Kaiser’s Tengelmann

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Kaiser’s Tengelmann GmbH
Logo der Kaiser’s Tengelmann GmbH
Rechtsform GmbH
Sitz Mülheim an der Ruhr, Deutschland
Mitarbeiter ca. 17.000[1]
Umsatz 2,53 Mrd. EUR[1][2]
Branche Einzelhandel
Website www.kaisers.de

Die Kaiser’s Tengelmann GmbH mit Sitz in Mülheim an der Ruhr ist eine deutsche Supermarktkette, die zur Unternehmensgruppe Tengelmann gehört.

Das Unternehmen ist mit über 550 Filialen in drei Regionen in Deutschland vertreten: Im Großraum Berlin und in Nordrhein-Westfalen betreibt es Supermärkte unter dem Namen Kaiser’s; im Großraum München/Oberbayern und am Stammsitz des Mutterkonzerns in Mülheim an der Ruhr unter dem Namen Tengelmann.

Am 20. November 2009 wurde bekannt, dass die Zentrale der Kaiser’s Tengelmann in Viersen zum 1. Januar 2010 geschlossen und die Aktivitäten in die Konzernzentrale der Unternehmensgruppe Tengelmann im 60 Kilometer entfernten Mülheim an der Ruhr integriert werden sollen, wo durch den Verkauf von Plus Kapazitäten frei geworden sind.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiser’s vor 1971[Bearbeiten]

erstes eingetragenes Logo von 1904
Stammsitz der Kaiser’s Tengelmann in Viersen-Hoser
Kaiser’s Kaffee Fabrik in Berlin-Spandau, 1948
Niederlassung München der Kaiser’s Tengelmann AG, 2006

Die Kaiser’s Kaffee Geschäft AG geht auf Josef Kaiser zurück, der im Jahr 1880 im Alter von 18 Jahren in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen eintrat. Ein großer Teil des Umsatzes wurde im späten 19. Jahrhundert noch durch Hausieren gemacht – ein Mitglied der Familie Kaiser ging mit einer einachsigen Schlagkarre durch die Straßen und bot die grünen (weil rohen) Kaffeebohnen an. Die Hausfrauen brannten sie dann auf dem heimischen Herd – eine delikate Aufgabe, bei der oft Fehler passierten, und die Bohnen verbrannten und unbrauchbar wurden.

Nach vielen Versuchen gelang es Josef Kaiser, ein Gerät zum gleichmäßigen Brennen der rohen Kaffeebohnen zu entwickeln und zum ersten Mal optimal geröstete Kaffeebohnen herzustellen und zu verkaufen. Damit stieß er in eine ungeahnt große Marktlücke. Bei steigenden Löhnen allgemein und dem Aufschwung der Gründerjahre nach dem gewonnenen Krieg 1871 konnten sich viele Menschen einen gewissen bescheidenen Luxus erlauben. Passend zu dem Kaffee, zu dem man auch gerne eine Beilage hatte, bot Kaiser auch Dauergebäck und Schokolade an, außerdem Tee und Süßigkeiten. Er gründete Filialen, die – bezeichnend für Kaiser – von Anfang an aufwendig ausgestattet waren: Kaiser bezog nur erste Geschäftsadressen, bestand darauf, dass alle Verkäuferinnen einheitlich gekleidet waren – und vor allem täglich frisch gewaschene weiße Kragen trugen.

Das Unternehmen wuchs stetig, die erste Filiale wurde 1885 in Duisburg eröffnet. Im Jahr 1887 gründete Kaiser eine Zweigniederlassung in Berlin, 1897 in Heilbronn. 1904, bei der Eröffnung der Filiale in Zella-St. Blasii, wurde das bis heute verwendete Firmenlogo (Kaffeekanne) eingeführt. 1905 eröffnete die eintausendste Filiale, 1939 erreichte die Zahl der Filialen mit über 1900 ihren Höchststand. Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 40 Prozent der Filialen zerstört.

In der Nachkriegszeit wurde zunächst das Filialnetz wieder aufgebaut. 1950 starb der Unternehmensgründer Josef Kaiser. 1952 wurde in Duisburg das erste Selbstbedienungsgeschäft eröffnet.

Kaiser’s repräsentative Fabrikantenvilla gehört heute der Stadt Viersen, in ihr befindet sich die Städtische Galerie im Park Viersen. 1971 wurde die Kaiser’s Kaffee Geschäft AG von der Unternehmensgruppe Tengelmann übernommen.

Tengelmann vor 1971[Bearbeiten]

Der Einzelhandel unter dem Namen Tengelmann ist die „Keimzelle“ der heutigen Unternehmensgruppe Tengelmann, die Geschichte der Emil Tengelmann GmbH ist deshalb mit der Geschichte der Unternehmensgruppe weitgehend identisch, siehe dort. Die erste Filiale unter dem Namen Tengelmann wurde 1893 in Düsseldorf eröffnet, das erste Selbstbedienungsgeschäft 1953 in München.

Kaiser’s und Tengelmann vor der Zusammenführung[Bearbeiten]

Tengelmann-Logo bis 2000

Anfang der 1990er Jahre baute die Kaiser’s Kaffee Geschäft AG durch die schrittweise Übernahme von Filialen der DDR-Kette HO ihr Filialnetz in Ostdeutschland auf. Dabei schloss man sich für eine Übergangszeit zusammen mit HO und der ehemaligen DDR-Außenhandelsgesellschaft Forum Außenhandelsgesellschaft zu Hofka-Märkten zusammen. 1992 wurden die Schade-und-Füllgrabe-Supermärkte und 1996 die Schätzlein-Filialen (kurzzeitig im Besitz der Deutschen SB-Kauf AG) von der zerschlagenen co op AG übernommen.

Im Jahr 1996 strukturierte die Unternehmensgruppe Tengelmann ihre Supermarktsparten um: Bis dahin waren Kaiser’s und Tengelmann mit jeweils eigenem Marktauftritt in ganz Deutschland vertreten, nun sollten die Kaiser’s Kaffee Geschäft AG nur noch im Norden, die Emil Tengelmann GmbH nur noch im Süden Deutschlands operieren. In Süddeutschland wurden daraufhin alle Kaiser’s-Filialen in Tengelmann-Filialen, in Norddeutschland alle Tengelmann-Filialen in Kaiser’s-Filialen umgewandelt. Zu Schließungen kam es nicht.

Zusammenführung, Sanierung und Verkauf[Bearbeiten]

Kaiser’s-Supermarkt

Ende der 1990er-Jahre führte der Preiskampf im Lebensmittel-Einzelhandel bei der Unternehmensgruppe Tengelmann zu Verlusten. Sie kündigte deshalb im Jahr 1999 an, ihre Supermärkte Kaiser’s und Tengelmann zu verkaufen. Vorverhandlungen mit der Handelskette Edeka über die Übernahme der damals mehr als 1300 Filialen scheiterten, da die Edeka nur an der Übernahme profitabler Standorte interessiert war. Schließlich beschloss die Unternehmensgruppe, ihre Supermarkt-Ketten grundsätzlich doch zu behalten, sich aber auf die vier „Kerngebiete“ Berlin, Nordrhein, Rhein-Main-Neckar und München/Obb. zu konzentrieren, in denen der Marktanteil der Kaiser’s- bzw. Tengelmann-Geschäfte besonders hoch war.

„A&P Tengelmann“-Tüte

Daraufhin wurden im Jahr 2000 rund 550, also gut ein Drittel, der Filialen verkauft, geschlossen oder in Plus-Filialen umgewandelt, da sie außerhalb der „Kerngebiete“ lagen. In den verbliebenen Kaiser’s und Tengelmann-Filialen nahm man gleichzeitig Veränderungen im Sortiment vor und verwirklichte einen neuen gemeinsamen Marktauftritt. Im Zuge dessen wurde zunächst auch die Handelsmarke A&P in den Namen und das Erscheinungsbild der Supermärkte integriert: Aus Kaiser’s wurde A&P Kaiser’s, aus Tengelmann A&P Tengelmann, die bisherigen Symbole der Märkte (Kaffeekanne bei Kaiser’s, stilisiertes „T“ bei Tengelmann) durch das A&P-Logo ersetzt. Diese Maßnahme wurde aber bereits kurze Zeit später nicht mehr weiter verfolgt oder wieder rückgängig gemacht.

