Kaltensundheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kaltensundheim
Kaltensundheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kaltensundheim hervorgehoben
50.60722222222210.158888888889460Koordinaten: 50° 36′ N, 10° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Hohe Rhön
Höhe: 460 m ü. NHN
Fläche: 11,78 km²
Einwohner: 790 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98634
Vorwahl: 036946
Kfz-Kennzeichen: SM, MGN
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 035
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstr. 18
98634 Kaltensundheim
Webpräsenz: VG-Seite Kaltensundheim
Bürgermeister: Edgar Gottbehüt (FWG)
Lage der Gemeinde Kaltensundheim im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Altersbach Aschenhausen Belrieth Benshausen Bermbach Birx Breitungen Brotterode-Trusetal Christes Dillstädt Einhausen (Thüringen) Ellingshausen Erbenhausen Fambach Floh-Seligenthal Frankenheim/Rhön Friedelshausen Grabfeld (Gemeinde) Grabfeld Henneberg (Thüringen) Hümpfershausen Kaltensundheim Kaltenwestheim Kühndorf Leutersdorf Mehmels Meiningen Meiningen Melpers Metzels Neubrunn Oberhof Oberkatz Obermaßfeld-Grimmenthal Oberschönau Oberweid Oepfershausen Rhönblick Rippershausen Ritschenhausen Rohr Rosa Roßdorf (Thüringen) Rotterode Schmalkalden Schwallungen Schwarza Springstille Steinbach-Hallenberg Stepfershausen Sülzfeld Unterkatz Untermaßfeld Unterschönau Unterweid Utendorf Vachdorf Viernau Wahns Wallbach Walldorf (Werra) Wasungen Wölfershausen Zella-Mehlis ThüringenKarte
Über dieses Bild

Kaltensundheim ist eine Gemeinde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Sie ist Mitglied und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hohe Rhön.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt ca. 15 km (Luftlinie) westlich von Meiningen und unweit der Landesgrenze zu Hessen im Tal der Felda, die wenige Kilometer südwestlich unterhalb des Ellenbogens entspringt. Die markantesten Berge sind der Hemschenberg im Südosten, die Alte Mark im Süden und der Leichelberg im Osten. Der Modellflugplatz Rhön-Dolmar befindet sich am Westrand des Dolmar in der Gemarkung, die im Mittel 460 Meter über NN liegt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Zwei Kilometer nördlich liegt Kaltennordheim (im Wartburgkreis), im Westen Kaltenwestheim, im Süden Erbenhausen mit seinem Ortsteil Reichenhausen, im Osten hinter dem Leichelberg liegt Aschenhausen.

Klima[Bearbeiten]

Kaltensundheim gehört wie Kaltennordheim zu den kalten Dörfern, was hauptsächlich durch die ungünstige Lage hinter den im Süden liegenden Bergen bedingt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Das historische Dorf wurde erstmals urkundlich am 23. Dezember 795 erwähnt[2], im Mittelalter wurde es als "Kaldin Sundheim" bezeichnet.[3] Die romanische Kirchenburg wurde 1495 auf der höchsten Erhebung im Ort gebaut.[4]

Kaltensundheim befand sich in einer Grenzregion des Ostfrankenreiches, die militärisch durch einen Markgrafen verwaltet wurde, dessen Burg befand sich wohl oberhalb Neidhartshausen. Der Verwaltungsmittelpunkt der Cent befand sich in Kaltensundheim. Die Grafen von Nithardishusen waren vermutlich mit den Grafen von Henneberg verwandt, die nach ihrem Aussterben im 13. Jahrhundert den Grundbesitz erbten.

Im 14. Jahrhundert war das Henneberger Grafengeschlecht in mehrere Seitenlinien aufgeteilt, und ein Graf Berthold von Henneberg-Schleusingen erwarb von seinen Vettern die Cent Kaltensundheim mit Reichenhausen, Erbenhausen, Oberweid und Unterweid, Kaltenwestheim sowie Kaltennordheim. Zwischen 1445 bis 1475 regierte der streitsüchtige Graf Heinrich XI. (VIII.) von Henneberg-Schleusingen (*1422; † 1475) (der Unruhige) über das Amt Kaltennordheim, zu dem auch der Ort gehörte. Seine Regentschaft war von zahlreichen Fehden und Konflikten mit den Nachbarherrschaften geprägt.

