Kaltumformung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kaltumformung bezeichnet das plastische Umformen von Metallen unterhalb der Rekristallisationstemperatur. Durch die Kaltverfestigung steigt die Werkstofffestigkeit kontinuierlich an. Wenn die Festigkeitssteigerung unerwünscht ist, muss sie durch eine anschließende Wärmebehandlung wieder abgebaut werden. Die Kaltumformung wird vor allem dann angewendet, wenn enge Maßtoleranzen und gute Oberflächeneingenschaften gewünscht sind.

Die Kaltumformung muss nicht zwingend bei Raumtemperatur durchgeführt werden. Umgekehrt zählen nicht alle Umformvorgänge, die bei Raumtemperatur ablaufen, dazu. Wichtig ist, ob die Rekristallisationstemperatur überschritten wird, die etwa bei 60% der absoluten Schmelztemperatur liegt.

Vergleich mit Warmumformen[Bearbeiten]

Kaltumformen[Bearbeiten]

Warmumformen[Bearbeiten]

  • Arbeitstemperatur oberhalb der Rekristallisationstemperatur
  • Große Umformbarkeit der Werkstoffe
  • Geringe Umformkräfte
  • Geringe Änderung von Festigkeit und Bruchdehnung am umgeformten Werkstoff

Kaltverfestigung[Bearbeiten]

Da sich durch die plastischen Verformung die Versetzungsdichte erhöht (auf bis zu 10^{12}m^{-2}), steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Versetzungen bei ihrer Bewegung gegenseitig behindern. Entsprechend ist zur Weiterverformung eine größere Spannung notwendig, was sich in einer Zunahme von Dehngrenze und Festigkeit bemerkbar macht. Man bezeichnet dieses Verhalten auch als Kaltverfestigung.

Dieser Effekt kann ausgenutzt werden, um die Festigkeit eines Werkstoffs durch geringe Vorverformung z. B. durch Walzen oder Ziehen zu erhöhen.

Zugversuch[Bearbeiten]

Die Kaltverfestigung sorgt dafür, dass die Fließkurve eines Metalls im plastischen Bereich ansteigt. Wird das Material nach der plastischen Verformung entlastet, so folgt die Spannungs-Dehnungs-Kurve einer zur elastische Geraden parallelen Linie. Bei erneuter Belastung ist die Fließgrenze \sigma_v heraufgesetzt um:

\Delta \sigma_v = k_v \cdot M \cdot G \cdot b \sqrt{\rho}

Hierbei ist

  • k_v der Vorfaktor für Verformungsverfestigung (normalerweise k_v \approx 0,1...0,2)
  • M der Taylor-Faktor
  • G der Schubmodul
  • \rho die Versetzungsdichte.

Bei o.g. erneutem Belasten läuft die Spannungs-Dehnungs-Kurve idealerweise auf derselben Gerade wie bei der vorangegangenen Entlastung. Die Dehnung bis zur Einschnürung bzw. bis zum Bruch ist entsprechend verringert, d.h., das Material hat deutlich an Duktilität verloren. Daher eignet sich die Kaltverfestigung nur für Werkstoffe, die bereits eine hohe Ausgangs-Duktilität besitzen.

Folgen[Bearbeiten]

Die durch Kaltumformung (Kaltwalzen, Tiefziehen, Biegen, Dengeln oder auch Hämmern und Kugelstrahlen) hervorgerufenen Versetzungen und Eigenspannungen führen neben der Erhöhung der Härte und der Streckgrenze auch zu veränderten elektrischen und magnetischen Eigenschaften: Die elektrische Leitfähigkeit und die Anfangspermeabilität verringern sich, und bei Stahl kann eine Dauermagnetisierung entstehen. Auf diese Weise können sich überlastete Werkzeuge (z.B. Spiralbohrer) spontan magnetisieren.

Kaltverfestigung ist oft erwünscht und erhöht z.B. die Standzeit einer Sense durch Dengeln. Gezielt eingebrachte oberflächliche Druckspannungen führen beim Kugelstrahlen zu einer hohen Härte und verbesserten Dauerfestigkeit, da Zugspannungen in das darunterliegende Material verlagert werden und sich so keine Anrisse bilden können.

Die Kaltverfestigung ist speziell bei Kupfer sehr ausgeprägt. Kupferdraht und -rohre werden hart, halbhart oder weich angeboten. Der Draht wird in mehreren Stufen kalt gezogen und ist anschließend kaltverfestigt (hart). Er wird meist geglüht weiterverarbeitet oder ausgeliefert. Die harten Rohre kann der Installateur durch Erwärmung mit der Gasflamme lokal wieder erweichen. Beim Biegen verfestigen sie sich erneut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]