Königsfelden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klosterkirche Königsfelden
Anlage von Süden
Gedenktafel an die bei der Schlacht bei Sempach 1386 gefallenen und in Königsfelden bestatteten Adligen

Königsfelden ist ein ehemaliges Kloster der Klarissen und Franziskaner in der Gemeinde Windisch im Schweizer Kanton Aargau. Es wurde 1309 durch die Habsburger gegründet und nach der Reformation im Jahr 1528 säkularisiert. Der Gebäudekomplex diente anschliessend als Residenz der Berner Landvögte, seit 1868 befindet sich hier eine Psychiatrische Klinik. Die Kirche gehört seit 2009 zum Museum Aargau. Berühmt ist Königsfelden für seinen aus dem 14. Jahrhundert stammenden Glasmalereizyklus, der gemeinsam mit der Chorverglasung des Berner Münsters als bedeutendster der Schweiz gilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Kloster Königsfelden im Jahr 1669
Königsfelden in der Chronik von Christoph Silberysen. Im Hintergrund die Stadt Brugg.

Der Bau des Klosters erfolgte auf Initiative der Habsburger, deren Stammsitz ca. zwei Kilometer südwestlich von Windisch liegt. Am 1. Mai 1308 war König Albrecht I. unweit des Reussübergangs bei Windisch von seinem Neffen, Herzog Johann von Schwaben, ermordet worden. Zum Gedenken an diese Familientragödie stiftete die Königswitwe Elisabeth von Görz-Tirol ein Klarissenkloster, das Königsfelden genannt wurde. Von Beginn weg war dem Klarissenkloster ein kleiner Franziskanerkonvent angegliedert, der für die Seelsorge zuständig war. Die ersten Mönche zogen 1311 ein, die Nonnen folgten im darauf folgenden Jahr. Die Königsfelder Chronik vermeldet das beim Bau des Klosters Bodenfunde gemacht wurden. Hier lag einst das Legionslager Vindonissa.

Albrechts Tochter Agnes von Ungarn, die Witwe des 1301 gestorbenen ungarischen Königs Andreas III., lebte ab 1317 in Königsfelden. Dank umfangreicher Landkäufe und wirtschaftlichem Geschick führte sie das Kloster zur Blüte. Am 22. August 1344 erteilte ihr Papst Clemens VI. das Privileg, das Kloster sooft sie wolle zu besuchen und an das Kloster ein Haus zu bauen.[1] 1397 schenkten die habsburgischen Herzöge dem Kloster das Eigenamt mit sämtlichen dazugehörenden Herrschaftsrechten. Nach ihrem Tod im Jahr 1364 setzte ein schleichender Niedergang ein.

Mit der Eroberung des westlichen Aargaus durch die Stadt und Republik Bern ging die Verbindung zum Stifterhaus verloren. Nach der Einführung der Reformation im Jahr 1528 wurde das Kloster aufgehoben. Der Gebäudekomplex erfuhr zahlreiche Umbauten und diente als Amtssitz der bernischen Landvögte des Amtes Königsfelden. Ein Hofmeister übernahm die Verwaltung der ehemaligen Klostergüter. 1804 gelangte das ehemalige Kloster in den Besitz des im Jahr zuvor gegründeten Kantons Aargau. Von 1868 bis 1872 erfolgte der Umbau zur Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt, einer Psychiatrischen Klinik. Dabei wurde ein grosser Teil des Franziskanerkonvents abgetragen.

