Kaiserstuhlbahn

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Gottenheim–Riegel–Breisach
Strecke der Kaiserstuhlbahn
Kursbuchstrecke (DB): 723 (Riegel–Breisach)
724 (Gottenheim–Endingen)
Streckennummer: 9431 (Riegel–Breisach)
9432 (Gottenheim–Riegel)
Streckenlänge: 37,6 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: C2
Maximale Neigung: 8,5 
Minimaler Radius: 190 m
Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Strecke – geradeaus
von Freiburg im Breisgau
Bahnhof, Station
11,7 Gottenheim
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Breisach
Bahnhof, Station
10,6 Bötzingen
Haltepunkt, Haltestelle
9,7 Bötzingen Mühle
Bahnhof, Station
8,1 Eichstetten am Kaiserstuhl
Haltepunkt, Haltestelle
6,4 Nimburg (Baden)
Haltepunkt, Haltestelle
4,2 Bahlingen-Riedlen
Haltepunkt, Haltestelle
3,1 Bahlingen am Kaiserstuhl
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0,0 Riegel-Malterdingen
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0,3 Übergabe zur Rheintalbahn
BSicon STR.svgBSicon STR.svg
0,6 ehem. Verbindungskurve zur Rheintalbahn
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Brücke über Leopoldskanal
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Bahnhof, Station
0,0
1,7
Riegel am Kaiserstuhl Ort
Bahnhof, Station
5,5 Endingen am Kaiserstuhl
Bahnhof, Station
9,1 Königschaffhausen
Bahnhof, Station
12,2 Sasbach am Kaiserstuhl
Bahnhof, Station
14,7 Jechtingen
Haltepunkt, Haltestelle
16,7 Burkheim-Bischoffingen
Bahnhof, Station
18,6 Oberrotweil
Bahnhof, Station
22,3 Achkarren
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Gottenheim-Freiburg im Breisgau
   
25,9 Breisach
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ehem. Rheinbrücke Breisach
Staatsgrenze Frankreich/Deutschland
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von Colmar

Die Kaiserstuhlbahn ist eine nichtbundeseigene Nebenbahn, die mit den Strecken GottenheimRiegel OrtEndingen am Kaiserstuhl und Riegel-MalterdingenEndingen am KaiserstuhlBreisach den Kaiserstuhl östlich, nördlich und westlich umfährt. In Riegel-Malterdingen besteht Anschluss an die Rheintalbahn und damit in Richtung Freiburg im Breisgau und Offenburg. In Gottenheim und Breisach besteht Übergang zur bereits 1871 eröffneten Staatsbahnlinie Freiburg–Breisach (Breisacher Bahn), die am Südrand des Kaiserstuhls verläuft. Betriebsmittelpunkt ist der Bahnhof Endingen, in dem sich die Verwaltung, das Bahnbetriebswerk und Fahrzeughallen befinden.

Die Kaiserstuhlbahn ist die letzte komplett erhaltene und vollständig im Betrieb befindliche Normalspurstrecke der ehemaligen Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG). Auf der Strecke finden Personennahverkehr, Güterverkehr und auch Museumsbahnbetrieb (Rebenbummler) statt. Teilweise werden die Strecken auch im Busbetrieb befahren. Heute wird von Endingen aus als Sitz des Verkehrsbetriebes Breisgau–Kaiserstuhl der gesamte Personennahverkehr und Güterverkehr auf allen nicht elektrifizierten Eisenbahnstrecken im Großraum Freiburg betrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Streckenteile Gottenheim–Riegel am Kaiserstuhl Ort und Riegel-Malterdingen–Endingen wurden am 15. Dezember 1894 eröffnet, am 7. September 1895 folgte der restliche Abschnitt Endingen–Breisach. Erbauer war das Badische Eisenbahnkonsortium unter dem Eisenbahnunternehmer Herrmann Bachstein, das die Bahn am 8. Dezember 1897 mit Wirkung zum 1. April 1897 gemeinsam mit der Bregtalbahn sowie der Zell-Todtnauer-Eisenbahn in die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) einbrachte.

