Kahla

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kahla (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kahla
Kahla
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kahla hervorgehoben
50.80083333333311.5875177Koordinaten: 50° 48′ N, 11° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Holzland-Kreis
Höhe: 177 m ü. NHN
Fläche: 7,97 km²
Einwohner: 7066 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 887 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07768
Vorwahl: 036424
Kfz-Kennzeichen: SHK, EIS, SRO
Gemeindeschlüssel: 16 0 74 044
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 10
07764 Kahla
Webpräsenz: www.kahla.de
Bürgermeisterin: Claudia Nissen-Roth (Die Linke)
Lage der Stadt Kahla im Saale-Holzland-Kreis
Sachsen-Anhalt Gera Jena Landkreis Greiz Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Sömmerda Landkreis Weimarer Land Saale-Orla-Kreis Albersdorf (Thüringen) Altenberga Bad Klosterlausnitz Bibra (bei Jena) Bobeck Bollberg Bremsnitz Bucha (bei Jena) Bürgel (Thüringen) Crossen an der Elster Dornburg-Camburg Eichenberg (bei Jena) Eineborn Eisenberg (Thüringen) Frauenprießnitz Freienorla Geisenhain Gneus Gösen Golmsdorf Graitschen bei Bürgel Großbockedra Großeutersdorf Großlöbichau Großpürschütz Gumperda Hainichen (Thüringen) Hainspitz Hartmannsdorf (bei Eisenberg) Heideland (Thüringen) Hermsdorf (Thüringen) Hummelshain Jenalöbnitz Kahla Karlsdorf (Thüringen) Kleinbockedra Kleinebersdorf (Thüringen) Kleineutersdorf Laasdorf Lehesten (bei Jena) Lindig Lippersdorf-Erdmannsdorf Löberschütz Mertendorf (Thüringen) Meusebach Milda Möckern (Thüringen) Mörsdorf (Thüringen) Nausnitz Neuengönna Oberbodnitz Orlamünde Ottendorf (Thüringen) Petersberg (Saale-Holzland-Kreis) Poxdorf (Thüringen) Quirla Rattelsdorf (Thüringen) Rauda Rauschwitz Rausdorf (Thüringen) Reichenbach (Thüringen) Reinstädt Renthendorf Rothenstein Ruttersdorf-Lotschen Scheiditz Schkölen Schleifreisen Schlöben Schöngleina Schöps (Thüringen) Schöps (Thüringen) Seitenroda Serba Silbitz St. Gangloff Stadtroda Sulza Tautenburg Tautendorf (Thüringen) Tautenhain Thierschneck Tissa Trockenborn-Wolfersdorf Tröbnitz Unterbodnitz Waldeck (Thüringen) Walpernhain Waltersdorf (Thüringen) Weißbach (Thüringen) Weißenborn (Holzland) Wichmar Zimmern (Thüringen) ZöllnitzKarte
Über dieses Bild
Margarethen-Stadtkirche (Lage→50.80425154222211.589554250278)

Kahla ist mit seinem Ortsteil Löbschütz eine Kleinstadt im mittleren Saaletal, südlich von Jena. Kahla ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal, selbst aber kein VG-Mitglied.

Geografie[Bearbeiten]

Kahla erstreckt sich über Höhenlagen zwischen 160 und 180 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Altenberga, Bibra, Großeutersdorf, Großpürschütz, Kleineutersdorf, Lindig, Schöps und Seitenroda.

Geschichte[Bearbeiten]

Unter dem Namen Calo wird der Ort 876 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Burg Kahla befand sich in der heutigem Altstadt von Kahla auf einem nach Norden gerichteten Sporn des Umlaufberges der Saale im Bereich der Mündung des Reinstädter Baches. In Kahla kreuzte damals die „Hohe Straße“ aus Richtung Westen kommend am Beckerskirchhof vorbei über die Wüstung Weißacker, den Hornissenberg und den Kaltenberg streifend, die Saale überquerend, Richtung Süden und Westen weiterführend. 1184 nannte man einen Ritter Gottschalk von Kale. Er war wohl dem Grafen von Weimar-Orlamünde untergeordnet und hatte auf der Burg Kahla seinen Sitz. 1283 saßen die Herren von Lobdeburg-Leuchtenburg in der Veste. Kurz danach wurde die Stadt planmäßig gegründet. Zwischen 1283 und 1333 erhielt Kahla die Stadtrechte. Ab 1333 gehörte Burg, Stadt und Land zu Schwarzburg. Nach dem Grafenkrieg (1346–1349) war das Gebiet dem Thüringer Landgrafen untergeordnet. 1441 wird die Burg letztmals urkundlich genannt. Bauliche Überreste sind noch nicht gefunden worden. Auf dem Platz der Burg steht die Kirche.[2][3][4]

