Kalahari

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Dieser Artikel erklärt die Wüste Kalahari; der nach ihr benannte Asteroid wird unter Kalahari (Asteroid) beschrieben.
Kalahari in Namibia
Satellitenaufnahme des Südlichen Afrika: die Kalahari in der Bildmitte, jeweils etwa ein Drittel der Bildhöhe und -breite; gut zu erkennen sind Okavangodelta und Makgadikgadi-Salzpfannen in der oberen Bildhälfte
Die Kalahari (rot) und das Kalahari-Becken (orange)

Die Kalahari (auch Kgalagadi) ist eine Dornbuschsavanne, teilweise auch Trockensavanne, wird aber gelegentlich wegen des vorherrschenden Sandes als Wüste bezeichnet.[1][2] Sie erstreckt sich nördlich und südlich des Wendekreises des Steinbocks von der südafrikanischen Provinz Nordkap durch Namibia und Botswana hindurch bis nach Angola und Sambia hinein über eine Fläche von über einer Million Quadratkilometern. Sie ist Teil des etwa doppelt so großen Kalahari-Beckens.

Herkunft des Namens[Bearbeiten]

Die Herkunft des Namens ist noch unklar. Eine Deutung besagt, dass Kalahari eine Falschschreibung der Kolonialherren für das Setswana-Wort Kgalagadi (von kgala für „Abstand“ und gadi für „groß, weit“) sei.[3]

Gelegentlich wird „Kalahari“ für eine Verfälschung des Khoikhoi-Wortes karri (hart) gehalten, das William John Burchell als Karriharri und Robert Jacob Gordon als Macarigari schrieben. Robert Moffat und Forbes glaubten dagegen, dass sie nach einem Stamm namens Kgalagad, Kgalagadi oder Makgalagadi benannt ist. Moffat behauptete auch, der Stamm lebe in der Khalagari oder Kalagare, was „trocken“ oder „wasserloser Platz“ bedeutet.[4]

Geographie[Bearbeiten]

Kubu Island in den Salzpfannen im Osten

Der größte Teil der Kalahari liegt in Botswana und Namibia. Südwestlich liegt die Namib-Wüste, die deutlich arider als die Kalahari ist. Die Kalahari liegt überwiegend auf 800 bis 1200 Meter über dem Meeresspiegel. Einziger ganzjährig wasserführender Fluss ist der Okavango. Er entspringt in Angola und fächert sich in der Kalahari in das Okavangobecken auf, um dort zu versickern. In der Kalahari liegen große Salzpfannen, darunter im Osten die Makgadikgadi-Salzpfannen.[1]

Große Teile der Kalahari sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen, etwa der Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark im Grenzgebiet von Südafrika und Namibia, das Central Kalahari Game Reserve und im Nordwesten Botswanas das Okavango-Flussdelta. Seit Ende der 1990er Jahre wird die Kalahari durch den Trans Kalahari Highway erschlossen. Diese gut ausgebaute Straße ist ein wichtiges Teilstück des vom Indischen Ozean in Mosambik bis zum Atlantik in Namibia führenden Transportwegs.

Geologie[Bearbeiten]

Der ausgedehnteste Teil der Kalahari – die „Zentral-Kalahari“ – befindet sich in Botswana und reicht hier mit seinen westlichen Ausläufern nach Namibia hinein. Die Kalahari liegt im zentralen Bereich des Kalahari-Beckens (englisch: Kalahari Basin), einem Sedimentbecken, das sich zwischen dem Oranje bis nach Angola, im Westen von Namibia in Richtung Osten bis nach Simbabwe erstreckt. Im Norden reicht das Becken bis zur Demokratischen Republik Kongo.[1]

In der Kalahari herrschen Sandböden (Arenosole) vor, die im Süden und Westen rot sind, im Norden und Osten gelb bis grau. Die Mächtigkeit der Sandböden beträgt bis zu 200 Meter. Die Sandvorkommen reichen bis in das zentrale Kongobecken hinein. Sie bedecken auf dem Territorium mehrerer Staaten eine Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern. Der Schichtenaufbau wird als Kalahari-System (englisch auch Kalahari Sands) bezeichnet. Es existieren Lockersedimente aus äolischen und lakustrischen Entstehungsprozessen.[5]

Die Sandmengen entstanden durch Erosion von Sandsteinen der Kalahari Group und Karoo Supergroup.

Erst in der jüngsten Erdgeschichte, vor etwa 10.000 bis 20.000 Jahren, wurden die Dünen durch Pflanzenwuchs stabilisiert, so dass heute eine Trockensavanne die Landschaft prägt. Die Mehrheit der Dünen wandern also nicht wie etwa in der Namib-Wüste. Es herrschen Gräser, Dornensträucher und Akazienbäume vor, die die langen Trockenperioden von rund zehn Monaten im Jahr überstehen können. Im südwestlichen Areal der Kalahari gibt es äolisch bewegte Dünen.[6]

Unter der Erdoberfläche befinden sich zahlreiche, teils großflächige Süßwasservorkommen. Sie dienen als Trinkwasserspeicher; es besteht aber die Gefahr des Versalzens durch Kontakt mit Salzschichten.[1]

Klima[Bearbeiten]

Niederschläge[Bearbeiten]

Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt im Süden und Westen rund 150-250 mm, während sie im Norden und Osten bis über 500 mm ansteigt, so dass das Klima dort sub-humid ist. Die Kalahari liegt bis auf dieses Gebiet in einer kontinentalen ariden Klimazone. Sie ist gekennzeichnet durch lange Trockenperioden mit unregelmäßigen Sommerregenfällen zwischen Dezember und Februar, hohe, meist über 30 °C liegende Tagestemperaturen und bis unter 0 °C reichende Nachttemperaturen – vor allem im Winter. Die Trockenheit beruht auf der Lage zwischen dem 20. und 30. südlichen Breitengrad. Genauso wie im gleichen nördlichen Bereich werden die Luftmassen gezwungen, vom Urpassat kommend abzusteigen. Dieses bewirkt eine zunehmende Erwärmung der Luftmassen, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit abnimmt und es zu trockenen, wolkenarmen Klimaverhältnissen kommt. Die mittleren Temperaturen liegen aufgrund der höheren Lage unter denen der Sahara.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Das Okavangodelta ist wegen seines Wasser- und Tierreichtums sowie seiner Vegetation ein untypischer Teil der Kalahari. Je nach Jahreszeit und Wasserstand finden sich hier große Tierherden vieler im südlichen Afrika vorkommenden Arten ein.

Siehe auch: Okavangobecken

Der größte Teil der Kalahari wird von speziellen Dünen- und Wüstengräsern bestimmt, aber auch von hochwachsenden Akazien, die mit ihren langen Wurzeln an die zwar tiefliegenden, aber reichlich vorhandenen Wasseradern gelangen. Nach Regenfällen nimmt die Vegetation stark zu.

Siedlungen[Bearbeiten]

Die Kalahari ist das Rückzugs- und heutige Hauptsiedlungsgebiet der San. Dieses Volk gilt – zusammen mit den Khoikhoi – als das erste Siedlungsvolk in dieser Region und war bis zum 16. Jahrhundert in allen Ländern des südlichen Afrika beheimatet. Im Rahmen der afrikanischen Völkerwanderung drängten jedoch Bantuvölker in die Gebiete der San. Die Überlebenden wurden assimiliert oder flüchteten in die lebensfeindliche Kalahari und lernten, sich an deren schwierige Lebensbedingungen anzupassen. Die San sind in Familien organisiert und leben als nomadische Jäger und Sammler von dem reichen Wildbestand der Kalahari und den hier vorkommenden Früchten und Wurzeln. Wasser beziehen sie aus wasserspeichernden Pflanzen und durch das Sammeln von Tau. Die durstlöschende, nach Gurke und Melone schmeckende Frucht Horngurke (Cucumis metuliferus) ist eine weitere Nahrungsmöglichkeit.

Die San kennen traditionell kein Privateigentum; dies und die jahrhundertelange Abgeschiedenheit vom Rest der Welt machen es vielen San sehr schwer, Anschluss an die materialistisch bestimmte Neuzeit zu finden. Die von der botswanischen Regierung zum Schutz der Central Kalahari Game Reserve vorgenommenen Umsiedlungs- und Sesshaftmachungsversuche sind am Widerstand vieler San weitgehend gescheitert.

In der Kalahari gibt es keine größeren Ortschaften. Die Ortschaften Maun, Ghanzi und Kang in Botswana zählen jeweils einige tausend Einwohner.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Am Rand der Kalahari werden Schafe und Rinder gehalten.[7] Im Okavangobecken herrscht Tourismus vor. In Salzseen wird „Kalahari-Salz“ gefördert, das als hochpreisiges Salz nach Nordamerika und Europa exportiert wird.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kalahari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Die Kalahari – Wüste oder Savanne? Allgemeine Zeitung vom 28. Februar 2013, abgerufen am 1. August 2014
  2. Porträt bei zoodirektoren.de, abgerufen am 1. August 2014
  3. zur Bedeutung südafrikanischer Gemeindenamen
  4. Kalahari von Mary Sadler-Altena (englisch)
  5. R[ené]. A[rthur]. Pelletier: Mineral Resources of South-Central Africa. Oxford University Press, Cape Town etc. 1964, S. 7
  6. Ian Gerald Haddon: The Sub-Kalahari Geology and Tectonic Evolution of the Kalahari Basin, Southern Africa. Dissertationsschrift an der Faculty of Science, University of the Witwatersrand, Johannesburg 2005, S. 101–106 (englisch)
  7. Philip’s College Atlas for Southern Africa. George Philip & Son, London 1976, ISBN 0-540-05320-1, S. 12.
  8. Eintrag bei lebensmittellexikon.de, abgerufen am 1. August 2014

-2323Koordinaten: 23° 0′ 0″ S, 23° 0′ 0″ O