Schläferskopf

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Schläferskopf

BWf1

Höhe 454,2 m ü. NHN [1]
Lage bei Klarenthal; kreisfreie Stadt Wiesbaden, Hessen (Deutschland)
Gebirge Taunus
Koordinaten 50° 6′ 29″ N, 8° 10′ 1″ O50.1088.167454.2Koordinaten: 50° 6′ 29″ N, 8° 10′ 1″ O
Schläferskopf (Hessen)
Schläferskopf
Besonderheiten Schläferskopfstollen
Kaiser-Wilhelm-Turm (AT)
Tier- und Pflanzenpark Fasanerie
Portal des Schläferskopfstollens
Ehemaliger Fahrradbus auf dem Berg

Der Schläferskopf ist ein 454,2 m ü. NHN[1] hoher Berg des Mittelgebirges Taunus bei Wiesbaden-Klarenthal in Hessen. Seinen Namen verdankt er aufgrund dort lebender Siebenschläfer.[2] Auf dem Berg steht der derzeit gesperrte Aussichtsturm Kaiser-Wilhelm-Turm, in seinem Inneren liegt der Schläferskopfstollen und nahe der Tier- und Pflanzenpark Fasanerie.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Schläferskopf erhebt sich im Naturpark Rhein-Taunus. Sein Gipfel liegt 3,2 km nordnordwestlich des Wiesbadener Stadtteils Klarenthal und 4 km südöstlich des Taunussteiner Stadtteils Bleidenstadt im Wiesbadener Stadtwald. Zu seinen Nachbarn gehören die Hohe Wurzel (617,9 m) im Westen, der Biegel (547,4 m) im Nordnordwesten, der Altenstein (500,6 m) im Nordnordosten, und der Bleidenstadter Kopf (387,2 m) im Nordosten.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Der Schläferskopf gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Taunus (Nr. 30) und in der Haupteinheit Hoher Taunus (301) zur Untereinheit Wiesbadener Hochtaunus (301.2). Nach Osten bis Süden fällt seine Landschaft in den Naturraum Georgenborn Nauroder Hangschuttfuß (301.20) ab.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Auf dem Schläferskopf liegen Teile des Landschaftsschutzgebiets Wiesbaden (CDDA-Nr. 555513808; 2010 ausgewiesen; 133,2864 km² groß) und solche des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Buchenwälder nördlich von Wiesbaden (FFH-Nr. 5815-306; 41,243 km²).[1]

Kaiser-Wilhelm-Turm[Bearbeiten]

Auf dem Gipfel des Schläferskopf wurde bereits 1883 ein hölzerner, 10 Meter hoher Aussichtsturm aufgestellt, der 1900 wegen Baufälligkeit abgetragen wurde.[3] Auf Betreiben des Wiesbadener Verschönerungsvereins wurde ab 1905 ein 31 m hoher Neubau, der im Juli 1906 fertiggestellte Kaiser-Wilhelm-Turm (früher auch Kaiser Wilhelm II.-Turm genannt), aus lokalen Bruchsteinen und Basaltlava mit „Schutz- und Erfrischungsraum“ errichtet[3]. Zeittypisch ist er als Nachahmung als mittelalterlicher Bergfried ausgeführt. Das auf der polygonalen Plattform stehende Warttürmchen verstärkt diesen Eindruck. Ungewöhnlich ist die im Turminneren befindliche doppelläufige Spindeltreppe, die einen getrennten Auf- und Abstieg ermöglicht.[4][2] Im 1907/08 ergänzten Restaurationsgebäude befindet sich ein Saal mit einem bemerkenswerten Jugendstilfenster. Es stammt von der Wiesbadener Glasmanufaktur Albert Zentner, die auch die Fenster in den Kirchen von Wiesbaden-Medenbach und Otzberg gestaltete. Das Kaiser-Wilhelm-Zimmer ist außerdem mit einem Ölbild ausgestattet, das den Kaiser bei einer Jagdszene zeigt.[2]

Der Turm ist seit vielen Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt. Er war jedoch im Programm des Tags des offenen Denkmals 2013 aufgeführt.[5] Die Bestrebungen der Stadt Wiesbaden und des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gehen dahin für die Wiederherstellung zu sorgen, ihn also zu sanieren und wieder begehbar zu machen. Am 14. September 2014 ist der Turm Programmpunkt des „Tag des offenen Denkmals 2014“.