Mit dem Tod des Grafen Ernst von Henneberg im Jahr 1583 erlosch das einst mächtige Henneberger Grafenhaus, ein Erbvertrag regelte die Erbfolge der einzelnen Landesteile. Die Cent Kaltensundheim fiel an das Herzogtum Sachsen (1547–1572) (Ernestiner). Die neuen Landesherren hoben 1601 die bestehenden Centbezirke auf und veranlassten die Einrichtung eines Amtsgerichts im benachbarten Kaltennordheim. 1615 ist für Kaltennordheim ein besonderes Zentgrafenamt von dem von Kaltensundheim abgezweigt worden. Die bei Kaltensundheim verbliebenen Orte bildeten nun einen Gerichtssprengel, den man das "lichtenbergsche Hintergericht" nannte. Zu demselben gehörten die Ortschaften: Kaltensundheim, Wohlmuthhausen, Gerthausen, Schafhausen sowie die 2 Rittergüter Ober- und Unterweimarschmiede und der Hof Gereuth. Seit 1660 gehörte der Ort zu Sachsen-Weimar. Er kam 1672 zu Sachsen-Eisenach und 1741 zu Sachsen-Weimar-Eisenach. 1816 wurde das Hintergericht mir Kaltensundheim von dem Justizamt Ostheim (Lichtenberg) wieder weggenommen und zum Justizamt Kaltennordheim geschlagen.[5]

1920 kam Kaltensundheim zum Freistaat Thüringen. Von 1945 bis 1990 mussten die Bewohner manche Einschränkung erleben. Die Bauern gingen auch den Weg der ostdeutschen Landwirtschaft und bildeten nach der Wende die Agrargenossenschaft Rhönland e.G..[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 984
  • 1995: 984
  • 1996: 975
  • 1997: 966
  • 1998: 985
  • 1999: 961
  • 2000: 949
  • 2001: 934
  • 2002: 926
  • 2003: 895
  • 2004: 898
  • 2005: 895
  • 2006: 866
  • 2007: 844
  • 2008: 845
  • 2009: 822
  • 2010: 802
  • 2011: 803
  • 2012: 785
  • 2013: 790
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Ortsname[Bearbeiten]

Der Name ist von der kühlen Witterung abgeleitet, sund steht für Süden (analog zu Kaltennord- und -westheim). Im Rhöner Platt wird der Ort als Soinde bezeichnet.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wehrkirche Sankt Albanus
Dorfmuseum

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Das Wahrzeichen des Dorfes ist die 1604 erbaute Wehrkirche im gotischen Stil, die auf einem Kalksteinfelsen den höchsten Platz des Dorfes einnimmt und aus einer alten Burganlage hervorgegangen ist.[7] Eine sechs bis sieben Meter hohe Mauer und der Wehrturm von 1495 sind noch erhalten.
  • Das Ortsbild ist von Fachwerkhäusern geprägt, besonders zu erwähnen ist dabei das Backhaus von 1704, in dem ein Dorfmuseum über die Ortsgeschichte, das ländliche Brauchtum und die DDR-Geschichte informiert. Es gibt einen historischen Brunnen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen des Dorfes gehören

  • Karnevalsveranstaltungen im November und Januar/Februar
  • der Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Kaltensundheim am 1. Mai
  • das Anglerfest im Mai
  • das Sportfest und
  • das Sängerfest in den Sommermonaten
  • die Dorfkirmes im Oktober

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Ort gibt es eine Agrargenossenschaft und weitere Betriebe.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ort führt die Bundesstraße 285 von Bad Salzungen nach Mellrichstadt als wichtige Nord-Süd-Verbindung in der östlichen Rhön. In diese mündet im Ort die aus Meiningen kommende Landesstraße 1124 ein.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Kaltensundheim ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hohe Rhön und des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Hohe Rhön.[8]

Bildung[Bearbeiten]

Im Ort befindet sich das Staatliche Thüringische Rhöngymnasium. Fünf Klassen der Schule beteiligten sich an der Bemalung vom Feld der Fahnen im Nationaldenkmal Skulpturenpark Deutsche Einheit.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Höhn: Thüringische Rhön. Michael Imhof Verlag Petersberg 2005, ISBN 3-86568-060-7, S. 104ff
  • Rhönklub (Hrsg.): Schneiders Rhönführer. Offizieller Führer des Rhönklubs. Verlag Parzeller, Fulda 2005, ISBN 3-7900-0365-4, S. 359

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaltensundheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Kahl:Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl. Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S.137
  3. a b http://www.kaltensundheim.info/main_geschichte.html abgerufen am 25. Juli 2012
  4. http://www.thueringen.info/Rhön abgerufen am 24. Juli 2012
  5. [Kronfeld, Constantin: Thüringisch-Sachsen-Weimarische Geschichte. - Weimar : Böhlau, 1878. - (Landeskunde des Grossherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach ; T. 1) / [rezensiert von:] Ulrich Stechele]
  6. http://www.ag-kano.de/ abgerufen am 24. Juli 2012
  7. Thomas Bienert Mittelalterliche Burgen in Thüringen Wartberg Verlag 2000 ISBN 3-86134-631-1 S.256
  8. www.zwa-hohe-rhoen.de/index.html