Künstliche Knappheit

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Unter künstlicher Knappheit versteht man die Folge des Verhaltens eines Produzenten, der das Angebot seines Produkts unterhalb der Nachfrage hält. Dabei ist entweder die Produktionskapazität bewusst niedrig gehalten oder es werden nur festgelegte Stückzahlen pro Zeiteinheit (Tag/Monat/Jahr) bzw. pro „Aktion“ ausgegeben.

Klassische Theorie[Bearbeiten]

In der klassischen ökonomischen Theorie kann eine „Künstliche Knappheit“ auf einem vollkommenen Markt höchstens kurzfristig auftreten. Würde ein Anbieter weniger anbieten, als zum Marktpreis nachgefragt wird, würde ein anderer Anbieter die Lücke schließen und entsprechend mehr anbieten.

Monopole und Kartelle[Bearbeiten]

Jedoch ist die Marktform des vollkommenen Marktes in der Praxis oft nicht anzutreffen. Insbesondere im Fall von Monopolen ist der einzige Anbieter in der Lage, das Angebot künstlich zu verknappen und dank der höheren Preise dennoch einen höheren Ertrag (die sogenannte Monopolrente) zu erzielen.

Auch Kartelle sind in der Lage eine künstliche Knappheit herbeizuführen und damit höhere Preise zu erzielen. Künstliche Knappheit wird von der Ökonomie als marktschädigend betrachtet, da sie die Preise künstlich oberhalb des Gleichgewichtsniveaus hält. Moderne Marktwirtschaften verbieten daher Kartelle und bemühen sich, den Wettbewerb zu fördern.

Ein Sonderfall des Monopols sind Patente und Urheberrechte, die ebenfalls eine künstliche Knappheit beim Zugang und der Verwertung von Informationen schaffen, und damit erst Renditen ermöglichen, bzw. es entsteht überhaupt erst dann ein (künstlich verknappter) Markt.

Staatliche Eingriffe[Bearbeiten]

Der Staat schafft in vielen Fällen künstliche Knappheit.

Bei einer Vielzahl von staatlichen Angeboten bestehen keine Marktpreise. Dies betrifft öffentliche Güter wie die Nutzung staatlicher Infrastruktur. In anderen Bereichen ist eine Lenkung der Nachfrage über Preise politisch nicht gewünscht (z. B. im Gesundheitswesen). Preise und Angebotsmengen müssen daher in diesen Bereichen administrativ festgelegt werden. Ist die bereitgestellte Angebotsmenge zu knapp, kommt es entweder zu Übernutzung (mit der Folge z. B. bei der Verkehrsinfrastruktur von Staus) oder einer Einschränkung des Zugangs zu dem Angebot (z. B. Budgetierung im Gesundheitswesen oder Numerus clausus beim Hochschulzugang).

Ein weiteres Feld, in dem der Staat künstliche Knappheit schafft, ist die Praxis der Genehmigungen und Konzessionen. So weisen Gemeinden in vielen Gegenden systematisch weniger Bauland aus, als es der Nachfrage entspricht. Hierdurch soll Zersiedelung vermieden werden. Ökonomisch führt dies dazu, dass Bauland auch in schlechten Lagen signifikant teurer ist als landwirtschaftliche Fläche plus Erschließungskosten und eine künstliche Knappheit herrscht.

Eine Reihe von Branchen (z. B. das Taxigewerbe) bedürfen staatlicher Konzessionen. Zur Einschränkung des Wettbewerbs sind auch diese meist künstlich knapp gehalten.

Künstliche Knappheit als Marketinginstrument[Bearbeiten]

Im Rahmen des Marketings wird künstliche Knappheit als Marketinginstrument genutzt. Um die Exklusivität eines Produktes oder einer Marke zu sichern, wird die produzierte Menge bewusst zu niedrig angesetzt und bewusst auf die Erträge aus den nicht produzierten Mengen verzichtet. Typische Beispiele sind limitierte (und teilweise nummerierte) Sonderauflagen von Produkten. So werden vielfach Kunstdrucke in künstlich limitierter Auflage produziert.

Weitere Sichten[Bearbeiten]

Marxismus[Bearbeiten]

Der Marxismus spricht davon, dass die Produktionsmittel den Arbeitern vorenthalten werden. Darunter ist eine künstliche Knappheit bei Produktionsmitteln (bzw. Arbeitsplätzen) zu verstehen, die im Marxismus auf die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln zurückgeführt werden.

Freiwirtschaft[Bearbeiten]

Die Freiwirtschaft argumentiert, alternativ unterliege auch der Boden einer künstlichen Knappheit, da er ohne Durchhaltekosten gelagert werden kann. Dies bewirkt, dass Boden nicht nur als Bau- oder Ackerland einen Preis erzielt, sondern zusätzlich als Wertaufbewahrungsmittel. Dadurch steigen die Bodenpreise, da der Bedarf an Wertaufbewahrungsmitteln im Vergleich zum Bedarf an Bau- oder Ackerland unbegrenzt anwächst. Dadurch steigen die Bodenpreise immer weiter, solange kein besseres Wertaufbewahrungsmittel zur Verfügung steht, wie z. B. Bargeld in einer deflationären Ökonomie, das von sich aus ständig an Kaufkraft dazugewinnt.

Siehe auch[Bearbeiten]