Kaliwerk Thiederhall

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Gewerkschaft Thiederhall
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Thiederhall 2 Verwaltung.JPG
Andere Namen Alkaliwerke Ronnenberg III, Zweigniederlassung Thiede
Abbautechnik Tiefbau / Solung
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft Alkaliwerke Ronnenberg AG
Beschäftigte 680
Betriebsbeginn 1872
Betriebsende 1924
Nachfolgenutzung Untertagedeponie
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Kalisalz, Steinsalz
Größte Tiefe 625 m
Geographische Lage
Koordinaten 52° 10′ 31″ N, 10° 29′ 33″ O52.17535510.492519Koordinaten: 52° 10′ 31″ N, 10° 29′ 33″ O
Gewerkschaft Thiederhall (Niedersachsen)
Gewerkschaft Thiederhall
Lage Gewerkschaft Thiederhall
Standort Kalischachtweg, 38239 Salzgitter
Gemeinde Salzgitter
Kreisfreie Stadt (NUTS3) Salzgitter
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Revier Peine-Salzgitter-Revier, Nordhannoverscher Kali-Bezirk

p0p2

Das Kaliwerk Thiederhall war ein Bergbauunternehmen auf Kalisalze im heutigen Salzgitterer Stadtteil Thiede-Steterburg.

Geologie[Bearbeiten]

Der Thieder Salzstock entstand im Zechstein und gehört zum Staßfurtlager. Seine Hauptminerale sind Carnallitit und Hartsalz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Erkundung (1872–1885)[Bearbeiten]

Im Jahre 1872, beflügelt durch den Aufschwung der Gründerzeit, wurden durch die Bohrgesellschaft Thiederhall südlich von Thiede 16 Untersuchungsbohrungen niedergebracht, durch die in nur 100 m Teufe ein abbauwürdiges Kalilager nachgewiesen werden konnte. Der Bohransatzpunkt wurde aufgrund des seit dem 18. Jahrhunderts umgehenden Gipsabbaus im Röverschen Bruch52.1874710.488437 gewählt, da man in dem Gipsvorkommen den Gipshut eines Salzstockes vermutete. Die Bohrgesellschaft Thiederhall mutete daraufhin zunächst ein 180 Hektar großes Grubenfeld und in der Folge bis 1880 weitere Felder mit insgesamt 1100 Hektar Fläche („sechs Maximalfelder“) sowie ein 180 Hektar großes Solmutungsfeld in den Gemarkungen Thiede, Fümmelse und Groß-Stöckheim.[2] Zu weitergehenden Aktivitäten kam es jedoch bis 1885 nicht.

Betriebsjahre (1885–1924)[Bearbeiten]

Im Jahr 1885 wurde die Bohrgesellschaft Thiederhall in die Gewerkschaft Thiederhall umgewandelt und mit dem Teufen des ersten Schachtes (später Thiederhall I52.17889710.489195) begonnen. Der Schacht wurde als Rundschacht mit 2,85 (oberer Teil) und 3,25 m (unterer Teil) Durchmesser ausgeführt und bis zum Jahre 1891, in dem die Gewerkschaft Thiederhall dem Kalisyndikat beitrat,[3] auf die Endteufe von 500 m abgeteuft.
1892, im Jahr darauf, wurde die Gewerkschaft zur Kapitalbeschaffung in die Aktiengesellschaft Thiederhall umgewandelt.
Zur Verarbeitung des geförderten Rohsalzes wurde eine Chlorkaliumfabrik errichtet, dazu kamen 1896 eine Saline zur Herstellung von Speisesalz sowie 1900 eine Kaliumsulfatfabrik. Neben diesen beiden Hauptprodukten erzeugte man noch Chlormagnesium, Kieserit und Kalidünger, außerdem wurde auch unverarbeitetes Kalisalz verkauft. Zum Abtransport der Produkte diente der ca. 1892/93 fertiggestellte Gleisanschluss zum Bahnhof Thiede der Bahnstrecke Braunschweig–Derneburg.

1901 wurde mit dem Abteufen eines weiteren Schachtes begonnen, der den bergbehördlich vorgeschriebenen zweiten Fluchtweg für die Belegschaft herstellen sollte. Dabei plante die Thiederhall AG, ihr Werk zu einer Doppelschachtanlage auszubauen und setzte den neuen Schacht (Thiederhall Ia52.17833810.484158) deshalb unweit westlich von Thiederhall I an. Neben der Erfüllung der bergpolizeilichen Auflage erhoffte sich die Werksleitung von Thiederhall Ia auch weitere Aufschlüsse, doch obwohl 1904 ein weiteres Kalilager geringerer Qualität aufgeschlossen wurde, blieb die Vorratslage weiterhin unbefriedigend. Als man erkannte, dass der Schacht außerhalb des Salzstockes lag, stellte man die Teufarbeiten bei 383 m ein. Er wurde jedoch nicht verfüllt, sondern mit einer Befahrungseinrichtung ausgerüstet und im Jahre 1909 auf der -300-m-Sohle mit dem Grubengebäude verbunden, um die Wetterführung zu verbessern. Nach Slotta erfüllte der Schacht nicht die Anforderungen des Bergamtes und wurde von diesem nicht abgenommen.

