Kaltenlengsfeld

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50.64083333333310.191944444444535Koordinaten: 50° 38′ 27″ N, 10° 11′ 31″ O

Kaltenlengsfeld
Höhe: 535 m ü. NHN
Fläche: 9,73 km²
Einwohner: 416 (31. Dez. 2012)
Eingemeindung: 31. Dezember 2013
Postleitzahl: 36452
Vorwahl: 036966
Kaltenlengsfeld (Thüringen)
Kaltenlengsfeld

Lage von Kaltenlengsfeld in Thüringen

Stadtteile der Stadt Kaltennordheim

Stadtteile der Stadt Kaltennordheim

Kaltenlengsfeld ist ein Stadtteil der Stadt Kaltennordheim im Südwesten des Wartburgkreises in Thüringen. Der Ort gehört zum Biosphärenreservat Rhön.

Geografie[Bearbeiten]

Blick auf Kaltenlengsfeld von Westen

Geografische Lage[Bearbeiten]

Kaltenlengsfeld liegt in der thüringischen Rhön inmitten des Feldatals, das die Vordere Rhön westlich flankiert. Der Ort befindet sich 20 Kilometer (Luftlinie) südlich der Kreisstadt Bad Salzungen.

Berge[Bearbeiten]

Die Landschaft um Kaltenlengsfeld wird von den Bergen und Kuppen der Rhön bestimmt. Der höchste Punkt des Ortsteils befindet sich auf dem Hohen Rain (702,8 m ü. NN). Anteilig besitzt die Gemeinde den östlichen Teil des Umpfen (700,6 m ü. NN), und den nördlichen Teil des Hohenstein (671,8 m ü. NN).[1]

Gewässer[Bearbeiten]

In der Gemarkung bilden mehrere Quellbäche den Ziegelbach, ein rechter Zufluss der Felda.[1]

Geologie[Bearbeiten]

Am Enzlerbach, südlich der Ortslage, wurde ein Kalksteinbruch betrieben, er dient heute als geologischer Aufschluss des Oberen Wellenkalk, einer Gesteinsformation des Trias (Abschnitt Unterer Muschelkalk). Der Umpfen ist ein Beispiel für den Vulkanismus in der Rhön im Trias.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Kaltenlengsfeld befindet sich in einer bereits in frühgeschichtlicher Zeit dicht besiedelten Landschaft. 1754 wurden im Hain bei Feldarbeiten erste Bodenfunde gemacht. Die Wallanlagen in Gipfellage des Umpfen gehört mit den benachbarten Anlagen Hessenkuppe (Dermbach), Diesburg (Aschenhausen), Arzberg (Geisa), Baier (Weilar), Horn (Urnshausen), Alte Mark (Erbenhausen) und anderen zu einem ausgedehnten Befestigungssystem der Kelten. Südlich der Wallanlage liegen mehrere runde und längliche Steinhügel, vermutlich Grabanlagen; auch Ackerterrassen sind am Nordabhang noch deutlich erkennbar.[3]

Ersterwähnung[Bearbeiten]

Schon 819 wurde der Ort erstmals in einer Fuldaer Urkunde als Lengifeld erwähnt. Der Ort im Tullifeld gehörte damals zum Ostfrankenreich.[4]

Kaltenlengsfeld im Mittelalter[Bearbeiten]

Fachwerkhaus Obergasse

Flurbezeichnungen wie Kaisershecke, Kaisersgraben und Streitgrund resultieren vermutlich aus dem Umfeld der Schlacht bei Mellrichstadt zwischen Kaiser Heinrich IV. und dessen Widersachern Rudolf von Schwaben bzw. Otto von Northeim im Jahre 1078.

In Kaltenlengsfeld war ein Adelsgeschlecht - die Herren von Lengisfeld beheimatet. Der Ort gehörte von alters her zum Amt Kaltennordheim, aber um 1400 wurde es dem Zentgericht Friedelshausen (späteres Amt Sand) einverleibt.

