Kąty Wrocławskie

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Kąty Wrocławskie
Wappen von Kąty Wrocławskie
Kąty Wrocławskie (Polen)
Kąty Wrocławskie
Kąty Wrocławskie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Breslau
Fläche: 6,34 km²
Geographische Lage: 51° 2′ N, 16° 46′ O51.03333333333316.766666666667Koordinaten: 51° 2′ 0″ N, 16° 46′ 0″ O
Höhe: 138 m n.p.m
Einwohner: 6422
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 55-080
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DWR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Autobahn A4
Schienenweg: Wrocław Świebodzki–Wałbrzych Głowny
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 36 Schulzenämter
Fläche: 176,50 km²
Einwohner: 22.318
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 126 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0223043
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Antoni Kopeć
Adresse: Rynek - Ratusz 1
55-080 Kąty Wrocławskie
Webpräsenz: www.katywroclawskie.pl

Kąty Wrocławskie [kˈɔ̃tɨ vrɔtswˈafskiɛ] (deutsch Kanth; bis 1930 Canth) ist eine Stadt im Powiat Wrocławski der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Die etwa 5.500 Einwohner zählende Stadt ist Hauptort einer Stadt- und Landgemeinde mit rund 19.000 Einwohnern.

Geografie[Bearbeiten]

Kąty Wrocławskie liegt etwa 20 km südwestlich des Stadtzentrums von Breslau an der Autobahn A4 und ist rund 10 km vom Flughafen im Breslauer Stadtteil Strachowice entfernt. Geografisch gesehen liegt die Stadt im Westen der Breslauer Ebene, einem Teil des Schlesischen Tieflands, im westlichen Teil Niederschlesiens und wird von den Flussläufen der Weistritz (im Osten) und des Striegauer Wassers (im Westen) umrahmt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt „Cant“ nach Friedrich Bernhard Werner; gut erkennbar das 1624 ausgebrannte Schloss im Norden der Stadt und der freistehende Rathausturm auf dem Ring.

Prähistorische Funde, wie der einer Siedlung aus dem Neolithikum im Ortsteil Gniechowice, deuten auf eine lang zurückreichende Siedlungsgeschichte auf dem heutigen Gemeindegebiet hin. Die Geschichte der Stadt begann im Jahre 1297, als Herzog Bolko I. von Schweidnitz-Jauer Kanth nach Schweidnitzer Recht als Kolonistenstadt gründete. Die Stadtanlage nahm die Form eines Ovals mit rechteckigem Ring an. 1298 wurde die Stadt als Kant erwähnt.[2] Für das Jahr 1302 ist die Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul erstmals nachgewiesen.

Ursprünglich gehörte die Stadt dem Herzogtum Breslau an, in den folgenden Jahrzehnten wechselte der Landesherr Kanths jedoch häufig. Als 1322 Elisabeth, die Tochter Heinrich VI. Herzog Konrad von Oels heiratete, erhielt dieser unter anderem Kanth als Mitgift. Konrad verstärkte die Bindungen an Böhmen und sein Herrschaftsbereich trennte sich schließlich von Polen und kam 1329 unter die Lehnsherrschaft Böhmens. Später fand sich Kanth in den Grenzen des Herzogtums Schweidnitz-Jauer und des Herzogtums Münsterberg wieder. 1339 kaufte Konrad II. von Oels die Stadt von Bolko II. von Münsterberg. Doch im Jahre 1419 übernahm der Breslauer Bischof die Stadt Kanth als Pfand, da Herzog Konrad IV. von Oels die hohen Kredite, die er aufgenommen hatte, nicht abbezahlen konnte. Da sich die finanzielle Lage des Herzogtums in den folgenden Jahren nicht besserte, blieb die Stadt auch in der Folgezeit im Besitz des Bistums.[3]

Begünstigt durch die Lage an einem Weistritz-Übergang und der Errichtung einer Zollstation 1310 entwickelte sich die Stadt zu einem Handelsort. Seit 1340 wurden Jahrmärkte abgehalten und seit dem 14. Jahrhundert waren die örtlichen Mühlen und später auch die Weberei von wirtschaftlicher Bedeutung. Es war auch eine Stadtmauer errichtet worden, die von den einfallenden Hussiten um die Mitte des 15. Jahrhunderts zerstört wurde. Daraufhin wurde der Mauerring samt den drei Stadttoren: dem Burgtor, dem Schweidnitzer Tor sowie dem Breslauer Tor, wiederaufgebaut und 1587 erneuert. Weitere Zerstörungen brachten der Dreißigjährige Krieg und der große Stadtbrand von 1624, bei dem auch das örtliche Schloss von 1475 ausbrannte.

Unter die Krone Habsburgs kam die Stadt 1526 und 1742 wurde Kanth wie der größte Teil Schlesiens preußisch. 1810 endete die fast 400 Jahre währende bischöfliche Herrschaft in Kanth, als der Kirchenbesitz im Zuge der Säkularisation verstaatlicht wurde. Von 1855 bis 1856 wurde die alte Stadtmauer, bis auf kleine Reste am örtlichen Friedhof, abgebrochen. Ein Wahrzeichen Kanths war der Galgen aus dem 16. Jahrhundert südlich der Stadt, der mit den Ziegeln der abgetragenen Stadtmauer erneuert wurde. Mit der Zeit verfiel der Galgen und wurde in den 1950er Jahren abgerissen. [4]

Am 4. März 1930 wurde die Schreibweise des Stadtnamens von Canth in Kanth geändert. Zwei Jahre später, am 1. Oktober 1932 wurde Kanth Teil des Landkreises Breslau; zuvor hatte es dem Landkreis Neumarkt angehört.[5] 1936 erhielt die Stadt Anschluss an die Reichsautobahn Breslau–Liegnitz.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt am 8. Februar 1945 von der Roten Armee besetzt. Wegen der Nähe zur „Festung Breslau“, die erst am 7. Mai aufgegeben wurde, blieb vor allem der Ostteil der Gemeinde im Frontgebiet und hatte dementsprechende Zerstörungen vorzuweisen. Nach Kriegsende wurde Kanth Teil Polens und vorerst in Kąty umbenannt. Der Zusatz Wrocławskie zur Unterscheidung von anderen Ortschaften dieses Namens folgte später. Die verbliebenen deutschen Bewohner Kanths wurden in der Folge vertrieben. Noch während der letzten Kriegstage waren in Kanth erste polnische Neusiedler, auch ehemalige Zwangsarbeiter eingetroffen, später folgten vor allem Vertriebene aus Ostpolen. In der Nachkriegszeit nahm die Bevölkerung von Kąty Wrocławskie wegen der Nähe zu Breslau stark zu. Nach der politischen Wende in Polen 1989 investierten viele ausländische Firmen, wie Scania in der Gemeinde, die vor allem von der Nähe zum Wirtschafts- und Hochschulstandort Breslau sowie dem Anschluss an die Autobahn A4 und der Nähe zum Flughafen Breslau profitieren. Für neue Investitionen stellte die Gemeinde deshalb eine Fläche von 700 Hektar zur Verfügung.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der Stadt nach dem jeweiligen Gebietsstand (teilweise gerundete Zahlen):[7]

Jahr Einwohner
1844 1.691
1885 2.863
1910 3.013
1939 3.580
1969 3.855
1980 4.500
1998 5.200
2004 5.390

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bebauung am Ring (Marktplatz)
Friedhof und Stadtpfarrkirche
  • Die Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul wurde im Jahre 1302 erstmals erwähnt und im 15. Jahrhundert als backsteingotischer Kirchenbau errichtet. In dieser Form blieb der Chor größtenteils erhalten. Um 1500 wurde das dreischiffige Hallenlanghaus samt Sterngewölbe sowie der Turm ausgeführt. Es folgte ein Umbau im Jahre 1520, der die Kirche mit einer Sakristei sowie einer Kapelle an der Südwand ausstattete. Im 19. Jahrhundert, vor allem von 1825 bis 1827, fanden Umgestaltungen statt, bei denen eine zweite Kapelle im Norden entstand und der aufgestockte Turm seinen heutigen Helm im Renaissancestil erhielt. Außerdem wurde das Innere 1891 neugotisch ausgestattet. Zur älteren Ausstattung der Pfarrkirche gehört eine Madonnenstatue mit Jesuskind von 1410 im neugotischen Marienaltar sowie Figuren des heiligen Johannes des Täufers und der Maria (um 1470). Um die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert wurden ein Kruzifix und ein Sakramentshaus geschaffen. Aus der Renaissance stammt ein Bild der Pietà. Darüber hinaus finden sich noch einige Barockstatuen, die in die neugotischen Altäre eingebaut wurden.
  • Der turmlose Bau der ehemaligen evangelischen Kirche St. Elisabeth am Ring wurde von 1834 bis 1836 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Der schlichte klassizistische Saalbau entstand im Rundbogenstil auf rechteckigem Grundriss. Die wechselnden Backsteinfarben, der Eingang mit drei Rundbögen und die vier Fensterachsen gliedern das Gebäude. Heute dient die Kirche als Geschäft.
  • Inmitten des Rings steht das Rathaus von 1878 bis 1879, das einen, dem Stadtbrand von 1624 zum Opfer gefallenen Vorgängerbau ersetzte. Der 40 m hohe Turm von 1613 blieb erhalten und wurde im Zuge der Neuerbauung des Rathauses an dessen neues Erscheinungsbild angepasst. Seitdem präsentiert sich das Gebäude in seiner funktionalen neoklassizistisch angehauchten Form.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Kąty Wrocławskie unterhält mit folgenden Orten Partnerschaften:

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Kąty Wrocławskie gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende Ortsteile:

  • Baranowice-Bliż (Bahra; 1939–45: Baara)
  • Bogdaszowice (Puschwitz)
  • Cesarzowice (Blankenau)
  • Czerńczyce (Kapsdorf)
  • Gniechowice (Gnichwitz; 1937–39: Yorckschwert, 1939–45: Altenrode)
  • Górzyce (Guhrwitz; 1937–45: Burgweiler)
  • Gądów (Alt Gandau)
  • Jaszkotle (Jäschgüttel)
  • Jurczyce (Jürtsch; 1937–45: Jürgen)
  • Kamionna (Kammendorf b. Kanth)
  • Kębłowice (Kammelwitz; 1937–45: Kammfeld)
  • Kilianów (Landau)
  • Kozłów (Koslau; 1937–45: Kiesgrund)
  • Krobielowice (Krieblowitz; 1937–45: Blüchersruh)
  • Krzeptów (Kriptau)
  • Małkowice (Malkwitz; 1937–45: Waldtal)
  • Mokronos Dolny (Niederhof)
  • Mokronos Górny (Oberhof)
  • Nowa Wieś Kącka (Neudorf b. Kanth)
  • Nowa Wieś Wrocławska (Polnisch Neudorf; 1939–45: Neudorf)
  • Pełcznica (Polsnitz; 1937–45: Brückenfelde)
  • Pietrzykowice (Polnisch Peterwitz; 1937–39: Peterwitz, 1939–45: Petersweiler)
  • Romnów (Rommenau)
  • Rybnica (Reibnitz)
  • Sadków (Groß Schottgau)
  • Sadkówek (Klein Schottgau)
  • Sadowice (Sadewitz; 1937–45: Schill)
  • Samotwór (Romberg)
  • Skałka (Schalkau)
  • Smolec (Schmolz)
  • Sokolniki (Zaugwitz; 1937–45: Trutzflut)
  • Sośnica (Schosnitz; 1937–45: Reichbergen)
  • Stary Dwór (Althof)
  • Stoszyce (Stöschwitz; 1937–45: Eichdamm)
  • Strzeganowice (Paschwitz; 1937–45: Fuchshübel)
  • Szymanów (Simschütz)
  • Wojtkowice (Woigwitz; 1937–45: Albrechtsau)
  • Wszemiłowice (Schimmelwitz; 1937–45: Zweibach)
  • Zabrodzie (Zweibrodt)
  • Zachowice (Sachwitz; 1937–45: Martinsgrund)
  • Zybiszów (Siebischau)

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kąty Wrocławskie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kanth. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 473.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Vgl. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845
  3. Dr. W. J. Grabski: 200 miast wraca do Polski
  4. Über den Kanther Galgen: http://www.katywroclawskie.gmina.pl/przewodnik/kacik_historyczny/szubienica_w_katach_wroclawskich/
  5. http://www.territorial.de/ndschles/neumarkt/kanth.htm
  6. Wirtschaft der Gemeinde: http://www.katywroclawskie.pl/gospodarka.php
  7. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1844: [1] – 1885: [2] – 1910: [3] – 1939, 1969 H.R. Fritsche: Schlesien-Wegweiser – 1998: [4] – 1980: Encyklopedia Powszechna PWN – 2004: PDF