Franz Joseph I.

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Dieser Artikel behandelt den Monarchen von Österreich-Ungarn; andere Bedeutungen, auch Kaiser Franz Josef u. ä., siehe Franz Joseph.

Franz Joseph I. (* 18. August 1830 auf Schloss Schönbrunn, seit 1892 Teil Wiens; † 21. November 1916 ebenda) aus dem Haus Habsburg-Lothringen war von der Abdankung seines Onkels Ferdinand I. und der Verzichtleistung seines Vaters Franz Karl am 2. Dezember 1848[1] bis zu seinem Tod 1916 Kaiser von Österreich, König von Böhmen etc. und Apostolischer König von Ungarn. Mit seiner Regierungszeit von beinahe 68 Jahren übertraf er jeden anderen regierenden Habsburger oder Habsburg-Lothringer.

Franz Josephs Regentschaft war nach der gescheiterten Märzrevolution 1848/1849 und der ebenfalls gescheiterten Abspaltung Ungarns innenpolitisch geprägt von der Auseinandersetzung mit dem liberalen Bürgertum, der Entwicklung von der absolutistischen zur konstitutionellen Monarchie, dem 1867 erzielten Ausgleich mit Ungarn und den sich stetig vergrößernden Nationalitätenkonflikten des Vielvölkerstaats. In der Außenpolitik beherrschten der 1866 verlorene Krieg gegen Preußen um die Vorherrschaft im Deutschen Bund, der 1859 bzw. 1866 eingetretene Verlust Lombardo-Venetiens, das Engagement am Balkan und schließlich der Erste Weltkrieg seine Regierungszeit. Sein Tod leitete, zusammen mit der militärischen Niederlage und den sehr unterschiedlichen Interessen der Nationalitäten, den Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie zwei Jahre später ein, den sein Nachfolger Karl I. nicht verhindern konnte.

Franz Joseph, um 1885
Wappen Kaiser Franz Josephs I. von Österreich mit dem Wappenspruch Viribus Unitis („Mit vereinten Kräften“)

Namen

Der zuvor als Erzherzog Franz bekannte 18-Jährige nahm als Kaiser 1848 auf Vorschlag seiner Berater einen Doppelnamen an, der einerseits an Franz II. bzw. I., den letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1792–1806) und Begründer des österreichischen Kaisertums (1804–1835), andererseits an den Reformkaiser Joseph II. (Alleinregierung in der Habsburgermonarchie 1780–1790), den Sohn Maria Theresias, erinnerte. Der (ohne Bindestrich geschriebene) Doppelname signalisierte somit politisch zugleich Beständigkeit und Fortschritt. In Hinblick auf die suggerierte Ewigkeit der österreichischen Monarchie wurde der Name offiziell stets mit der römischen Ordnungszahl I. (sprich: der Erste; Monogramm: FJI) verwendet.

In den anderen Amtssprachen der Monarchie lautete der Name I. Ferenc József ungarisch, František Josef I. tschechisch, Franciszek Józef I polnisch, Franjo Josip I. kroatisch, Francesco Giuseppe I italienisch, František Jozef I. slowakisch, Franc Jožef I. slowenisch, Фрањо Јосиф (Franjo Josif) I serbisch, Francisc Iosif I rumänisch, Франц Йосиф I ruthenisch.

Aufgrund der allgemeinen Üblichkeit, die Vornamen von Monarchen in die jeweilige Landessprache zu übertragen, gibt es auch in anderen Sprachen entsprechende Namensformen. Der Kaiser war daher auch als Francis Joseph I. of Austria (englisch) und François Joseph Ier d’Autriche (französisch) bekannt.

Leben

Franz Xaver Winterhalter, Kaiserin Elisabeth von Österreich, 1865

Franz Joseph Karl von Habsburg wurde am 18. August 1830 als Sohn von Erzherzog Franz Karl, dem jüngeren Sohn von Kaiser Franz I., und Prinzessin Sophie von Bayern in Wien geboren.

Nach der Niederschlagung der deutschen Märzrevolution und der Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich waren große politische Veränderungen erforderlich, die Monarchie sollte ein neues Gesicht erhalten. Daher entsagte sein Onkel Ferdinand I., der aus Krankheitsgründen die Regierung einer Staatskonferenz überlassen hatte, am 2. Dezember 1848 dem Thron. Erzherzog Franz Karl, Franz Josephs Vater, verzichtete, wie im Familienrat vereinbart, auf die Thronfolge. Franz Joseph I. wurde daher bereits mit 18 Jahren neuer Kaiser von Österreich. Da der Hof wegen des Oktoberaufstandes noch immer auf der Flucht war, erfolgte die Krönung am 2. Dezember 1848 in kleinem Kreis im Palast des Erzbischofs von Olmütz. Von Anfang an sah Franz Joseph seine Hauptaufgabe darin, eine weitere Revolution zu verhindern, und stützte sich dabei hauptsächlich auf das Militär (Armee, Kriegsmarine) und die römisch-katholische Kirche. Kaum eine Darstellung zeigt ihn anders als in der Uniform des Obersten Kriegsherrn. Der erzkonservative „rothosige Leutnant“, wie er von Kritikern bezeichnet wurde, war in seinen ersten Regierungsjahren keineswegs beliebt.

1853 überlebte Franz Joseph ein Attentat, sein jüngerer Bruder Ferdinand Maximilian von Österreich organisierte anlässlich seiner Errettung eine Kollekte, von deren Geld die Votivkirche am Wiener Schottenring errichtet wurde.[2] In diesem Jahr lernte er in seiner Sommerresidenz in Ischl seine erst 15-jährige Cousine Elisabeth („Sisi“) kennen. Elisabeth war die zweite Tochter von Herzog Max Joseph in Bayern und Ludovika Wilhelmine, Tochter des bayerischen Königs Maximilian I. Joseph und Schwester von Franz Josephs Mutter Sophie. Eigentlich war zwischen den Müttern vereinbart, dass Elisabeths ältere Schwester Helene die Braut des 23-jährigen Franz Joseph werden sollte. Stattdessen verliebte sich Franz Joseph in Elisabeth, die er am 24. April 1854 in der Augustinerkirche in Wien heiratete. In der Folge stand der junge Kaiser, was sein Familienleben betraf, unter dem Einfluss seiner Gattin und seiner dominanten Mutter.

In kurzer Zeit kamen drei Kinder zur Welt: Sophie (1855–1857), Gisela (1856–1932) und Kronprinz Rudolf (1858–1889). Franz Josephs Mutter wollte Elisabeth von der Erziehung ihrer ersten drei Kinder fernhalten; im daraus entstandenen Konflikt setzte sich Sisi durch. 1868 wurde ihr viertes Kind Marie-Valerie (1868–1924) geboren. 1866/1867 half Kaiserin Elisabeth Franz Joseph I. durch ihre sehr guten persönlichen Beziehungen zu Mitgliedern der ungarischen Hocharistokratie, den zur Befriedung der Monarchie dringend nötigen Ausgleich mit Ungarn zustande zu bringen. Hierauf wurde I. Ferenc József 1867 in Budapest feierlich zum König gekrönt. 1879 wurde die Silberhochzeit des Kaiserpaars mit dem vom Maler Hans Makart gestalteten Festzug über die Wiener Ringstraße gefeiert.

Die Literatur über Franz Joseph I. nennt drei nichtadelige Frauen, zu denen er engere Beziehungen unterhielt: Theresia Pointinger, Anna Nahowski und Katharina Schratt.

Kaiser Franz Joseph hielt den Kronprinzen Rudolf von allen Staatsgeschäften fern. Nachdem Rudolf seine streng militärisch geprägte private Ausbildung – nach mehreren Interventionen seiner Mutter Elisabeth beim Kaiser – hatte abbrechen dürfen, widmete er sich naturwissenschaftlichen Studien und arbeitete an Brehms Tierleben mit. Er war auch als Journalist in der liberalen Presse tätig, natürlich anonym und ohne Wissen seines Vaters. Auf Druck des Kaisers heiratete er 1881 Prinzessin Stephanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II. Der Ehe entstammte eine Tochter, Elisabeth, geboren 1883. Kronprinz Rudolf starb am 30. Jänner 1889 durch Suizid. Kaiserin Elisabeth starb am 10. September 1898 in Genf, ermordet von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni.

Das Recht der Thronfolge ging nach dem Tod Rudolfs und des Kaiserbruders Erzherzog Karl Ludwig im Jahre 1896 auf dessen Sohn und Franz Josephs Neffen, Erzherzog Franz Ferdinand über. Franz Josephs anderer Bruder, Ferdinand Maximilian, war als (glückloser) Kaiser von Mexiko dort 1867 erschossen worden. Franz Ferdinands Kinder waren jedoch nicht thronfolgeberechtigt, da er 1900 Gräfin Sophie Chotek (später von Franz Joseph zur Herzogin von Hohenberg erhöht) geheiratet hatte, die zwar dem tschechischen Uradel entstammte, aber dem Kaiserhaus nicht ebenbürtig war. Das 60-Jahre-Jubiläum des Regierungsantritts Franz Josephs wurde im Jahre 1908 in Österreich gefeiert; in Wien fand – obwohl der Monarch davon nicht viel hielt – ein Kaiserjubiläumsfestzug auf der Ringstraße statt. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. und sämtliche deutschen Monarchen besuchten Franz Joseph in Wien. Das offizielle Ungarn beteiligte sich nicht an den Feiern: Für die Ungarn war Franz Joseph erst seit seiner Krönung 1867 legitimer Monarch.

Für 1908, 1913 und 1914 wurde Franz Joseph I. von Ferenc Kemény, Generalsekretär des Weltfriedenskongresses in Budapest 1896, erfolglos für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.[3]

Am 28. Juni 1914 wurden Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau in ihrem Automobil von Gavrilo Princip in Sarajevo erschossen. Franz Joseph soll wenig Mitgefühl gezeigt haben und den Doppelmord laut einem Ohrenzeugen folgendermaßen kommentiert haben: „Der Allmächtige lässt sich nicht herausfordern. Eine höhere Gewalt hat wieder jene Ordnung hergestellt, die ich leider nicht zu erhalten vermochte.“[4] Seiner Tochter Marie Valerie soll er gesagt haben: „Es ist für mich eine große Sorge weniger“[5] Er soll damit gemeint haben, dass er die morganatische Ehe seines Neffen nicht habe verhindern können; dass die Nachkommen Franz Ferdinands womöglich auf den Thron gekommen wären, soll eine große Sorge für ihn gewesen sein.

Für einige österreichische (man sprach von der Wiener Kriegspartei) und ungarische Politiker war das Attentat aber der Anlass, den seit Jahren gewünschten Krieg gegen Serbien anzustreben. Dem 84-jährigen Kaiser sollen sie suggeriert haben, dass der Tod seines ungeliebten Neffen die Ehre der Monarchie beschmutzt habe und sich Österreich-Ungarn gegen den kleinen, aber unberechenbaren Nachbarn wenden müsse. Jedenfalls sprach der Kaiser bereits Anfang Juli 1914, lange vor dem Ultimatum an Serbien, vom Krieg, den man spätestens ab 6. Juli 1914 mit Wissen des Monarchen anstrebte.[6] Das Ultimatum an das Königreich Serbien zur Auslieferung der Hintermänner des Attentats und die darauf folgende Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien lösten am 28. Juli 1914 den „Großen Krieg” (später Erster Weltkrieg genannt) aus.

Aufbahrung Franz Josephs in der Hofburg

Franz Joseph I. führte wegen seines hohen Alters den Oberbefehl über die k.u.k. bewaffnete Macht nicht selbst, sondern bestimmte Erzherzog Friedrich zum Armeeoberkommandanten.

Zwei Jahre später verstarb der 86-jährige Franz Joseph I. mitten im Krieg am 21. November 1916. Vor der Beisetzung in der Kapuzinergruft wurde sein Leichnam durch die Ärzte Kerzl, Kolisko und Ortner konserviert. Die Begräbnisfeierlichkeiten waren der letzte große Auftritt der Donaumonarchie, die vom Kaiser zusammengehalten worden war. Franz Joseph I. hinterließ ein unspektakuläres Testament, größtenteils 1901 verfasst; sein letzter Wille ging weder auf den Krieg noch auf seinen Nachfolger ein und befasste sich vor allem mit den Finanzen seiner Familie.[7]

Nachfolger wurde sein Großneffe Karl I., der Enkel seines Bruders Karl Ludwig; er regierte nur noch zwei Jahre bis zum Zerfall der Monarchie am Ende des Weltkrieges 1918.

Porträts

Politik

Innenpolitik

Die nach der Regierungsübernahme von Kaiser Franz Joseph I. (im Revolutionsjahr 1848) am 4. März 1849 erlassene Reichsverfassung (Oktroyierte Märzverfassung) wurde nie voll umgesetzt und am 31. Dezember 1851 mit den Silvesterpatenten wieder abgeschafft. Von nun an regierte der junge Kaiser wieder absolutistisch und entschieden zentralistisch. Erst die Niederlagen 1859 gegen Napoléon III. von Frankreich und die Truppen Sardinien-Piemonts in den blutigen Schlachten von Magenta und Solferino, bei denen Franz Joseph trotz Mangels an Erfahrung selbst den Oberbefehl übernommen hatte, ließen Verfassungsreformen unausweichlich werden: Der Kaiser erließ 1860 das Oktoberdiplom und 1861 das Februarpatent, die die Rückkehr zu konstitutionellen Verhältnissen einleiteten, obwohl er selbst wenig davon hielt.

Die Niederlage gegen Preußen im Deutschen Krieg 1866 reduzierte den realisierbaren Machtanspruch des Kaisers neuerlich und machte Zugeständnisse an die ungarische Aristokratie, die gegenüber dem Zentralstaat in passiver Resistenz verharrte, unausweichlich. Nach zähem Ringen kam es zum Österreichisch-Ungarischen Ausgleich, durch den eine Realunion der beiden Reichsteile entstand.

Am 8. Juni 1867 wurde Franz Joseph in Budapest zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt, wobei der Doppelstaat Österreich-Ungarn entstand. Die nicht-ungarischen (cisleithanischen, das heißt diesseits des Flusses Leitha liegenden) Länder erzielten am 21. Dezember 1867 eine konstitutionelle Verfassung (Dezemberverfassung).

An dieser Verfassung hielt Franz Joseph bis zu seinem Tod fest, alle Reformpläne (auch die seines designierten Nachfolgers Franz Ferdinand, ein Konzept der Vereinigten Staaten von Groß-Österreich) lehnte er ab. Auch im Reichsrat, dem österreichischen Parlament, und im ungarischen Reichstag kam es auf Grund der widerstreitenden Interessen der Nationalitäten nicht zu einem grundlegenden Reformprojekt. Diese Reformunfähigkeit von Monarch und Parlamenten gab den Unabhängigkeitsbestrebungen der Völkerschaften Österreich-Ungarns neue Nahrung und führte schließlich nach seinem Tod und nach dem verlorenen Krieg zum Zerfall des Vielvölkerstaates.

Außenpolitik

Außenpolitisch gab es während der Regierungszeit Kaiser Franz Josephs I. eine Serie kleiner Siege und große militärische Niederlagen. Nach dem „Hinausschmiss“ aus Deutschland und Italien wandte sich die Monarchie Südosteuropa zu und versuchte, dort ihre Einflusssphäre zu vergrößern. Die daraus entstehenden Probleme führten letztlich zum Ersten Weltkrieg.

Russland hatte Österreich beim Kampf gegen die ungarische Revolution 1848 durch sein militärisches Eingreifen den Sieg ermöglicht. Russland war daher enttäuscht, als sich Österreich im Krimkrieg 1854 neutral erklärte. Später kollidierten die Interessen der beiden Großmächte auch auf dem Balkan.

Im italienischen Krieg gegen Frankreich unter Napoléon III. und Sardinien-Piemont wurde die k.k. Armee 1859 aus der Lombardei vertrieben. Nach der Niederlage im Deutschen Krieg 1866 verlor Österreich auch Venetien und schied aus der gesamtdeutschen Politik aus; Bismarck realisierte die „kleindeutsche Lösung“ und der Deutsche Bund wurde beendet. Militärische Leistungen wie Tegetthoffs Sieg in der Seeschlacht von Lissa blieben bedeutungslos.

Beim Berliner Kongress erhielt Österreich-Ungarn 1878 das Mandat, die beiden osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina zu besetzen und zu verwalten. Formal blieben sie Bestandteile des Osmanischen Reiches. Da sich Österreich und Ungarn nicht darauf einigen konnten, welchem Reichsteil die Provinzen angegliedert werden sollten, wurde die Verwaltung vom k.u.k. Reichsfinanzministerium (einem der drei gemeinsamen Ministerien beider Reichshälften) übernommen.

Nach 1879 lehnte sich die Habsburger Monarchie eng an das 1871 neu gegründete Deutsche Kaiserreich an. Dadurch gewann sie zwar einen mächtigen Verbündeten (etwa in Balkanfragen), wurde aber gleichzeitig in die kommenden Bündnissysteme verstrickt. Österreich-Ungarn bildete mit dem Deutschen Reich den Zweibund, der nach dem Beitritt Italiens Dreibund genannt wurde. Ihm stand später die Entente gegenüber.

