Kütschüm Khan

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Kütschüm Khan (tatarisch Күчүм, Küçüm; russisch Кучум, Kutschum; * vor 1550; † um 1605 vermutlich in Buchara) war der letzte Khan des Khanats Sibir. Kütschüms grenzüberschreitende Raubzüge und sein Versuch, den Islam in seinem Reich zu verbreiten, veranlassten den russischen Zaren, ein Kosaken-Heer gegen ihn zu entsenden. Kütschüm ist vor allem für seinen energischen Widerstand gegen die russischen Invasoren bekannt und wird in zahlreichen tatarischen sowie russischen Liedern und Legenden besungen.

Kütschüm war der Sohn des Prinzen Mortaza aus der Schaibaniden-Dynastie. 1554 kämpfte er um den Thron des Khanats Sibir gegen seine Kontrahenten Yadegar und Bekbulat, die beide Vasallen Russlands waren. Nachdem Kütschüm Yadegar 1563 bezwungen und die Herrschaft übernommen hatte, unterstützte er 1573 einen Angriff auf Perm. Dies und weitere, kleinere Raubzüge veranlassten den russischen Zaren dazu, eine Invasion des Khanats Sibir durch die Kosaken zu unterstützen.

Der Fall Qaschliqs an Jermak und die Flucht Kütschüms. Eine Miniatur aus der Kungurchronik

1582 wurde das Khanat Sibir von dem kosakischen Ataman Jermak angegriffen, der die Einheiten Kütschüms besiegte und dessen Hauptstadt Qaschliq einnahm. Kütschüm zog sich infolgedessen in die Steppe zurück, wo er in den nächsten Jahren neue Einheiten aufstellte. Am 6. August 1584, im Dunkel der Nacht, griff er Jermak unerwartet an und tötete ihn und den Großteil seiner kosakischen Truppen. Das mittlerweile verfallene Qaschliq geriet somit wieder unter die Kontrolle Kütschüms, welcher nun versuchte, die verschiedenen Adelsfraktionen innerhalb des Khanats Sibir zu vereinigen. Dieses Vorhaben stieß jedoch auf großen Widerstand und nach einem missglückten Mordanschlag auf sein Leben sah sich Kütschüm schließlich gezwungen, seine Horde in die Steppe südlich des Irtysch zu verlegen. Hier versuchte er, ein neues Khanat zu etablieren, das den Krieg gegen die russischen Statthalter weiterführte.

1590 überfiel Kütschüm die Tataren in der Nähe von Tobolsk, welche sich den Russen mittels Tributzahlungen unterworfen hatten. 1591 wurde Kütschüm am Irtysch abgefangen und zwei seiner Frauen und seinen Sohn Abdul-Khair gerieten in Gefangenschaft. Mit der teilweisen Fertigstellung der Festung Tara im Jahr 1594 fiel es Kütschüm zunehmend schwerer, sich der russischen Kontrolle zu entziehen. 1597 ersuchte Kütschüm, dessen Gefolgsleute 1595 am oberen Irtysch überfallen worden waren, den Zaren um Verhandlungen, woraufhin ihm dieser als Gegenleistung für eine Kapitulation Grundbesitz in Russland anbot. In der Umgebung des Ubinskoje-Sees fing Andrei Wojeikow 1598 eine große Anzahl weiterer Gefolgsleute des Khans ab, und später geriet am Fluss Ob Kütschüm selbst in Gefangenschaft. Zwar gelang ihm die Flucht, doch töteten die Russen zwei seiner Söhne und nahmen fünf weitere Söhne sowie acht Frauen und elf Töchter gefangen. Dem islamischen Geistlichen, der die Verhandlungen führte, antwortete Kütschüm – sich selbst als taub, blind und ohne Lebensunterhalt beschreibend – dass er sich bisher nicht unterworfen habe und das auch jetzt nicht beabsichtige. Das war sein letzter Kontakt zu den Russen. Es wird vermutet, dass er um 1605 in Buchara verstarb.

1620 heiratete Kütschüms Sohn Ischim Khan eine Tochter Khu Urluks, der dann seine Leute an die Wolga führte. Andere Nachkommen Kütschüms blieben im Großfürstentum Moskau, wo sie schließlich den Nachnamen Sibirski annahmen. 1591 war Kütschüms Sohn Abdul-Khair der erste der Dynastie, der gemeinsam mit seiner Familie zum Christentum konvertierte und schließlich im russischen Adel aufging. Sein Sohn hieß zwar noch Wassili Abulgairowitsch, aber bereits der Name seines Enkelsohnes Roman Wassiljewitsch war nicht mehr von dem eines gebürtigen Russen zu unterscheiden. 1686 bestimmte der Zar sogar, dass die Herrscherdynastien Imeretiens im Kaukasus gemeinsam mit den tatarischen Herrschern der Khanate Sibir und Kassimow in das Stammbuch des russischen Adels aufgenommen werden sollten.[1] 1661 wurde ein Mann als Nachkomme Kütschüms beschrieben, der die Russen in Baschkirien bekämpfte.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Khodarkovsky: Russia's Steppe Frontier. Indiana University Press, 2002. ISBN 0253217709. M1 Google Print, S. 265.
  2. Alton S. Donnelly: The Russian Conquest of Bashkiria. 1968. S. 23, 127.
Vorgänger Amt Nachfolger
Murtaza Khan des Khanat Sibir
1563–1598