Kaiserbrücke (Mainz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.02388.2564Koordinaten: 50° 1′ 25,7″ N, 8° 15′ 23″ O

f1

Kaiserbrücke
Kaiserbrücke
Oben: Kaiserbrücke, unten: Neue Brücke
Offizieller Name Nordbrücke
Nutzung Eisenbahnbrücke
Querung von

Rhein, Petersaue

Ort MainzWiesbaden
Konstruktion Fachwerkbrücke
Gesamtlänge 789,49 m [1]
Breite 9,2 m
Längste Stützweite 119,65
Lichte Höhe 9 m
Baubeginn 1901
Fertigstellung 1904/1955
Schließung 1945
Lage
Kaiserbrücke (Mainz) (Rheinland-Pfalz)
Kaiserbrücke (Mainz)

Die Kaiserbrücke (offizieller Name heute: Nordbrücke) ist eine Eisenbahnbrücke im Zuge der Mainzer Umgehungsbahn und verbindet die Mainzer Neustadt über den Rhein mit Mainz-Amöneburg und Mainz-Kastel. Die Brücke verläuft hier über die Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen.

Kaiserbrücke[Bearbeiten]

Einweihung – im Hintergrund der Hofzug Kaiser Wilhelms II.
Zeichnerische Darstellung

Die Architekturteile (z. B. Brückentürme) der zwischen 1901 und 1904 von den Firmen MAN, Dortmunder Union und Philipp Holzmann errichteten Bogenkonstruktion entstanden nach Plänen des Berliner Architekten Franz Schwechten. Die Brücke wurde durch den Bildhauer Gotthold Riegelmann (1864–1935) mit aufwändigem Reliefdekor ausgestattet (siehe Abschnitt: Kunst am Bau). Die Brückenpfeiler stehen teilweise auf der Anlandung der Ingelheimer Aue und der Petersaue. Die Brücke hatte drei Fachwerkbögen, in denen 6.800 Tonnen Stahl verbaut waren[2] und die die beiden Rheinarme überspannten. Bauherrin war die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft.

Von 1903 bis 1904 soll Benito Mussolini, der spätere italienische „Duce”, als Gastarbeiter am Bau mitgewirkt haben.

Am 1. Mai 1904 wurde diese zweite Mainzer Rheinbrücke mit militärischem Protokoll von Kaiser Wilhelm II. und dem hessischen Großherzog Ernst Ludwig in Anwesenheit des Reichskanzlers Bernhard von Bülow eingeweiht.[3] Die Kaiserbrücke stellte damals auch eine kriegsstrategisch wichtige Verbindung zwischen dem Norden des Deutschen Reiches und den Grenzgebieten Elsass und Lothringen im Südwesten dar. Außerdem schloss die Brücke zusammen mit der Kostheimer Brücke zwischen Hochheim am Main und Bischofsheim den Eisenbahnring um Mainz, die Mainzer Umgehungsbahn.

Der später im Ersten Weltkrieg zum Fliegerass gewordene Mombacher Pilot Julius Buckler flog unter der Brücke, die eine Durchfahrtshöhe von ca. 9 Metern hatte, hindurch.

Die Kaiserbrücke wurde am 17. März 1945 (am Ende des Zweiten Weltkrieges) von der abziehenden Wehrmacht gesprengt, um vorrückende US-Truppen aufzuhalten (siehe Geschichte der Stadt Mainz und Rheinüberquerung bei Nierstein 1945).

Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
2,1 Abzw MZ Kaiserbrücke von Mainz Hbf
Brücke (mittel)
Vorlandbrücke Mainz Gaßnerallee
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kaiserbrücke Rhein, zwei Strompfeiler
Brücke (groß)
Kaiserbrücke Petersaue
Brücke über Wasserlauf (groß)
Kaiserbrücke Rhein, ein Strompfeiler
Brücke (mittel)
Vorlandbrücke Wiesbaden Biebricher Straße
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
3,3 Abzw MZ Kaiserbrücke Ost nach Wiesbaden Hbf
Brücke (mittel)
Wiesbadener Landstraße (Kulturdenkmal)

Nordbrücke[Bearbeiten]

Hinweistafel zur Route der Industriekultur Rhein-Main. Auf dem Bild ist das Infanterie-Leib-Regiment „Großherzogin“ (3. Großherzoglich Hessisches) Nr. 117 in Ehrenformation an der Brücke angetreten.