Zur Zeit der Reformation[Bearbeiten]

Barocke Grabsteine an der Kirche
In der Kirche
Der Kirchbergbrunnen
Ahorn (Naturdenkmal) am Weg nach Kaltennordheim

Es ist anzunehmen, dass das Christentum in dieser Gegend schon recht frühzeitig Fuß fasste. Vor der Reformation waren Kaltenlengsfeld und Oepershausen Filialen von Friedelshausen, bis die Herrn von Herda in Oepfershausen eine „Vikarie der Frühmesse“ stifteten. 1542 nahm der Vikar von Oepfershausen die evangelische Religion an, „blieb aber wie zuvor ein Flucher und Zänker, lehnte sich wieder seinen Pfarrer zu Friedelshausen mit tödlichen Gewehr auf,...“. Oepfershausen wurde selbstständige Pfarrei und Kaltenlengsfeld wurde Filiale.

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in dem die meisten umliegenden Rhöndörfer unter den Grausamkeiten leiden mussten, blieb Kaltenlengsfeld verschont. Der Ortssage nach soll es folgenden Umstand zu verdanken gewesen sein: Auf der Westgiebelseite unserer Kirche soll sich damals auf dem First ein Kreuzlein mit Wetterfahne befunden haben. Das Raubgesinde der Kroaten soll die Kirche und damit auch die Einwohner für gut katholisch und gut kaiserlich gehalten haben, dadurch sei die Kirche und der Ort vor der Zerstörung bewahrt geblieben. Vielleicht spielte aber auch die etwas versteckte Lage des Ortes eine große Rolle. 1635 starben von Juli bis Neujahr 250 Personen an wahrscheinlich eingeschleppten Seuchen.

In der ersten erhalten gebliebenen Beschreibung von Kaltenlengsfeld aus dem Jahre 1668 heißt es: „In dem Dorf befindet sich eine Kirche, ein Schulhaus, ein Wirtshaus, fünf Backöfen, ein Brauhaus, ein Platz und eine Mahlmühle. Es gibt 44 Feuerstellen und es leben 188 Seelen darin. An den drei Stellen, an denen man das Dorf betreten kann, ist dieses notdürftig mit einem Schlagbaum verwehrt.“ Auch gibt es Hinweise, das man sich Gedanken über die Brandbekämpfung gemacht hat. Es heißt: „Die drei Spring- und drei Quellbrunnen des Ortes werden auch wieder Feuergefahr mit ledernen Eimern, Feuerhacken und Leitern versehen.“ Die Kirche wurde 1722 erbaut. 1848 wurde die Dorfschule erbaut und eingeweiht.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Herren von Vasolt und von Auerochs waren im 19. Jahrhundert im Ort mit Besitzungen vertreten. Von der Zeit der Napoleonischen Kriege blieb das Dorf unbehelligt. Es wird nur berichtet, dass der Müller einen französischen Soldaten auf sein Haus zukommen sah. Voller Angst legte sich der Müller samt seiner Kleider ins Bett und stellte sich schlafend. Der Soldat aber fragte nur nach den Weg.

1842 baute man die Straße nach Kaltennordheim. Zuvor gab es nur einen ausgefahrenen Hohlweg, der entlang der Kisselbach verlief. 1847/1848 wurde eine Straßenverbindung nach Oepfershausen geschaffen. Zuvor gab es keinen Weg und so konnte es geschehen (1730 und 1760), dass Fremde in Sturm und Schnee den Tod fanden. Im Revolutionsjahr 1848 bestand im Dorf eine Bürgerwehr, die nach kurzer Zeit wieder aufgelöst wurde.

1866 kam es während des Deutschen Krieges im nahe gelegenen Roßdorf zur Schlacht zwischen Preußen und Bayern. Kaltenlengsfeld wurde am 3. Juli 1866 von bayrischen Truppen besetzt. Beim Rückzug der bayrischen Truppen am Abend des 4. Juli mussten alle verfügbaren Gespanne Kriegsmaterial fahren. Im Ort erinnert ein Gedenkstein an die kriegerischen Ereignisse.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Im Jahr 1955 lebten im Ort 728 Einwohner.[5]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1995: 549
  • 2000: 485
  • 2005: 461
  • 2010: 421
  • 2012: 416
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik, Werte vom 31. Dezember

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche
Das Dorfgemeinschaftshaus
Die Rhön-Brise

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die evangelische Kirche von 1721 wurde auf den Namen Zur Ruhe Gottes geweiht. Sie verfügt über einem noch älteren quadratischen Turm und eine reiche Innenausstattung mit zweigeschossigen und reichbemalten Emporen sowie einer Kanzel mit einer fast lebensgroßen Figur des Evangelisten Johannes. Um die Kirche herum befindet sich der Friedhof des Dorfes.

