Königreich Polen

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Das Königreich Polen (polnisch Królestwo Polskie, lateinisch Regnum Poloniae) war die Bezeichnung des polnischen Staates in den Jahren 1000[1] bis 1795. Es begann entweder im Jahre 1000 mit der Standeserhebung des polnischen Herzogs Bolesław I. zum „Bruder und Helfer des Römischen Reichs“ durch Kaiser Otto III. oder durch die Selbstkrönung Bolesławs I. 1025 zum König von Polen kurz vor seinem Tode. Das später erweiterte Polnisch-Litauische Reich endete 1795 mit der Dritten Teilung Polens und der von Preußen, Österreich und Russland erzwungenen Abdankung des Königs Stanisław August Poniatowski.

Erbmonarchie[Bearbeiten]

Das Denkmal zum 400-jährigen Jubiläum der Union von Krewo in Krakau zeigt Königin Hedwig und Großfürst Jogaila, der nach seiner Taufe und Krönung das litauische Kernland[2] christianisieren ließ.

Nach der Zersplitterung des Königsreichs in einzelne Herzogtümer (1138) kam es erst 1295 mit Przemysław II. wieder zur Krönung eines Königs. Allerdings entwickelte sich auf dem Hintergrund des Konzepts einer Corona Regni Poloniae bald schon ein Dualismus von König und Ständen insbesondere der polnischen Aristokratie.

Wichtig ist die 1386 eingegangene Allianz mit dem Großfürstentum Litauen, in deren Folge der litauische Großfürst Jogaila als Władysław II. Jagiełło den polnischen Thron bestieg und damit die Dynastie der Jagiellonen in Polen begründete.

Das Königreich Polen wurde in den Jahren 1000–1572 durch folgende Dynastien regiert, die den Anspruch erhoben, Herrscher (Könige) für dasselbe zu stellen:

Wahlmonarchie[Bearbeiten]

Wappen des Königreichs Polen vom Fürstenzug in Dresden

Nach der Lubliner Union (1569) wurde die Personalunion zwischen dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen in eine Realunion umgewandelt. Die Aristokratie beider Staaten, die Szlachta, setzte nach dem Aussterben der Jagiellonen im Mannesstamm (1572) das Recht der Freien Wahl des Königs und Großfürsts durch. Seither stand an der Spitze des Staates, der sogenannten I. Rzeczpospolita, in einer „Präsidentschaft“ auf Lebenszeit ein Wahlkönig bzw. Wahlgroßfürst in Realunion vor. Dieser Doppelstaat, auch Polen-Litauen genannt, existierte bis 1791, dem Jahr der Mai-Verfassung, die die Dualität zwischen Polnischer Krone und dem Großfürstentum Litauen aufhob. Beide Reichsteile verschmolzen mit dem Inkrafttreten der Mai-Verfassung zum Einheitsstaat Rzeczpospolita Polen.

Die Rzeczpospolita Polen ging nach dem gescheiterten Kościuszko-Aufstand mit der Dritten Teilung Polens (1795) unter.

Dynastien[Bearbeiten]

Die Aristokratische Republik Polen-Litauen wurde in den Jahren 1573–1795 durch folgende Dynastien regiert:

Kongresspolen[Bearbeiten]

Nach dem Untergang der Rzeczpospolita 1795 fielen die Länder der polnisch-litauischen Krone an das Kaiserreich Russland, Österreich sowie das Königreich Preußen. Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde das sogenannte Kongresspolen eingerichtet, ein formell unabhängiges „Königreich Polen“ auf Basis einer Konstitutionellen Monarchie, das nur durch eine Personalunion mit dem Russischen Kaiserreich verbunden sein sollte. Die Vereinbarungen wurden durch das autokratische Regime in Sankt Petersburg in den Jahren nach dem Kongress konsequent missachtet und schleichend beschnitten. Die vereinbarten Souveränitätsrechte wurden den Polen nicht vollständig gewährt. Nach dem gescheiterten Novemberaufstand (1830–1831) wurde die bestehende polnische Verwaltung unter Bruch der Wiener Kongressakte nach 1832 durch das „Organische Statut“ liquidiert und das Gebiet faktisch als Provinz Weichselland dem Russischen Reich administrativ direkt einverleibt.

