Kali-Salzkraut

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Kali-Salzkraut
Kali-Salzkraut (Kali turgida)

Kali-Salzkraut (Kali turgida)

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Salsoloideae
Tribus: Salsoleae
Gattung: Kali
Art: Kali-Salzkraut
Wissenschaftlicher Name
Kali turgida
(Dumort.) Gutermann

Das Kali-Salzkraut (Kali turgida), auch als Kalikraut oder Strand-Salzkraut bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie Salsoloideae in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Aufgrund seines hohen Anteils an Alkalisalzen diente es früher zur Herstellung von Pottasche und Waschsoda.

Beschreibung[Bearbeiten]

Zweig mit Blüten und Früchten
Illustration aus: Karl Axel Magnus Lindman: Bilder ur Nordens Flora

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Das Kali-Salzkraut wächst als einjährige, sommerannuelle krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 15 bis 60 Zentimeter erreicht. Der meist niederliegende, bisweilen aufrecht wachsende fleischige Stängel ist graugrün bis rötlich, kahl oder kurz borstig behaart und vom Grund an ausgebreitet locker ästig bis buschig verzweigt.

Blätter[Bearbeiten]

Die sitzenden Laubblätter sind im unteren Stängelbereich gegenständig, im oberen Stängelabschnitt wechselständig angeordnet. Die fleischig verdickte, an der Basis verbreiterte Blattspreite ist borstig behaart. Die einfache Blattspreite besitzt eine Länge von 1 bis 2 Zentimeter und eine Breite zwischen 1 und 2 Millimeter. Die Form variiert von linealisch bis pfriemförmig. Die durchscheinende Blattspitze ist deutlich stachelspitzig gestaltet. Der transparente Blattrand ist ganzrandig.

Blütenstand, Blüte und Frucht[Bearbeiten]

Jeweils ein bis drei Blüten sitzen in der Achsel eines stachelspitzigen Tragblatts über zwei langen und dornig zugespitzten Vorblättern. Die Vorblätter sind mit der Blütenhülle verwachsen.

Die zwittrigen Blüten sind unscheinbar grünlich (selten rötlich). Die einfache Blütenhülle besteht aus einem Kreis von fünf ungleich breiten, spitz-eiförmigen Tepalen, die an ihrem Rücken einen Querkiel aufweisen. Es sind fünf vor den Tepalen stehende Staubblätter vorhanden. Der oberständige Fruchtknoten trägt zwei fadenförmige Narben.[1] Das Kali-Salzkraut blüht von Juli bis September.

Die Früchte, Nussfrüchte, bleiben von der Blütenhülle umschlossen. Aus dem Querkiel der Perigonzipfel wachsen kurze, derbe fast undurchsichtige Flügel ohne deutlich sichtbare Nerven. Durch die kräftige austretende, nach oben dornig zugespitzte Mittelrippe[1] neigen sich die derben Tepalenzipfel starr aufrecht über der Frucht zusammen.

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.[2]

Ökologie[Bearbeiten]

Das Kali-Salzkraut folgt dem C4-Weg der Photosynthese.[3]

Nach Kugler[4] entsprechen die Blüten des Kali-Salzkrauts den Windblütigen vom Unbeweglichen Typ. Charakteristisch hierfür gelten festsitzende, unbewegliche Blüten sowie steife Staubfäden.[3]

Das Kali-Salzkraut bietet keinen Nektar an. Die Bestäubung erfolgt über den Wind (Anemogamie), aber oft auch durch Selbstbestäubung und durch Insekten. Zu den typischen Bestäubern zählen kurzrüsselige Bienen, Syrphiden, Käfer, Fliegen.[2][5]

Ausbreitungseinheiten sind die von der Blütenhülle fest umgebenen und gekrönten Nüsse. Es können bis zu 250000 Früchte pro Pflanze gebildet werden. Die Pflanzen brechen im Herbst an einer bodennahen Sollbruchstelle ab und werden mitsamt den Früchten von starken Winden als „Bodenläufer“ und „Steppenroller“ über den Boden gerollt. Aus Amerika ist bekannt, dass auf diese Weise Gebilde entstehen, die die Größe eines Kleinwagens erreichen können. Im Laufe der Zeit fallen die Früchte heraus. Dazu verbreiten sich die Früchte als Tritthafter und Klebhafter und durch den Wind als Flügelflieger sowie als Wasserhafter; auch eine Ausbreitung durch den Menschen findet statt. Die Früchte sind Wärmekeimer.[3]

Giftigkeit[Bearbeiten]

Alle Pflanzenteile sind giftig. Hauptwirkstoffe sind die Tertrahydroisochinolin-Alkaloide Salsolin und Salsolidin, die als racemisches Gemisch vorliegen. Weiterhin findet man Oxalsäure und Natriumoxalat.[6]

Salsolin ähnelt in der Wirkung auf die Gefäße dem Papaverin, in seiner Wirkung auf die glatte Muskulatur des Uterus dem Hydrastinin. Nach Krylov et al. wirken Salsolin und besonders Salsolodin gefäßerweiternd. Bei höheren Dosen kommt es zu einer starken Abnahme des Blutdrucks. Beide Wirkstoffe regen die Atmung an, aber bei höheren Dosen treten nach 10 bis 15 Minuten Herzrhythmusstörungen auf.[6]

