Kaiserplatz (Aachen)

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Im Südosten der Innenstadt von Aachen liegt der Kaiserplatz an der Kreuzung des Alleenrings (Übergang Heinrichsallee/Wilhelmsstraße) mit dem von Osten aus der Eifel kommenden Adalbertsteinweg und dem Adalbertstift in Richtung Fußgängerzone nach Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserplatz mit dem Reiterstandbild

Keimzelle des Kaiserplatzes ist das Adalbertstift, dessen Nachfolge-Bau den Platz heute noch dominiert. Den Ursprungsbau gab Kaiser Otto III. zur Beherbergung einer Reliquie des Heiligen Adalbert (Bischof von Prag im 10. Jh.) in Auftrag. Als Standort wählte er einen sieben Meter hohen Felsen in einer sumpfigen Niederung am Rande der Stadt, gelegen an der Römerstraße nach Trier. An dieser Stelle, mit 158 Meter über Normalnull die tiefste Stelle der mittelalterlichen Stadt, flossen die Stadtbäche Johannisbach, Pau und Paunell zusammen und wurden durch ein Wassertor, den Wasserturm, in die in der Niederung fließende Wurm geleitet.[1] Beim heute noch zum Teil sichtbaren Felsen handelt es sich um gefaltete Sandsteine und Tonsteine der oberdevonischen Condroz-Formation. Ottos Nachfolger, Kaiser Heinrich der Heilige erweiterte den Bau, der 1005 geweiht wurde; damit handelt es sich bei St. Adalbert um die zweitälteste Kirche Aachens nach dem Dom.

Die großen Alleen und Stadtviertel rund um die Kirche mit reich ornamentierten Jugendstil-Häusern entstanden weitgehend erst im 19. Jahrhundert. 1879 erhielt der Platz, der zuvor Adalbertsrundplatz hieß, seinen heutigen Namen; er erhielt eine Bepflanzung sowie ein Rondell mit Brunnen. Am 18. Oktober 1911 wurde das bronzene Reiterstandbild für Kaiser Friedrich III., geschaffen von dem Berliner Bildhauer Hugo Lederer, eingeweiht.

Das kaiserliche Reichsstift war durch Napoleon aufgehoben worden. Die Adalbertkirche, eine 5-schiffige romanische Basilika, wurde durch den Kölner Architekten Heinrich Wiethase aus rotem Sandstein grundlegend erneuert. 1898 wurde die neue Kirche geweiht, die 1936 in Kontinuität ihrer Tradition wieder zur Propstei-Kirche erklärt wurde.

Dieser zweite, neoromanische Bau wurde in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1943 bei Fliegerbombenangriffen bis auf die Grundmauern zerstört. Der heutige – insgesamt also dritte – Bau stammt von 1949, der in den Jahren 1985–1997 erneut saniert werden musste. Die Innenausstattung ist vernichtet.

Auch die übrige Bausubstanz rund um St. Adalbert wurde im Zweiten Weltkrieg zu 80 % zerstört. Nur wenige der historischen Jugendstilgebäude sind erhalten. In den 50er Jahren entstanden flächendeckend Neubauten zu Wohn- und Geschäftszwecken, ein Kinopalast und eine Fußgängerunterführung. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Kaiserplatz immer mehr zum Verkehrsknotenpunkt. Durch den zunehmenden Autoverkehr auf dem Alleenring und die Aufsplitterung in einzeln anfahrbare Areale wurde der Platz immer weniger als einheitliches Ensemble wahrgenommen und verfiel trotz der an seiner Westseite etablierten Einkaufsmeile (Fußgängerzone) wegen der Lärmbelästigung im Wohnwert. Die historische Straßenbahn Aachen, die seit 1880 hier verkehrt hatte, wurde 1974 durch Buslinien ersetzt.

Mit dem 2006 beschlossenen Bauprojekt für eine Shopping Mall – das so genannte Aquis Plaza – erhofft sich die Stadt Aachen eine neue Aufwertung des Platzes und des Viertels.

Der Kaiserplatz heute: Sozialer Brennpunkt[Bearbeiten]

Im 21. Jahrhundert ist der historische Kernbereich des Platzes mit der Adalbertkirche auf dem Schieferfelsen, der als geologisches Naturdenkmal (Geotop) ausgewiesen ist, umgeben von einem Viertel, das sich heterogen in seiner Bausubstanz und in seiner sozialen Struktur darstellt.

Das Viertel ist beliebt bei Studenten und jungen Berufsanfängern auf der Suche nach günstigem Wohnraum, fußläufiger Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr (Buslinien) und zu den Einkaufsstraßen westlich des Platzes (Stiftstraße, Adalbertstraße, Beeckstraße). Es gibt eine Vielzahl kleiner Einzelhandelsläden, Cafés und Schnellrestaurants, Grillstuben und Dienstleistungsbetriebe in internationaler Hand; international ist auch die St. Adalbert-Kirchengemeinde, die insbesondere Koreaner und Spanier betreut.

Tagsüber herrscht auf dem Alleenring (Ostseite) eine hohe Verkehrsfrequenz, die neben dem Lärmpegel weitere problematische Umweltbedingungen schafft: Der ab 2010 gültige Grenzwert für Stickoxide wird gegenwärtig kontinuierlich überschritten; 2006 wurden die zulässigen Feinstaub-Höchstwerte an 20 Tagen überschritten.

Als zunehmendes soziales Problem wird von den Anwohnern die Drogenszene beklagt. Laut einer Sendung von Radio Aachen 100, eins vom 25. September 2006, die eine Befragung unter 2.750 Personen auswertete, würden 60 % der Bewohner vom Kaiserplatz wegziehen, wenn sie es sich leisten könnten. 95 % der Befragten gaben an, sich insbesondere Abends nach der Ladenschlusszeit in ihrem Viertel nicht mehr sicher zu fühlen. Sie fordern mehr Aufmerksamkeit der Stadt für den Missstand. Es gibt vor Ort eine Drogenberatungsstelle, ein Konsumraum wurde am 1. Januar 2012 geschlossen. Seit Herbst 2011 ist es verboten sich in größeren Gruppen unter dem Reiterdenkmal zu treffen.

Projekt Aquis Plaza[Bearbeiten]

Direkt am Kaiserplatz wird bis 2015 Aachens größtes Einkaufszentrum entstehen. → siehe: Aquis Plaza

Nahverkehr[Bearbeiten]

Folgende Buslinien verkehren am Kaiserplatz:

Linie Verlauf
2 Preuswald – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Eilendorf
3 A/B Ringlinie: Uniklinik – Westfriedhof – Schanz – Aachen Hauptbahnhof – Kaiserplatz – Ponttor – Westbahnhof – Campus Melaten – Uniklinik
4 (Uniklinik / Weststraße –) Hanbruch – Preusweg – Schanz – Markt – Aachen Bushof – Kaiserplatz
5 Uniklinik – Schanz – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Forst – Driescher Hof – Brand Schulzentrum – Brand
12 Campus Melaten – Hörn – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Eilendorf – Stolberg-Münsterbusch – Stolberg Mühlener Bf. (– Donnerberg)
13 A/B Ringlinie: Ponttor – Technische Hochschule – Schanz – Aachen Hauptbahnhof – Kaiserplatz – Ponttor
15 Elisenbrunnen – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Forst – Brand – Breinig (– Mausbach)
22 Campus Melaten – Hörn – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Eilendorf – Stolberg Mühlener Bf.
23 (Campus Melaten – Hörn –) Aachen Bushof – Kaiserplatz - Hüls Schulzentrum / Hüls Gewerbegebiet
25 Vaals (NL) – Schanz – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Forst – Brand – Stolberg Mühlener Bf. (– Atsch Dreieck)
35 Vaals Grenze – Schanz – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Forst – Brand – Walheim – Breinig
36 Aachen Bushof – Kaiserplatz - Burtscheid – Pascalstraße – SCHUMAG – Schleckheim Kapelle
43 Aachen Bushof – Kaiserplatz - Hüls Schulzentrum / Hüls Gewerbegebiet / Hüls Friedhof (– Debyestraße – Brand )
45 Uniklinik – Kullen – Schanz – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Forst – Driescher Hof – Brand Schulzentrum
55 Vaals Grenze – Schanz – Aachen Bushof – Kaiserplatz -Forst – Brand – Lichtenbusch
65 Elisenbrunnen – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Forst – Brand – Walheim Hasbach
66 Elisenbrunnen – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Bf. Rothe Erde  - Wahlheim  - Monschau
68 Aachen Bushof – Kaiserplatz - Bf. Rothe Erde  - Wahlheim - Roetgen - Rurberg - Einruhr
73 Bahnhof Rothe Erde - Kaiserplatz - Bushof - Ponttor - Westbahnhof - Hörn - Campus Melaten - Uniklinik
125 Schnellbus: Elisenbrunnen – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Brand – Büsbach – Stolberg Mühlener Bf.
135 Schnellbus: Elisenbrunnen – Aachen Bushof – Kaiserplatz - Brand – Walheim – Hahn
173 Schnellbus: Uniklinik – Campus Melaten – Süsterau – Bushof – Kaiserplatz - Brand

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabriele M. Knoll: DuMont Kunstreiseführer Aachen und das Dreiländereck. DuMont, Köln 1993, ISBN 3-7701-1829-4, S. 157

50.7748669444446.09562Koordinaten: 50° 46′ 30″ N, 6° 5′ 44″ O