Köstritzer Schwarzbierbrauerei

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Köstritzer Schwarzbierbrauerei
Logo Köstrizer Brauerei.svg
Rechtsform seit 1991 GmbH
Gründung 1543
Sitz Bad Köstritz
Leitung Andreas Reimer (Marketing)
Albrecht Pitschel (Technik)
Mitarbeiter 175 (2012)
Umsatz 143,5 Million
Branche Brauerei
Website koestritzer.de
Richard Friese (Illustrator, geb. 1886, gest. vor 1935): Ihr tägliches Getränk sei Köstritzer Schwarzbier, Werbeplakat von 1914/1930

Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei GmbH ist eine Brauerei in Bad Köstritz bei Gera. Sie ist eine der ältesten Schwarzbierbrauereien Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1543 fand die Brauerei im so genannten Erbzinsregister als „Köstritzer Erbschenke“ erstmals urkundliche Erwähnung, damit ist sie eine der ältesten Brauereien Deutschlands. Die Grafen des Hauses Reuß übernahmen die Braustätte 1696 und benannten sie in „ritterschaftliche Gutsbrauerei“ um. Seit 1806 darf die Brauerei den Titel „Fürstliche Brauerei“ verwenden, da die Ritter des Hauses Reuß zu Fürsten erhoben wurden. Im Jahr 1811 wurden 6400 Hektoliter (hl) Bier unterschiedlicher Sorten hergestellt und bis Berlin, Dresden, Magdeburg oder Frankfurt am Main verkauft.

Von dem in Weimar lebenden Johann Wolfgang von Goethe ist überliefert, dass er sich zeitweilig hauptsächlich von Bieren verschiedener Sorten u.a. der Brauereien Köstritz und Oberweimar sowie von Semmelbrot ernährte. Der Gelehrte Wilhelm von Humboldt schrieb am 17. November 1823 von Weimar aus an seine Ehefrau Caroline von Humboldt u.a. über seine eigene und Goethes Ernährung:

„Seitdem ich keinen Tee mehr trinke, ist alles aus. Ich stehe einmal am Rand des Abgrundes und einen Schritt weiter, so schwimme ich im Bier. Ach Gott!, liebes Kind, Goethe hat auf nichts Appetit, nicht auf Bouillon, Fleisch, Gemüse; er lebt von Bier und Semmel, trinkt große Gläser am Morgen aus und deliberirt mit dem Bedienten, ob er dunkel- oder hellbraunes Köstrizer oder Oberweimarisches Bier- oder wie die Greuel alle heißen - trinken soll. Doch geht er meist in eine andere Stube dazu, wenn ich da bin. Die Scheu geht doch in einer menschlichen Brust nicht ganz aus.“[1]

1829 brannten der Betrieb und weitere 15 Gebäude in Köstritz ab. Daraufhin wurde die Brauerei im Westflügel des Schlosses neu aufgebaut. 1875 pachtete der Unternehmer Rudolf Zersch die fürstlichen Domänen Köstritz, Dürrenberg und Hartmannsdorf, sowie die Brauerei. Der Betrieb wurde unter Leitung des Braumeisters Carl Holomoucky zunächst im Schloss und an anderen Produktionsstätten in Köstritz erweitert.

Es wurden nun die Sorten Köstritzer Schwarzbier und das Lagerbier Blume des Elsterthales produziert. Dem Schwarzbier wurde vom 19. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. In einer Anzeige von 1893 warb die Brauerei, es werde von „hohen medizinische Autoritäten empfohlen für Blutarme, Lungenkranke, Wöchnerinnen, stillende Mütter u. Rekonvaleszenten jeder Art“.[2] Die Brauerei sandte an Otto von Bismarck zu dessen Geburtstagen Gebinde mit Blume des Elsterthales und warb mit dessen lobender Beurteilung des Bieres.[2]

Im Jahr 1896 hatte die Brauerei eine Kapazität von 40.000 hl, und stellte jährlich 25.000 hl Bier her, davon 12.000 hl Schwarzbier.[3]

Zwischen 1906 und 1908 ließ Zersch in Köstritz einen neuen Backsteinbau als Betriebsgebäude errichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brauerei im Oktober 1948 enteignet und in VEB Köstritzer Schwarzbierbrauerei umgewandelt. In der Deutschen Demokratischen Republik war die Köstritzer Brauerei eines der wenigen Unternehmen, welches Biere für den Export herstellten. Das Bier wurde von 1956 bis 1976 in die BRD exportiert, anschließend bis zur Wende nach ganz Osteuropa. Ein vollständiger Neubau der Brauerei erfolgte in den Jahren 1979 bis 1990.

Der Betrieb wurde im April 1991 zu hundert Prozent von der Bitburger Holding übernommen. Die Brauerei wurde von 1991 bis 1993 stark modernisiert. 1993 etablierte die Firma als ihre wichtigste Marke „Köstritzer Schwarzbier“ am deutschen Markt. 1989 wurden etwa 12.000 hl Schwarzbier gebraut. Die Brauerei hat ihren Gesamtausstoß in den Jahren 1991 (145.000 hl) bis 2005 (879.000 hl) mehr als verfünffacht.[4] (zum Vergleich: heute ca. 700.000 hl p.a.)

Sie wurde in einer landesweiten Einführungskampagne beworben mit dem 450-jährigen Jubiläum der Brauereilizenz und dem Slogan „Das Schwarze mit der blonden Seele“, einer Anspielung auf den Titel der französischen Agentenfilmkomödie Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh. Ab Juli 2008 wurde dieser Slogan aufgegeben und ersetzt durch „Gibt Momenten Seele“.

Gegenwart[Bearbeiten]

Zu den Produkten gehören mittlerweile neben dem „Köstritzer Schwarzbier“ außerdem „Köstritzer Edel Pils“, „Köstritzer Spezial Pils“, „Köstritzer Kellerbier“ sowie die Biermischgetränke „Köstritzer bibop“ und „Köstritzer Edelpils Radler“. Die Biere werden inzwischen in mehr als 50 Länder exportiert.[5][4]

Köstritzer ist Marktführer in Deutschland im Bereich der dunklen untergärigen Biere mit 31 Prozent Marktanteil.[4][6] Der 2002 eingeführte Biermix Bibop rangierte 2008 in Ostdeutschland mit einem Absatz von 41.712 hl auf Platz 2. der Cola-Biermixmarken.[7]

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anna von Sydow (Hrsg.): Wilhelm und Caroline von Humboldt in ihren Briefen: Reife Seelen. Briefe von 1820-1835, Zeller, 1968, Seite 183
  2. a b Werbeanzeige in: Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Band 17, J. Springer, 1893, Seite 32
  3. Fritz Regel: Thüringen. Ein geographisches Handbuch, Band 3, 1896, Seite
  4. a b c Dürener Kreiszeitung, 25. Juli 2011 Wirtschaftsteil, S. 21
  5. gera.otz.de/Wirtschaft
  6. Super-Illu vom 13. Februar 2013
  7. Heinrich Voß: „Es muss überraschen“ - Anforderungen an Biermixe steigen, Getränkefachgrosshandel, 4, 2009, Seite 12

Literatur[Bearbeiten]

  • Köstritzer - Der Osten braut schwarz. In: Erfolgsgeheimnis Ost/Survivalstrategien der besten Marken, Gabler Fachverlag 2009, S. 139-143

Weblinks[Bearbeiten]

50.93181612.013329180Koordinaten: 50° 55′ 54,5″ N, 12° 0′ 48″ O