Vom Gipfel des Schläferskopfs hat man einen Ausblick in südlichen Richtungen in die Oberrheinische Tiefebene.

Schläferskopfstollen[Bearbeiten]

In der Nähe des Tier- und Pflanzenparks Fasanerie, etwa 1000 m östlich des Gipfels, befindet sich das Portal des im Berg gelegenen Schläferskopfstollen 50.1068838.181947. Der 2,8 km[6] lange Stollen wurde vom Landesgeologen Carl Koch konzipiert und zwischen 1875 und 1910 bergmännisch in den Taunus geschlagen, um das im Taunus-Quarzit vorhandene Quellwasser zu fördern.[7] Im Jahr 1900 wurden die Arbeiten bei einer Länge von 1846 m und einer Überdeckung von 140 m am Stollenende zwischenzeitlich unterbrochen.[8][9] Er durchquert zunächst Gebirgsschutt und verwitterte Schichten, anschließend Stufen bunten Phyllits, Sandsteins mit Glimmer und Taunusquarzits.[9] Heute liefert er jährlich bis zu 2 Millionen Kubikmeter Wasser,[10] zwischen 1902 und 1903 waren es knapp 1 Million.[9] Ein Laufbrunnen in der Nähe des Stollenmundlochs, der allerdings vom nahegelegenen Kreuzstollen versorgt wird[10], wird von Wiesbadener Bürgern zur Wasserversorgung genutzt.[11]

Verkehr, Wandern, Freizeit[Bearbeiten]

Nördlich des Schläferskopfs verläuft die Bundesstraße 54 über den Gebirgspass Eiserne Hand. Von einem Parkplatz nahe deren Straßenbrücke über die östlich den Berg passierende Aartalbahn sind nach Süden wandernd auf der Kaiser-Wilhelm-Straße etwa 2 km zum Berggipfel zurückzulegen; auf diesem Fahrweg kann der Berg auch direkt angefahren werden. Etwas nördlich der Straßenbrücke liegt am Bahnhof Eiserne Hand der Aartalbahn die nächste Haltestelle des Nahverkehr in Wiesbaden. Bis 2009 war der Berg direkt an den Nahverkehr angeschlossen. Im Tal des Kältebachs liegt der Tier- und Pflanzenpark Fasanerie. Auf der nahen Südostflanke der benachbarten Hohen Wurzel befindet sich die ehemalige Sommerfrische am Chausseehaus.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schläferskopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b c Sina Schreiner: Der Ausblick als Belohnung. In: Wiesbadener Kurier. 29. Juli 2010. Abgerufen am 24. Juni 2011.
  3. a b Sigrid Russ, Hrsg: Landesamt für Denkmalpflege Hessen; Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Hessen, Wiesbaden II – Die Villengebiete; Vieweg 1988; ISBN 3-528-06236-3; S. 610f
  4. Schläferskopf (Version vom 7. August 2011 im Internet Archive) auf wiesbaden.de
  5. Tag des offenen Denkmals, 2013, Programm, abgerufen am 23. Juni 2013
  6. Andreas Hoppe: Kartierte Städte: Mainz und Wiesbaden im Spannungsfeld von Naturraum und Vergesellschaftung, Band 13 von Interdisziplinäre Stadtforschung, Constanze Bückner (Hrsg.), Campus Verlag, 2012, ISBN 978-35-9-339573-9, S. 85
  7. Trinkwasser-Bergwerke, auf hessenwasser.de, abgerufen am 23. Juni 2013
  8. Jahrbuch der Kgl. Geol. Landesanstalt für 1901, Bd. XXII, Heft 3, S. 341–346.
  9. a b c Abhandlungen der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt und Bergakademie. Heft 41. 1905
  10. a b Brunnen am Schläferskopfstollen spendet Wasser „aus dem Berg“, Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt, 30. Juni 2008
  11. Christian Struck: Ein Ritual ähnlich einer Wallfahrt, Wiesbadener Kurier, 20. April 2011