Regentschaftskönigreich Polen[Bearbeiten]

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurde 1916 durch die Mittelmächte ein Regentschaftskönigreich Polen proklamiert. Dies war aber eher eine gegen Russland gerichtete Maßnahme als eine Anerkennung des Rechts der Polen auf Eigenstaatlichkeit. Dieses Königreich existierte formell bis 1918.

Könige[Bearbeiten]

Königreich[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Ältere Darstellungen
  • Emil von Sydow: Das Königreich Polen. Topographie und statistische Skizzen. Leipzig 1864 (online)
  • Verwaltung und Reformen im Königreich Polen von 1815 bis 1867. 2. Auflage, Berlin 1869 (online)
  • Fedor Possart, Józef Lukaszwewicz und Adolph Mulkowski: Das Königreich Polen und der Freistaat Krakau. Stuttgart 1840 (online)
  • Martin Cromer: Beschreibung des Königreichs Polen. Mit einigen Anmerckungen herausgegeben von Andreas Schott. Dantzig 1741 (online).

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Johannes Fried: Otto III. und Bolesław Chrobry. Das Widmungsbild des Aachener Evangeliars, der „Akt von Gnesen“ und das frühe polnische und ungarische Königtum. Eine Bildanalyse und ihre historischen Folgen, Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05381-6.
  2. Das damals ungefähr der heutigen Staatsfläche der modernen Republik Litauen entsprach (Stand 2013). Die ruthenischen Gebiete des Großfürstentums Litauen waren bereits seit dem 10. Jahrhundert christlich-orthodox.
  3. Ab 1291 (Eroberung des kleinpolnischen Herzogtums Krakau) begannen die aus dem Königreich Böhmen stammenden Přemysliden unter Herzog Wenzel II. ihre Herrschaft in das in einzelne Herzogtümer zersplitterte Königreich Polen auszuweiten. Wenzel II. krönte sich 1297 zum König von Böhmen, 1300 folgte die Krönung zum König von Polen.
  4. De jure bis 1399 mit Hedwig von Capet-Anjou als Dynastievorsteherin, da sie im eigenen Recht ab 1384 Königin von Polen war und nicht erst durch Heirat mit König Władysław II. Jagiełło 1386.
  5. De facto bis 1704, de jure bis 1706.
  6. Mit Stanislaus I. Leszczyński unter schwedischer Protektion in Warschau als Gegenkönig zum Königtum Augusts des Starken aufgestellt und nur durch eine Minderheit des Adelsstandes als König von Polen anerkannt. 1706 dankte August der Starke unter schwedischem Druck im Altranstädter Friede als König von Polen und Großfürst von Litauen ab. Nach der Niederlage der Schweden bei Poltawa 1709 gegen die Russen, erneute Übernahme der polnischen Königswürde durch August den Starken. Flucht des Stanislaus I. Leszczyński nach Frankreich.
  7. Stanislaus I. Leszczyński wurde 1733 in einer freien Wahl mit einer Mehrheit der Wahlmännerstimmen zum König von Polen und Großfürst von Litauen gewählt. Während des Polnischen Thronfolgekrieges 1733–1735/1738 durch eine sächsisch-österreichisch-russische Allianz gestürzt und des Landes verwiesen.
  8. Mit August III. de facto ab 1733 als Gegenkönig von Russland und Österreich gegen den profranzösichen König Stanislaus I. Leszczyński aufgebaut. Durch die Abdankung seines Widersachers Stanislaus I., ab 1736 de jure legitimer König von Polen und Großfürst von Litauen.