Nachdem die SEG Ende 1952 wegen der hohen Defizite aller ihrer Nebenbahnstrecken auf eine Verlängerung der Konzession verzichtet hatte, wurde die Kaiserstuhlbahn mit Wirkung zum 1. Januar 1953 vom Land Baden-Württemberg übernommen und in die Mittelbadische Eisenbahn-Gesellschaft AG (MEG) eingegliedert.

Unter der MEG begann eine Rationalisierung und Modernisierung der Strecke mit der kompletten Umstellung auf Dieselbetrieb, der Einführung des Zugleitbetriebes sowie des Ein-Mann-Betriebes für Triebwagen. Ab Mitte der 1950er Jahre entwickelte sich der Busverkehr mit hohen Zuwachsraten zum zweiten Standbein des Personenverkehrs.

Am 1. Oktober 1971 fusionierte die MEG mit der Südwestdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft AG (SWEG) mit Sitz in Lahr, die 1984 in Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft umbenannt wurde. Durch die Fusion konnte die Werkstatt der Münstertalbahn in Sulzburg aufgegeben und die Unterhaltung der Fahrzeuge nach Endingen verlegt werden. 1978 nahm der Museumsdampfzug „Rebenbummler“ seinen regelmäßigen Betrieb auf.

Der S-Bahn-Betrieb[Bearbeiten]

Gemeinsam mit anderen Unternehmen gründete die SWEG am 1. Januar 1994 den Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF). Das Konzept der Breisgau-S-Bahn sah sowohl für die Strecke Freiburg–Breisach als auch für die Kaiserstuhlbahn einen integrierten Taktverkehr mit modernen Leichtbautriebwagen vor, um die Kaiserstuhl-Region besser an Freiburg anzubinden. Zwischen Breisach und Riegel besteht allerdings kein Taktverkehr.

1995 gründete die SWEG zusammen mit der Freiburger Verkehrs AG mit jeweils 50 % Anteil das Tochterunternehmen Breisgau-S-Bahn GmbH (BSB), welches 1997 den Betrieb auf der Breisacher Bahn übernahm. Damit lag nun der gesamte Verkehr rund um den Kaiserstuhl in der Hand der SWEG. 2002 folgte die Übernahme der Elztalbahn durch die BSB. Für die Strecken der Kaiserstuhlbahn, Breisacher Bahn, Elztalbahn und Münstertalbahn wurden insgesamt 21 Nahverkehrstriebwagen vom Typ Regio-Shuttle RS 1 beschafft, die alle in Endingen stationiert sind.

Fahrzeugpark und Betrieb[Bearbeiten]

Als Erstausstattung erhielt die Kaiserstuhlbahn fünf Tenderloks Nr. 333–337 der Bauart preußische T3, 15 zweiachsige Personenwagen mit offenen Bühnen und Oberlichtdächern, 9 Güterwagen und drei Bahnmeistereiwagen. Der größte Teil der Güterwagen wurde später bei der Staatsbahn eingestellt. Alle Fahrzeuge hatten bis zur Einführung der Druckluftbremse in den 1930er Jahren Heberleinbremsen. Als bedeutender Anschließer besaß die Riegeler Brauerei in Riegel am Kaiserstuhl eine größere Anzahl eigener Bierkühlwagen für den Bierversand, die alle als Privatgüterwagen bei der Staatsbahn eingestellt waren. Der einzige noch existierende Riegeler Bierkühlwagen ist beim Museumsdampfzug Rebenbummler museal erhalten.

1927 führte die SEG den Triebwagenverkehr mit Verbrennungstriebwagen am Kaiserstuhl ein, womit die SEG zu den ersten Bahnen in Deutschland gehörte, die Verbrennungstriebwagen einsetzten. 1925 beschaffte die SEG bei Van der Zypen & Charlier eine Serie von sechs Triebwagen Nr. T1 bis T6, die fast alle wenigstens zeitweise auch am Kaiserstuhl fuhren und von denen der T24 (T4) museal erhalten blieb. Als Ersatz für den ausgebrannten T6 wurde 1935 der MAN-Triebwagen T22 geliefert. 1927 erhielt die Kaiserstuhlbahn die fabrikneuen Vierkuppler-Dampfloks Nr. 384 und 385 von Henschel, die der Henschel-Katalogtype „Essen“ entsprechen. Lok 384 dient seit 1978 als Zuglok des Museumsdampfzugs Rebenbummler[1], der komplett aus ehemaligen SEG-Fahrzeugen der Kaiserstuhlbahn und anderer SEG-Strecken besteht.