Im Jahre 1912 begann die Thiederhall AG einen dritten Schacht, Thiederhall II niederzubringen, der das kurz zuvor entdeckte östliche Lager erschließen sollte. Dieser Rundschacht mit 5,5 m Durchmesser erreichte 1916 seine Endteufe von 625 m (Slotta: 615 m) und wurde zum neuen Hauptförderschacht des Werkes ausgebaut. Er erhielt ein Fachwerk-Doppelbock-Strebengerüst mit zwei unabhängigen Förderanlagen. Auf dem Gelände von Thiederhall II wurde neben den Fördermaschinenhäusern ein Verwaltungsgebäude und eine Waschkaue errichtet, die Verarbeitung des Rohsalzes übernahm weiterhin die Fabrik auf Schacht I. Mit Inbetriebnahme von Thiederhall II wurde die Förderung auf Schacht I eingestellt; dieser diente in der Folge nur noch als Wetterschacht.

Die Alkaliwerke Ronnenberg AG kauften die Thiederhall AG 1918 auf, die Aktionäre erhielten für eine Thiederhall-Aktie mit Dividende eine Ronnenberg-Aktie mit halber Dividende;[2] von nun an hieß das Kaliwerk Thiederhall „Alkaliwerke Ronnenberg III, Zweigniederlassung Thiede“.

Schließung (1924–1925)[Bearbeiten]

In der Inflationszeit setzte im Kalibergbau ein Konzentrationsprozeß ein, dem auch Thiederhall zum Opfer fiel. 1924 wurde der Betrieb eingestellt und die zuletzt 300 Mann starke Belegschaft entlassen. Bis 1925 wurden die Schächte Thiederhall I/II verfüllt und die Tagesanlagen weitgehend abgerissen.

Soziale Auswirkungen[Bearbeiten]

Das Werk engagierte sich stark für seine Belegschaft. Durch den florierenden Kaliabbau stieg die Einwohnerzahl Thiedes sprunghaft an. Deshalb errichtete die Thiederhall AG zahlreiche Wohnhäuser in Thiede. Im Jahre 1891 wurde zusätzlich für die Belegschaft eine Werkssiedlung, die Kolonie Fümmelse52.17025610.48467, mit 18 Doppelhäusern angelegt.

Zur sozialen Absicherung der Belegschaft existierte seit 1891 eine Betriebskrankenkasse, die 1894 in einen Knappschaftsverein umgewandelt wurde.

Nachnutzung[Bearbeiten]

Nach der Stilllegung 1924/25 gründete der Unternehmer Wilhelm Nowak auf dem Gelände von Thiederhall I eine Konservenfabrik. Nach der Schließung dieser Fabrik folgten zwei weitere Konservenfabriken sowie verschiedene Gemüse- und Obst verarbeitende Betriebe. Teile des Geländes wurden auch von örtlichen Vereinen als Sportplatz genutzt. Ende 1969/70 wurde die letzte dieser Fabriken geschlossen und die Sportvereine erhielten an anderen Stellen neue Sportanlagen. Noch heute (2011) wird ein Teil des Geländes von verschiedenen Industrieunternehmen genutzt, etwa ein Drittel der ehemaligen Betriebsfläche von Thiederhall wurde in ein Wohngebiet umgewandelt.

1926 kaufte das Bistum Hildesheim das ehemalige Inspektorenhaus (Thiederhall 5), in diesem Haus (ab 1946 Joseph-Müller-Haus genannt) bestand bis 2004 die katholische Kapelle St. Georg.

Von 1978 bis 1990 nutzte das VW-Werk die Hohlräume des Bergwerks, um über ein Bohrloch in der Nähe von Thiederhall II Produktionsrückstände (Schlämme) einzulagern.[4][5] 2009 wurde Thiederhall Ia mit Schotter verfüllt.[6][7]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Amt für Geschichte, Kultur und Heimatpflege der Stadt Salzgitter (Hrsg.): Bergbau in Salzgitter. Die Geschichte des Bergbaus und das Leben der Bergleute von den Anfängen bis zur Gegenwart. In: Beiträge zur Stadtgeschichte. 1. Auflage. Band 13, Appelhans, Salzgitter 1997, ISBN 3-930292-05-X, 20, S. 420.
  •  Rainer Slotta: Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland. In: Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbaumuseum. Band 3: Die Kali-und Steinsalzindustrie, Nr. 18, Deutsches Bergbaumuseum, Bochum 1980, ISBN 3-921533-16-3, S. 780.
  •  Hartmut Alder: Chronik von Thiede. Waisenhaus Druckerei GmbH Braunschweig, Salzgitter 1991, S. 219-226 (Kalischacht Thiederhall).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaliwerk Thiederhall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Planfeststellungsbeschluss Schacht Konrad 22. Mai 2002, S. 281 (PDF; 2,77 MB)
  2. a b Rainer Slotta: Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland. Band 3: Die Kali-und Steinsalzindustrie. In: Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbaumuseum. Nr. 18, Deutsches Bergbaumuseum, Bochum 1980, ISBN 3-921533-16-3, S. 639
  3. Die Geschichte der K+S Gruppe, S.2 (PDF; 2,77 MB)
  4. Malte Schumacher, Manfred Grieger: Wasser, Boden, Luft; Beiträge zur Umweltgeschichte des Volkswagenwerks Wolfsburg, Heft 5 (PDF; 7,28 MB)
  5. Bundesdrucksache 10/887, Untertägige Lagerung von Sondermüll, 18. Januar 1984. (PDF; 208 kB)
  6. Nur noch wenige Laster liefern bei Mariaglück an. In: Cellesche Zeitung, abgerufen 12. Mai 2009
  7. newsclick.de: 880 Lastwagen müssen durch ein Nadelöhr abgerufen am 20. März 2009