Kaisergebirge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wilder Kaiser ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Wilder Kaiser (Begriffsklärung) aufgeführt.
Kaisergebirge
Höchster Gipfel Ellmauer Halt (2344 m ü. A.)
Lage Tirol, Österreich
Teil der Nördliche Kalkalpen
Einteilung nach AVE 8
Koordinaten 47° 34′ N, 12° 18′ O47.56666666666712.32344Koordinaten: 47° 34′ N, 12° 18′ O
Ellmauer Halt von Süden

Ellmauer Halt von Süden

f1
p1
p5

Das Kaisergebirge ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen. Es besteht aus zwei markanten Gebirgszügen, dem Wilden Kaiser und dem Zahmen Kaiser. Das Gebirge befindet sich in Österreich im Bundesland Tirol zwischen Kufstein und St. Johann in Tirol.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Kaisergebirge gliedert sich in den überwiegend aus blankem Kalkfels bestehenden Wilden Kaiser sowie den davon nordseitig gelegenen und südseitig überwiegend mit Bergkiefern (Latschen) bewachsenen Zahmen Kaiser. Beide Bergketten sind durch das 1580 m hohe Stripsenjoch miteinander verbunden und werden im Westen durch das Kaisertal, im Osten durch das Kaiserbachtal voneinander getrennt. Insgesamt erstreckt sich das Kaisergebirge etwa 20 km in Ost-West-Richtung und etwa 14 km in Nord-Süd-Richtung. Dadurch ergibt sich eine Gesamtfläche von ca. 280 km². Der Zahme Kaiser überschreitet nur knapp die 2.000-Meter-Grenze (Vordere Kesselschneid). Die höchste Erhebung des Wilden Kaisers ist die Ellmauer Halt im Gemeindegebiet von Kufstein mit 2.344 m. Daneben gibt es rund vierzig weitere Gipfel, unter ihnen viele berühmte Kletterberge (Karlspitzen, Totenkirchl, Fleischbank, Predigtstuhl, Goinger Halt, Ackerlspitze, Maukspitze).

Wilder Kaiser von Norden
Kaisergebirge von Süden

Naturschutzgebiet Kaisergebirge[Bearbeiten]

Bereits in den 1920er Jahren forderten einzelne Naturliebhaber, darunter auch der „Kaiserpapst“ Franz Nieberl, einen stärkeren Schutz des einzigartigen Naturraumes des Kaisergebirges. Primäres Ziel dieses Schutzes sollte es sein, eine Übererschließung des Kaisergebirges durch Seilbahnen und Straßen zu verhindern. In der damaligen Zeit war solchen Überlegungen noch kein Erfolg beschieden. 1961 wurde dann nach einer Volksbefragung beschlossen, ein Naturschutzgebiet einzurichten, das am 19. April 1963 offiziell eröffnet wurde.[1]

Das Naturschutzgebiet Kaisergebirge,[2][3][4] das sämtliche Gipfel des Wilden und des Zahmen Kaisers umfasst, hat eine Größe von 102 km² und liegt auf den Flächen der Gemeinden Kufstein, St. Johann in Tirol, Ebbs, Ellmau, Going, Kirchdorf in Tirol, Scheffau und Walchsee und erstreckt sich von einer Höhe von 480 m bis zu einer Höhe von 2344 m an der Ellmauer Halt. Als einzige künstliche Aufstiegshilfe existiert im Naturschutzgebiet ein Sessellift zum Brentenjoch (Kaiserlift), der jedoch seit 2012 auf unbestimmte Zeit stillgelegt ist. Weitere Liftprojekte wurden wegen des Naturschutzgebietes nicht realisiert. Lange wurde auch der Bau einer Straße in das Kaisertal sehr kontrovers diskutiert, das Kaisertal war das einzige bewohnte Tal in Österreich ohne Straßenanbindung. Die Kaisertalstraße, welche jetzt von Ebbs aus durch den Annatunnel (Länge 813 m) ins Kaisertal führt, wurde am 31. Mai 2008 eröffnet. Sie wurde von der Gemeinde Ebbs als Privatstraße errichtet und darf nur von einem sehr engen Kreis von Berechtigten – wie Bewohnern, Bewirtschaftern, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – benutzt werden.

Die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes ist sehr reichhaltig. Im Kaisergebirge existieren etwa 940 verschiedene Blütenpflanzen, 38 verschiedene Farnarten und über 400 verschiedene Moose. Auch die Pilz- und Flechtenbestände sind sehr reichhaltig mit je 100 bzw. 236 verschiedenen Spezies vertreten. In der Waldregion findet man häufig Mischwälder aus Buchen, Tannen und Fichten. Im submontanen Bereich findet man auch Eschen und Bergahorn, in sonnigen Bereichen auch Erlen. In den Almregionen findet man typische Mähwiesen, sowie Magerrasen und Weiden. In den subalpinen Bereichen findet man die typischen Zwergstrauchwuchsformen wie Latsche und Alpenrose, sowie die seltene Zwergalpenrose. Bis in die Gipfelregionen findet man alpinen Polsterrasen. Diverse Feuchtgebiete sind ebenfalls mit typischem Pflanzenbesatz vorhanden. Als Produkt eiszeitlicher Prozesse finden sich im Kaisergebirge eine Reihe seltener, teils endemischer Wirbelloser, wie z. B. Allobobophora smaragdina (ein Regenwurm), eine Schließmundschneckenart, sowie einige Spinnen und Falterarten. Typische Wirbeltiere sind Alpen- und Feuersalamander, Schlingnatter, Kreuzotter (ungewöhnliche Farbvarianten), Siebenschläfer, Haselmaus und Rötelmaus. In höheren Regionen findet man Gämsen, Hermeline, Schneemaus und Schneehase. Typische Vögel sind der Waldlaubsänger, der Zwergschnäpper (für Nordtirol endemisch), Alpendohle, Kolkrabe, Felsenschwalbe, Alpenmeise, Alpenleinzeisig, Alpenbraunelle, Alpenmauerläufer, sowie Birk-, Auer- und Schneehuhn. An Greifvögeln kommen vor der Habicht, Sperber, Steinadler, Waldkauz, Sperlingskauz und Rauhfußkauz.

Geologie und Hydrologie[Bearbeiten]

Der Kaiser gehört zu den nördlichen Kalkalpen und besteht vor allem aus Wettersteinkalk und Dolomit. Der Wettersteinkalk hat eine maximale Dicke von etwa 1000 m, was der Maximalhöhe der Felsabbrüche des Kaisergebirges entspricht. Die jüngeren Dolomite sind vor allem in den Mulden der Täler zu finden. Als Überbleibsel der Würmeiszeit finden sich ausgedehnte Moränenfelder. Entwässert wird das Kaisergebirge im Westen durch den Sparchenbach, der das Kaisertal durchfließt und später im Inn mündet, im Osten durch den Kaiserbach, der durch das Kaiserbachtal fließt und in die Großache mündet, und damit später in den Chiemsee fließt, sowie im Norden durch den Weissenbach und im Süden der Bereich westlich des sogenannten "Ellmauer-Tores" von der Weißache, die ebenfalls in den Inn mündet, und östlich des "Ellmauer-Tores" (Wasserscheide Ellmauer Tor) durch den Goinger Hausbach, bzw. den Rettenbach, welche beide in die Reither Ache, und damit später in die Großache und in der Folge in den Chiemsee münden. Zwischen Fleischbank und den Goinger Halten befindet sich ein kleiner Kargletscher, der bei weiter steigenden Durchschnittstemperaturen bald verschwunden sein dürfte. Ganz im Westen des Gebirges befindet sich der als Badesee genutzte Hintersteiner See.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten datierten Funde menschlicher Besiedlung im Kaisergebirge reichen 4000 bis 5000 Jahre zurück. Hierbei handelt es sich um Funde von Überresten steinzeitlicher Jäger in der Tischofer Höhle. Weitere Funde belegen in der Folge die Anwesenheit bronzezeitlicher Siedler in der Höhle. Urkundliche Belege für eine Besiedlung des Kaisertals im Mittelalter reichen mindestens bis ins Jahr 1430 zurück. Aus diesem Jahr datiert ein Kaufvertrag für einen Bauernhof namens „Hinterkaiser“. Der Name „Kaiser“ für das Gebiet ist älter und findet sich schon im Jahre 1240 in einem Kitzbüheler Güterverzeichnis, wo von einer „Gamsgiayt an dem Chaiser“ die Rede ist. 1611 findet sich in den Landkarten Matthias Burgklehners die Bildbeischrift „Es ist in der Herrschaft Khueffstein der Kayser, ein sehr hoches Gepürg, so einer kaiserlichen Cron gleich ist, seiner vilfeltigen Zinggen halber, dann auch, dass er in der Heche vil Meils Wegs weit, als ob er rund und gekrönt ware, gesehen wird.“