Besondere Beachtung verdient die Orgel. Sie wurde von dem Orgelbauer Johann Caspar Rommel (1721–1800) aus Roßdorf im Jahre 1755 gebaut. Die Orgel mit 22 Registern ist eine von insgesamt drei historischen Rückpositivorgeln in Thüringen. Der historische Originalzustand des Orgelwerks ist in großen Teilen noch vorhanden und wurde bei ihrer Restauration wieder auf ihren vermutlichen Urzustand zurückgeführt bzw. rekonstruiert (Referenzinstrumente Rommels finden sich z. B. in Wohlmuthausen, Herpf und Geba). Von den heute noch erhaltenen Barockorgeln sticht dieses Instrument dadurch hervor, dass sich die Orgelanlage in einem Turmraum und auf einer Empore oberhalb des Hauptaltars befindet, wobei das 1. Manual als Rückpositiv in die wesentlich ältere Emporenbrüstung eingebaut ist. Sechs Jahre lang wurde die Orgel durch die Orgelbau Waltershausen GmbH für insgesamt 145.000 Euro saniert und am 7. Mai 2006 wieder eingeweiht.

  • Das Dorfgemeinschaftshaus mit der „Rhönküche“ befindet sich am westlichen Ortsrand.
  • Am Waldrand befindet sich die Ausflugsgaststätte Rhön-Brise.
  • Noch gut erkennbare Reste der Wallburg auf dem Umpfen sind ein vielbesuchtes Bodendenkmal.

Freizeitangebote[Bearbeiten]

Kaltenlengsfeld bietet ein Wanderwegenetz sowie im Winter 20 km gespurte Loipen.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Durch den 5 km entfernten Nachbarort Kaltennordheim verläuft die B 285.[6]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Der Betrieb der Feldabahn wurde 2003 eingestellt und 2008 wurde mit dem Rückbau der Gleisanlage begonnen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich jetzt in der Kreisstadt Bad Salzungen und östlich in Wasungen - jeweils im Streckennetz der Süd-Thüringen-Bahn. Anschluss an das Intercity- und ICE-Netz der Deutschen Bahn besteht in Fulda und Eisenach.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Nach Kaltenlengsfeld verkehren folgende Buslinien der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH :

Linie Fahrstrecke
L-101 EisenachDermbach - Kaltennordheim – Kaltenlengsfeld
L-109 Bad SalzungenDermbach - Kaltennordheim – Kaltenlengsfeld
L-129 Bad SalzungenLeimbach - Dermbach - Kaltennordheim – Kaltenlengsfeld

Der Busverkehr im Abschnitt Kaltennordheim - Kaltenlengsfeld beschränkt sich hierbei auf die Werktage.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Thüringer Landesvermessungsamt TK25 - Blatt 5326 Tann, Erfurt 1999, ISBN 3-86140-090-1
  2.  Geyer, Jahne, Storch: Geologische Sehenswürdigkeiten des Wartburgkreises und der kreisfreien Stadt Eisenach. In: Landratsamt Wartburgkreis, Untere Naturschutzbehörde (Hrsg.): Naturschutz im Wartburgkreis. Heft 8, Druck- und Verlagshaus Frisch, Eisenach und Bad Salzungen 1999, ISBN 3-9806811-1-4, S. 174–175.
  3. Robert Riemann Keltenburgen nördlich und südlich des Thüringer Waldes Hagenberg-Verlag Homburg 1986 S.26
  4. Ernst Friedrich Johann Dronke Codex Diplomaticus Fuldensis Kassel 1850 (Erstdruck)388
  5.  Paul Luther, Rat des Kreises Bad Salzungen, Abt. Volksbildung (Hrsg.): Materialien für den Heimatkundeunterricht - Kreis Bad Salzungen, Bezirk Suhl. Bad Salzungen 1959, Struktur vom Bezirk Suhl (Übersicht der Orte und Einwohnerzahlen der Landkreise), S. 5–11.
  6. Thüringer Landesvermessungsamt TK350 Übersichtskarte - Thüringen, Erfurt (ab 1991)
  7. Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH - Fahrplan

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaltenlengsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien