, dass sie ihm den Königstitel anboten, falls er genügend Unterstützung organisieren könnte. In den folgenden vier Jahren sammelte er Mittel in ganz Europa. 1736 setzte er mit einem mit Geld und Waffen beladenen Schiff nach Korsika über. Am 15. April 1736 wurde er von einem Konvent im Kloster Alesani zum König Theodor I. von Korsika gewählt. Theodor I. erließ eine Verfassung: Er selbst war erblicher König, aber in der Regierung auf die Zustimmung von 24 frei gewählten Korsen angewiesen.[1] Er residierte im ehemaligen Bischofspalais in Cervione. Neuhoff ließ eigene Münzen prägen, baute die Infrastruktur und Wirtschaft aus. Er gründete auch einen Ritterorden namens „De la Liberazione“. Militärisch brachte er den Genuesen eine schwere Niederlage bei und eroberte kurz darauf die Hafenstadt Porto Vecchio. Er ließ die von Genua gehaltenen Küstenstädte belagern. Doch vor Bastia kam sein Siegeszug zu stehen. Es fehlte der provisorischen korsischen Armee an Schlagkraft, um die stark befestigte Stadt einzunehmen[2]. Als auch die von ihm zugesagte (vor allem türkische) Hilfe nicht ankam, und als die europäischen Regierungen, mit deren Einfluss er geprahlt hatte, sich von ihm distanzierten, richtete sich die allgemeine Stimmung gegen ihn[3].

Theodor I König von Korsika

Ende des Königreichs[Bearbeiten]

Im November verließ Neuhoff Korsika, um auf dem europäischen Festland nach Unterstützung zu suchen. Auch musste er um sein Leben fürchten, nachdem er einen seiner Generäle hinrichten ließ, da Blutrache damals in Korsika üblich war. Trotz mehrerer Versuche gelang es ihm nicht, wieder auf die Insel zurückzukehren. Die Korsen, des Kriegs müde, eröffneten Verhandlungen mit Genua. Aber die Weigerung der Genuesen, sie als etwas anderes denn als Rebellen zu behandeln, machte eine gegenseitige Verständigung unmöglich. Es kam zu weiteren Aufständen. Im Frieden von Aachen wurde Korsika erneut Genua übertragen.

Am 11. Dezember 1756 verstarb Neuhoff, der erste und einzige König Korsikas, verarmt und verschuldet in London.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Freiherr von Engelhardt: Der König von Korsika und der Freiheitskampf der Korsen Salzwasser Verlag, 21. Januar 2011, ISBN 978-3-86195-710-2.
  • Michael Kleeberg: Der König von Korsika btb Verlag, 4. Januar 2010, ISBN 978-3-442-74014-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verfassung Korsikas Aufgerufen am 13. Oktober 2012
  2. Über das Leben von Neuhoff Aufgerufen am 13. Oktober 2012
  3. Über die Korsische Geschichte (PDF; 258 kB) Aufgerufen am 13. Oktober 2012