1903 machte der Kaiser während des Konklaves von seinem Recht der Exklusive Gebrauch und ließ durch den Bischof von Krakau, Kardinal Jan Puzyna de Kosielsko, sein Veto gegen die Wahl von Kardinalstaatssekretär Mariano Rampolla del Tindaro zum neuen Papst einlegen. Franz Joseph I. lehnte die Wahl Rampollas vermutlich wegen seiner vermeintlichen französischfreundlichen Einstellung ab. Daraufhin wurde der Patriarch von Venedig, Giuseppe Melchiorre Sarto, als Pius X. gewählt. Er schaffte dieses Recht der katholischen Monarchen ab.

1908 wurden Bosnien und die Herzegowina von Franz Joseph I. formal annektiert; seine Berater wollten ihn zu seinem 60-Jahre-Thronjubiläum als Mehrer des Reiches darstellen. Daraus entstand die Bosnische Annexionskrise, da Außenminister Alois Lexa von Ährenthal zuvor nicht das Einvernehmen mit anderen europäischen Mächten hergestellt hatte. Es wurde klar, mit wie wenigen Verbündeten die Donaumonarchie im Ernstfall zu rechnen haben würde.

Im Dezember 1911 entließ Kaiser Franz Joseph vorläufig den Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf. Die Begründung lag in den fortwährenden Präventivkriegsforderungen Conrads, die der Kaiser rundweg ablehnte. Noch bei einer Audienz am 15. November 1911 machte der Kaiser dem davon unbeeindruckten Generalstabschef Conrad dazu Vorhaltungen: „Diese fortwährenden Angriffe, besonders die Vorwürfe wegen Italien und des Balkan, die sich immer wiederholen, die richten sich gegen mich, die Politik mache ich, das ist meine Politik! Meine Politik ist eine Politik des Friedens. Dieser Meiner Politik müssen sich alle anbequemen.“[8]

Nach dem Mord an Franz Ferdinand und seiner Frau unterließ es der Kaiser 1914, ausländische Staatsoberhäupter zu Verabschiedungszeremonien nach Wien einzuladen: Bei entsprechender Vorbereitung hätten sich wahrscheinlich alle bedeutenden Staatsoberhäupter und Regierungschefs Europas und auch einige aus Übersee versammeln lassen.[9] Doch nicht einmal der deutsche Kaiser Wilhelm II., mit Franz Ferdinand eng verbunden, wurde nach Wien geholt, obwohl er dazu bereit gewesen war.

Ohne den Krieg – im Unterschied zu prominenten Beratern wie Conrad von Hötzendorf – zuvor persönlich angestrebt zu haben, entschied sich der 84-jährige Kaiser in der Julikrise, Serbien gegenüber Stärke zu zeigen. Er folgte kriegsfreudigen Politikern, Militärs und Publizisten und hielt die Kriegserklärung für unvermeidlich. Er unterließ es aber, vor seiner definitiven Entscheidung noch einmal „Kriegsrat“ zu halten und mit den wichtigsten Experten nicht nur in kurzen, inhaltlich undokumentierten Vier-Augen-Gesprächen zu kommunizieren. Von der Einberufung des Reichsrats war ebenfalls nicht die Rede.

Sein Brief vom 2. Juli an Wilhelm II. stellte klar: „Das Bestreben meiner Regierung muß in Hinkunft auf die Isolierung und Verkleinerung Serbiens gerichtet sein.“ Serbien, der „Angelpunkt der panslawistischen Politik“, sollte „als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet“ werden.[10] Franz Joseph genehmigte das Ultimatum an Serbien und entschied sich damit für den Krieg. Als der k.u.k. Finanzminister Leon Biliński ihn nochmals warnte, das Ultimatum werde einen europäischen Krieg verursachen, antwortete der Kaiser: „Gewiß, Rußland kann diese Note unmöglich akzeptieren.“[11] Die politischen Interessenskonflikte auf dem Balkan und die Automatismen der Bündnispolitik brachten 1914 das Verhängnis eines europäischen Krieges, der sich rasch zum Ersten Weltkrieg ausdehnte.

Wilhelm II. und das Deutsche Reich standen zum Verbündeten, Italien erklärte sich als neutral, weil Österreich-Ungarn nicht angegriffen worden sei. Italien richtete sodann diverse Gebietsforderungen (Trentino, Triest, Küstenland) an die Monarchie. 1915 wurde Italien Mitglied der Entente, die dem Land auf Kosten Österreich-Ungarns Kriegsbeute versprach.

Als Franz Joseph 1916 starb, war der Krieg noch nicht entschieden, die Monarchie im Inneren aber durch Mangelerscheinungen schon stark geschwächt. In der Entente und den 1917 in den Krieg eingetretenen USA wurde die Auflösung Österreich-Ungarns 1918 zum Kriegsziel.

Hans Temple, Gratulation der k. u. k. Armee an Kaiser Franz Joseph zum 85. Geburtstag (Heeresgeschichtliches Museum)

Kultur und Wirtschaft

Besonders der wirtschaftliche Aufschwung der Donaumonarchie ist mit der Ära Franz Josephs I. verbunden, dessen Name nach wie vor auf vielen Wiener Prachtbauten aus dieser Zeit als Inschrift zu lesen ist. Nach der Schleifung der mittelalterlichen Stadtbefestigungen Wiens auf Anordnung des Kaisers war Platz für eine die gesamte Innenstadt umfassende Prachtstraße, die Ringstraße geworden (Wiener Ringstraßenstil der Gründerzeit), die heute noch lebendiges Zeugnis seiner Epoche ist.

Unter seiner Regentschaft blühte die Geisteskultur in Österreich-Ungarn wie nie zuvor und nie danach, ohne dass der Monarch freilich – im Gegensatz zu seinem Sohn Kronprinz Rudolf – aktiv an diesen kulturellen und intellektuellen Strömungen, die ihm völlig fremd blieben, Anteil genommen hätte.

Der Suizid des Architekten Eduard van der Nüll, Miterbauer der Wiener Staatsoper, angeblich als Reaktion auf eine Kritik des Kaisers, veranlasste Franz Joseph, zu kulturellen Angelegenheiten nur noch sehr zurückhaltend Stellung zu nehmen. Der Kaiser äußerte sich, statt irgendein Urteil abzugeben, bei kulturellen Anlässen nur noch mit der stereotypen Phrase: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“[12] Er war sein Code für Unverbindlichkeit und Gleichgültigkeit.[13]

Die Zurückhaltung des Kaisers erlaubte es dem Architekten Adolf Loos, genau gegenüber dem barocken inneren Burgtor der kaiserlichen Hofburg im Jahre 1910 sein umstrittenes Wohnhaus zu bauen, angeblich das erste schmuck- und ornamentlose Wohnhaus Wiens. Franz Joseph soll die Hofburg seit damals stets durch andere Tore verlassen haben.

Familie

Abstammung

Erzherzog Franz Karl von Österreich, Vater Franz Josephs I.
Franz Joseph I., Elisabeth und die drei Kinder Rudolf, Marie Valerie und Gisela (v. l. n. r.) am Schloss Gödöllő


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Leopold II. (1747–1792), Haus Habsburg-Lothringen
 
 
 
 
 
 
 
Franz I. von Österreich (1768–1835)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Ludovica von Spanien (1745–1792), Haus Bourbon-Anjou
 
 
 
 
 
 
 
Franz Karl von Österreich (1802–1878)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinando von Sizilien (1751–1825), Haus Bourbon-Anjou
 
 
 
 
 
 
 
Maria Theresia von Neapel-Sizilien (1772–1807)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Karolina von Österreich (1752–1814), Haus Habsburg-Lothringen
 
 
 
 
 
 
 
Franz Joseph
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Michael (1724–1767), Haus Wittelsbach-Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld
 
 
 
 
 
 
 
Maximilian I. Joseph von Bayern (1756–1825)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Franziska (1724−1794), Haus Wittelsbach-Pfalz-Sulzbach
 
 
 
 
 
 
 
Sophie Friederike von Bayern (1805–1872)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl Ludwig (1755–1801), Haus Baden
 
 
 
 
 
 
 
Karoline Friederike Wilhelmine von Baden (1776–1841)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Amalie Friederike (1754–1832), Haus Hessen-Darmstadt
 
 
 
 
 
 

Nachkommen

Aus der Ehe mit Elisabeth Sisi Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern entstammen:

Historische Einschätzung

Denkmal Berg Isel

Kaiser Franz Joseph ist bis heute in der Geschichtsschreibung eine äußerst zwiespältige Figur. In seiner Anfangszeit nach der Revolution von 1848 unpopulär bis zur Verhasstheit, wurde er (nicht zuletzt in Ungarn) mit dem repressiven Säbelregiment des Nachmärz assoziiert. Sein als Neoabsolutismus bezeichneter Versuch, ohne jedes Parlament zu regieren, erschien schon damals unzeitgemäß. Die gesellschaftlichen und geistigen Entwicklungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen an ihm vorbei (letzteres in auffälligem Kontrast zu seinen kunstinteressierten Vorfahren), die liberalen Reformen nach 1859 geschahen gegen seine innere Überzeugung.

Eingezwängt zwischen der raschen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung Westeuropas, seiner ererbten Auffassung von gottgegebenen monarchischen Rechten und Pflichten, beschworenen Verfassungsregeln, den sehr unterschiedlichen Interessen der vielen Nationalitäten und der beiden Reichshälften und der Treue zum Bundesgenossen Deutsches Reich, stand er zuletzt nur noch dafür, was man Fortwursteln nannte. Viele Beobachter waren der Auffassung, solange er lebt[14] werde sich in Österreich-Ungarn aus Loyalität zum alten Monarchen nichts Wesentliches ändern, danach müsse man aber mit allem rechnen.

Bemerkenswert ist, dass Franz Joseph I. – im Gegensatz zu Thronfolger Franz Ferdinand – das von der k.k. Regierung 1906 mit der Sozialdemokratie paktierte allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer in Österreich gegen Interventionen der Aristokratie verteidigt und sein Wirksamwerden 1907 unterstützt hat. (Den ungarischen Magnaten drohte er nur einmal kurz mit einer Wahlrechtsreform in Ungarn.) Dennoch formulierte der Wirtschaftsfachmann Ernest von Koerber, Ministerpräsident 1900–1904, seine Einschätzung so: „Der Kaiser hat Österreich zweimal unendlich geschadet – einmal durch seine Jugend und einmal durch sein Alter“. Seine Rolle bei der Auslösung des Ersten Weltkrieges, der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ war – wohl auch auf Grund seines hohen Alters – von fatalistischer Nachgiebigkeit gegenüber österreichischen und ungarischen Kriegstreibern charakterisiert. Der ihm zugeschriebene Ausspruch Wenn wir schon zugrunde gehen müssen, dann wenigstens anständig![15] erscheint in Hinblick auf sein ständiges Verhalten durchaus plausibel. Dazu bzw. hinsichtlich der noch zurückgehaltenen kriegstreibenden Partei um Conrad von Hötzendorf passt auch der im Volk kursierende Spruch "Wenn der alte Kaiser stirbt, geht das Leutumbringen an!.[16]

