Königsee

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Dieser Artikel erläutert die thüringische Stadt Königsee; der gleichnamige See in Sachsen-Anhalt findet sich unter Königsee (Plötzky), der bayerische See ähnlichen Namens findet sich unter Königssee.

50.66138888888911.097222222222377Koordinaten: 50° 39′ 41″ N, 11° 5′ 50″ O

Königsee
Wappen von Königsee
Höhe: 377 m ü. NN
Fläche: 31,49 km²
Einwohner: 5036 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 31. Dezember 2012
Postleitzahl: 07426
Vorwahl: 036738, 036739 (Horba)
Königsee (Thüringen)
Königsee

Lage von Königsee in Thüringen

Königsee ist ein Ortsteil der Stadt Königsee-Rottenbach im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen.

Geografie[Bearbeiten]

Blick auf Königsee aus Richtung Dörnfeld

Königsee liegt auf einer Höhe von 377 Metern über Normalnull in einem Seitental des Schwarzatals, am Nordosthang des Thüringer Waldes. Dort befindet sich auch die geologische Trennlinie zwischen dem Zechsteingürtel im Süden und dem Buntsandstein im Norden. Der nördlich von Königsee steil beginnende, fast durchweg bewaldete „Königseer Stadtwald“ gehört teilweise zum Landschaftsschutzgebiet Rinne-, Rottenbachtal und ist wesentlicher Bestandteil des Paulinzellaer Buntsandsteinlandes, welches das Einzugsgebiet des Rinnetales vom Ilmtal trennt. Königsee liegt im Tal der Rinne.

Klima[Bearbeiten]

Die klimatischen Verhältnisse in der geschützten Tallage von Königsee unterscheiden sich grundlegend von den die Stadt umgebenden Höhenzügen, Bergen und umliegenden Dörfern. Verantwortlich dafür sind vor allem unterschiedliche Wind- und Niederschlagsverhältnisse. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt für Königsee 618 Millimeter, dies entspricht 618 Liter auf einen Quadratmeter im Jahr. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 7,5 °C mit einer vorherrschenden Windrichtung aus Südwest bis West.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Königsee wurde erstmals 1198 als Kunegesse erwähnt und 1257 als Stadt urkundlich erwähnt, das Stadtrecht wurde 1365 bestätigt. Die Stadt erhielt durch Günther XXXII. von Schwarzburg (Adelsgeschlecht) verschiedene Privilegien und war Münzstätte der Schwarzburger Grafen. Der bereits 1342 erwähnte Rat der Stadt hatte die niedere Gerichtsbarkeit inne. 1447 wurde die von Mauern und Türmen befestigte Stadt im Schwarzburger Brüderkrieg völlig zerstört und danach wieder aufgebaut. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde in Königsee intensiv Bergbau betrieben und Eisen, Silber, Kupfer und Blei abgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Königsee geplündert und 1635 niedergebrannt. Ab dem 17. Jahrhundert war die Wirtschaft des Ortes insbesondere vom Olitätenhandel und der Schuhmacherei geprägt. Durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt und das Verbot des Olitätenhandels kam es im 19. Jahrhundert zum wirtschaftlichen Niedergang und zu einer verstärkten Auswanderung nach Amerika. Später bildete sich am Ort neben den Leder- und Schuhfabriken eine bedeutende Porzellan- und Werkzeugindustrie heraus. Diese Erwerbszweige wurden auch zu DDR-Zeiten weitergeführt und ausgebaut. Der Königseer Betriebsteil des VEB MLW Medizintechnik Suhl war ein bedeutender Hersteller von chirurgischen Instrumenten. 1950 wurden Garsitz und Unterschöbling, 1974 Lichta eingemeindet.

Gemeindegebietsveränderungen[Bearbeiten]

Die sieben Ortsteile wurden wie folgt eingemeindet (in Klammern Eingemeindungsjahr):

Die Stadt Königsee schloss sich am 31. Dezember 2012 mit der Gemeinde Rottenbach zur Stadt Königsee-Rottenbach zusammen. Vor diesem Zusammenschluss bestand die Stadt aus acht Ortsteilen (in Klammern Einwohnerzahlen):

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte hauptamtliche Bürgermeister Jens Andreas Sprenger wurde am 7. September 2003 gewählt und am 7. Juni 2009 wiedergewählt. Bei der Stichwahl zum neuen Bürgermeister am 28. April 2013 erhielt Volker Stein 53,80% der gültigen Stimmen und ist der derzeitige Bürgermeister der Stadt Königsee-Rottenbach.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem Berg stehend ein geharnischter Ritter, in der linken Hand einen blauen Schild mit gekröntem goldenem Löwen, in der Rechten das aus der gegürteten Scheide gezogene und geschulterte Schwert haltend, der Helm mit grünem Pfauenwedel und Rechenbalken.“

Das Stadtwappen zeigt Kunibert mit Schwert und Schild mit dem Schwarzburger Löwen.

Wappen von Köditz[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 15. Juli 1993 genehmigt.

Blasonierung: „In Gold eine eingebogene erhöhte blaue Spitze mit einem rechtsgewendeten goldenen Löwen, vorn ein schwarzes Mühlrad, hinten eine blaue Weintraube mit schwarzem geschwungenen Stiel.“

Das Wappen wurde vom Heraldiker Michael Zapfe gestaltet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Königsee pflegt Partnerschaften mit

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Waldseebad ist auch überregional bekannt und liegt ca. 1 km nördlich von Königsee in einem Waldgebiet.

Museen[Bearbeiten]

Der Karnevalsverein der Stadt, der Unweise Rat Königsee seit 1391 betreibt das Erste Thüringer Karnevalmuseum. Außerdem besteht ein Heimatmuseum.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Rathaus der Stadt
Stadtkirche

Das Rathaus steht an der B 88 (die an dort einen Bogen um das Rathaus macht). Im Foyer ist das um 1710 von einem unbekannten Handwerker gebaute Turmuhrwerk des Rathauses ausgestellt. Das Stück aus dem Zeitalter des Barocks besteht aus einem handgeschmiedeten Gestellrahmen, einem Stundenrad aus Messing und Walzentrommeln aus Holz. Es ist 1,42 Meter hoch (mit Pendel 2,40), 1,45 Meter breit (mit Schlaghebel 2,28) und 87 Zentimeter tief. Es wiegt 200 Kilogramm. Das ursprüngliche Einzeigerwerk wurde vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts auf Minutenanzeige umgebaut. Mittels einer Handkurbel wurden die Gewichte aufgezogen. Das Turmuhrwerk wurde vor ca. 20 Jahren restauriert, doch ist es an vielen Stellen abgenutzt; eine Wiedergangbarmachung der Uhr war nicht mehr möglich. 1970 wurde es durch ein neues Uhrwerk ersetzt und lagerte noch einige Jahre im Rathaus. Mitte der 70er Jahre wurde es vom Dresdner Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdner Zwinger gekauft und ausgestellt. Im Frühling 2006 kehrte das Uhrwerk als Dauerleihgabe nach Königsee zurück

Seit August 2006 steht vor dem Rathaus der größte von der Königseer Werkzeugfabrik Werkö hergestellte Spiralbohrer. Mit einem Gewicht von 88 Kilogramm, einer Länge von 2,20 Metern und einem Durchmesser von 96 Millimetern ist er möglicherweise der größte Spiralbohrer der Welt, ein Antrag auf einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde wurde gestellt.

Die Stadtkirche Zum Lobe Gottes ist im neogotischen Stil erbaut. Das Bauwerk wurde nach fünfjähriger Bauzeit im Jahr 1871 eingeweiht, nachdem die vorherige Stadtkirche baufällig geworden war. Die Friedenskirche, eine Fachwerkkirche von 1711, ist ein weiteres historisches Kirchengebäude in Königsee.

Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind noch erkennbar.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Königsee liegt an der Bundesstraße 88, die Ilmenau mit Rudolstadt verbindet. Weitere Straßen führen von Königsee nach Garsitz, Dröbischau (L2389) und Unterschöbling bzw. Lichta (K130). Im Ortsteil Unterköditz beginnt die L1113, die über Allendorf nach Schwarzburg im Schwarzatal führt.

Im Jahre 1899 bekam Königsee einen Eisenbahnanschluss über Köditzberg nach Rottenbach im Osten. Dort bestand Anschluss nach Erfurt, Saalfeld und Katzhütte im Schwarzatal. Diese Strecke war 6,9 Kilometer lang und wurde am 1. August 1966 für den Personen- und am 31. Dezember 1972 für den Güterverkehr stillgelegt. Lediglich das Bahnhofsgebäude zeugt heute noch von der einstigen Strecke.

Unternehmen[Bearbeiten]

Medizintechnik[Bearbeiten]

  • Otto Bock Mobilty Solutions GmbH mit Otto Bock Manufacturing Königsee GmbH, Rollstühle und andere Mobilitätsprodukte, 290 Mitarbeiter
  • Königsee Implantate GmbH, Implantate, 150 Mitarbeiter
  • Hofmann & Sommer GmbH und Co. KG, Pharmazie, Arzneimittel, 27 Mitarbeiter

Sonstige[Bearbeiten]

  • Werkzeugfabrik Königsee (Zweigniederlassung der Widia GmbH) – Spiralbohrer und Hartmetallbohrer, mit 220 Mitarbeitern größtes Unternehmen Königsees
  • Fertigungstechnik Müller – Präzisionsdreh- und Frästeile, 33 Mitarbeiter
  • Berghof Systeme e.K. – IT-Lösungen für die Fertigungsindustrie -, 23 Mitarbeiter[2]

Bildung[Bearbeiten]

In Königsee gibt es folgende Schulen:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johann Georg Abicht (* 21. März 1672 in Königsee; † 5. Juni 1740 in Wittenberg), lutherischer Theologe und Sprachforscher
  • Friedrich Adolph Wislizenus (* 21. Mai 1810 in Königsee, † 23. September 1889), Arzt und Botaniker
  • Gustav Schirmer (* 19. September 1829 in Königsee; † 6. August 1893), deutsch-amerikanischer Musikverleger
  • Klaus Roehler (* 25. Oktober 1929 in Königsee; † 9. Februar 2000 in Darmstadt), Schriftsteller
  • Thomas Ranft (* 1945 in Königsee), Grafiker
  • Wolf-Günter Leidel (* 14. Dezember 1949 in Königsee), Komponist und Musiker
  • Klaus-Peter Justus (* 1. Juli 1951 in Königsee), Leichtathlet
  • Marian Koppe (* 23. Juli 1964 in Königsee), Politiker (FDP) und seit 2009 Mitglied des Thüringer Landtags
  • Jens-Uwe Penzel (* 14. November 1964 in Königsee), Fußballspieler

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Jahre 1979 war Königsee Drehort für den DEFA-Kinderfilm Nicki von Gunther Scholz, eine Verfilmung des Buchs Nicki oder die Liebe einer Königin von Jens Bahre. Weitere Dreharbeiten fanden in Königsee für den Film Lulu & Jimi von Oskar Roehler statt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Bruno Lanzendorf: Was Kennichsee bekannt gemacht hat. Mundartwörterbuch von Königsee. In: Escher Taschenbuch. Escher, Gehren 2000, S. 188.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Gebietsveränderungen Köditz
  2. Firmendatenbank der LEG Thüringen (offline)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Königsee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Königsee – Reiseführer