KDStV Bavaria Bonn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von K.D.St.V. Bavaria Bonn)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Karte
Bavaria-Bonn.jpg
Bonn (Deutschland)
Bonn
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Universität: Bonn
Gründung: 15. November 1844 in Bonn
Verband: CV
Eintritt in CV: 1865
Kürzel: BvBo!
Farben: dunkelblau-weiß-hellblau
Mitglieder: > 400 (2001)
Website: bavaria-bonn.de/

Die Katholische Deutsche Studentenverbindung Bavaria Bonn ist eine 1844 gegründete katholische farbentragende Studentenverbindung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Sie ist die älteste deutsche katholische Studentenverbindung überhaupt und Mitglied des Cartellverbands der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV). Zudem ist sie Mitglied im Marburger Kreis.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die deutschen Katholiken hatten infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 sehr an gesellschaftlicher Bedeutung verloren. Nachdem noch 1837 im Verlauf des Mischehenstreites zwischen dem Preußischen Staat und der Römischen Kurie der Erzbischof von Köln in Haft gesetzt wurde, begann mit der Thronbesteigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. am 7. Juni 1840 ein gegenüber den Katholiken toleranteres Regiment. 1844 wurde in Trier der Heilige Rock ausgestellt. Die Ausstellung war Anlass zur Heilig-Rock-Wallfahrt und zog über eine Million Pilger an. Diese Glaubensdemonstration führte dazu, dass die deutschen Katholiken wieder an Selbstbewusstsein gewannen und sich zu Vereinen zusammenschlossen.

Gründung[Bearbeiten]

Den Wunsch nach einer katholischen Vereinsgründung gab es auch unter katholischen Bonner Studenten. So gründete der Theologiestudent Johann Joseph von der Burg, zusammen mit sechs anderen Studenten, am 15. November 1844 einen Studentenverein für katholische Studenten aller Fakultäten. Als Namen des Vereins wählten die Gründer Bavaria, in Anlehnung an das katholische Bayern.

Im Wintersemester 1846/1847 nahm Bavaria Verbindungscharakter an. Die erste Kneipe wurde in Vollwichs des Corps Borussia Bonn geschlagen. Sehr bald darauf regte die Bavaria die Bildung weiterer Verbindungen in der katholischen Studentenschaft Bonns an. Der Grund dazu war, gemeinsam in Farben auftreten zu können und somit ein größeres Gewicht gegenüber den liberalen Studentenverbindungen zu erhalten. Am 11. Juni 1847 entstanden also die Studentenverbindungen Burgundia, Romania, Ruhrania, Salia und Thuringia. Diese fünf schlossen sich mit Bavaria am 4. Juli 1847 zu einer Union zusammen. Jede Verbindung legte für sich eigene Farben fest. Zusätzlich wurde ein rot-weiß-rotes Band getragen, als gemeinsames Abzeichen der Zusammenarbeit. Die Union umfasste sehr schnell 100 der insgesamt 600 Bonner Studenten. Die Union schloss sich 1849 der Vereinigung der katholischen Vereine Deutschlands an. Nicht alle Mitgliedsverbindungen der Union konnten sich halten. 1852 bestanden nur noch Bavaria, Salia und Romania. Die Union löste sich infolge von internen Streitigkeiten 1853 auf. Aus der Ruhrania entwickelte sich später der Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas (UV).

Anfang 1855 schlossen sich Bavaria und Romania zu einer zweiten Union zusammen. Diese hielt bis 1857, als beide Verbindungen wegen Mitgliedermangels suspendieren mussten.

Erste Wiederbegründung[Bearbeiten]

Couleurkarte der K. D. St. V. Bavaria Bonn

Der Bavarenphilister Johann Büllingen nahm zu Beginn des Wintersemesters 1861/1862 Kontakt zu einigen Kölner Abiturienten auf. Er gewann sie für eine Wiederbegründung der Bavaria, die am 15. November erfolgte. Die Katholizität der Verbindung wurde aber nicht öffentlich erklärt. Bavaria wuchs rasch an. Im WS 1862/1863 wurde das Tragen von blauen Mützen eingeführt. Die katholische Gemeinschaft Bonns hielt anfangs Distanz zur Bavaria, weil sich diese in ihrem Verbindungsleben immer mehr den liberalen Studentenverbindungen anglich. Diesen Missständen wurden 1863 entgegengewirkt und das Katholizitätsprinzip wurde im Wintersemester 1863/1864 endgültig in den Statuten festgeschrieben.

Bavaria stellte am 22. Juni 1863 einen Antrag bei der Aenania München auf Abschluss eines Cartellverhältnisses. Diese Verhandlungen führten aber zunächst zu keinem Erfolg. Im November 1863 kamen Max Lossen, Mitglied der Aenania München, und dessen Vetter Friedrich Kayser aus München nach Bonn. Sie verkehrten zuerst bei Bavaria, gründeten aber mit weiteren Studenten, darunter ehemaligen Mitgliedern der Bavaria, eine zunächst farbentragende Studentenverbindung, K. St. V. Arminia Bonn genannt. Diese Verbindung trat in direkte Konkurrenz zu Bavaria und fand 1864 Aufnahme in den Würzburger Bund.

Bavaria wollte auch Mitglied des Würzburger Bundes werden, was jedoch im September 1865 von Arminia Bonn verhindert wurde, die sich inzwischen, wie auch andere Vereine des Bundes, zum nichtfarbentragenden Verein gewandelt hatte. Dies passierte gegen den Willen anderer Verbindungen des Würzburger Bundes; dieser fiel infolge dieser Entscheidung auseinander. Damit konnte sich Bavaria dem 1856 gegründeten Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) annähern: Am 28. November 1865 bot Aenania München das Cartellverhältnis an, am 21. Januar 1866 folgten die Cartellverhältnisse mit Winfridia Breslau, Guestfalia Tübingen und Austria Innsbruck. Damit wurde Bavaria das fünfte Mitglied des CV.

Anfang 1866 verschärften sich persönliche Rivalitäten zweier Mitglieder der Bavaria, so dass sich in der Verbindung zwei Lager bildeten. Diese bekämpften sich wiederholt vor dem Ehrengericht. Die Streitigkeiten führten letztendlich dazu, dass die Verbindung sich im WS 1866/1867 auflöste.

Zweite Wiederbegründung[Bearbeiten]

Im WS 1872/1873 appellierte Winfridia Breslau an die Verbindungen des Cartellverbandes, die Bavaria wieder zu begründen. Daraufhin erklärte Wilhelm Herchenbach, Mitglied der Alsatia Münster, sich bereit, die Wiederbegründung bei entsprechender Unterstützung aus dem Cartell vorzunehmen. Doch die Unterstützung blieb aus. Dennoch ist es Herchenbach gelungen, unter den katholischen Studenten Bonns für die Wiederbegründung zu werben. Am 23. Mai 1873 konnte Bavaria wiedergegründet werden.

Enge Beziehungen pflegte Bavaria damals zu Lovania Löwen. Bavaria übernahm die Patenschaft und auf ihr Betreiben hin wurde 1897 Lovania eine dem Cartellverband befreundete Verbindung. Viele der in Belgien wohnenden Philister der Bavaria wurden in der Folgezeit Mitglieder der Lovania. 1899 übernahm Bavaria auch die Patenschaft über die gerade gegründete Franconia Aachen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Activitas Bavariae als zu groß empfunden. Am 28. Februar 1905 wurde Staufia Bonn als Tochterverbindung gegründet. Das 61. Stiftungsfest der Bavaria wurde im Juli 1905 dann auch zugleich als Publikationsfeier der Staufia Bonn, und der Ripuaria Bonn, die aus dem Verband Katholischer Studentenvereine in den CV übergetreten war, gefeiert.

Während des Ersten Weltkrieges wurden viele Bavaren eingezogen oder stellten sich als Kriegsfreiwillige zur Verfügung. Der Verbindungsbetrieb konnte nur mit Unterstützung der ortsanwesenden Inaktiven und beurlaubten Kriegsteilnehmern aufrechterhalten werden. 31 der 252 am Krieg teilnehmende Bavaren fielen.

Nach dem Krieg brachte Bavaria der Weimarer Republik Loyalität entgegen, äußerte aber Vorbehalte gegen die Parteienauseinandersetzungen. Das Verhalten der französischen Besetzungsmacht führte bei Bavaria zu einer ausgeprägt patriotischen Einstellung. Ein starker Mitgliederzuwachs ließ erneut Teilungsgedanken aufkommen. Bavaria gründete gemeinsam mit Alania Bonn eine zweite Tochterverbindung namens Borusso-Westfalia Bonn.

Nach der nationalsozialistischen Gleichschaltung 1933 wurde das Klima für Studentenverbindungen schwieriger. Nach der Zwangsauflösung des CV am 27. Oktober 1935 konnte die Aktivitas zuerst weiter bestehen, musste aber am 19. Mai 1936 suspendiert worden. Das Verbindungshaus wurde an den Militärfiskus vermietet, und ein Reservelazarett wurde eingerichtet. Unter dem Druck der Gestapo wurde 1943 das Haus an ein Mitglied der Bavaria zwangsverkauft. Die Altherrenschaft feierte nach der Suspendierung noch das 94. Stiftungsfest in Essen, an dem mehr als 80 Bavaren teilnahmen. Der Kontakt unter den Mitgliedern wurde während der Verbotszeit in kleinen privaten Zirkeln aufrechterhalten. 1944 wurde in Berlin inoffiziell das 100. Stiftungsfest gefeiert. 29 Bavaren fielen im Zweiten Weltkrieg.

Dritte Wiederbegründung[Bearbeiten]

Couleurkarte der K.D.St.V. Bavaria Bonn

Die Altherrenschaft der Bavaria rekonstituierte sich am 17. November 1946. Die Wiederbegründung der Aktivitas erfolgte am 8. März 1947 anlässlich einer Kneipe auf der Godesburg durch 12 Studenten. 1948 erfolgte der Rückerwerb des Bavarenhauses. 1954 wurde das 110. Stiftungsfest, als Ersatz für das 100. Stiftungsfest, besonders feierlich begangen. 1961 bezog Bavaria ein neues Verbindungshaus in der Tempelstraße, in der direkten Nähe des Auswärtigen Amtes.

Die Studentenbewegung der 1960er Jahre wirkte sich bei Bavaria dahingehend aus, dass die Nachwuchszahlen stark zurückgingen und es zu Prinzipiendiskussionen kam. 1973 wurden gemäßigte Reformen durchgeführt. Ab Mitte der 1970er Jahre konsolidierte Bavaria sich wieder. 1994 wurde das 150. Stiftungsfest groß gefeiert, im Jahre 2004 folgte dann das 160. Stiftungsfest, das in Anwesenheit aller Tochter- und Patenverbindungen der Bavaria begangen werden konnte.

Bavaria führte sechsmal den Vorort des Cartellverbandes: 1875/1876, 1879/1880, 1898/1899, 1930/1931, 1958/1959 sowie 1990/1991 und stellte zweimal den Altherrenbundvorsitz des Cartellverbandes: von 1909 bis 1930 mit Felix Porsch und von 1995 bis 2000 mit Erich Hasselkuss.

Die Verbindungsmitglieder werden abwechselnd Bonner Bavaren und Bonner Bayern genannt. Die Bavaria Bonn hat Nummer 4 in der amtliche Reihenfolge der Cartellverbindungen. Die offizielle Abkürzung ist BvBo.

Ziele und Prinzipien[Bearbeiten]

Die Bavaria hat die Prinzipien des Cartellverbands und ist nicht-schlagend.

Couleur, Wahlspruch und Wappen[Bearbeiten]

Couleur[Bearbeiten]

Die Verbindung trägt die Farben dunkelblau-weiß-hellblau. Die Fuxenfarben sind dunkelblau-weiß. Kopfcouleure ist ein dunkelblauer Stürmer.

Wahlspruch[Bearbeiten]

Der 1. Wahlspruch der Bavaria war Förderung der Wahrheit im Erkennen und Leben!. Der 2. Wahlspruch der Bavaria ist IN FIDE FIRMITAS

Wappen[Bearbeiten]

1. Wappen der K.D.St.V. Bavaria Bonn

Zirkel[Bearbeiten]

Zirkel der K.D.St.V. Bavaria Bonn

Der Bavarenzirkel ist ein couleurstudentisches Monogram von 4 Buchstaben, V, C, F, B, und ein Rufzeichen. Diese Buchstaben stehen für VIVAT CRESCAT FLOREATQUE BAVARIA (Bavaria lebe, wachse und gedeihe). Eine andere Deutung lautet VIVAT CIRCULUS FRATRUM BAVARIAE (Es lebe der Kreis der Brüder der Bavaria). Das Rufzeichen steht für IN AETERNUM und bedeutet, dass die Verbindung noch ein activen Teil hat.

Das stilierte B in der Mitte steht für den Namen der Verbindung, Bavaria. Das stilierte V in der unteren Hälfte steht für VIVAT (lebe). Das stilierte C im unteren Teil des mittleren Bogens steht für CRESCAT (wachse). Der obere Teil des mittleren Bogens bildet zusammen mit dem Strich oben darüber ein stiliertes F und steht für FLOREAT (blühe oder gedeihe).

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

  • Rudolf Arens (1926-1991), Grünlandwissenschaftler
  • Wilhelm Boden (1890-1961), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (1946-1947)
  • John Pius Boland (1870-1958), irischer Jurist, Politiker und Olympiasieger
  • Eugen Bolz (1881-1945), Staatspräsident von Württemberg und NS-Widerstandskämpfer, hingerichtet
  • Klaus Borchard (* 1938), Architekt, Stadtplaner und Rektor der Universität Bonn (1997-2004)
  • Michael Borchard (* 1967), Leiter der Hauptabteilung Politik und Beratung der Konrad-Adenauer-Stiftung
  • Ulrich Büdenbender (* 1948), Jurist, Mitglied des Vorstandes der RWE AG, Professor an der TU Dresden
  • Hans Busch (1896-1972), Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium als auch im Bundesministerium für den wirtschaftlichen Besitz des Bundes
  • Hermann Conrad (1904-1972), Rechtshistoriker
  • Bernhard Degenhard (1905-1991), Mediziner und Standespolitiker
  • Klaus Evertz (* 1944), MdL von Nordrhein-Westfalen (1971-1990)
  • Hanns W. Feigen (* 1949), Strafverteidiger
  • Adolf Flecken (1889-1966), deutscher Politiker (Zentrum, CDU), Innen- und Finanzminister von Nordrhein-Westfalen
  • Richard Giesen (* 1933), Deutscher Botschafter in El Salvador (1991-1998)
  • Hans Globke (1898-1973), Verwaltungsjurist, Mitkommentator der Nürnberger Rassegesetze, Chef des Bundeskanzleramtes (1953-1963)
  • Joachim Grünewald (1933-2012), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen (1991-1994)
  • Walter Anton Viktor Halstrick (1901-1991), Unternehmer in der Papierindustrie
  • Norbert Hauser (* 1946), MdB (1998-2002), Stellvertretender Präsident des Bundesrechnungshofs (2002-2011)
  • Philipp Herder Dorneich (* 1928), Ökonom und Sozialwissenschaftler
  • Georges Holvoet (1874-1964), Gouverneur der Provinz Antwerpen und Kabinettchef des Prinzregenten des Königreichs Charles-Theodore
  • Wolfgang Ipolt (* 1954), Diözesanbischof von Görlitz
  • Karl Wilhelm Jötten (1886-1958), Bakteriologe, Hygieniker und Vertreter der Eugenik/Rassenhygiene
  • Wilhelm Johnen (1902-1980), Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Johannes Kapp (* 1929), Weihbischof in Fulda
  • Rudolf Kersting (* 1938), Landrat von Kleve (1999-2004)
  • Peter Lorbacher (* 1936), Mediziner, Mitbegründer der Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) in Wiesbaden
  • Manfred Lütz (* 1954), Nervenarzt und Theologe, Mitglied des Päpstlichen Rates für das Leben
  • Hermann Maassen (1915-2008), Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz
  • Paul Martini (1889-1964), Mediziner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und Rektor der Universität Bonn
  • Richard Mathes (1940-2005), römisch-katholischer Geistlicher, Philosophieprofessor und Rektor des Päpstlichen Institut Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima von 1998 bis 2004
  • Friedrich Merz (* 1955), Jurist, Politiker
  • Dirk Dievernich (*1989), Jurist
  • Alexander Mühlen (* 1942), Deutscher Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten (1999-2003) und in Uganda (2003-2007)
  • Prosper Poullet (1868-1937), belgischer Ministerpräsident und Staatsminister
  • Felix Porsch (1853-1930), Jurist, Politiker der Zentrumspartei, Abgeordneter des Reichstages (1881–1893) und des Landtages (1884–1929).
  • Hermann Pütz (1878-1928), Landrat des Landkreises Aachen
  • Josef Roeckerath (1879-1955), Senatspräsident am Düsseldorfer Oberlandesgericht
  • Josef Rösing (1911-1983), Mitglied des Bundestags
  • Klaus Rogall (* 1948), Strafrechtler
  • Johannes Scheifes (1863-1936), Weihbischof in Münster
  • Eduard Schick (1906-2000), Bischof von Fulda
  • Hermann Schmidt (1880–1945), deutscher Jurist und Politiker, MdL Preußen, preußischer Staatsminister
  • Max Stiff (1890-1966), Landrat von Münster
  • Armand Thiéry (1868-1955), Priester und Ordensgründer
  • Oskar Türk (1893–1978), Stadtkämmerer von Köln und Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen
  • Heiner Wegesin (* 1953), Verwaltungsjurist

Der Weiße Ring[Bearbeiten]

Der Weiße Ring war eine couleurstudentische Interessengemeinschaft innerhalb des Cartellverbandes, die offiziell von 1908 bis 1923 existierte. Mitgliedsverbindungen waren, neben der Bavaria Bonn, die Burgundia München, die Ripuaria Freiburg im Breisgau und die Zollern Münster. Des Weiteren gab es weitere sympathisierende Verbindungen, wie zum Beispiel die Guestfalia Tübingen, die Rheno-Palatia Breslau, die Rheno-Franconia München und die Marco-Danubia Wien.

1899 wurde das Singularitätsprinzip innerhalb des Cartellverbands aufgehoben. Dies wurde insbesondere von Aenania München gefordert. Da der Cartellverband nach der Aufgabe dieses Prinzips seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert von nur 26 Verbindungen sehr schnell auf über 80 angewachsen war, kam in einigen Verbindungen die Frage auf, ob es vorteilhaft sei, dieser Entwicklung weiter zu folgen oder nicht. Die Bavaria entwickelte im Gegensatz dazu ein sehr enges Verhältnis zu den damaligen Cartellverbindungen vor Aufgabe des Singularitätsprinzips, dann auch ein distanzierteres Verhältnis. Die Bavaria suchte Kontakt zu einigen wenigen Verbindungen in Hochschulorten, in denen Bavaren häufig verkehrten. Daraus entwickelte sich ein enger Zusammenschluss, der inoffiziell als Weißer Ring bezeichnet wurde.

Auf der Cartellversammlung im Jahr 1912 wurde das cartellbrüderliche Du verpflichtend für alle Verbindungen des Cartellverbandes eingeführt. Das fand nicht ungeteilte Zustimmung, weil es üblich ist, Mitglieder von Verbindungen anderer Dachverbände mit Sie anzusprechen. Bavaria lehnte es deswegen auch ab, gänzlich unbekannte Cartellbrüder zu duzen. Da eine Ablehnung des Duz-Comments einen Ausschluss der betreffenden Verbindungen aus dem Cartellverband zur Folge gehabt hätte, beschlossen die Mitglieder des Weißen Rings, außenstehende Cartellbrüder zwar zu duzen, sich untereinander aber mit Sie anzusprechen. Ein weiteres äußerliches Erkennungsmerkmal war das Tragen einer weißen Nelke.

Guestfalia Tübingen trug die ab 1920 im Cartellverband aufgekommenen Bestrebungen mit, den Duz-Comment abzuschaffen. Auch in Sachen Cartellzwang vertrat die Guestfalia des Dreisemesterprinzip, d. h. eine dreisemestrige Aktivität vor einem Wechsel zu einer Cartellverbindung.

Auf der Cartellversammlung im Jahr 1923 wurde den Mitgliedern des Weißen Rings offiziell der Siez-Comment verboten.

Bis 1980 trugen die Bavaren bei Kneipen und anderen hochoffiziellen Veranstaltungen die weiße Nelke im Revers zum Zeichen der Zugehörigkeit zum Weißen Ring.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wehr, Florian, Geschichte des Cartell-Verbandes der katholischen deutschen Studenten-Verbindungen, Paderborn, 1890.
  • Gesamtverzeichnis des CV Jahrgang 1913, M. Du Mont Schauberg, Straßburg im Elsass, 1913.
  • Wolf O., Geschichte der katholischen deutschen Studentenverbindung Bavaria 1844–1914, Bonn, 1914.
  • Schulze, Friedrich und Ssymant, Paul, Das deutsche Studententum von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Verlag für Hochschulkunde, München, 1932 (Nachdruck), ISBN 3-923621-90-6.
  • Stitz, Peter, Der akademische Kulturkampf um die Daseinsberechtigung der katholischen Studentenkorporationen in Deutschland und in Österreich von 1903 bis 1908, Gesellschaft für CV Geschichte, München, 1960.
  • Stitz, Peter, Der CV 1919–1938: der hochschulpolitische Weg des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) vom Ende des 1. Weltkrieges bis zur Vernichtung durch den Nationalsozialismus, Gesellschaft für CV-Geschichte, München, 1970
  • Fassbender, Michael J. und Lützenrath Christian, Arbeitsmappe zu Tradition und Comment der Bavaria Bonn, Bonn, 1995.
  • Schieweck-Mauk S., Lexikon der CV- und ÖCV-Verbindungen, Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte, Würzburg, 1997, ISBN 3-89498-040-0.
  • Gesellschaft für Studentengeschichte und Studentisches Brauchtum e. V. (Hrsg.): CV-Handbuch, 2. Auflage. Regensburg, 2000, ISBN 3-922485-11-1.
  • Koschera, Daniel, Hat sich jüngst ein neuer Verein von katholischen Studenten gebildet – Bavaria und die Bonner Union 1844–1867: Ein Beitrag zur Frühzeit katholischer Studentenvereinigungen in Deutschland, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Köln, 2004.

Weblinks[Bearbeiten]