Königslinie
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Als Königslinie wird eine Eisenbahnfährverbindung von Sassnitz (Rügen) in Deutschland nach Trelleborg in Schweden bezeichnet. Sie stellt mit einer Fahrtzeit von etwa vier Stunden die kürzeste direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Schweden dar und ist in die Europastraße 22 eingebunden. Benannt ist sie nach Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen und dem schwedischen König Gustav V.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Am 1. Mai 1897 wurde eine Postdampferlinie Sassnitz–Trelleborg eingerichtet. Anfangs sah der Staatsvertrag zwischen Preußen und Schweden nur eine Abfahrt je Richtung und Tag mit Schnellzuganschlüssen nach Berlin und Stockholm vor. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens wurde beschlossen, die Postfähre in eine Eisenbahnfähre umzuwandeln, wozu auch der Bahnhof Sassnitz Hafen errichtet wurde.
Nach dem Abschluss des Vertrages vom 15. November 1907 über die Einrichtung einer Eisenbahnfährverbindung zwischen dem Deutschen Reich und Schweden wurden von beiden Staaten zunächst je zwei Fährschiffe gebaut.
Ab 1909 kamen auf deutscher Seite die von der AG Vulcan Stettin gebauten Eisenbahnfährschiffe Preußen und ihr Schwesterschiff Deutschland und auf schwedischer Seite die Fährschiffe Drottning Victoria und Konung Gustav V zum Einsatz. Nach den neuen Anforderungen entsprechenden umfangreichen Umbaumaßnahmen am damaligen Fährhafen Sassnitz zwischen 1908 und 1912 unter der Leitung von Hermann Proetel, benutzte bereits am 6. Juli 1909 der erste Zug die neue Fähre in Anwesenheit des schwedischen Königs und des deutschen Kaisers. Dies gilt als „eigentlicher“ Eröffnungstermin für die Königslinie.
Im November 1911 wurde eine Funkverbindung zwischen Sassnitz, Trelleborg und den Fährschiffen eingerichtet, was eine erhöhte Sicherheit während der Überfahrt mit sich brachte. Zu gleicher Zeit wurde auch damit begonnen, am Kap Arkona ein Seefunkfeuer zu betreiben, um die Navigation auf der Fährlinie zu verbessern.
Im Jahr 1931 wurde zur Verstärkung von beiden Ländern das unter schwedischer Flagge fahrende Fährschiff Starke angeschafft, das auch als Eisbrecher eingesetzt werden konnte.
Im Jahre 1936 wurde der Rügendamm eröffnet. Damit entfiel der zusätzliche zeitraubende Fährtransport zwischen Stralsund und Altefähr auf Rügen, wodurch die Fahrtzeit um eine Stunde verkürzt werden konnte.
Im Zweiten Weltkrieg stellten die Fähren der Königslinie mehrfach den Verkehr ein. Auf der Route wurde nun unter anderem Nachschub für die in Norwegen stationierten deutschen Truppen befördert. Wegen der Zerstörung des Rügendamms und des Fährhafens in Sassnitz ruhte der Verkehr nach Kriegsende insgesamt drei Jahre. Am 16. März 1948 wurde der internationale Fährverkehr wieder aufgenommen.
Mit dem Einsatz des viergleisigen Fährschiffs Trelleborg begann 1958 die Zeit der Großfähren mit Autotransport auf der Ostsee. Für dieses mussten die Fährbetten und -brücken erweitert werden.
Täglich wurden zwei bis vier Schnellzugpaare (Tageszug Berlinaren, Nachtzug Sassnitz-Express, nach Verlegung in den Fährhafen Mukran Nils Holgersson) zwischen Stockholm und Berlin, später nur noch Malmö – Berlin Ostbahnhof transportiert. Ab 1962 fuhren Zubringerzüge von West-Berlin (Bf Zoo), später auch durchgehende Kurswagen. Bis zum Ende der 1970er Jahre verkehrte der Meridian zwischen Belgrad und Malmö. Nachdem der Meridian nur noch zwischen Berlin und Belgrad fuhr, wurde er durch ein Saisonzugpaar Csardas von und nach Budapest ersetzt. Zeitweise verkehrte der Zug Berlinaren als Schnelltriebwagen (DR-Baureihe 175). Die Züge wurden bis zur politischen Wende in der DDR überwiegend von Skandinaviern, West-Berlinern und Diplomaten benutzt.
Ende der 1960er gab es Planungen, die Fähren auf DDR-Seite statt von Sassnitz von einem neu zu bauenden Hafen Mövenort an der Nordseite der Insel Rügen mit einem Fährbahnhof Rügen Nord abfahren zu lassen. Die Fährzeit von Rügen nach Trelleborg hätte sich um eine Stunde verkürzt. Dieses Projekt wurde aber nicht verwirklicht.[1]
Seit 1998 fahren die Fährschiffe nicht mehr direkt vom alten Fährhafen neben dem Stadthafen aus, sondern vom neuen Fährhafen Sassnitz im Stadtteil Mukran. Die einzigen Reisezugwagen, die heute noch planmäßig mit den Schiffen der Königslinie transportiert werden, sind die Schlaf- und Liegewagen des privat betriebenen Zugpaares Berlin-Night-Express Malmö–Berlin.
Betreiber [Bearbeiten]
Die Königslinie wurde zuerst von den jeweiligen Staatsbahnen Schwedens und Deutschlands bzw. der DDR betrieben. 1991 ging der Betrieb auf schwedischer Seite an die SweFerry AB über. Auf deutscher Seite wurde das Fährgeschäft der Deutschen Reichsbahn 1994 an die Deutsche Fährgesellschaft Ostsee (DFO) übertragen, die 1998 in der deutsch-dänischen Reederei Scandlines aufging.
Stena Line übernahm im Jahr 2000 die SweFerry und gründete für den gemeinsamen Fährverkehr mit Scandlines die schwedische Scandlines AB. Damit waren alle Schiffe unter dem einheitlichen Erscheinungsbild von Scandlines im Einsatz, obwohl sie zu unterschiedlichen Gesellschaften gehörten.
2012 verkaufte Scandlines ihren Anteil der Königslinie an Stena Line. Damit liegt der gesamte Betrieb der Königslinie heute bei Stena Line. Seit dem 19. Oktober 2012 ist die Trelleborg in der Lackierung der Stena Line im Einsatz, die restlichen Schiffe sollen bis Mitte Januar 2013 das neue Design bekommen.[2][3]
Fährschiffe [Bearbeiten]
Die folgenden Fährschiffe sind aktuell auf der Königslinie im Einsatz:
- Trelleborg (Baujahr 1981)
- Sassnitz (Baujahr 1989)
Folgende Fährschiffe wurden auf der Königslinie regelmäßig eingesetzt:
- Preussen (Baujahr 1909)
- Deutschland (Baujahr 1909)
- Drottning Victoria (Baujahr 1909)
- Konung Gustav V (Baujahr 1909)
- Starke (Baujahr 1930)
- Trelleborg (Baujahr 1958)
- Sassnitz (Baujahr 1959)
- Warnemünde (Baujahr 1963)
- Skåne (Baujahr 1966)
- Drottningen (Baujahr 1967)
- Stubbenkammer (Baujahr 1971)
- Rügen (Baujahr 1972)
- Götaland (Baujahr 1973)
- Svealand (Baujahr 1973)
- Rostock (Baujahr 1977)
Sonderbriefmarke 2009 [Bearbeiten]
Anlässlich des im Jahre 2009 seit 100 Jahren bestehenden Fährverkehrs wurde mit dem Erstausgabetag 2. Juli 2009 eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post herausgegeben. Die Briefmarke im Wert von 145 Cent basiert auf dem Entwurf von Jochen Bertholdt, Rostock und zeigt eine Ansicht der Fähranlagen in Sassnitz in den 1920er Jahren. Zwei Sonderstempel der Stempelstellen Berlin und Bonn waren für den Erstausgabetag vorgesehen. Außerdem fand am 6. Juli 2009 eine Sonderfahrt des Fährschiffs Sassnitz um 7:45 Uhr von Mukran nach Trelleborg statt, mit traditionellem Zwischenstopp im Stadthafen von Sassnitz.
Andere Fährverbindungen [Bearbeiten]
- Vogelfluglinie (Deutschland – Dänemark)
- Trajekt Warnemünde–Gedser (Deutschland – Dänemark)
- Fährverbindung Mukran–Klaipėda (Deutschland – Litauen)
Literatur [Bearbeiten]
- Peter Goette u.a.: Die Eisenbahn auf Rügen. Eisenbahn-Kurier Special. Bd 89. EK-Verlag, Freiburg 2008, DNB 990769046.
- Gert Uwe Detlefsen: Die Schiffe der Eisenbahnen. Urbes, Hamburg 1996, ISBN 3-924896-30-5.
- Wolfgang Kramer, Horst-Dieter Foerster, Reinhard Kramer: Die Schiffe der Königslinie. Delius Klasing, Bielefeld 1981, ISBN 3-7688-0360-0.
Weblinks [Bearbeiten]
- Film über die Schifffahrtslinie (1909)
- Kurswagen Berlin-Malmö
- Scandlines History "Königslinie"
- Zur Geschichte der Königsline (PDF; 21 kB)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Günter Meyer, Rudi Dobbert, Das Projekt 3700. Zur Vorgeschichte des Fährhafens Mukran auf Rügen. in: Verkehrsgeschichtliche Blätter 6/2012, S. 167/168.
- ↑ Stena Line übernimmt fünf Scandlines-Routen. In: Täglicher Hafenbericht. 13. Oktober 2012.
- ↑ Stena betreibt jetzt 37 Schiffe. In: Täglicher Hafenbericht. 15. Oktober 2012, S. 3.