Kaisten AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Kaistenf zu vermeiden.
Kaisten
Wappen von Kaisten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4169i1f3f4
Postleitzahl: 5082
UN/LOCODE: CH KAI
Koordinaten: 645717 / 26568247.5402728.04584335Koordinaten: 47° 32′ 25″ N, 8° 2′ 45″ O; CH1903: 645717 / 265682
Höhe: 335 m ü. M.
Fläche: 18.11 km²
Einwohner: 2573 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 142 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 14,6 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.kaisten.ch
Ittenthal

Ittenthal

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Kaisten (schweizerdeutsch: ˈχæiʃdə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland, im Nordosten der Region Fricktal. Flächenmässig ist Kaisten die fünftgrösste Gemeinde des Kantons. Am 1. Januar 2010 wurde das benachbarte Ittenthal eingemeindet.

Geographie[Bearbeiten]

Das Haufendorf Kaisten liegt am Nordrand des Tafeljuras am Zusammenfluss dreier Bäche, knapp zwei Kilometer südlich des Rheins. Das Dorfzentrum befindet sich dabei in einer Klus zwischen der Chinzhalde (434 m ü. M.) im Westen und dem Heuberg (558 m ü. M.) im Osten, zwei Hügeln des Tafeljuras. Südlich der Klus erstreckt sich ein über dreieinhalb Kilometer langes Tal, an dessen Ende das Dorf Ittenthal liegt. Das Tal ist auf drei Seiten von Tafeljurahügeln umgeben, vom Kaistenberg (501 m ü. M.) und dem Frickberg (650 m ü. M.) im Westen, vom Moos (622 m ü. M.) im Süden und vom Schinberg (722 m ü. M.) im Osten, wobei der Schinberg mit seinem schmalen Grat eher untypisch für die Gegend ist und mehr einem Hügel des Faltenjuras ähnelt.[4]

Im Dorfzentrum zweigt vom Haupttal aus ein zwei Kilometer langes Seitental nach Osten ab. In diesem liegt Oberkaisten, ein einstmals getrennter Weiler, der mittlerweile mit der Hauptsiedlung zusammengewachsen ist. Das Seitental wird im Osten durch den Sulzerberg (524 m ü. M.) begrenzt. Nördlich der Klus erstreckt sich zum Rhein hin das flache Kaisterfeld, dessen westlicher Teil vom Hardwald bedeckt ist.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1811 Hektaren, davon sind 807 Hektaren bewaldet und 152 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf 722 Metern auf dem Gipfel des Schinbergs, die tiefste auf 290 Metern am Rhein.

Nachbargemeinden sind Laufenburg im Osten, Hornussen und Frick im Süden, Oeschgen im Südwesten sowie Eiken und Sisseln im Westen. Kaisten grenzt im Norden an die deutschen Gemeinden Murg (Hochrhein) und Laufenburg (Baden).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um Kaisten war bereits früh besiedelt. Einzelfunde stammen aus der Bronzezeit und es wurde ein Grabhügel der Hallstattzeit entdeckt. 1967 kamen bei Bauarbeiten ein römischer Ziegelbrennofen sowie Ziegelstempel der Legio XXI Rapax und der Legio XI Claudia zum Vorschein. Zwischen 259 und 277 hielten die Alamannen das Gebiet südlich des Rheins besetzt, bis sie von den Römern zurückgedrängt wurden. Der Rhein bildete die Nordgrenze des Römischen Reichs, am Flussufer entstand ein Wachtturm.[5] Um 400 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück. Bald darauf besiedelten die Alamannen die Region.

Die erste urkundliche Erwähnung von Keiston erfolgte im Jahr 1282. Der Ortsname stammt vom spätlateinischen (praedium) Cagistinacum, was «dem Cagistinus gehörendes Landgut» bedeutet. Daraus entwickelte sich das althochdeutsche Chegistinacha und durch Lautverschiebung sowie Weglassen des Suffixes der heutige Ortsname.[3] Grösster Grundbesitzer war der adlige Damenstift Säckingen. Die Landesherrschaft lag bis 1386 bei den Grafen von Habsburg-Laufenburg und ging dann an die ältere Linie der Habsburger über. Diese verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Kaisten 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Kaisten zu Vorderösterreich und war Teil der Kameralherrschaft Laufenburg im Oberamt Breisgau. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Kaisten eine Gemeinde im Distrikt Laufenburg des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss; damit war Kaisten schweizerisch geworden. Seit dem 19. März 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit spielte die Eisenverhüttung eine wichtige Rolle, bis ins 20. Jahrhundert auch die Ziegelei. Der einst bedeutende Weinbau kam um 1880 wegen der Reblaus-Epidemie vollständig zum Erliegen. In der Folge nahm die Bevölkerungszahl ab und begann erst ab 1900 wieder zu steigen, wenn auch sehr langsam. Ab Mitte der 1960er entwickelte sich Kaisten von einem Bauern- zu einem Industriedorf, als die chemische Industrie aus Basel im Kaisterfeld grosse Produktionsanlagen errichtete. Die Bevölkerungszahl hat sich seither fast verdoppelt.