1948 wurden von der Bundesbahn drei gebrauchte Dampflokomotiven vom Typ Württembergische T 6 gekauft, die als Nr. 391, 393 und 394 mindestens bis zur Mitte des Jahrzehnts im Einsatz waren. Lok 394 gelangte 1974 als Schaustück zum Europa-Park Rust und ist erhalten. Nach dem Übergang zur MEG 1953 verschrottete man weitgehend den alte Wagenpark der Erstausstattung von 1894/95 und ersetzte ihn durch modernere bzw. modernisierte Wagen von anderen ehemaligen SEG-Bahnen aus Rheinhessen. Sämtliche Dampfloks der T3-Bauart wurden im Lauf der 1950er Jahre verschrottet. Es folgte 1956 die Anschaffung der Diesellokomotive V44.01 des Typs Krauss-Maffei ML 440 C.[2] Nach dem Kauf mehrerer fabrikneuer MAN-Schienenbusse VT23, VT25 und VT27 wurden die Altbau-Triebwagen T22 und T24 nur noch als Reserve benötigt.[3] Von 1974 bis 1985 war die auf Normalspur umgebaute ehemalige DB-Schmalspurlok 252 902 (ex V 52 902) ex Mosbach–Mudau als V 46.01 am Kaiserstuhl in Einsatz.

Der heutige Fuhrpark der Kaiserstuhlbahn umfasst fünf Regioshuttles, mehrere Triebwagen und Steuerwagen des Typs NE 81, den MAN-Schienenbus VT28 sowie die zwei 1985 für die Kaiserstuhlbahn beschafften Dieselloks V102 und 103 (D 75 B'B') von Kaelble-Gmeinder. 15 Omnibusse erweitern das Fahrzeugangebot für den Straßenverkehr.

2014 investierte die SWEG in die Renovierung des Schienennetzes.[4]

Zukunft[Bearbeiten]

Die Kooperationsvereinbarung zwischen RVG und NVBW vom 11. März 2009 beinhaltet die Elektrifizierung des S-Bahn-Netzes im Freiburger Raum bis zum Jahr 2018. Dabei sollen auch die Strecken Breisach–Riegel am Kaiserstuhl und Riegel am Kaiserstuhl Ort–Gottenheim elektrifiziert werden.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gerd Wolff, Hans-Dieter Menges: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 2: Baden. EK-Verlag, Freiburg 1992, ISBN 3-88255-653-6.
  •  Werner Müller-Rißmann, Rainer Humbach: Der Museumsdampfzug Rebenbummler. Beschreibung und Geschichte. 3. erw. und verb. Auflage. Selbstverlag Eisenbahnfreunde Breisgau e.V, Freiburg 2001, ISBN 3-98 07 900-0-2.
  •  Rainer Humbach: Kaiserstuhlbahn, in: Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland einst und jetzt. 78. Ergänzungsausgabe. GeraMond Verlag, München 2009, ISSN 0949-2143.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. rebenbummler.de: Tagebuch der Dampflok 384 des Rebenbummler-Museumszuges am Kaiserstuhl, Zugriff am 24. Januar 2010
  2. rangierdiesel.de: rangierdiesel.de – Krauss-Maffei – ML 440 C, Zugriff am 24. Januar 2010
  3. Gerhard Greß: Verkehrsknoten Freiburg und seine Umgebung in den fünfziger und sechziger Jahren. EK-Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-88255-263-8, S. 68 ff.
  4. Sasbach: Kaiserstuhlbahn: Gleisbau rund um die Uhr - badische-zeitung.de. Abgerufen am 17. März 2014.
  5. „Das große Geld für den Nahverkehr“: Beitrag in der Badischen Zeitung vom 10. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaiserstuhlbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien