Kalmückien

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Subjekt der Russischen Föderation
Republik Kalmückien – Chalmg Tangtsch
Республика Калмыкия – Хальмг Тангч (russisch)
Хальмг Таңһч (kalmückisch)
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Südrussland
Fläche 74.731 km²[1]
Bevölkerung 289.481 Einwohner
(Stand: 14. Oktober 2010)[2]
Bevölkerungsdichte 3,9 Einw./km²
Hauptstadt Elista
Offizielle Sprachen Kalmückisch, Russisch
Ethnische
Zusammensetzung
Kalmücken (57,4 %)
Russen (30,2 %)
Darginer (2,6 %)
Kasachen (1,7 %)
Tschetschenen (1,2 %)
(Stand: 2010)Vorlage:Infobox Föderationssubjekt Russlands/Wartung/Ethnien
Oberhaupt Alexei Orlow
Gegründet 31. März 1992 (4. November 1920)
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahlen (+7) 847xx
Postleitzahlen 358000–359999
Kfz-Kennzeichen 08
OKATO 85
ISO 3166-2 RU-KL
Website www.kalm.ru
Iran Turkmenistan China Kasachstan Usbekistan Mongolei Japan Nordkorea China Norwegen Dänemark Deutschland Schweden Vereinigte Staaten Finnland Kirgisistan Georgien Türkei Armenien Aserbaidschan Ukraine Polen Litauen Letttland Estland Weissrussland Norwegen Oblast Sachalin Region Kamtschatka Jüdische Autonome Oblast Region Primorje Region Chabarowsk Tuwa Chakassien Oblast Kemerowo Republik Altai Region Altai Oblast Nowosibirsk Oblast Omsk Oblast Tjumen Oblast Tomsk Burjatien Region Transbaikalien Oblast Amur Oblast Magadan Autonomer Kreis der Tschuktschen Oblast Irkutsk Sacha Region Krasnojarsk Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen Autonomer Kreis der Chanten und Mansen/Jugra Oblast Swerdlowsk Oblast Tscheljabinsk Oblast Kurgan Oblast Orenburg Autonomer Kreis der Nenzen Republik Komi Baschkortostan Region Perm Oblast Wologda Republik Karelien Oblast Murmansk Oblast Archangelsk Oblast Kaliningrad Sankt Petersburg Oblast Leningrad Tatarstan Udmurtien Oblast Kirow Oblast Kostroma Oblast Samara Oblast Pskow Oblast Twer Oblast Nowgorod Oblast Jaroslawl Oblast Smolensk Moskau Oblast Moskau Oblast Wladimir Oblast Iwanowo Mari El Tschuwaschien Mordwinien Oblast Pensa Oblast Nischni Nowgorod Oblast Uljanowsk Oblast Saratow Oblast Brjansk Oblast Kaluga Oblast Tula Oblast Rjasan Oblast Orjol Oblast Lipezk Oblast Woronesch Oblast Belgorod Oblast Kursk Oblast Tambow Oblast Wolgograd Oblast Rostow Oblast Astrachan Kalmückien Dagestan Adygeja Region Krasnodar Karatschai- Tscherkessien Kabardino-Balkarien Region Stawropol Nordossetien-Alanien Inguschetien TschetschenienLage in Russland
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46.544.75Koordinaten: 46° 30′ N, 44° 45′ O

Kalmückien, auch Kalmükien und Kalmykien, (russisch Калмыкия; kalmückisch Хальмг Таңһч, Chalʹmg Tangghtsch) ist seit 1992 eine autonome Republik im südlichen Teil des europäischen Russlands.

Kalmückien ist die einzige Region in Europa, in der der Buddhismus die vorherrschende Religion ist.

Geographie[Bearbeiten]

Kalmückien liegt an der Nordwestküste des Kaspischen Meeres und besteht hauptsächlich aus Steppe. Im Süden der Republik liegt die Manytschniederung. Infolge schlecht geplanter und durchgeführter Bewässerungsprojekte ist Kalmückien seit den 1960er-Jahren stark von Wüstenbildung (Desertifikation) betroffen. Mittlerweile wird in Bezug auf die Republik von der „ersten Wüste Europas“ gesprochen.

Das Klima ist hartkontinental – der Sommer ist heiß und trocken, der Winter ist schneearm, manchmal sehr frostig. Diese klimatischen Eigenschaften verschärfen sich von West nach Ost.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ethno-linguistische Karte der Kaukasusregion und Kalmückiens

Die Kalmücken sind ein mongolisches Volk, das im frühen 17. Jahrhundert in das Gebiet der unteren Wolga gelangte. Sie sind das einzige mehrheitlich buddhistische Volk in Europa. Eine weitere bedeutende Minderheit sind die Mescheten (2010: 3.675 Personen). Kleinere Volksgruppen innerhalb der Republik sind die Tataren (2002: 1.076 Personen) und die Weißrussen (2002: 857 Personen).

Volksgruppe VZ 1926 VZ 1939 VZ 1959 VZ 1970 VZ 1979 VZ 1989 VZ 2002 VZ 2010 1
Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  %
Kalmücken 107.026 75,6 % 107.315 48,6 % 64.882 35,1 % 110.264 41,1 % 122.167 41,5 % 146.316 45,4 % 155.938 53,3 % 162.740 57,4 %
Russen 15.212 10,7 % 100.814 45,7 % 103.349 55,9 % 122.757 45,8 % 125.510 42,6 % 121.531 37,7 % 98.115 33,6 % 85.712 30,2 %
Darginer 0 0,0 % k. Ang.  ?,?% 608 0,3 % 4.961 1,9 % 8.590 2,9 % 12.878 4,0 % 7.295 2,5 % 7.590 2,6 %
Kasachen 193 0,1 % 2.711 1,2 % 8.550 4,6 % 7.095 2,7 % 6.132 2,1 % 6.277 1,9 % 5.011 1,7 % 4.948 1,7 %
Tschetschenen 0 0,0 % 10 0,0 % k. Ang.  ?,?% 4.791 1,8 % 8.100 2,8 % 8.239 2,6 % 5.979 2,0 % 3.343 1,2 %
Awaren 0 0,0 % k. Ang.  ?,?% 192 0,1 % 863 0,3 % 1.941 0,7 % 3.871 1,2 % 2.305 0,8 % 2.396 0,8 %
Ukrainer 14.606 10,3 % 1.127 0,5 % 1.589 0,9 % 3.346 1,3 % 3.706 1,3 % 4.069 1,3 % 2.505 0,9 % 1.531 0,5 %
Koreaner 0 0,0 % 6 0,0 % 51 0,0 % 284 0,1 % 1.073 0,4 % 643 0,2 % 1.049 0,4 % 1.342 0,5 %
Deutsche 2.603 1,8 % 4.150 1,9 % 1.547 0,8 % 5.212 1,9 % 5.509 1,9 % 5.586 1,7 % 1.643 0,6 % 1.071 0,4 %
Andere 1.954 1,4 % 4.551 2,1 % 4.089 2,2 % 8.420 3,1 % 11.799 4,0 % 13.169 4,1 % 12.570 4,3 % 18.808 6,5 %
Einwohner 141.594 100 % 220.684 100 % 184.857 100 % 267.993 100 % 294.527 100 % 322.579 100 % 292.410 100 % 289.481 100 %
1 5.790 Personen konnten keiner Volksgruppe zugeteilt werden. Diese Leute verteilen sich vermutlich anteilmässig gleich wie die ethnisch zugeschiedenen Einwohner.[3]

Amtssprachen sind Kalmückisch und Russisch. Die Republik ist mit einem Schnitt von 3,7 Einwohner pro Quadratkilometer äußerst dünn besiedelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Kalmykia03.png

Nach dem Zerfall der Goldenen Horde im 15. Jahrhundert wurde vom kalmückischen Khan der Beitritt Kalmückiens zum Russischen Reich durch ein Abkommen besiegelt. 1609 wurde das Kalmückische Khanat gegründet.