Vorkommen[Bearbeiten]

Kali-Salzkraut auf der Helgoländer Düne

Das Kali-Salzkraut kommt in Europa natürlich an den Küsten von Ostsee, Nordsee und Atlantik vor, so in Nordeuropa in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen, in Mitteleuropa in Deutschland und den Niederlanden, in Osteuropa in Polen, den Baltischen Staaten und Russland, in West- und Südeuropa in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien.[7]

Das Kali-Salzkraut gedeiht an salzigen, sandigen Küstenstandorten, zum Beispiel in Spülsaumgesellschaften und auf Dünen. Bei Funden im Mittelmeerraum und im Binnenland handelt es sich dagegen meist um Ruthenisches Salzkraut (Kali tragus), das auch an nicht salzbeeinflussten Standorten konkurrenzfähig ist. Angaben neophytischer Vorkommen in Nordamerika werden nicht durch Herbarbelege gestützt.[8]

In Deutschland ist das Kali-Salzkraut bundesweit ungefährdet. In Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gilt es aber als gefährdet (Rote Liste gefährdeter Arten 3).[5]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Salsola kali durch Carl von Linné in Species Plantarum.[9] Unter diesem Namen gehörte diese Art lange Zeit zur Gattung der Salsola L. s. l.

Nachdem Salsola, anhand neuerer molekulargenetisch gestützter Untersuchungen der Tribus Salsoleae s. l., aufgeteilt wurde, wurde diese Art in die Gattung Kali Mill. (Syn.: Salsola sect. Kali Dum.) gestellt.[10] Der gültige Name des Kali-Salzkrautes in dieser Gattung ist Kali turgida (Dumort.) Guterm. (Basionym: Salsola turgida Dumort., Fl. Belgica 23, 1827), weil der zunächst verwendete Name Kali soda Moench aufgrund des älteren, prioritätsberechtigten Homonyms Kali soda Scop., das ein Synonym von Salsola soda ist, ungültig ist.[11] Die Gattung Kali gehört heute in die Tribus Salsoleae s. str.[10]

Das Kali-Salzkraut bildet zusammen mit Kali tragus und anderen eng verwandten Arten das Kali tragus-Aggregat (Salsola kali-Aggregat).[7] Von einigen Autoren wurden diese Sippen auch als Unterarten von Salsola kali aufgefasst, daher entspricht Kali turgida nur der Unterart Salsola kali subsp. kali. In der Gattung Kali wechselt die Namenspriorität auf den Namen Kali tragus, dem Kali turgida als Unterart zuzuordnen wäre.[11]

Verwendung[Bearbeiten]

Das Kali-Salzkraut enthält einen hohen Anteil von Alkalisalzen aus Natrium und Kalium. Früher wurden aus Pflanzenteilen Pottasche und Waschsoda gewonnen. Dazu wurde die Pflanze geerntet, getrocknet und verbrannt. Die dabei austropfende Salzlauge wurde in einer Grube aufgefangen und zur Herstellung von Seife und Glas benutzt.

Junge Blätter können gepflückt und als Salat oder Gemüse verwendet werden.

Frischer Presssaft aus dem Kali-Salzkraut galt früher in der Volksheilkunde als harntreibendes Mittel.

Nachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4, S. 96. (Abschnitt Beschreibung).
  • Klaus Becker, Stefan John: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa. Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-4134-5 (Abschnitt Verwendung).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. 2. Gefäßpflanzen: Grundband. 18. Aufl., Spektrum, Heidelberg u. a. 2002, ISBN 3-8274-1359-1, S. 177ff.
  2. a b Eintrag bei BiolFlor
  3. a b c  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1, S. 691–692.
  4. Hans Kugler: Blütenökologie. 2., völlig neu bearb. u. erw. Aufl., Gustav Fischer, Stuttgart 1970, XI + 345 S. (zitiert nach Düll & Kutzelnigg 2011).
  5. a b Kali-Salzkraut. In: FloraWeb.de.
  6. a b  Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Giftpflanzen von A-Z. Notfallhilfe. Vorkommen. Wirkung. Therapie. Allergische und phototoxische Reaktionen. 4. Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-933203-31-7 (Nachdruck von 1994).
  7. a b Pertti Uotila, 2011: Chenopodiaceae (pro parte majore): Salsola kali – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  8. Sabrina Rilke: Revision der Sektion Salsola s.l. der Gattung Salsola (Chenopodiaceae). In: Bibliotheca Botanica. Band 149, 1999, ISBN 978-3-510-48020-3 (Zusammenfassung online).
  9. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 222 Digitalisat
  10. a b Hossein Akhani, Gerald Edwards, Eric H. Roalson: Diversification Of The Old World Salsoleae s.l. (Chenopodiaceae): Molecular Phylogenetic Analysis Of Nuclear And Chloroplast Data Sets And A Revised Classification. In: International Journal of Plant Sciences. Band 168, Nr. 6, 2007, S. 931–956, PDF-Datei.
  11. a b Walter Gutermann: Notulae nomenclaturales 41–45. Neue Namen bei Cruciata und Kali sowie einige kleinere Korrekturen. In: Phyton (Horn). Band 51, Nr. 1, 2011, S. 98.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kali-Salzkraut (Kali turgida) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien