Kalojan (Zar)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kalojan Assen (bulgarisch Калоян Асен, wissenschaftliche Transliteration Kalojan Asen, auch Johannitzes; * um 1170; † 1207) war von 1197 bis 1207 Zar der Bulgaren. Er gehörte der Dynastie Assen an.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Kalojan (aus dem griechischen Kaloioannes, der schöne Johanes) war nach seinen Brüdern Iwan Assen I. und Theodor Peter IV. der dritte Herrscher des zweiten bulgarischen Reiches. In Urkunden Kalojans wird eine Kontinuität zu den Herrschern des ersten bulgarischen Reiches hergestellt.

Wahrscheinlich nach dem 1187 mit Byzanz abgeschlossenen Friedensvertrag von Lowetsch, in dem das Bestehen des Zweiten bulgarischen Reiches besiegelt wurde, ging Kalojan, wie üblich im Mittelalter, in die Gefangenschaft nach Konstantinopel als Garant für den Frieden. Kalojan konnte aber schon 1189 aus der Gefangenschaft fliehen.

Zurück in Bulgarien half Kalojan seinen Brüdern beim Wiederaufbau der Staatlichkeit. Dabei nahm er verschiedene Posten innerhalb des Reiches an. Als dann auch sein zweiter Bruder Theodor Peter IV. durch eine Boljarenverschwörung ermordet wurde, wurde Kalojan 1197 zum Zaren gekrönt.

Zar[Bearbeiten]

Das bulgarische Reich unter Kalojan

Unter Kalojan stabilisierte sich die Oberschicht (Boljaren) des Reiches, das sich erst kurz zuvor aus der byzantinischen Herrschaft gelöst hatte, was sich unter anderem durch die Verleihung einer Königskrone durch Papst Innozenz III. ausdrückte. Kalojan hatte dem Papst zuvor angeboten, die bulgarische Kirche mit der römisch-katholischen zu vereinen.

1204 stellte Kalojan die bulgarische Herrschaft über Ohrid wieder her und gliederte das Erzbistum von Justiniana Prima und Bulgarien (auch Erzbistum Ohrid genannt) wieder in die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche ein. 1204 eroberten die Kämpfer des Vierten Kreuzzugs Konstantinopel. Vertreter aus den nicht von den Kreuzfahrern kontrollierten Teilen des Byzantinischen Reiches boten Kalojan an, ihn zum Kaiser zu machen, wenn er gegen die neuen Herrscher vorgehe. Kalojan übernahm die Kontrolle über Adrianopel. Daraufhin begannen Venezianer und Kreuzfahrer am 29. März 1205 mit der Belagerung der Stadt. Kalojan sammelte ein Entsatzheer aus Bulgaren, Walachen und Kumanen, das den Kreuzfahrern zahlenmäßig deutlich überlegen war. Am 14. April kam es zwischen den beiden Heeren zur Schlacht von Adrianopel. Kalojan siegte und nahm Kaiser Balduin I. gefangen, der am 11. Juni in der Haft starb. Die Byzantiner in Thrakien, fürchteten die Stärke Bulgariens und wandten sich von Kalojan ab.

Bis Sommer 1205 eroberte Kalojan in Kämpfen gegen Lateiner und Griechen weite Gebiete in Thrakien, westlich von Konstantinopel, darunter Rodosto, Enez, Roussillon (??). Im folgenden Jahr weitete er sein Territorium aus, bevor die Kreuzfahrer Anfang 1207 mehrere Schlachten gewannen. Im März des Jahres schloss Kalojan ein Bündnis mit Theodor I. Laskaris, der die Lateiner aus Richtung Osten bekämpfte. Im April belagerte Kalojan Adrianopel, zog sich aber zurück, nachdem die kumanischen Söldner sein Heer verlassen hatten.

1206 eroberte er die starke Zwillingsfestung Didymoticho.

Im Herbst 1207 starb Kalojan während der Belagerung von Thessaloníki. Einige Quellen sprechen das er vom Anführer der Kumanen in seiner Armee ermordet wurde. Andere sehen ein Wunder des Heiligen Demetrios von Thessaloniki. Laut Nikolaj Owtscharow ist er durch einen Herzinfarkt gestorben.

Als Nachfolger wurde Zar Boril Assen gewählt, ein Neffe Kalojans. Zar Kalojan war nur ein mal mit einer kumanischen Prinzessin verheiratet. Aus dieser Ehe hatte er zwei Kinder; Bethleem und Marja († nach 1216), die 1209 den lateinischen Kaiser von Konstantinopel Heinrich von Flandern heiratete.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ivan Božilov: Фамилията на Асеневци (1186–1460). Генеалогия и просопография. Verlag Марин Дринов, Sofia 1994
  • Constantin Jos. Jireček: Geschichte der Bulgaren. Verlag von F. Tempsky, Prag 1876; Olms, Hildesheim/New York 1977, ISBN 3-487-06408-1.
  • R. J. Crampton: A Concise History of Bulgaria. Cambridge University Press, 2005, ISBN 0-521-85085-1

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Miroslav Marek: The house of Aseniden. 8. Dezember 2003
Vorgänger Amt Nachfolger
Iwanko Zar von Bulgarien
1197–1207
Boril