Kaiserpanorama

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Ein Stereoskop im Praterkino „Kaiserpanorama“ um 1900
Praterkino „Kaiserpanorama“ um 1880
Kleines Kaiserpanorama in einer Aus­stel­lung 2014. In den Feldern über den Oku­la­ren erscheinen die jeweiligen Bild­be­schrei­bun­gen, darüber fixe »Platznummern«.

Als Kaiserpanorama (auch Kaiser-Panorama) bezeichnet man ein um die Wende zum 20. Jahrhundert populäres Massenmedium, das es bis zu 25 Personen gleichzeitig ermöglichte, stereoskopische Bilderserien durch ein Guckloch zu betrachten. Gezeigt wurden hauptsächlich exotische und für den Normalbürger unerschwingliche Reiseziele und Landschaften. Ein Umlauf der hinter einer zylindrischen Holzvertäfelung automatisch im Kreis transportierten Bildserien dauerte eine halbe Stunde.

Diese massenhafte kommerzielle Nutzung der Stereoskopie zu Bildungs- und Unterhaltungszwecken wurde vom deutschen Physiker und Unternehmer August Fuhrmann (1844–1925) in verschiedenen Großstädten Mitteleuropas vorangetrieben. Das erste Kaiserpanorama wurde 1880 in Breslau eröffnet und 1883 nach Berlin in die Kaiserpassage verlegt. Um 1910 gab es auf der Grundlage von Lizenzvergaben Filialen in etwa 250 Städten[1]; über 100.000 stereoskopische Bilder zirkulierten in Ringleihe. Original erhaltene Kaiserpanoramen finden sich heute in den Stadtmuseen von München und Wels, im Deutschen Historischen Museum und dem Märkischen Museum in Berlin sowie in einem Museumsdepot in Neugersdorf (Oberlausitz), wo es zuvor bis 1936 betrieben wurde. Ein Förderverein bemüht sich um ihre Propagierung, es wurden auch Nachbauten angefertigt. In Wien existierte ein originales Kaiserpanorama am Schubertring bis 1955. In Warschau wird ein Kaiserpanorama-Gerät, genannt "Fotoplastikon", betrieben, dass sich seit 1905 an seinem Ursprungsplatz in der Jerozolimskieallee 51 befindet.

Das Kaiserpanorama fand auch mehrfach ein literarisches Echo, unter anderem bei Hermann Broch (in: Die Schlafwandler) und bei Walter Benjamin (in: Berliner Kindheit um 1900 und Einbahnstraße)

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bienert, Erhard Senf: Berlin wird Metropole. Bilder aus dem Kaiser-Panorama. be.bra, Berlin 2000, ISBN 3-930863-64-2.
  • Berliner Festspiele (Hrsg.): Berlin um 1900. Das Kaiserpanorama. Bilder aus Berlin der Jahrhundertwende. Berlin 1984.
  • August Fuhrmann (Hrsg.): Goldenes Buch der Zentrale für Kaiser-Panoramen. Selbstverlag, Berlin 1909
  • Marga Burkhardt: Freiburger Kinolandschaft bis 1919 - Camera obscura und Kaiser-Panorama, in: Freiburg-Postkolonial
  • Dieter Lorenz: Das Kaiserpanorama. Ein Unternehmen des August Fuhrmann, München 2010, ISBN 978-3-934609-09-9
  • Karsten Hälbig: Das Kaiser-Panorama Celle, Filiale von Berlin, hrsg. im Hinblick auf das 700jährige Jubiläum der Stadt Celle 1992, in der Reihe Schriftenreihe des Stadtarchivs Celle und des Bomann-Museums, Heft 21, 1992, ISBN 3-925902-13-9
  • Annelen Karge: Das Kaiserpanorama. Ein dreidimensionaler Blick in die Geschichte, hrsg. von der Hansestadt Rostock, Kulturhistorisches Museum mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schwerin, Rostock: Kulturhistorisches Museum, 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaiserpanorama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Susanne Müller: Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830 – 1945. Campus-Verlag, Frankfurt a. M./ New York 2012, S. 172