Herrscher der Kalmücken und Torghuud

Zu Sowjetzeiten erhielt Kalmückien am 4. November 1920 den Status einer Autonomen Region und am 22. Oktober 1935 den einer Autonomen Oblast innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Unter den Sowjets wurden die Geistlichen und Priester verfolgt, die Tempel (über 100) zerstört. Im Deutsch-Sowjetischen Krieg wurde der größte Teil Kalmückiens im Juli 1942 von der deutschen Wehrmacht erobert und in der Folge mit Hilfe von Prinz Tundotow unter anderem ein Kalmükisches Kavallerie-Korps mit 3000 bis 5000 freiwilligen Kalmücken aufgestellt, das auf Seite der Deutschen kämpfte.[4][5] Im Dezember 1942 eroberte die Rote Armee das Gebiet zurück.

1943 wurde die Republik aufgelöst. Das gesamte Volk der Kalmücken wurde unter dem Vorwurf der Kollaboration mit den Deutschen in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert, die Republikhauptstadt Elista in Stepnoi umbenannt und die Kalmücken aus der Liste der Völker der Sowjetunion entfernt. Nach der Rehabilitierung der Kalmücken wurde die Stadt wieder in Elista umbenannt; am 9. Januar 1957 wurde das Gebiet erneut Autonome Oblast und am 29. Juli 1958 wieder Autonome Republik (ASSR) innerhalb der RSFSR und die Kalmücken kehrten nach Hause zurück.[6] Nach Auflösung der UdSSR behielt Kalmückien den Autonomiestatus als Republik innerhalb der Russischen Föderation bei (Föderationsvertrag vom 31. März 1992 mit Russland). Präsident der Republik war von 1993 bis 2010 Kirsan Iljumschinow. Das Parlament der Republik nennt sich Volks-Chural, was auf die mongolische Tradition Kalmückiens verweist. Am 24. Oktober 2010 wurde Alexei Orlow neues Oberhaupt (Präsident) der Republik Kalmückien.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Die Republik ist in 13 Rajons sowie einen Stadtkreis, den die Hauptstadt Elista bildet, gegliedert. Den Rajons sind insgesamt 2 Stadt- und 112 Landgemeinden unterstellt.

[A 1] Name Name
(russisch)
Name
(kalmückisch)
Einwohner[7] Fläche
(km²)
Bevölkerungs-
dichte
(Ew./km²)
Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
Verwaltungssitz Anzahl
Stadt-
gemeinden
Anzahl
Land-
gemeinden
Lage
I Elista[A 2] Элиста Элст 106.966 208 514 103.053 3.913   1 4 Location of Elista (Kalmykia).svg
1 Gorodowikowsk Городовиковский район Башнтан район 17.268 1.099 15,7 9.480 7.788 Gorodowikowsk 1 6 Location of Gorodovikovsky District (Kalmykia).svg
2 Iki-Burul Ики-Бурульский район Ик Бурла район 11.065 6.363 1,7 11.065 Iki-Burul 13 Location of Iki-Burulsky District (Kalmykia).svg
12 Jaschalta Яшалтинский район Яшлтан район 16.676 2.416 6,9 16.676 Jaschalta 11 Location of Yashaltinsky District (Kalmykia).svg
13 Jaschkul Яшкульский район Яшкулин район 14.519 11.669 1,2 14.519 Jaschkul 13 Location of Yashkulsky District (Kalmykia).svg
11 Justa Юстинский район Юстан район 10.312 7.996 1,3 10.312 Zagan Aman 7 Location of Yustinsky District (Kalmykia).svg
3 Kettschenery Кетченеровский район Көтчнрә район 10.379 6.548 1,6 10.379 Kettschenery 9 Location of Ketchenerovsky District (Kalmykia).svg
4 Lagan Лаганский район Лаганя район 19.189 4.685 4,1 13.770 5.419 Lagan 1 4 Location of Lagansky District (Kalmykia).svg
5 Malyje Derbety Малодербетовский район Баһ Дөрвдә район 10.186 3.666 2,8 10.186 Malyje Derbety 6 Location of Maloderbetovsky District (Kalmykia).svg
6 Oktjabrski Октябрьский район Октябрин район 8.940 3.686 2,4 8.940 Bolschoi Zaryn 7 Location of Oktyabrsky District (Kalmykia).svg
7 Prijutnoje Приютненский район Приютнин район 11.561 3.110 3,7 11.561 Prijutnoje 8 Location of Priyutnensky District (Kalmykia).svg
8 Sarpinski Сарпинский район Сарпан район 13.307 3.738 3,6 13.307 Sadowoje 9 Location of Sarpinsky District (Kalmykia).svg
10 Tschernosemelski Черноземельский район Хар Һазра район 12.847 14.192 0,9 12.847 Komsomolski 8 Location of Chernozemelsky District (Kalmykia).svg
9 Zelinny Целинный район Целинн район 19.951 5.258 3,8 19.951 Troizkoje 11 Location of Tselinny District (Kalmykia).svg

Anmerkungen:

  1. Nummer des Rajons/Stadtkreises (Rajons in alphabetischer Reihenfolge der Namen im Russischen)
  2. Stadtkreis

Städte[Bearbeiten]

Einzige Großstadt Kalmückiens ist die Hauptstadt Elista. Die nächstgrößeren Ortschaften sind die zwei anderen Städte der Republik Lagan und Gorodowikowsk sowie die Rajonverwaltungszentren Zagan-Aman, Jaschkul, Iki-Burul und Troizkoje.

Städte
Stadt Russisch Kalmückisch Einwohner
(14. Oktober 2010)[2]
Elista Элиста Элст 103.749
Gorodowikowsk Городовиковск Башнта 9.565
Lagan Лагань Лагань 14.323

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Republik ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Einzig in der Hauptstadt Elista gibt es etwas Industrie. Erdöl- und Erdgasvorkommen im Küstenbereich des Kaspischen Meers sind Ressourcen für Devisen.

Nationalsport[Bearbeiten]

Kirsan Iljumschinow, der Kalmückien von 1993 bis 2010 als Präsident regierte, bemühte sich um die Etablierung von Schach als kalmückischen Nationalsport. Bereits im Kindesalter werden Kinder im Schach gedrillt und es ist in der Schule reguläres Schulfach.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georgi Watschnadse, Russland ohne Zensur. Eine Bilanz. Frankfurt/Main 1993. (zu Kalmückien S. 202 bis 205) Online (älterer Text, der die Ereignisse Anfang der 90er Jahre beschreibt; PDF; 2,2 MB)
  • Joachim Hoffmann: Deutsche und Kalmyken 1942 - 1945, Band 14 der Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges, herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Verlag Rombach, Freiburg im Breisgau 1977 ISBN 3-7930-0173-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kalmückien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Administrativno-territorialʹnoe delenie po subʺektam Rossijskoj Federacii na 1 janvarja 2010 goda (Administrativ-territoriale Einteilung nach Subjekten der Russischen Föderation zum 1. Januar 2010). (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  3. Bevölkerung der russischen Gebietseinheiten nach Nationalität 2010 (russisch) http://www.gks.ru/free_doc/new_site/population/demo/per-itog/tab7.xls
  4. Zeitungen-und-Zeitschriften-auslandischer-Einheiten-und-Parteien
  5. Hans Schafranek, Robert Streibel: 22. Juni 1941: Der Überfall auf die Sowjetunion. Picus Verlag: Wien, 1991. ISBN 3-85452-224-X S. 136
  6. Isabelle Kreindler The Soviet Deportated Nationalities: A Summary and an Update, in: Soviet Studies, Vol 38, no 3, July 1986. p. 394f
  7. Einwohnerzahlen 2010 beim Föderalen Dienst für staatliche Statistik Russlands (Berechnung per 1. Januar; Exceldatei; 562 kB)
  8. GEO 05-2011 S.116 ff