Kaiserling

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Dieser Artikel beschreibt die Pilzart Kaiserling. Für den gleichnamigen deutschen Pathologen siehe Johann Carl Kaiserling
Kaiserling
Kaiserling (Amanita caesarea)

Kaiserling (Amanita caesarea)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Wulstlingsverwandte (Amanitaceae)
Gattung: Wulstlinge (Amanita)
Art: Kaiserling
Wissenschaftlicher Name
Amanita caesarea
(Scop.) Pers.

Der Kaiserling (Amanita caesarea), auch Kaiserpilz oder Orangegelber Wulstling genannt, ist eine Pilzart aus der Familie der Wulstlingsverwandten (Amanitaceae), der schon seit der Antike den Ruf eines außergewöhnlich wohlschmeckenden Speisepilzes genießt.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Kaiserling ist ein Blätterpilz mit in Hut und Stiel gegliederten Fruchtkörpern. Der Hut wird etwa 7 bis 15, in Ausnahmefällen 18 Zentimeter breit. Jung zunächst keulig bis eiförmig und von einem weißen Velum universale eingehüllt, schirmt der Hut im Alter auf. Seine Oberfläche ist leuchtend orangerot gefärbt und zum Hutrand hin häufig gelblich ausblassend, feucht etwas schmierig, in trockenem Zustand seidig glänzend, glatt und am Rand gerieft. Vom Velum bleiben nur selten einige weiße Fetzen auf der Hutoberfläche zurück. Der zitronen- bis goldgelbe Stiel wird etwa 8 bis 15 Zentimeter lang und 2 bis 3 Zentimeter stark, an der Spitze verjüngt er sich etwas, an der Basis ist er dagegen knollig verdickt. Seine Oberfläche ist unter der dauerhaften, hängenden, oberflächlich gerieften, unterseits glatten, goldgelben Manschette fein-faserig-flockig. Der Stiel steckt in einer sackartigen, lappigen, dickhäutigen, weißen bis grauweißen Volva. Die Lamellen sind jung hellgelb und verfärben sich mit zunehmender Reife nach goldgelb. Das Sporenpulver ist weiß. Das ansonsten weiße Fleisch unter der Huthaut zeigt eine gelbe Farbe. Der Geruch ist angenehm, der Geschmack mild und nussartig.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Der giftige Fliegenpilz ist eine weitere rothütige europäische Amanita-Art. Er unterscheidet sich oft durch weiße Velum-Schuppen auf der Huthaut, welche jedoch auch leicht abgewischt werden können. Stiel und Lamellen sind beim Kaiserling ausgeprägt gelb bis weißlich-gelb und zumindest beim frischen Fliegenpilzfruchtkörper weiß. Weiterhin hat der Kaiserling eine freie und gut entwickelte Volva, welche beim Fliegenpilz in der Regel nicht vorhanden ist.[1] Im Zellmaterial des Velum universale finden sich beim Fliegenpilz aufgeblähte Hyphenelemente und Sphaerocysten.[2][3]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Kaiserling ist ein Mykorrhizapilz, der mit Eichen, Buchen, Kiefern und Esskastanien vergesellschaftet sein kann, er ist stark wärmeliebend und wächst in lichten Wäldern und Gebüschen. In Mitteleuropa wächst er auf schwach bis stark sauren, frischen Böden, die nur gering mit Basen versorgt sind. Die Fruchtkörper erscheinen vom Sommer bis in den Herbst.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Kaiserling kommt in der Holarktis in den mediterranen bis warm-gemäßigten Zonen vor: in Europa, im Kaukasus, in Japan, Ostasien, in Nordamerika (Mexiko bis Kanada) sowie in Nordafrika (Marokko und Algerien). In Europa kommt er im Süden von Spanien, auf Korsika, in Italien, auf der Balkanhalbinsel sowie in Mitteleuropa von Südfrankreich bis Ungarn und Tschechien, selten bis Südpolen vor. Nördlich der Alpen ist die Art selten. In Deutschland kommt der Kaiserling unstet vor, Fundstellen gibt es in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen, in seltenen Fällen wurde die Art auch in Sachsen gefunden. Breitenbach und Kränzlin gehen davon aus, dass die Vorkommen nördlich der Alpen auf Verschleppungen aus römischer Zeit zurückgehen, da er vor allem entlang der alten Römerstraßen vorkäme.

Systematik[Bearbeiten]

Der Tibetische Kaiserling (Amanita hemibapha) ist Typusart einer weiteren Artengruppe.

Weltweit sind zahlreiche ähnliche Arten bekannt. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse sind bisher jedoch noch nicht geklärt. Dabei besteht die Artengruppe um den Kaiserling aus fünf Arten. Die Gruppe um den ähnlichen Tibetischen Kaiserling (A. hemibapha) umfasst rund 40 Arten.[4]

Bedeutung[Bearbeiten]

Der in Mitteleuropa äußerst seltene Pilz ist seit der Antike ein sehr geschätzter Speisepilz, der südlich der Alpen gelegentlich auch als Marktpilz gehandelt wird. In der „Roten Liste der gefährdeten Großpilze in Deutschland“ ist der Kaiserling als RL 1 (vom Aussterben bedroht) eingestuft, nach Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung ist er besonders geschützt und darf daher in ganz Deutschland nicht gesammelt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kaiserling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kaiserling – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • G. J. Krieglsteiner, A. Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 4, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3281-8
  • J. Breitenbach, F. Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 4. Verlag Mykologia, Luzern 1995, ISBN 3-85604-040-4
  • Thomas Lehr: "Amanita caesarea (Scop.:Fr.) Pers." http://www.fundkorb.de

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Moser 1983, Seite 222
  2. Breitenbach, Kränzlin, 1995
  3. C. Hahn, S. Raidl und L. Beenken 2000 in Zeitschrift für Mykologie, Band 66/2, Seite 173, http://www.dgfm-ev.de/sites/default/files/ZM662173Hahn.pdf
  4. Amanita caesarea bei Amanitaceae.org
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