Logo mit Schriftzug

Weiterhin wurden Kaiser’s und Tengelmann organisatorisch zusammengeführt und die Logistikstrukturen an die neue Filialnetzstruktur angepasst. Im Jahr 2001 vollzog man diese Zusammenführung mit der Verschmelzung der Kaiser’s Kaffee Geschäft AG, Viersen und der Emil Tengelmann GmbH, Heilbronn, zur Kaiser’s Tengelmann AG auch rechtlich.[5]

Zum 1. September 2008 kam es zur Übernahme der MEMA-Filialen in der Region Berlin.[6][7]

Ab April 2010 begann die Unternehmensgruppe, sich aus dem Vertriebsgebiet Rhein-Main-Neckar zurückzuziehen. Von den in dem Gebiet zuletzt betriebenen 116 Tengelmann-Märkten wurden 65 an Rewe verkauft, weitere 20 Filialen im Rhein-Main-Gebiet an tegut…. Einzelne Märkte werden außerdem in privat geführte Edeka-Märkte umgestaltet. Die Zukunft der restlichen Märkte ist noch ungewiss, einige weitere wurden jedoch zuvor schon geschlossen.[8][9]

Am 7. Oktober 2014 wurde bekannt, dass die Supermärkte zum 30. Juni 2015 an EDEKA verkauft werden sollen. Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen.[10] Eine Entscheidung des Bundeskartellamtes wird nicht vor März 2015 erwartet. Damit würden insgesamt 451 Filialen den Eigentümer wechseln, wovon fast 16.000 Mitarbeiter betroffen sind. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Läden seit 15 Jahren keinen Gewinn mehr erwirtschaften und 0,6% Marktanteil haben.[11]

Handelsmarken[Bearbeiten]

Das Unternehmen vertreibt mehrere eigene Handelsmarken:

  • A&P („Attraktiv und preiswert“): Lebensmittel (Discountmarke)
  • Star Marke: Lebensmittel (Qualitätsmarke)
  • Naturkind: Bioprodukte
  • Birkenhof: Fleisch, Wurst und Käse in der Frischetheke und im SB-Bereich. (Hierzu gehören drei Produktionsbetriebe, welche die Artikel produzieren und die Filialen in den jeweiligen Regionen beliefern).
  • Royal Comfort: Hygieneartikel
  • De Niro: Nudeln, Nudelsaucen und Weine aus Italien

Sonstiges[Bearbeiten]

Kaiser’s Tengelmann bietet seit 1997 in Berlin, seit 1998 in München und 2012 in Düsseldorf den Die Bringmeister von Kaiser’s Tengelmann Lieferservice an. Die Kunden können dabei aus einem rund 4500 Artikel umfassenden Sortiment via Internet oder telefonisch Waren bestellen und bekommen diese nach Hause geliefert.

Fall Emmely[Bearbeiten]

Durch den Fall Emmely, der fristlosen Kündigung einer Kaiser’s-Kassiererin in Berlin, erlitt das Unternehmen 2009 einen erheblichen Ansehensverlust.[12] Der langjährig Beschäftigten war vorgeworfen worden, zwei ihr nicht gehörende Leergutbons im Gesamtwert von 1,30 Euro eingelöst zu haben. In dritter Instanz erklärte das Bundesarbeitsgericht die Kündigung am 10. Juni 2010 für unverhältnismäßig und damit für rechtswidrig. Drei Wochen später trat die Kassiererin ihren Dienst wieder an.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaiser’s Tengelmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Zahlen von der Website kaisers.de
  2. Wirtschaftswoche: Umsatz Kaiser’s 2003/4
  3. Handelsblatt: Kaiser’s Tengelmann schließt Zentrale
  4. Die Website der Firma lässt am 18. Januar 2010 erkennen, dass der Rechtsformwechsel zur GmbH auch für die Viersener Adresse und noch keine Mülheimer Adresse eingetragen wurde.
  5. Wer zu wem: Kaiser’s Tengelmann
  6. wer kauft wen vom 9. Juli 2008 Kaiser’s kauft Mema-Filialen
  7. Finanznachrichten: Angemeldete Fusionen: Kaiser’s Tengelmann AG, Viersen; MEMA Handels GmbH & Co. KG, Berlin
  8. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Rewe darf Tengelmann-Läden übernehmen
  9. Darmstädter Echo: Tengelmann zieht sich komplett aus Rhein-Main-Neckar-Raum zurück
  10. Pressemitteilung, 7. Oktober 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014
  11. Tengelmann beerdigt Supermarktgeschäft - der Westen.de vom 7. Oktober 2014, abgerufen am 8. Oktober 2014
  12. Boris Hedde: Image von Kaiser’s nachhaltig geschwächt In: Wirtschaftswoche online vom 29. Juni 2009