Die touristische Erschließung beginnt im Kaisergebirge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit bis um die Jahrhundertwende entfallen auch die meisten dokumentierten Erstbesteigungen von Gipfeln. Es ist aber anzunehmen, dass die meisten Gipfeln schon vorher sporadisch von Einheimischen bestiegen wurden, ohne dass dies je dokumentiert worden wäre. Vor allem in der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg waren die Kalkwände des Wilden Kaisers die Wiege der Münchner Kletterszene, in denen bekannte Kletterpioniere wie Hans Dülfer damals völlig neuartige Klettertechniken und -stile entwickelten. Die im Wesentlichen vor dem Ersten Weltkrieg entwickelten teilweise ausgesprochen technikfixierten Kletterstile und -techniken prägten das Klettern im Kaiser bis in die 1960er Jahre hinein. 1977 wurde mit der Freibegehung der „Pumprisse“ durch Reinhard Karl und Helmut Kiene an der Fleischbank der VII. Grad eingeführt. In den 1970er und 1980er Jahren wurden eine ganze Reihe teilweise extrem schwieriger Sportkletterrouten im Kaisergebirge eröffnet. Die höchsten Schwierigkeiten erreicht derzeit die Route „Des Kaisers neue Kleider“ von Stefan Glowacz mit X+ am Fleischbankpfeiler.

Wichtige Gipfel und Routen im Wilden Kaiser[Bearbeiten]

Südseite des Wilden Kaisers von Ellmau aus gesehen

Die ersten beiden Etappen des Weitwanderweges Adlerweg führen entlang der Südhänge des Kaisergebirges von St. Johann in Tirol als Wilder-Kaiser-Steig über die Gaudeamushütte, Gruttenhütte und Walleralm zum Hintersteiner See.

Fotogalerie[Bearbeiten]

Wichtige Gipfel im Zahmen Kaiser[Bearbeiten]

Zahmer Kaiser vom Stripsenkopf aus gesehen

Benachbarte Gebirgsgruppen[Bearbeiten]

Das Kaisergebirge grenzt an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen:

Hütten[Bearbeiten]

Talorte[Bearbeiten]

Kufstein, Ebbs, Niederndorf, Kiefersfelden, Walchsee, Kössen, Schwendt, Kirchdorf in Tirol, St. Johann in Tirol, Going, Ellmau, Scheffau, Söll, Schwoich

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaisergebirge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wilder Kaiser – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  K. Fischer 1962: Naturschutzgebiet "Kaisergebirge" Ja oder Nein?. In: Jahrb. Ver. Schutz Alpenpfl. und -Tiere. Nr. 27, 1962.
  2.  ARGE Wald-Landschaft-Mensch, Amt der Tiroler Landesregierung – Abteilung Umweltschutz (Hrsg.): Naturschutzgebiet Kaisergebirge. Naturinventar und Standortskartierung. vorläufige Fassung. 1996.
  3. Kaisergebirge. In: tiroler-schutzgebiete.at  » Naturschutzgebiete. Amt der Tiroler Landesregierung, abgerufen am 2011.;
  4. Karte: Naturschutzgebiet Kaisergebirge (ÖK50), tirol.gv.at (jpg 1,1 MB)