Äbtissinnen[Bearbeiten]

  • um 1313 Hedwiga von Kuntzlau
  • 1318–1324 Guta von Bachenstein
  • 1329 Benigna von Bachenstein
  • um 1330–1340 Agnes[2] von Brandis? (Agnes von Ungarn, wie allgemein angenommen wird, kann es nicht gewesen sein, da sie nach Gerbert selbst nie dem Orden beitrat und den Schleier nahm).[3] Möglich ist, dass die Äbtissin des Damenstifts Säckingen zeitweise auch Äbtissin der Damenstifts Königsfelden war. Zur gleichen Zeit nämlich war Agnes von Brandis, Äbtissin von Säckingen. Als ihre Vorgängerin wird dort bis 1330 Adelheit von Uhlingen genannt.
  • um 1334 Adelheid I.
  • um 1355 Elisabeth I. von Leiningen? (Liebenau sieht darin eine Verwechslung der Jahreszahl 1455)[4]
  • um 1371 Anna I. von Goldenberg
  • 1374–1383 Irmengard von Hohenberg
  • um 1405 Adelheid II. von Hallwyl
  • 1406–1408 Margaretha I. von Wachingen
  • 1411–1415 Margaretha II. von Grünenberg
  • 1416–1456 Elisabeth II. von Leiningen
  • um 1456 Ursula von Mirlingen
  • um 1459 Eva von Erpach
  • um 1471 Osanna Jäger
  • 1472–1492 Apollonia von Hohenberg
  • 1497–1506 Anna II. von Stein
  • 1511–1513 Emerita Lutschern
  • 1516–1528 Katherina von Waldburg

Klinikdirektoren[Bearbeiten]

  • 1872–1891 Edmund Schaufelbüel[5]
  • 1891–1902 Adolf Weibel[5]
  • 1902–1920 Leopold Frölich[6]
  • 1920–1944 Arthur Kielholz[7]
  • 1944–1970 Peter Mohr[7]
  • 1970–1990 Fritz Gnirss[7]

Gebäude[Bearbeiten]

Sehenswert sind der ehemalige Klosterpark und insbesondere die Kirche. Von der weitläufigen Anlage erhalten geblieben sind das Archiv und das Schatzgewölbe des Franziskanerklosters, die bernische Hofmeisterei im spätgotischen Stil mit Renaissanceportal und Teile des ehemaligen Klarissenklosters.

Die Klosterkirche wurde zwischen 1310 und 1330 erbaut und gehört zu den Hauptwerken der Bettelordensarchitektur in der Schweiz. Nachdem die Berner Landvögte das Langhaus der Klosterkirche zeitweise als Kornlager zweckentfremdet hatten, wurde der Bau 1891/93 aufwendig restauriert. Bei erneuten Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1983/86 wurde unter anderem der Lettner zwischen Langhaus und Chor rekonstruiert. Im Mittelschiff befindet sich ein Kenotaph aus Marmor, darunter die ehemalige Gruft, die bis 1770 als habsburgisches Erbbegräbnis diente.

Glasfenster[Bearbeiten]

Beschreibung[Bearbeiten]

Der vermutlich zwischen 1330 und 1340 geschaffene, weitgehend original erhaltene Glasgemäldezyklus im Chor, zählt zu den bedeutendsten Errungenschaften der europäischen Glasmalerei der Gotik. Eine urkundlich nicht fassbare Werkstatt mit stilistischen Einflüssen aus dem Elsass und dem Bodenseeraum war Schöpferin der herausragenden Kunstwerke (siehe auch: Meister von Königsfelden). Stifter der Glasmalereien waren die Angehörigen des 1308 ermordeten deutschen Königs Albrecht. Die Darstellungen der Donatoren sind in den Chorfenstern teilweise noch vorhanden und zeugen von der Wichtigkeit Königsfeldens für das Haus Habsburg.

Das Bildprogramm der Fenster ist, trotz einiger Verluste auf der Südseite, noch nahezu vollständig erhalten geblieben. Im Chorscheitel ist die Passion Christi abgebildet, flankiert von den Fenstern zur Menschwerdung Christi und zur Auferstehung Jesu Christi. Das nächste Fensterpaar zeigt den Vorläufer Johannes den Täufer (nebst Hl. Katharina) und den Nachfolger Paulus (nebst Maria). Das dritte Fensterpaar ist den Aposteln gewidmet. Die folgenden beiden Fensterpaare sind Heiligen gewidmet, zu denen der Orden oder die Stifterfamilie eine besondere Beziehung hatten: Franziskus, Nikolaus, Anna und Klara. Neben dem Chor birgt auch das Langhaus der ehemaligen Klosterkirche bedeutende Reste einer ornamentalen Verglasung sowie von einem dynastischen Zyklus mit Mitgliedern der Habsburgerdynastie aus vier Jahrhunderten.

