KZ Kemna

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Die ehemalige Putzwollfabrik, das Hauptgebäude des KZ Kemna, im Jahr 2007

Das Konzentrationslager Kemna war ein frühes Konzentrationslager im Wuppertaler Ortsteil Kemna zwischen Beyenburg und Oberbarmen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Konzentrationslager bestand von Juli 1933[1] bis zum 19. Januar 1934 und wurde von der SA-Untergruppe Düsseldorf und dem Wuppertaler Polizeipräsidenten Willi Veller mit Rückendeckung der Bezirksregierung Düsseldorf betrieben. Kommandant des Konzentrationslagers war für kurze Zeit SA-Sturmführer Hugo Neuhoff. Er wurde bald abgelöst von dem gebürtigen Wuppertaler Alfred Hilgers, der als Personalverantwortlicher des Stabes der SA Untergruppe Düsseldorf gleichzeitig der SA Standarte 258 in der Schutzhaftstätte Koburg in Mettmann vorstand.[2] In eine ehemalige Putzwollfabrik an der Beyenburger Straße direkt am Wupperufer pferchte die SA-Wachmannschaft bis zu 1.100 Gefangene unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen zusammen. Folter und willkürliche Gewalt waren an der Tagesordnung. Die Zahl der Inhaftierten im Laufe der sieben Monate dieses KZs wird auf 4500 geschätzt.[3]

Inhaftiert wurden in erster Linie so genannte politische Häftlinge aus den Reihen der KPD und der SPD aus dem Bergischen Land. Transporte und Einzelgefangene kamen aber auch aus den zum Regierungsbezirk gehörenden Städten Duisburg, Düsseldorf, Krefeld und Essen.

Während die Wachmannschaften in vielen anderen Konzentrationslagern aus verschiedenen Teilen Deutschlands zusammengesetzt waren, so stellte Kemna diesbezüglich eine Besonderheit dar: Insassen und Wachmannschaften kannten sich häufig persönlich, da die Wachmannschaft des KZ Kemna sich aus Teilen der örtlichen SA zusammensetzte.[4][5]

Gedenken an die Opfer[Bearbeiten]

Das Mahnmal für das Konzentrationslager Kemna

Zum 50. Jahrestag der Einrichtung wurde gegenüber dem Fabrikgelände 1983 ein Mahnmal (51° 15′ 21″ N, 7° 15′ 19″ O51.2557777777787.2553611111111) errichtet, an dem jedes Jahr eine durch die Mitglieder des Jugendrings Wuppertal organisierte Kranzniederlegung stattfindet. Entworfen wurde das Bronze-Relief durch eine Kunst-Arbeitsgemeinschaft des Wuppertaler Gymnasiums Am Kothen. Der zum Mahnmal führende Weg trägt seit 1990 den Namen des jüngsten Kemna-Häftlings Karl Ibach.

In der Vergangenheit wurde das Mahnmal mehrmals durch Randalierer aus dem rechtsextremen Bereich geschändet, unter anderen wurden hervorstehende Teile abgesägt. Die Schäden wurden umgehend beseitigt, die Täter ermittelt und strafrechtlich belangt.

Vom Langerfelder Markt führt ein mit Holzschildern markierter Mahnmalweg zur Gedenkstätte. Er wurde im Herbst 2001 von der Jugendhilfe Wuppertal in Zusammenarbeit mit mehreren städtischen Hauptschulen eingerichtet.

Im Sommer 2005 wurde die Geschichte des KZ Kemnas ausführlich auf einer Ausstellung im Wülfing-Museum von Radevormwald dokumentiert. Schwerpunkt dieses Ausstellungsteils waren die Biografien der Opfer aus Radevormwald, Wermelskirchen und Hückeswagen.

In Radevormwald erinnern am heutigen Bürgerhaus Gedenktafeln mit den Namen von 16 Opfern stellvertretend an die rund 200 Rader Bürger, die 1933 im KZ Kemna gelitten haben.

Bekannte Häftlinge[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Ibach: Kemna. Wuppertaler Konzentrationslager 1933–1934. Nachdruck der Erstausgabe 1948. Wuppertal 1981, ISBN 3-87294-173-9
  • Klaus Drobich et al.: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939. Berlin 1993, ISBN 3-05-000823-7
  • David Magnus Mintert: Das frühe Konzentrationslager Kemna und das sozialistische Milieu im Bergischen Land (PDF; 6,6 MB), Dissertation, Ruhr Universität Bochum 2007.
    • David Magnus Mintert: Nacht für Nacht beschimpft, beschmutzt und geschlagen. Das Wuppertaler SA-Konzentrationslager Kemna 1933/34. in: Jan Erik Schulte (Hg.): Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933–1945. Zentrale Steuerung und regionale Initiative. Paderborn 2005 ISBN 3-506-71743-X S. 33–48
  • Friedrich Brass: Kemna-Bericht 1933/34. Nach einer handschriftlichen Fassung des Autors aus dem Jahr 1934, Kommentar und Anmerkungen von David Magnus Mintert; Vorwort von Ulrike Schrader. Hg. Trägerverein Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, Wuppertal 2008, ISBN 978-3-940199-01-0
  • Willi Weiler, Kurt Schnöring, Siegfried Wirtz, Jugendring Wuppertal: Kemna. Meine Erlebnisse im Konzentrationslager Wuppertal. 1998, ISBN 978-3-87093-081-3

Audio-CD

  • David Magnus Mintert: „Ich höre noch die Schreie der Geschlagenen.“ 70 Jahre KZ Kemna. Bergische Zeitgeschichte. Audiodokumentation eines Vortrags vom 4. Juli 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: KZ Kemna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Ibach: Kemna – Wuppertaler Lager der SA. 1933, Hrsg. Vorstand des VVN Wuppertal (August 1948), S. 16
  2. David Magnus Mintert: Das frühe Konzentrationslager Kemna und das sozialistische Milieu im Bergischen Land (PDF; 6,6 MB), Dissertation, Ruhr Universität Bochum 2007.
  3. Die maximale Belegung gibt Mintert in seiner Dissertation mit 1100 Gefangenen an, den Durchschnitt im Herbst mit 700 -800, S. 164, in der Online-Zählung S. 170
  4. Karl Ibach: Kemna – Wuppertaler Lager der SA. 1933, Hrsg. Vorstand des VVN Wuppertal (August 1948), S. 22
  5. Ähnlich in München im KZ Dachau und in Danzig

51.2551388888897.2554444444444Koordinaten: 51° 15′ 19″ N, 7° 15′ 20″ O