Körnchenschirmlinge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Körnchenschirmlinge
Amiant-Körnchenschirmling (Cystoderma amiantinum)

Amiant-Körnchenschirmling (Cystoderma amiantinum)

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Champignonverwandte (Agaricaceae)
Gattung: Körnchenschirmlinge
Wissenschaftlicher Name
Cystoderma
Chevall.

Die Körnchenschirmlinge (Cystoderma)[1] sind eine Gattung von Pilzarten aus der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae).

Die Typusart der Gattung ist der Amiant-Körnchenschirmling (Cystoderma amiantinum).[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Bei den Vertretern der Gattung handelt es sich um kleine bis mittelgroße Arten mit typisch körniger, manchmal auch gerunzelter Hutoberfläche. Der körnige Hutbelag, der aus rundlichen Zellen gebildet wird, ist abwischbar. Der Hut ist weiß, rosa, gelbocker, orangebraun oder weinrötlich gefärbt. Im Unterschied zu den Schirmlingen (Lepiota) sind die weißlichen bis gelblichen Lamellen immer mehr oder weniger breit am Stiel angewachsen, sodass der Hut nicht ohne Verletzung vom Stiel getrennt werden kann. Typisch ist auch der aufsteigende Ring, der mehr oder weniger die gleiche Farbe wie der Hut hat. Der Stiel ist gestiefelt und hat eine glatte Spitze. Unterhalb des Rings oder der Ringzone ist er körnig-schuppig. Das Sporenpulver ist weiß bis blass cremefarben. Die Huthaut enthält kettenförmig angeordnete Sphäreozysten. Die meist recht kleinen Sporen sind amyloid und tragen keinen Keimporus. Bei den meisten Arten kommen keine Zystiden vor.

Zur Gattung Cystoderma gehörten früher auch die Arten der Gattungen Ripartitella and Cystodermella. Die Gattung wurde 2002 vom Harmaja in die drei unabhängigen Gattungen Cystoderma, Cystodermella und Ripartitella aufgespalten.[3] Die Gattung Cystodermella enthält Arten mit inamyloiden, glatten Sporen. Zystiden können vorhanden sein oder auch fehlen. Die Arten der Gattung Ripartitella haben inamyloide, dornige Sporen.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Körnchenschirmlinge sind Saprophyten, die an keine bestimmte Baumarten gebunden sind. Es sind meist temperate Arten, die meist in Nadelwäldern vorkommen, wo man sie oft in der Moosschicht finden kann.

Arten[Bearbeiten]

Typische und häufige Arten sind der Amiant-Körnchenschirmling (C. amiantinum) und der Starkriechende Körnchenschirmling (C. carcharias). Die Gattung ist in Europa und Nordamerika weit verbreitet. Normalerweise wird die Gattung in der Familie Agaricaceae eingeordnet, es gibt aber Autoren die sie zur Familie der Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae) [4] oder der Risspilzverwandten Inocybaceae[5] stellen. In Mitteleuropa gibt es je nach Artabgrenzung etwa 12 bis 16 Arten.

Körnchenschirmlinge (Cystoderma) in Europa
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Amiant-Körnchenschirmling Cystoderma amianthinum (Scopoli 1772) Fayod 1889
Arktischer Körnchenschirmling Cystoderma arcticum Harmaja 1984
Cystoderma bonnardii Thoen 2005
Starkriechender Körnchenschirmling Cystoderma carcharias
(beschrieben als „carcharios“)
(Persoon 1801) Fayod 1889
Häutigberingter Körnchenschirmling Cystoderma fallax A.H. Smith & Singer 1945 ('1944')
Cystoderma freirei Justo & M.L. Castro 2003
Cystoderma haematites (Berkeley & Broome 1878) Konrad & Maublanc 1927
Langsporiger Körnchenschirmling Cystoderma jasonis (Cooke & Massee 1888) Harmaja 1978
Lilastieliger Körnchenschirmling Cystoderma lilacipes Harmaja 1978
Schneeweißer Körnchenschirmling Cystoderma niveum Harmaja 1985
Cystoderma saarenoksae Harmaja 1985
Winter-Körnchenschirmling Cystoderma simulatum P.D. Orton 1960
Purpurbrauner Körnchenschirmling Cystoderma subvinaceum A.H. Smith 1945 ('1944')
Weinroter Körnchenschirmling Cystoderma superbum Huijsman 1956 emend. Huijsman 1958
Cystoderma tricholomoides Heinemann & Thoen 1973
Cystoderma tuomikoskii Harmaja 1979

Systematik[Bearbeiten]

Die Körnchenschirmlinge werden traditionell in die Familie Champignonverwandten (Agaricaceae) beziehungsweise in die Familie der Schirmlingsverwandten (Lepiotaceae) gestellt. Bon und viele andere Autoren sehen die Gattung aber aufgrund der Lamellenhaltung und der Tramasituation im Hut-Stielübergang in der Familie der Ritterlingsverwandten (Tricholomataceae). In der neusten Einordnung von Knudsen und Vesterholt (2005) wird die Gattung in der neugeschaffene Familie der Schuppenwulstlingverwandten (Squamanitaceae) untergebracht.

Bedeutung[Bearbeiten]

Alle Arten sind ungenießbar.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGenus Cystoderma. In: speciesfungorum.org. Index Fungorum, abgerufen am 27. November 2011.
  2. Joannes Antonius Scopoli: Agaricus amianthinus. In; Flora carniolica 2. 1772. S. 434.
  3. Saar I., Põldmaa K., Kõljalg U.: The phylogeny and taxonomy of genera Cystoderma and Cystodermella (Agaricales) based on nuclear ITS and LSU sequences. In: Mycological Progress. 8, Nr. 1, 2009, S. 59–73.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatM. Kuo: The Genus Cystoderma. In: mushroomexpert.com. MushroomExpert.Com, 2007, abgerufen am 27. November 2011 (englisch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGenus: Cystoderma S. Imai, (1938). In: GBIF Portal data.gbif.org. Abgerufen am 27. November 2011 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cystoderma – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien