KV10

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KV10
Grabmal von Amenmesse

Ort Tal der Könige
Entdeckungsdatum im Altertum
Ausgrabung Edward Russell Ayrton, Otto Schaden
Vorheriges
KV9
Folgendes
KV11
Tal der Könige
KV10
Tal der Könige
(östliches Tal)
Isometrische Darstellung, Grundriss und Schnittzeichnung des Grabes

Das altägyptische Grabmal KV10 im Tal der Könige wurde ursprünglich als Grabstätte des Pharaos Amenmesse der 19. Dynastie gebaut. Es gibt jedoch keinerlei Anzeichen dafür, dass er tatsächlich hier bestattet wurde.

Entdeckung[Bearbeiten]

Die Grabstätte wurde bereits im Altertum geöffnet. Zum ersten Mal richtig besucht wurde die Grabstätte von Richard Pococke, der das Grab 1743 auf seiner Karte verzeichnete. Im frühen 19. Jahrhundert erfolgten nähere Untersuchungen durch Jean-François Champollion, Karl Richard Lepsius und Richard Wilkinson. 1883 dokumentierte Eugène Lefébure die Dekorationen des Grabes, die er später auch publizierte.[1] Edward Russell Ayrton legte schließlich 1907 den Eingangskorridor frei. Otto Schaden initiierte ein Grabungs- und Untersuchungsprogramm, das 1992 im Rahmen eines Projektes der Universität von Arizona gestartet wurde.[2]

Architektur und Dekoration[Bearbeiten]

Die ursprünglich für Amenmesse bestimmte Dekoration des Grabes ist fast mit der aus KV8, dem Grab Merenptahs, identisch. Sie weisen dieselben Eingangsmotive auf: in den ersten beiden Korridoren die Litanei des Re und im dritten Szenen aus dem Amduat.[2] Neben dem Totenbuch finden sich Darstellungen der Gottheiten Re, die vier Horussöhne, Osiris, Isis, Nephtys, Neith, Selket, Anubis und Inmutef.[3] Die Reliefs waren entfernt, neu verputzt und mit Motiven der Tachat und Baketwerel bemalt worden.

Grabausstattung und Funde[Bearbeiten]

Als Lefébure einen Großteil der sichtbaren Dekorationen abzeichnete, fand er ein Kalksteinfragment, das anfänglich für einen Teil des Sarkophags von Amenmesse gehalten wurde. Die in jüngeren Zeiten freigelegten und entdeckten Objekte stammten aus verschiedenen Zeiten: Uschebti-Figuren von Sethos II., Sarkophagfragmente Ramses VI. sowie weitere Gegenstände aus Nachbestattungen. Howard Carter fand Fragmente von Kanopenkrügen, die eindeutig den Namen Tachat trugen. Ein Stück eines Sarkophagdeckels aus rotem Granit wies ebenfalls den Namen der Gemahlin Merenptahs und vermutlichen Mutter Amenmesses auf.[4]

Trotz intensiver Untersuchungen ist unklar, ob Amenmesse in seinem Grab wirklich bestattet wurde. Gefunden wurden zwei Mumien, von denen angenommen wird, dass es sich hierbei um seine vermutliche Mutter Tachat und seine Gemahlin Baketwerel handelt. In welcher Beziehung beide Frauen wirklich zu ihm standen, lässt sich aus dem für sie zum Teil umdekorierten Grab nicht erschließen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aidan Dodson: The Tomb of King Amenmesse: Some Observations. In: Discussions in Egyptology. (DE) Nr. 2, Oxford 1985, S. 7–11 (Titelliste online).
  • Rolf Krauss: Zur historischen Einordnung Amenmesses und zur Chronologie der 19./20. Dynastie. In: Göttinger Miszellen. (GM) Bd. 45, Göttingen 1981. S. 27–33.
  • Nicholas Reeves, Richard H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Geheimnisvolles Totenreich der Pharaonen. Bechtermünz, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-0739-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugène Lefébure: Les Hypogées royaux de Thèbes (= Annales du Musée Guimet- t. 9, 16). Leroux, Paris 1886-1889. S. 81–85.
  2. a b Nicholas Reeves, Richard H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Geheimnisvolles Totenreich der Pharaonen. Augsburg 2000, S. 150.
  3. Ausgrabungen im Tal der Könige: KV10. Auf: kv5.de ; zuletzt abgerufen am 16. Mai 2014.
  4. Nicholas Reeves, Richard H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Geheimnisvolles Totenreich der Pharaonen. Augsburg 2000, S. 151–152.

25.7432.601388888889Koordinaten: 25° 44′ 24″ N, 32° 36′ 5″ O