Königswartha

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Königswartha
Königswartha
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Königswartha hervorgehoben
51.31083333333314.327222222222141Koordinaten: 51° 19′ N, 14° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 141 m ü. NHN
Fläche: 47,04 km²
Einwohner: 3669 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02699
Vorwahlen: 035931, 035726 (Wartha)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 280
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 9
02699 Königswartha
Webpräsenz: koenigswartha.net
Bürgermeister: Georg Paschke (CDU)
Lage der Gemeinde Königswartha im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild
Evang.-Luth. Kirche im Ortszentrum
Restaurierte Grenzsteine am Marktplatz
Schloss Königswartha

Königswartha, obersorbisch Rakecy, ist ein Dorf und die zugehörige Gemeinde in der Oberlausitz im Zentrum des Landkreises Bautzen. Es liegt etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Städten Bautzen (20 km) und Hoyerswerda an der Bundesstraße 96. Königswartha gehört zu den wenigen Orten, deren sorbischer Ortsname keine Verbindung zum deutschen Namen hat. „Rakecy“ bedeutet „Leute des Krebses“ und verweist vermutlich auf den Wasserreichtum der Gegend.

Obwohl Königswartha im sorbischen Siedlungsgebiet liegt, ist der Anteil der sorbisch sprechenden Bevölkerung in der eher protestantischen Gemeinde Königswartha wesentlich geringer als in den südlich und westlich angrenzenden katholisch geprägten Nachbargemeinden (z. B. Ralbitz-Rosenthal). Noch 1884 stellten die Sorben 87 % der Bevölkerung.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Durch Königswartha fließt das Schwarzwasser, ein Nebengewässer der Schwarzen Elster. Die umliegende Landschaft ist überwiegend flaches waldreiches Heideland. Über 80 Teiche werden mehrheitlich auch heute noch zur Fischzucht (vor allem Karpfen) genutzt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Ortsteile (mit sorbischen Bezeichnungen) sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Königswartha wurde erstmals 1350 als Conigswarte urkundlich erwähnt und als „Städtlein“ mit Marktrecht bezeichnet. Der deutsche Name leitet sich von einer Warte des böhmischen Königs ab, die hier die alte Straße von Bautzen nach Hoyerswerda sicherte.[4]

Bei Königswartha schlug während der Befreiungskriege zeitgleich mit dem Gefecht bei Weißig am 19. Mai 1813 ein russisch-preußisches Korps unter Barclay de Tolly eine italienische Division.

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 1119 Einwohnern; davon waren 969 Sorben (87 %) und 150 Deutsche.[5]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge verschiedener Gemeindegebietsreformen wurden 1936 die Gemeinden Caminau, Johnsdorf, Neudorf und Niesendorf, 1950 Eutrich, 1957 Commerau (mit Truppen und Entenschenke) und 1994 Oppitz eingemeindet.[6] Am 1. Januar 2005 wurde der Gemeindeteil Wartha der aufgelösten Gemeinde Knappensee (Landkreis Kamenz) eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau drei goldene Getreidehalme auf denen andreasgekreuzt ein goldener Rechen nach links und eine goldgestielte silberne Sense zur anderen Seite liegen und mit rotem Band geschnürt sind.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Königswartha besteht momentan aus 16 Mitgliedern, darunter vier Frauen. Die Kommunalwahl 2009 ergab folgende Stimm- bzw. Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften 2009 2004
 % Sitze  % Sitze
Freie Wählervereinigung (FWV) 50,4 9 41,4 7
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 32,6 5 42,1 7
Parteifreie Wähler (PFW) 9,5 1 8,7 1
Die Linke (2004: PDS) 6,1 1 7,7 1
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1,3 0 - 0
gesamt 100,0 16 100,0 16
Wahlbeteiligung 54,3 % 50,5 %

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Königswartha verfügt über die Grundschule „Bjarnat Krawc“ und eine Oberschule.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Regionalbus Oberlausitz GmbH betreibt tagsüber etwa zweistündlich Busverbindungen (Linie 103) nach Bautzen und Hoyerswerda, diese werden vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien abgestimmt. Der 1890 eröffnete, 1999 stillgelegte Bahnhof Königswartha war Umsteigepunkt zwischen der Bahnstrecke Bautzen–Hoyerswerda und der Bahnstrecke Königswartha–Weißkollm. Durch die Bundesstraße 96, die im Zentrum Königswarthas Hauptstraße heißt, bestehen Anschlüsse ans Fernstraßennetz.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss und Schlosspark Königswartha[Bearbeiten]