Auf den Resten der Kaiserbrücke wurde 1955 die Nordbrücke nach einem Entwurf der Eisenbahndirektion Mainz von 1951 errichtet. Die Reste der neoromanischen Brückenkopfbauten wurden beseitigt und die Brücke als schlichte Gitterträgerkonstruktion wiedererrichtet. Die Nordbrücke ist auf den alten Pfeilern gegründet und besteht über den beiden Rheinarmen jeweils aus einem zweigleisigen Durchlaufträger, der als pfostenloses Strebenfachwerk mit untenliegender Fahrbahn ausgebildet ist. Die Spannweiten betragen bei dem süd-westlichen Überbau 94,55 m, 107,71 m und 110,04 m mit einer Systemhöhe von 10 m. Der nordwestliche Teil hat 119,65 m und 117,54 m Spannweite sowie 11 m Systemhöhe. Über der Insel Petersaue ist ein Durchlaufträger mit sechs Öffnungen und jeweils 40 m Stützweite vorhanden. Die 3,4 m hohen Blechträgerüberbauten haben eine obenliegende Fahrbahn.[1] Dabei wurden nur noch 5.500 Tonnen Stahl benötigt, auch weil der Stahl jetzt hochwertiger war.[4]

An dem Pfeiler der Mainzer Südseite ist eine Gedenktafel für Gottwalt Schaper mit folgender Inschrift angebracht: Gottwalt Schaper, 1873–1942, dem erfolgreichen Brückenbauer der deutschen Reichsbahn und verdienstvollen Vorkämpfer der Schweisstechnik im Stahlbrückenbau zum Gedenken, im Mai 1955

Die Brücke ist neben dem Eisenbahnverkehr auch für Fußgänger und Radfahrer benutzbar. Der Zugang erfolgt über Treppen. Seit Mai 2011 gibt es eine Initiative[5] dafür, diese Treppen durch Rampen zu ersetzen, um allen Bevölkerungsgruppen die Benutzung zu ermöglichen – also auch Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten, älteren und schwächeren Radfahrern sowie Menschen mit Kinderwagen.


Kunst am Bau[Bearbeiten]

Mainzer Südseite:

Mainzer Nordseite:

Sonstiges[Bearbeiten]

Unmittelbar flussabwärts neben der Kaiserbrücke überquert die Bahnstromleitung Flörsheim–Bingen den Rhein. Dies ist die südlichste Rheinquerung einer Bahnstromleitung in Deutschland.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaiserbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundesbahndirektion Mainz: Die Kaiserbrücke bei Mainz. Festschrift zur Einweihung der wiedererrichteten Kaiserbrücke mit ihren Zufahrtstrecken im Mai 1955. Röhrig, Darmstadt 1955.
  • Johannes Kurze (Hrsg.): Schienen, Räder und Signale. Ein Bildwerk (= Bildjahrbuch der Deutschen Bundesbahn. 1954, ZDB-ID 975221-3). Athenäum-Verlag, Bonn 1954.
  • Bernd-Michael Neese: Der Kaiser kommt! Wilhelm I. und Wilhelm II. in Wiesbaden. Reiß, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-928085-55-7, S. 66–69.
  • Marcel Prade: Les grands ponts du monde. Band 1: Ponts remarquables d'Europe (= Art & Patrimoine. Bd. 7). Brissaud, Poitiers 1990, ISBN 2-902170-65-3, S. 69.
  • Hans-Wolfgang Scharf: Eisenbahn Rheinbrücken in Deutschland. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2003, ISBN 3-88255-689-7, S. 144–151.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Scharf: Eisenbahn-Rheinbrücken in Deutschland. 2003, S. 150.
  2. Kurze: Schienen, Räder und Signale. 1954, S. 64.
  3. Michael Kläger: Mainz auf dem Weg zur Großstadt (1866–1914). In: Franz Dumont, Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz (Hrsg.): Mainz. Die Geschichte der Stadt. von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2000-0, S. 429–474, hier 467.
  4. Kurze: Schienen, Räder und Signale. 1954, S. 64.
  5. Initiative Rampen für Nordbrücke in Mainz