Kalenderreform

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Als Kalenderreform wird die Änderung der Einteilung und Zählung von Zeiträumen bezeichnet. Viele Kalender-Reformen entstanden aus dem gesellschaftlichen Bedürfnis nach höherer Genauigkeit bei der Planung der Aussaat in der Landwirtschaft. Daneben finden sich aber auch rein politisch oder religiös motivierte Kalenderreformen.

Die wichtigsten Reformen der ersten Art sind die Kalenderreform des Julius Caesar 46 v. Chr., deren Schaltregel allerdings erst im Jahre 8 unserer Zeitrechnung von Augustus durchgesetzt wurde, und die Zurecht-Rückung des Kalenders mit einer Korrektur der Schaltjahr-Vorschriften durch den gregorianischen Kalender im Jahre 1582. Die Einführung der christlichen Jahreszählung (im Jahre 525 durch Dionysius Exiguus) gilt dagegen nicht als Kalenderreform im engeren Sinne.

Kalender-Korrektur durch Augustus[Bearbeiten]

Während die Einführung des Julianischen Kalenders die Lage der Jahreszeiten im Kalender festlegte, wurde die die Fein-Justierung betreffende richtige Anwendung der Schaltregel erst von Augustus durchgesetzt. Die durch falsche Anwendung der Julianischen Schalttags-Vorschriften („quarto quoque anno“) in der Zeit nach dem Tode Cäsars erfolgte Verschiebung des Kalenders gegenüber den astronomischen Wendemarken des Umlaufs der Erde um die Sonne (Solstitien und Äquinoktien) wurde durch Augustus im Jahre 8 korrigiert. Die Priesterschaft hatte bis dahin bei der Anwendung der Schaltregel „jedes vierte Jahr“ – entsprechend der damals üblichen römischen Zählweise das Ausgangsjahr jeweils mitgezählt ("Inklusiv-Zählung"), so dass im Ergebnis (nach heutiger "Exklusiv-Zählung") schon in jedem dritten Jahr ein Schalttag eingefügt worden war.

Eine Kalenderreform im engeren Sinne hat es daher durch Augustus nicht gegeben. Die weitverbreitete Legende von einer aus Eitelkeit durchgeführten Verlängerung des Monats "augustus" nach dessen entsprechender Umbenennung und weiteren Veränderungen von Monatslängen wurde erst im 13. Jahrhundert von Johannes de Sacrobosco erfunden.[1] Tatsächlich hatten schon im Jahre 45 v. Chr. die Monate ianuarius, martius, maius, quintilis, sextilis, octobris und decembris jeweils 31 Tage.

Gregorianische Kalenderreform[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gregorianischer Kalender

Die nach Papst Gregor XIII. benannte Gregorianische Kalenderreform im Jahre 1582 bewirkte im Wesentlichen, dass das kalendarische Tages-Datum „21. März“ wieder in unmittelbare Nähe zu dem astronomischen Ereignis des Primaräquinoktiums (Frühlings-Tagnachtgleiche der nördlichen Erdhalbkugel) gebracht wurde. Infolge der schematischen Anwendung der Schalttags-Vorschriften der Julianischen Kalenderreform nach der augustëischen Korrektur hatte sich der Kalender und mit ihm das Tagesdatum „21. März“ im Laufe der Jahrhunderte derart verschoben, dass dieses im Jahre 1582 erst zehn Tage nach dem Eintritt des astronomischen Ereignisses „Primar-Äquinoktium“ erschien. Die Wiederherstellung der während des Konzils zu Nicäa im Jahre 325 bestehenden astronomisch-kalendarischen Verhältnisse im Jahre 1583 wurde im Rahmen der päpstlichen Bulle Inter gravissimas dadurch bewirkt, dass im Jahre 1582 in der Tageszählung des Kalenders die zwischen dem 4. Oktober und dem 15. Oktober liegenden Zähltage ausgelassen wurden. Im Kalender des Jahres 1582 folgte also auf den 4. Oktober der 15. Oktober. Im Folgejahr zeigte dann ein Blick auf den Tageskalender am Tage des astronomischen Ereignisses „Primar-Äquinoktium“ – wie im Jahre 325 – wieder den 21. März. Um eine erneute Weg-Verrückung des Kalender-Datums vom Tage des Primar-Äquinoktiums zu vermeiden, bestimmten die Reform-Vorschriften schließlich, dass diejenigen Säkularjahre (Jahre, deren Zahl ein Vielfaches von 100 ist) ausnahmsweise dann keine Schalttage enthalten, wenn ihre Zahl dividiert durch 400 keine natürliche Zahl ergibt. Letzteres war der Fall in den Jahren 1700, 1800 und 1900.

Unterschiedliche Übernahme der Gregorianischen Reform[Bearbeiten]

In reformierten und protestantischen Gegenden fand die Anpassung des Kalenders später statt.[2] Diese Regionen waren nicht „papstgläubig“ und lehnten daher damals diese päpstliche Reform ab. Für das Jahr 1700 war aufgrund der verschiedenen Schaltjahrregelungen ein weiterer Tag Differenz zu befürchten. Daraufhin einigten sich 1699 die protestantischen deutschen Territorien auf dem Reichstag in Regensburg und führten einen Verbesserten Kalender ein, der nur unwesentlich vom katholischen abwich.[3] In den weiteren europäischen Ländern, die noch den julianischen Kalender hatten, erfolgte die Umstellung zu unterschiedlichen Zeitpunkten. So stellten die damals ziemlich souveränen Bündner Gemeinden Schiers und Grüsch als letzte im westlichen Europa erst 1812 um.

Wichtig ist das Beachten dieser unterschiedlichen Zeitpunkte der Umstellung beim Auswerten historischer Texte.

In Osteuropa hatte aus ähnlichen Gründen auch die Orthodoxe Kirche die Reform abgelehnt. In Russland und den weiteren GUS-Staaten richtet sich das öffentliche säkulare Leben seit der Oktoberrevolution nach dem Gregorianischen Kalender (Umstellung am 14. Februar 1918). Aber die kirchlichen Feiertage und anderen Daten werden weiterhin nach dem Julianischen Kalender berechnet. Ähnlich ist es auch in weiteren mittel- und osteuropäischen Staaten mit orthodoxer Tradition.

Republikanischer Kalender nach der Französischen Revolution[Bearbeiten]

Der französische Revolutionskalender stellte einen Kalender dar, der bewusst mit der christlichen Tradition brechen und einen auf rationalen Prinzipien basierenden und international akzeptablen Kalender einführen wollte. Dieser entsprach in seiner Struktur im Wesentlichen dem alten ägyptischen Kalender, dessen zwölf Monate ebenfalls sämtlich jeweils drei Dekaden (eine Dekade = zehn Tage) umfasste und der am Ende von Gemeinjahren fünf, am Ende von Schaltjahren jedoch sechs Einzeltage (französisch Sansculottiden und griechisch Epagomenen) aufwies.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Roscoe Lamont: The Roman calendar and its reformation by Julius Caesar, Popular Astronomy 27 (1919) 583–595. Sacroboscos Theorie wird auf den Seiten 585–587 diskutiert.
  2. Siehe z.B. Egon Boshof, Kurt Düwell, Hans Kloft: Grundlagen des Studiums der Geschichte. Eine Einführung. Böhlau, Köln u.a. 1997 (5.Aufl.), S.272f.
  3. Peter Aufgebauer: Zwischen Astronomie und Politik. Gottfried Wilhelm Leibniz und der 'Verbesserte Kalender' der deutschen Protestanten, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 81 (2009) 385-404.