Ein schwerer Brand im Jahr 1345 vernichtete alle bis dato erhaltenen Urkunden. Nach einem weiteren Brand 1520 wurde die Stadt wieder aufgebaut und blieb in ihrer Baustruktur im großen und ganzen erhalten.

Während der Reformation und den Bauernkriegen war Kahla im protestantischen Lager zu finden: 1523 fielen die religiösen Kunstwerke der Margarethenkirche einem Bildersturm zum Opfer. 1524 predigte der Reformator Martin Luther auch in Kahla.

1632 wurde Kahla im Dreißigjährigen Krieg geplündert.

1718 war ein Verstoß gegen die Biermeile zwischen den Bürgern von Kahla und Orlamünde Anlass zu einer Bierschlacht mit Verwundungen.[5]

1843 bis 1844 begann in Kahla die Herstellung von Porzellan, ein Wirtschaftszweig, der noch existiert. Die KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH ist inzwischen noch einer der wichtigsten Arbeitgeber und macht den Namen der Stadt weit über die Grenzen Thüringens bekannt.

Unterirdische Herstellung von Flugzeugen in Kahla im Jahr 1945

Während des Zweiten Weltkrieges mussten mindestens 156 Kriegsgefangene aus Frankreich sowie Frauen und Männer aus der Ukraine in örtlichen Unternehmen und Einrichtungen Zwangsarbeit verrichten: in der Porzellanfabrik, im Sägewerk Otto, in der Eisengießerei Moser, in der Stadtverwaltung, bei der Firma Müller & Guhlmann und bei der Firma Gustav Vogelsang. In den Jahren 1944 und 1945 wurde in der Umgebung von Kahla eines der unterirdischen Rüstungsprojekte der REIMAHG realisiert. Im Walpersberg entstanden 150.000 m² Produktionsfläche. 15.000 Zwangsarbeiter wurden für dieses Projekt aus ihren Heimatländern nach Deutschland verschleppt. Es sollte der Strahljäger Messerschmitt Me 262 in Serie gebaut werden. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und die Arbeitstreiberei führten zu etwa 650 Opfern der Zwangsarbeit, die auf einem eigenen Friedhof oberhalb des Friedhofs an der Bachstraße begraben wurden, die meisten von ihnen Italiener. Im Leubengrund an der Straße von Kahla-Löbschütz nach Lindig wurde 1974 eine zentrale Gedenkstätte für alle Opfer der REIMAHG errichtet, deren genaue Zahl (schwankend zwischen 2.800 und 6.000) wahrscheinlich nicht mehr ermittelt werden kann.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Kirche in Kahla-Löbschütz
Rathaus (Lage→50.80286833611111.588594019444)

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: jeweils 31. Dezember):

  • 1831: 2337
  • 1890: 3555
  • 1933: 7540
  • 1939: 7665
  • 1960: 8599
  • 1994: 8310
  • 1995: 8189
  • 1996: 8053
  • 1997: 7917
  • 1998: 7861
  • 1999: 7763
  • 2000: 7666
  • 2001: 7598
  • 2002: 7489
  • 2003: 7457
  • 2004: 7428
  • 2005: 7425
  • 2006: 7388
  • 2007: 7366
  • 2008: 7312
  • 2009: 7255
  • 2010: 7272
  • 2011: 7337
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 sind die Sitze im Stadtrat von Kahla wie folgt verteilt:[7]

Partei / Liste Sitze
FDP/FWG 7
CDU 4
Die Linke 4
SPD 3
BIG* 2

* Bürgerinitiative gegen überhöhte Abgaben Holzland e. V.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: „In Silber die heilige Margarethe in rotem Ober- und weißem Untergewand mit goldener Krone auf dem Haupt, goldenem Heiligenschein, goldenem Gürtel, mit dem rechten Fuß stehend auf einem grünen geflügelten Drachen mit rot ausschlagender Zunge, einen weißen Kreuzstab in der rechten Hand, welchen sie in den Rachen des Drachen stößt, beseitet links von einem sechsstrahligen goldenen Stern und rechts in ungefährer Mitte des Stabes von dem Schwarzburgischen Wappen (in Blau ein goldener, gekrönter, aufspringender, rechtsgewendeter Löwe).“

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Geologie[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in und um Kahla sind die nahezu vollständig erhaltenen mittelalterliche Stadtmauer und die aus derselben Zeit stammenden Ackerbürgerhäuser, die aus dem 13. Jahrhundert stammende Leuchtenburg, die Jagdanlage Rieseneck, eine der am besten erhaltenen barocken Jagdanlagen Europas, sowie der Dohlenstein, ein 352 m hoher Kalkfelsen, dessen Felsabbrüche in vergangenen Jahrhunderten immer wieder den Lauf der Saale veränderten und so das Landschaftsbild prägten. Die geologischen Verhältnisse im mittleren Saaletal haben die Stadt vielseitig geprägt.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Eine Todesmarsch-Stele in der Gemarkung Kahla-Löbschütz erinnert seit 1985 an die Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald, die im Frühjahr 1945 durch den Ort getrieben wurden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

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Kahla war und ist ein bedeutender Industrie- und Wirtschaftsstandort; die berühmtesten Beispiele dafür sind die KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH und die ortsansässige Backwarenfabrik von Griesson - de Beukelaer.

Kahla liegt an der Bundesstraße 88 (Eisenach–Naumburg) und verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld, die 1874 von der Saal-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet wurde. Des Weiteren führt der Saale-Radweg durch die Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Personen, die in Kahla geboren wurden[Bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Paul Rebhun (1505–1546), Schriftsteller und Reformator, zwischen 1529 und 1535 Lehrer in Kahla
  • Thomas Naogeorg (1508–1563), Theologe und Reformator, lebte in den 1540er Jahren vorübergehend in Kahla
  • Martin Mirus (1532–1593), lutherischer Theologe, 1572 Pfarrer in Kahla
  • Carl Ferdinand Wilhelm Walther (1811–1887), evangelischer Theologe, arbeitete zwischen 1833 und 1837 in Kahla als Hauslehrer
  • Luise Glaß (1857–1932), Schriftstellerin, lebte mehrere Jahre in Kahla
  • Karl-Heinz Hoffmann (* 1937), Rechtsextremist, wuchs in Kahla auf, zeitweilig waren größere Teile der Kahlaer Innenstadt, darunter ein Dutzend Häuser in seinem Besitz
  • Wolfgang Nieblich (* 1948), Maler und bildender Künstler, wuchs in Kahla auf
  • Ron Winkler (* 1973), Schriftsteller, lebte bis 1995 in Kahla
  • Georg Spillner (1908–1998), bekannt als Musikclown NUK, lebte in Kahla[8][9]
  • Ingo Walther (* 1969), Fußballspieler, von 1986 bis 1997 beim SV 1910 Kahla

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich Bergner, Verein für Geschichte und Alterthumskunde (Hrsg.): Geschichte Kahlas. (Heft 1 u. 2), Hofdruckerei J. Beck, Kahla 1919, S. 176.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kahla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kahla – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig-Verlag 2001, S. 150/151, ISBN 3-910141-43-9
  3. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen Wartberg Verlag 2000, S. 201, ISBN 3-86134-631-1
  4. Burg Kahla
  5. O.V.: Elbe-Saale-Hopfentag 2010, S. 16, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft Jena - Broschüre, S. 1-24
  6. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 213 ff., ISBN 3-88864-343-0
  7. Stadt Kahla (Website)
  8. http://www.amazon.de/gemacht-Lebensjahren-berichtet-gezeichnet-belichtet/dp/3929793296/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1278950872&sr=8-1
  9. http://www.artae.de/popup/workshops08.html
Panorama