Legendenbildung

Dagegen wurde der Kaiser schon zu Lebzeiten zu einer teilweise mit nostalgischem Flair umwobenen Figur (etwa in Joseph Roths Radetzkymarsch von 1932: „Österreich-Ungarn, das ist jenes Stück Erde, das der liebe Gott Kaiser Franz-Joseph anvertraut hat“), nicht zuletzt auch wegen der Beziehung zu seiner Frau Elisabeth (bekannter unter ihrem Kosenamen Sisi, im Film fälschlich „Sissi“ genannt) und dem Briefwechsel mit der Schauspielerin Katharina Schratt, mit der er schon zu Lebzeiten seiner Frau eine lange Beziehung pflegte, übrigens auf Elisabeths Initiative hin. Seine Schicksalsschläge – der Tod seines ersten Kinds Sophie im Jahre 1857, 1867 die Hinrichtung seines Bruders Maximilian in Mexiko, der Suizid seines Sohnes Kronprinz Rudolf 1889, die Ermordung seiner Frau Elisabeth 1898, zuletzt die Ermordung seines Neffen und Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau beim Attentat von Sarajewo im August 1914 – machten ihn in den Augen seiner Untertanen zu einem Mann, der ein schweres Schicksal stoisch trug. „Mir bleibt auch nichts erspart!“, soll der Kaiser nach dem Bekanntwerden des Attentats auf seine Frau, Kaiserin Elisabeth, gesagt haben. In den letzten Jahren seiner Herrschaft wurde er, auch aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes, mehr und mehr als gütiger älterer Herr gesehen, als archetypischer „Landesvater“, der gegenüber den nach 1900 überbordenden Nationalitätenkonflikten als Instanz der Bewahrung und des Zusammenhalts auftrat. Dieses Bild wird auch heute am häufigsten mit seiner Person in Verbindung gebracht.

Sozialhistorische Wahrnehmung

Franz Joseph I., Büste von Viktor Tilgner

Nach Franz Werfel gipfelte die Gesellschaftspyramide der Donaumonarchie in der sozialen Rolle des Kaisers als sakrosankter, fast religiös überhöhter Spitze:

„Der höchste Beamte war Gott. Gott aber war eine unsichtbare Instanz, zu der nur ein indirekter Dienstweg […] beschreitbar war. Gott trug weder eine Zivildienst- noch eine Militäruniform. Seine k. u. k. Apostolische Majestät, der Kaiser in Wien, trug als nächster im Range eine Generalsuniform mit Eichenlaub am Kragen, wodurch er sich von der anderen Generalität unterschied. Vom Kaiser ging die Leiter ununterbrochen abwärts …[17]

Die Ausbildung hierarchischer Strukturen wird sozialpsychologisch teilweise mit der These erklärt, dass ein Kind, nachdem es erkannt hat, „wie beschränkt tatsächlich die Allmacht des Vaters ist“, oft nicht anders kann, als sich

„immer wieder einen neuen Vater zu suchen: Im Lehrer, im Pfarrer, im Bürgermeister, in Königen und Kaisern. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit wird das Vaterbild auf mehrere Personen aufgeteilt, wobei die furchterregenden Eigenschaften in einer den Erziehern wohlbekannten und den meisten erwünschten Wahl auf den Polizeimann, Flurwächter und sonstige Amtspersonen übertragen werden.[18]

Im Sinne dieser Archetypenbildung fungierte Kaiser Franz Joseph als Bindeglied zwischen der aus der christlichen Trinität stammenden göttlichen Vatergestalt und allen menschlichen Vätern:

„Gott und Kaiser haben die besondere Stellung in der Vaterreihe gemeinsam, dass man ihnen anhängt, ohne sich mit ihnen zu messen und ihre Höhe erreichen zu wollen. […] Das Kind hat das Verlangen, von einem […] Wesen abzuhängen, dessen Größe, Macht und Wissen ihm absolute Sicherheit und Schutz gewähren. Der Wunsch nach einem solchen Vater lässt eben den wirklichen Vater fallen und bleibt als Bedingung für die Wahl der Vatergestalten. Er schafft die Intensität der Verehrung und Abhängigkeit für die späteren Autoritäten, als letztes irdisches Abbild, für den König und Kaiser. Der Sicherheitsgewinn der uralten Wunscherfüllung, die in der tiefsten Seele das Paradies der Kindheit mit seinem unvergleichlichen Vater bewahrte, erhielt sich trotz der Kritik des Verstandes.[18]

In der Gesellschaft zählte, wie unter anderem Stefan Zweig anschaulich berichtet, der ältere, reife Mann, weniger der jugendliche. Das Greisenhafte des alten Kaisers verstärkte die mythische Weihe seiner Patriarchenrolle. „Vom Alter zu Boden gedrückt und des nahen Endes bewußt, verschlossen in seiner Einsamkeit […] scheint der Kaiser […] die heroische Mediocritas zu verkörpern.“[19]

Die gesellschaftlich institutionalisierte Vaterrolle des Kaisers wurde durch individuelle Züge höchst wirksam ergänzt. Franz Joseph präsentierte sich als statische, leidgeprüfte Gestalt, die „mit der zwangsneurotischen Pedanterie einer Maschine“ am Schreibtisch saß, Akten studierte und unterschrieb, wie Erwin Ringel meinte: „Der Mann wurde schon in der Kindheit durch seine Mutter und die Erziehung vernichtet, hat dann 68 Jahre regiert, [… und] hat in dieser überlangen Zeit keine einzige konstruktive Idee gehabt […].“[20] Diese Diagnose resultiert aus dem Pessimismus des Kaisers und seinem Wissen um die eigene Erfolglosigkeit, die jedoch vom Gedanken der Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug und dem Wunsch, mit Ehren zugrunde zu gehen, flankiert wurden, ferner von einer tief eingewurzelten „Scheu vor Entscheidungen, Reformen und Veränderungen.“ Augenscheinlich drang einiges von diesem Geist auch in die k. u. k. Verwaltung ein, die zwar tüchtig administrierte, aber vor allem in der Spätzeit der Epoche die Verwaltungsmaschinerie ohne lebendigen Schwung und ohne wirkliche Zukunftsperspektiven dahinwerkeln ließ.[21]