Seit dem 2. September 2001 ist Kaisten mit dem namensgleichen Kaisten im Unterfränkischen freundschaftlich verbunden.[6]

Am 1. Januar 2010 wurde das benachbarte Ittenthal eingemeindet. Nachdem im November 2008 die Gemeindeversammlungen einen entsprechenden Beschluss gefasst hatten, wurde dieser Entscheid am 8. Februar 2009 an der Urne bestätigt. In Kaisten sprachen sich 589 Stimmberechtigte für die Fusion aus, 271 dagegen.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb rotes Rebblatt mit Stiel und Zweig.» Auf dem Gemeindesiegel von 1811 ist noch ein Lindenblatt abgebildet. Da dieses jedoch ein Symbol für das gesamte Fricktal ist, wechselte die Gemeinde 1872 zum Rebblatt. Mit der Zeit wurde aus dem einzelnen Blatt ein ganzer Rebstock, wodurch das Wappen immer mehr demjenigen von Zeiningen gleich. 1960 erklärte die Gemeindeversammlung das einzelne Rebblatt als verbindlich.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung (ohne Ittenthal):[9]

Jahr 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 875 1189 994 1031 1160 1177 1338 1634 1666 2054 2559

Die folgenden Angaben beziehen sich jeweils auf die Summe der Gemeinden Kaisten und Ittenthal.

Am 31. Dezember 2013 lebten 2573 Menschen in Kaisten, der Ausländeranteil betrug 14,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 63,3 % römisch-katholisch, 17,8 % reformiert und 3,9 % muslimisch; 3,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 93,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,4 % Albanisch, 1,3 % Italienisch, je 0,6 % Französisch und Englisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Kaisten gehört zum Friedensrichterkreis Laufenburg.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Kaisten gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 850 Arbeitsplätze, davon 12 % in der Landwirtschaft, 59 % in der Industrie und 29 % im Dienstleistungssektor.[12] Die BASF besitzt hier ein Werk für die Produktion von Antioxidations- und Lichtschutzmitteln. Im internationalen Stromverbund spielt Kaisten eine bedeutende Rolle; auf dem Gemeindegebiet befindet sich seit 1957 ein von der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg betriebenes Umspannwerk, in dem nicht weniger als zehn Hochspannungsleitungen zusammentreffen. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten vor allem in den grösseren Gemeinden der Umgebung, teilweise auch in der Agglomeration Basel.

Verkehr[Bearbeiten]

Kaisten ist verkehrsmässig recht gut erschlossen. Knapp einen Kilometer nördlich des Dorfes verläuft dem Rhein entlang die Hauptstrasse 7 zwischen Basel und Winterthur. Durch das Dorf selbst verläuft die Kantonsstrasse von Laufenburg nach Frick. Ittenthal wird durch eine Stichstrasse erschlossen. Die Anschlüsse Eiken und Frick der Autobahn A3 sind je fünf Kilometer entfernt. Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch drei Postautolinien, die vom Bahnhof Laufenburg aus nach Aarau, Ittenthal und Stein-Säckingen führen.

Bildung[Bearbeiten]

Kaisten verfügt über zwei Kindergärten und ein Schulzentrum, in dem die Primarschule, die Sekundarschule und die Realschule unterrichtet werden. Ittenthal besitzt ein weiteres Primarschulhaus. Die Bezirksschule kann in Laufenburg besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau; aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium auch in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Michael[Bearbeiten]

Die Römisch-Katholische Kirche steht etwas über das Dorf erhöht am Fusse des Fasnachtsberges. Die heutige Pfarrkirche St. Michael stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts (der Turm trägt die Jahreszahl 1716), ein Vorgängerbau wurde 1443 erstmals urkundlich erwähnt. Im Innern befinden sich eine spätbarocke Kanzel, die Kreuzigungsgruppe, die Strahlenmadonna sowie Skulpturen in den Nischen der Seitenaltäre.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaisten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 218–221.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1049 und 1069, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 176.
  6. Partnerschaftsurkunde Kaisten-Kaisten (PDF; 1,4 MB)
  7. Aargauer Zeitung: Von nun an gemeinsam durchs Gemeindeleben. 8. Februar 2009.
  8.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen Kanton Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 188.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.