Das Schloss Königswartha wurde in seiner heutigen barocken Gestalt 1780 unter dem Reichsgrafen Johann Carl Friedrich von Dallwitz (1742–1796) erbaut. Insgesamt zehn Sandsteinfiguren, die unverwechselbar barocke Ursprünge zeigen, befinden sich am Schloss Königswartha. Den Figuren ist ihr Alter anzusehen, nicht jedoch ihre Odyssee, die zumindest die 6 Figuren an der Eingangsfront (Nordseite) zurückgelegt haben. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen stammen diese ursprünglich vom kurfürstlichen Kammergut in Crostau bei Schirgiswalde. Von dort sind sie wahrscheinlich noch vor 1750 in den sogenannten Prenzelschen Garten in Bautzen gekommen, der sich zwischen Töpfergasse und Steingasse befand. Auf einem Riss aus dem Jahr 1825 sind die Postamente auf denen die Figuren ruhen sichtbar. Spätestens seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts waren diese und zwei weitere Figuren, die wahrscheinlich ebenfalls zu dieser Gruppe gehörten, vor dem Herrensitz in Luga nördlich Bautzens nachweisbar. Während zwei Figuren schon 1930 nach Kalbsrieth in Thüringen verbracht wurden, kamen sechs Figuren nach dem Krieg nach Königswartha. Aufgrund stilkritscher Vergleiche lassen sie sich der Zwingerhütte für die Zeit um 1710/1720 zuordnen. Ob der berühmte Meister Permoser selbst mit Hand angelegt hat, oder aber seine Schüler lässt sich heute zweifelsfrei nicht mehr klären, jedoch deutet vieles darauf hin. Vier Figuren der sechs Figuren vor dem Haupteingang verkörpern die vier Jahreszeiten, dazu kommt eine Bacchus- und eine Apollofigur. Seit 1949 ist im Schloss eine Fischereischule untergebracht. Diese gehört heute zur Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, die auf dem Gelände des Schlossparks ihr Kompetenzzentrum für Fischerei unterhält. Neben Aus- und Fortbildung gehören dazu hoheitliche Aufgaben als Fischereibehörde für den Freistaat Sachsen und angewandte Forschung auf dem Gebiet der Fischerei. Neben dem Schloss werden von der Landesanstalt für Landwirtschaft auch die ehemalige Orangerie, weitere der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Ritterguts und ein 1979 errichteter Internatsneubau genutzt. Die Orangerie ist ein rechteckiges, schlichtes Gebäude mit gewalmten Satteldach. Ihre große, zum Park geöffnete Halle wird durch eine mit acht Holzsäulen gegliederte Glasfassade begrenzt.

Die kleine, landschaftlich angelegte Parkanlage wird durch einen zentralen Teich, in dem sich das Schloss malerisch spiegelt, geprägt. Der Garten des Grafen von Dallwitz stellt eine dessen gesellschaftlichem Rang sowie der geografischen und topografischen Lage entsprechende Parkanlage dar, die in ihrer Grundanlage überwiegend erhalten ist. Der Park mit dem Schloss nimmt nur einen Teil der Fläche des ehemaligen Ritterguts ein. Durch seine in Grundform und im Erscheinungsbild nur gering veränderte Anlage ist nicht nur der Schloss- und Parkbereich, sondern der gesamte Raum des ehemaligen Ritterguts ortsbildprägend.

Grenzsteine am Marktplatz[Bearbeiten]

Nach dem Wiener Kongress 1815 verlief die Staatsgrenze zwischen den Königreichen Sachsen und Preußen durch das Gebiet der heutigen Gemeinde Königswartha, nur wenig nördlich des Ortes. Zur Erinnerung daran wurden im September 2008 zwei restaurierte Grenzsteine auf dem Marktplatz von Königswartha aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Falk Lorenz: Ein kleiner Park an der Fischereischule. Schloßpark Königswartha. In: Ernst Panse (Hrsg.): Parkführer durch die Oberlausitz. Lusatia Verlag, Bautzen 1999, ISBN 3-929091-56-9, S. 105–108.
  • Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: 50 Jahre im Dienste der Fischerei. Festschrift zum 50. Jahrestag der Gründung der Fischereischule und der Fischereilichen Forschungsanstalt in Königswartha. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Dresden 1999, 32 Seiten.
  • Herwyn Ehlers: Schlosspark Königswartha. Geschichte, Aktueller Bestand, Denkmalwert und Zukunftsperspektive. Diplomarbeit TU Dresden, Fakultät Architektur/Landschaftsarchitektur, Dresden 1995; 139 Seiten.
  • Westliche Oberlausitz zwischen Kamenz und Königswartha. (Werte unserer Heimat. Band 51). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-05-000708-7.
  • Königswartha. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band, Zwickau 1818, S. 13–15.
  • Otto Moser: Königswartha. In: Markgrafenthum Oberlausitz, Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859. S. 22–23 (Gustav Adolf Poenicke: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3. Digitalisat der SLUB Dresden, Volltext auf Wikisource)
  • Cornelius Gurlitt: Königswartha. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 31. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (I. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 129.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Königswartha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Königswartha – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeinde Königswartha
  3. Angaben der Gemeindeverwaltung Königswartha; Stand 31. Dezember 2010
  4. Jan Meschgang: Die Ortsnamen der Oberlausitz. Domowina Verlag, Bautzen 1973, S. 77.
  5.  Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 55.
  6. Königswartha im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005