Restaurierungen[Bearbeiten]

Nach der Auflösung des Klosters setzte der allmähliche Zerfall der Glasmalereien ein. Unter anderem durch Witterungseinflüsse und Vandalismus verloren die Fenster Teile ihrer originalen Verglasung. Im 17. und 18. Jahrhundert füllte man die entstandenen Lücken im Chor mit Glasmalereien aus den Langhausfenstern, die nach dem Umbau des Langhauses in ein Kornhaus entbehrlich geworden waren. Zwischen 1896 und 1900 wurden die Glasmalereien durch den Zürcher Glasmaler Richard Arthur Nüscheler umfassend erneuert und ergänzt. Hauptziel dieser Restaurierung war es das ursprüngliche Konzept der Chorfenster, so weit wie möglich, wiederherzustellen. Alle Fenster wurden neu verbleit und fehlende Partien in den erhaltenen Bildfeldern neu geschaffen. In den Fenstern auf der Südseite des Chores, welche die meisten ihrer originalen Felder verloren hatten, wurde nur die ursprüngliche Komposition rekonstruiert und grösstenteils auf bildliche Ergänzungen verzichtet.

Die Restaurierung Nüschelers erfolgte, dem Zeitgeist entsprechend, im Stil des Historismus. Anders als heute, wo versucht wird, das Vorgefundene zu erhalten, galt für die Restauratoren des Historismus das Ziel, einen vermuteten ursprünglichen Zustand herzustellen, auch wenn es ihn so vielleicht nie gegeben hat. Die zum Teil tiefen Eingriffe Nüschelers in die originale Substanz stören und verfälschen heute Teile der Glasmalereien von Königsfelden. Ein weiteres Beispiel für diese Restaurierungspraxis sind die Glasmalereien des Münsters von Freiburg im Breisgau, die auf ähnliche Weise irreparabel verändert wurden. Bei der letzten Restaurierung der Fenster in den Jahren 1987–2002 respektierte man weitestgehend den Zustand, den Richard Arthur Nüscheler um 1900 geschaffen hatte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor von Liebenau: Geschichte des Klosters Königsfelden. Luzern 1868
  • Brigitte Kurmann-Schwarz: Die mittelalterlichen Glasmalereien der ehemaligen Klosterkirche Königsfelden. Stämpfli, Bern 2008 (Corpus Vitrearum Medii Aevi Schweiz, Bd. 2.) , ISBN 978-3-7272-1118-8.
  • Brigitte Kurmann-Schwarz: Das Kloster Königsfelden. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2011, ISBN 978-3-03-797017-1.
  • Simon Teuscher und Claudia Moddelmog (Hg.): Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik. hier+jetzt, Baden 2012, ISBN 978-3-03919-259-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Königsfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Theodor von Liebenau: Geschichte des Klosters Königsfelden. Luzern 1868, S. 51–52, abgefragt am 22. August 2009.
  2. Theodor von Liebenau: Geschichte des Klosters Königsfelden, S. 43
  3. Gerbert: Crypta San Blasiana
  4. Theodor von Liebenau: Geschichte des Klosters Königsfelden, S. 43
  5. a b Conrad Ferdinand Meyer, Friedrich von Wyss und Georg von Wyss: Briefe 1855 bis 1897 (= C. F. Meyers Briefwechsel. Bd. 3). Benteli, Bern 2004, S. 337.
  6. Hans Wysling, Elisabeth Lott-Büttiker: Conrad Ferdinand Meyer 1825–1898. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998, S. 455.
  7. a b c Die Sammlung Königsfelden, Website des Forschungsprojekts «Bewahren besonderer Kulturgüter», abgerufen am 1. Juli 2013.

47.4803333333338.2179444444444Koordinaten: 47° 28′ 49″ N, 8° 13′ 5″ O; CH1903: 658741 / 259132