Künstlerkolonie Dachau

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Carl Spitzweg: Der Bücherwurm, um 1850

Die Künstlerkolonie Dachau bildete sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor allem ab 1875 drängten bedeutende deutsche Maler in die bayerische Stadt bei München, um sich dort von Menschen und Landschaft im Dachauer Moos inspirieren zu lassen und sich vor Ort mehrere Monate oder Jahre niederzulassen. Neben Worpswede stellt Dachau die bedeutendste Künstlerkolonie in Deutschland dar. Bis heute ist der Ort der Kunst verbunden geblieben. So werden zum Beispiel in der Dachauer Gemäldegalerie viele Exponate von Vertretern der Künstlerkolonie gezeigt. Dachau ist Mitglied in der Vereinigung der europäischen Künstlerkolonien „Euro Art“.

Vorläufer der Künstlerkolonie (ca. 1800 bis 1874)[Bearbeiten]

Bereits ab 1805 kamen vereinzelt Künstler in den Ort, so um 1803 Simon Warnberger, 1825 Wilhelm von Kobell, 1834 Johann Georg von Dillis, ca. 1840 Eduard Schleich der Ältere und 1850 Carl Spitzweg, der für mehrere Jahre in Dachau weilte und sein berühmtes Bild Der Bücherwurm im Schloss Dachau malte.

Des Weiteren kamen 1870 Heinrich von Zügel und 1873 Wilhelm Leibl; Belege für ein gesteigertes Interesse der Münchner Künstlerszene an der Mooslandschaft des Dachauer Umlands und den wechselnden Stimmungen der Landschaft. Dachau stellte für viele Maler ein ideales Motiv für die immer populärer werdende Landschaftsmalerei (auch Freilichtmalerei) dar.

Die Anfänge der Künstlerkolonie (1875 bis 1913)[Bearbeiten]

In dieser Zeit stieg die Zahl der nach Dachau kommenden Künstler sprunghaft an. Teilweise stellte die Stadt günstige Wohnungen und Arbeitsräume zur Verfügung. Eine erste Gruppe von Künstlern um Ludwig Dill, Adolf Hölzel und Arthur Langhammer schlossen sich ab 1897 (der genaue Zeitpunkt ist umstritten) zur Kunstrichtung bzw. Malschule „Neu-Dachau“ zusammen. Hölzel eröffnete eine viel beachtete Malschule, während Dill um 1897 eine erste örtliche Künstlervereinigung ins Leben rief. Dachau wurde nun deutschlandweit als Malerkolonie bekannt. Es folgten nun viele weitere Künstler, die nach Dachau kamen, darunter Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt, Ludwig von Herterich, Hermann Linde, Anton von Stadler, Paul Baum, Heinrich von Zügel und als Schüler Adolf Hölzels Emil Nolde. In einer zweiten „Welle“ von interessierten Künstlern kamen des Weiteren ab 1900 August von Brandis, Hermann Stockmann, Ignatius Taschner, Hans von Hayek, Carl Thiemann, August Pfaltz, Paula Wimmer und Walther Klemm. Die Maler der Künstlerkolonie in Dachau orientierten sich vor allem an Künstlern aus Paris, die sich im Zeitraum von 1830 bis etwa 1870 verstärkt im Dorf Barbizon ansiedelten, um dort „plein-air“, also unter freiem Himmel zu arbeiten, (Schule von Barbizon). Die Dachauer Künstler gründeten 1905 das Bezirksmuseum Dachau und 1908 die Gemäldegalerie im Schloss Dachau.

Die Zäsur der beiden Weltkriege (1914 bis 1945)[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges reduzierte sich die Zahl der Künstler am Ort, doch bereits 1919 entstand eine Künstlervereinigung mit 44 Mitgliedern, die bis heute Bestand hat. In der Zeit zwischen den Kriegen lebten und wirkten in Dachau unter anderen Ella Iranyi, Carl Olof Petersen und Karl Staudinger. Der Zweite Weltkrieg führte zu einem starken Rückgang der Künstlertätigkeit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Petra Belli (Red.): Freilichtmalerei. Der Künstlerort Dachau. Dachau, 2002. ISBN 3-93094126-0.
  • Stadt Dachau (Hrsg.), Lorenz Josef Reitmeier: Dachau. Ein Künstlerbuch. Dachau, 1995.
  • Stadt Dachau (Hrsg.), Hans-Günther Richardi: Dachauer Zeitgeschichtsführer. Dachau, 1998.
  • Ottilie Thiemann-Stoedtner, Gerhard Hanke: Dachauer Maler. Die Kunstlandschaft von 1801–1946. 2. Auflage. Verlagsanstalt Bayerland, Dachau 1989, ISBN 3-89251-054-7.
  • Künstlerkolonie Dachau. Blütezeit von 1880 bis 1920. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2013, ISBN 978-3-88132-394-9.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]