Der Kaiser und der Film

Filmaufnahmen von Kaiser Franz Joseph

Obwohl Kaiser Franz Joseph technischen Neuerungen grundsätzlich skeptisch bis ablehnend gegenüberstand,[22] hatte er vom Film eine positive Meinung – wohl in Anerkennung des großen Werbe- und Propagandapotentials dieses vor allem unter der einfachen Bevölkerung besonders beliebten Mediums. So ließ er sich häufig – vorerst jedoch nur von französischen Operateuren – bei seinen Aktivitäten filmen: Etwa bei den Kaisermanövern mit seinem reichsdeutschen Pendant Kaiser Wilhelm in Mähren 1909, bei der Gamsjagd im selben Jahr in Bad Ischl, bei der Hochzeit von Thronfolger Karl 1911 in Schwarzau, oder auch an der Adria-Ausstellung 1913 in Wien.

1911 berichtete die Kinematographische Rundschau über ein Vorkommnis bei einer Rede des Kaisers an seinem 81. Geburtstag, an der auch ein Operateur der Oesterreichisch-Ungarischen Kinoindustrie, wie die Wiener Kunstfilm-Industrie damals noch hieß, anwesend war. Er stellte seinen Aufnahmeapparat nahe an den Kaiser, wurde jedoch von einem Mann des Gefolges aufgrund des Knarrens des Apparates aufgefordert, während der Rede des Kaisers nicht zu filmen. „Kaiser Franz Joseph hörte es, faßte den Herrn des Gefolges beim Arm und sagte, so daß es der Operateur hören konnte: ‚Lassen Sie den Mann nur seine Arbeit verrichten, mich stört es nicht!‘ Der Operateur drehte weiter, und als der Kaiser geschlossen, winkte er dem Kinematographen freundlich zu.“

Im Todesjahr des Kaisers entstand der letzte große Hofbericht aus der Monarchie. Sascha Kolowrat-Krakowsky filmte das Begräbnis für die Wiener Kinos.

1993 stellte das Österreichische Filmarchiv unter dem Titel k.u.k.: Kaiser und Kinematographie eine 3-stündige Aneinanderreihung sämtlicher Aufnahmen von Kaiser Franz Joseph zusammen. Darunter auch Aufnahmen von seiner Reise durch Bosnien und die Herzegowina im Jahr 1910, wo unter anderem christliche und muslimische Kinder gemeinsam beim friedlichen Vorbeigehen an einem Aufnahmeort zu sehen sind.

Rezeption

Vitrine mit Gegenständen des Kaisers im Heeresgeschichtlichen Museum.

Das seit 1891 als k.u.k. Heeresmuseum bezeichnete heutige Heeresgeschichtliche Museum in Wien wurde von Franz Joseph I. besonders gefördert. Er erteilte als Zwanzigjähriger selbst den Auftrag zum Bau des „Waffenmuseums“ (1850–1857) an den Architekten Theophil von Hansen und stiftete 30 der 60 Marmorstatuen von Monarchen und Feldherren in der „Feldherrenhalle“, dem Vestibül des seit 1869 öffentlich zugänglichen Hauses.[23] Es handelte sich um den ersten staatlichen, als solchen geplanten und damit ältesten Museumsbau in der Geschichte Wiens.[24]

Das Haus war ursprünglich dem Gedenken und der Verherrlichung des kaiserlichen Heeres gewidmet. Es sollte eine Art Ruhmeshalle des stets kaisertreuen Militärs bilden, – gleichsam Dank und Anerkennung des Monarchen für seine Armee, die dem Haus Habsburg während der Revolution 1848/49 die Herrschaft, insbesondere über das abtrünnige Ungarn, gesichert hatte.

In der Dauerausstellung des Heeresgeschichtlichen Museums wird seines Gründers prominent gedacht: unter anderem mit einer Vitrine, die persönliche Gegenstände Franz Josephs I. zeigt. Es handelt sich dabei um die einzigen persönlichen Objekte des Kaisers, die öffentlich zugänglich sind. Darunter befindet sich seine Uniform mit Campagne- und Galawaffenrock mit den Rangabzeichen eines k.u.k. Feldmarschalls. Franz Joseph trug diese Uniformen in seiner Funktion als Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Armee. Er war, wenn er nicht auf die Jagd ging, im Inland praktisch ausschließlich in Uniform zu sehen, um seine Verbundenheit mit dem Heer zu betonen.

Briefmarke, Michel-Nr. 35 A von 1915

Die gezeigten Originaluniformen des Kaisers sind die einzigen erhaltenen; die Reste der früher zahlreich vorhandenen Uniformen, die der Kaiser als Inhaber ausländischer Regimenter oder als Feldmarschall fremder Heere besessen hatte, wurden während der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges fast vollständig vernichtet. An die „Kollegialität“ unter den Monarchen erinnern die ausgestellten ausländischen Orden des Kaisers, darunter der britische Hosenbandorden und der französische Orden der Ehrenlegion. Ausgestellt sind aber auch der Zwicker und Zigarrenspitzen des Kaisers[25].

Im Bildband Wien seit 60 Jahren, der von der Stadt Wien 1908 „der Jugend Wiens“ zu seinem 60-Jahre-Regierungsjubiläum gewidmet wurde, wurde Franz Joseph I. als einer „der größten Bauherren“ bezeichnet, die „unsere Stadt je gehabt hat.“[26] Im 1930 in Berlin uraufgeführten Singspiel von Ralph Benatzky, „Im weißen Rößl am Wolfgangsee“, hieß es in einem Lied über den Kaiser, „draußen im Schönbrunner Park / sitzt ein alter Herr / sorgenschwer“. In Joseph Roths 1932 erschienenem Roman „Radetzkymarsch“ beschreibt er die letzten Lebensstunden Franz Josephs im November 1916. Hingegen wurde in der 1955 begonnenen Filmtrilogie „Sissi“, „Sissi – Die junge Kaiserin“ und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ der sehr junge Franz Joseph gezeigt. Joseph Roths Roman wurde 1965 und 1995 verfilmt; der Film von 1965 wurde von Konservativen kritisiert, weil darin Franz Joseph kurz im Nachthemd zu sehen ist.

Siehe auch

Literatur

Lexikoneinträge

Weblinks

 Commons: Franz Joseph I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Franz Joseph I. – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Allerhöchstes Patent vom 2. December 1848
  2. Konrad Kramar, Petra Stuiber Die schrulligen Habsburger – Marotten und Allüren eines Kaiserhauses. Ueberreuter, ISBN 3-8000-3742-4.
  3. Alma Hannig: Franz Joseph, der Friedensfürst in der Wochenzeitung Die Zeit, Hamburg, Nr. 24, 5. Juni 2014, S. 11 f.
  4. Albert Freiherr von Margutti: Vom alten Kaiser. Leipzig & Wien 1921, S. 147f. Zitiert nach Erika Bestenreiter: Franz Ferdinand und Sophie von Hohenberg. Piper, München 2004, S. 247
  5. Hellmut Andics: Das österreichische Jahrhundert. Die Donaumonarchie 1804–1918. Molden, Wien 1974, ISBN 3-217-00291-1, S. 221; und Christian Dickinger: Franz Joseph I. Die Entmythisierung. Ueberreuter, Wien 2002, ISBN 3-8000-3858-7, S. 133.
  6. Manfried Rauchensteiner: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie. Böhlau, Wien 2013, ISBN 978-3-205-78283-4, S. 123.
  7. Rauchensteiner: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie. S. 660
  8. Günther Kronenbitter: Krieg im Frieden. Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906–1914. Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56700-4, S. 336.
  9. Rauchensteiner: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie. S. 93.
  10. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: S. 63f. (Nr.9); und Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/Leipzig 1930, Band 8: S. 250 ff. (Nr. 9984).
  11. Alan Sked: Der Fall des Hauses Habsburg. Der unzeitige Tod eines Kaiserreichs. Verlag Siedler, Berlin 1993, ISBN 3-88680-409-7, S. 299
  12. Robert Waissenberger (Hrsg.): Kaiser Franz Joseph von Österreich oder der Verfall eines Prinzips. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien Hermesvilla, Lainzer Tiergarten, 28. März 1980 bis 15. März 1981, Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1980, S. 273.
  13. Christian Dickinger: Franz Joseph I. Die Entmythisierung. Ueberreuter, Wien 2002, ISBN 3-8000-3858-7, S. 182.
  14. Fred Hennings: Solange er lebt, 5 Bände, Herold-Verlag, Wien 1968–1971
  15. Hennings: Bd. 5, S. 132
  16. dazu ausführlich Ernst Hanisch, Österreichische Geschichte (1890 -1990) - Der lange Schatten des Staates (1994), S. 220ff.
  17. Franz Werfel: Der Abituriententag, 1928, Fischer, Frankfurt am Main 1953, S. 58f.
  18. a b Paul Federn: Zur Psychologie der Revolution. Die Vaterlose Gesellschaft. Suschitzky, Leipzig 1919. Neu erschienen in: Luzifer-Amor, Band 1, Edition Diskord, 1988, S. 18.
  19. Claudio Magris: Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur. Müller, Salzburg 1966, S. 17.
  20. Erwin Ringel: Die Österreichische Seele. Zehn Reden über Medizin, Politik, Kunst und Religion. Böhlau, Wien 1984, ISBN 3-205-07095-X, S. 34.
  21. Vgl. das siebte Kapitel zur „franzisko-josephinischen Epoche“ in: Karl Megner: Beamtenmetropole Wien 1500–1938. Bausteine zu einer Sozialgeschichte der Beamten vorwiegend im neuzeitlichen Wien. Verlag Österreich, Wien 2010, ISBN 978-3-7046-5525-7.
  22. So war etwa schockiert vom Maxim Gun, er nannte es „das furchtbarste Instrument, das ich jemals gesehen habe oder mir vorstellen konnte“ – und orderte sogleich große Stückzahlen für die österreichisch-ungarische Armee, vgl. Marc von Lüpke: „Der Vater des Gemetzels“. In: einestages vom 23. September 2013
  23. Johann Christoph Allmayer-Beck:Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume, Salzburg 1981, S. 24
  24. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 4, Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 328
  25. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 59.
  26. Wien seit 60 Jahren. Ein Album für die Jugend, Gerlach & Wiedling, Wien 1908, S. 36
Vorgänger Amt Nachfolger
Ferdinand I. Kaiser von Österreich
1848–1916
Karl I.
Ferdinand I.
(als Ferdinand V.)
Apostolischer König von Ungarn
1848–1916
(gekrönt 1867)
Karl I.
(als Karl IV.)
Ferdinand I.
(als Ferdinand V.)
König von Böhmen
1848–1916
Karl I.
(als Karl III.)
Ferdinand I.
(als Ferdinand V.)
König von Kroatien-Slawonien und Dalmatien
1848–1916
Karl I.
(als Karl IV.)
Ferdinand I.
(als Ferdinand V.)
Erzherzog von Österreich
1848–1916
Karl I.
(als Karl III.)
Ferdinand I.
von Österreich
Präsident des Deutschen Bundes
1849–1866