Kamenz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kamenz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kamenz
Kamenz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kamenz hervorgehoben
51.2714.095277777778173Koordinaten: 51° 16′ N, 14° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Kamenz-Schönteichen
Höhe: 173 m ü. NHN
Fläche: 53,15 km²
Einwohner: 15.301 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 288 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01917
Vorwahl: 03578
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 250
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
01917 Kamenz
Webpräsenz: www.kamenz.de
Oberbürgermeister: Roland Dantz (parteilos)
Lage der Stadt Kamenz im Landkreis Bautzen
Tschechien Dresden Landkreis Görlitz Landkreis Meißen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Arnsdorf Bautzen Bernsdorf Bischofswerda Bretnig-Hauswalde Burkau Crostwitz Cunewalde Demitz-Thumitz Doberschau-Gaußig Elsterheide Elstra Frankenthal (Sachsen) Göda Großdubrau Großharthau Großnaundorf Großpostwitz Großröhrsdorf Malschwitz Haselbachtal Hochkirch Hoyerswerda Kamenz Königsbrück Königswartha Kubschütz Laußnitz Lauta Lichtenberg (Lausitz) Lohsa Malschwitz Nebelschütz Neschwitz Neukirch (bei Königsbrück) Neukirch/Lausitz Obergurig Ohorn Oßling Ottendorf-Okrilla Panschwitz-Kuckau Pulsnitz Puschwitz Radeberg Radibor Räckelwitz Ralbitz-Rosenthal Rammenau Schirgiswalde-Kirschau Schmölln-Putzkau Schönteichen Schwepnitz Sohland an der Spree Spreetal Steina (Sachsen) Steinigtwolmsdorf Wachau (Sachsen) Weißenberg Wilthen Wittichenau Brandenburg PolenKarte
Über dieses Bild

Die Lessingstadt Kamenz, obersorbisch Kamjenc (wörtlich „Kleiner Ort am Stein“), ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Bautzen in Sachsen. Sie liegt etwa 40 km nordöstlich von Dresden und etwa 30 km nordwestlich von Bautzen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kamenz aus der Luft
Die Stadt Kamenz über den Bautzener Berg von der Hohen Straße aus gesehen: links die Hauptkirche St. Marien, in der Mitte das Rathaus, rechts die Klosterkirche St. Annen; im Hintergrund der Hutberg

Die Stadt liegt in der Westlausitz, westlichen Oberlausitz, am Fuße des Hutberges im Naturraum Westlausitzer Hügel- und Bergland. Die Gegend bildet die Nahtstelle zwischen der flachen Teichlandschaft im Norden, eine der größten Wasserflächen – der Deutschbaselitzer Großteich – befindet sich auf Kamenzer Gebiet, und dem Lausitzer Bergland im Süden. Dementsprechend ist die Landschaft im Norden von flachwelliger Heide geprägt, die nach Süden hin relativ rasch ansteigt und im Ortsteil Hennersdorf bereits Mittelgebirgscharakter zeigt. Von Süden kommend und sich im Stadtgebiet mit einigen weiteren kleinen Bächen, wie dem „Langen Wasser“, vereinigend durchfließt die Schwarze Elster Kamenz in Richtung Norden.

Geologie[Bearbeiten]

Unmittelbar unter den Straßen der Stadt, unter einer nur mäßig starken Lössschicht, befinden sich massive Grauwackefelsen, die an einigen Stellen von Granitaustritten unterbrochen werden und zum Teil direkt aus dem Boden ragen. Beide Gesteine wurden früher intensiv abgebaut, wovon noch heute mehrere zugelaufene Steinbrüche im Stadtgebiet (zum Teil unmittelbar neben Wohnvierteln) zeugen. Bedeutendster Steinbruch dürfte der achtzig Meter tiefe Steinbruch Sparmann sein, der heute ein beliebtes Tauchgebiet ist. Im Norden und Nordosten findet man Kies und Kaolinvorkommen, die durch das Elbe-Urstromtal entstanden.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Norden und Nordosten Oßling, im Osten Nebelschütz, im Südosten die Stadt Elstra, im Südwesten Haselbachtal sowie im Westen und Nordwesten die Gemeinde Schönteichen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kamenz umfasst neben der eigentlichen Stadt folgende Ortschaften[2]:

Ortschaft Eingemeindungs-
datum
Anmerkung
Bernbruch 1. Januar 1999
Deutschbaselitz
(Němske Pazlicy)
1. Januar 1999
Jesau (Jěžow) 1935
Lückersdorf-Gelenau 1. Januar 1999 Bildung der Gemeinde am 1. Januar 1957 durch den Zusammenschluss von Gelenau und Lückersdorf, Eingemeindung von Hennersdorf am 1. Januar 1979
Wiesa (Brěznja) 1. Januar 1974
Thonberg (Hlinowc) 1. Januar 1974 war nie eine eigenständige Gemeinde, gehörte vorher zu Wiesa
Zschornau-Schiedel
(Čornow-Křidoł)
1. Januar 1999 Bildung der Gemeinde am 1. Juli 1965 durch den Zusammenschluss von Schiedel und Zschornau

Rund um die katholische Kirche St. Maria Magdalena, heute im Zentrum der Stadt, liegt außerdem das Gebiet der ehemals eigenständigen Gemeinde Spittel, die 1903 eingemeindet wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Kamenz im Jahre 1837

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen Altstadt eine Burg zur Sicherung des Überganges der Via Regia über die Schwarze Elster erbaut. Die Via Regia war damals ein überregional bedeutender Handelsweg von Belgien bis hinein nach Schlesien. 1225 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, seit 1319 war Kamenz freie Stadt. 1346 wurde der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, dessen westlichste Mitgliedsstadt Kamenz wurde. Am 6. Oktober 1429 wurde Kamenz für mehrere Tage von den Hussiten belagert und anschließend eingenommen. Die historischen Nachrichten sprechen davon, dass sich die meisten Bewohner zuvor durch Flucht retten konnten und in Dresden Aufnahme fanden. Die böhmischen „Gottesstreiter“ suchten auch die nähere Umgebung heim und verwüsteten das offene Landstädtchen Wittichenau und das Kloster St. Marienstern. Danach zogen sie gegen Bautzen.[3] 1547 war Kamenz somit auch vom Oberlausitzer Pönfall betroffen.

In Kamenz wurden 1607–1655 Hexenverfolgungen durchgeführt: 1607 wurde Peter Babus, Henker in Kamenz, in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt und 1655 Diakon Kaspar Dulichius enthauptet.[4]

Im Jahre 1707 vernichtete ein großer Stadtbrand viele Häuser in der Altstadt. 1729 wurde der Dichter und Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing in Kamenz geboren.

1896 wurde in Kamenz auf Grund eines königlichen Beschlusses eine ständige Garnison eingerichtet. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde hier und in den anderen beiden Garnisonen der sächsischen Oberlausitz (Zittau und Bautzen) das Königlich Sächsische Reserve-Infanterie-Regiment 242 aufgestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges vom Oktober 1944 bis April 1945 wurde im Gebäude der stillgelegten Tuchfabrik Gebr. Noßke & Co., Herrental Nr. 9 (Tarnname „Elster GmbH") ein Außenlager des KZ Groß-Rosen betrieben, in dem nahezu tausend Häftlinge, unter ihnen 150 Juden, für die Daimler-Benz AG Flugzeugmotorenteile herstellen mussten. Bis 1990 befand sich in Kamenz die Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung Franz Mehring der NVA mit zeitweise 1.500 Studierenden. Die blau-grauen Uniformen bestimmten das Bild der Kleinstadt. Bis Juli 2008 bestand der Landkreis Kamenz.

Religionen[Bearbeiten]

Im Jahre 1925 waren von 11.165 Einwohnern 9.566 evangelisch-lutherisch (85,7 %)[5]. 2011 waren unter 15.582 Einwohnern nur noch 3.000 evangelisch (19,3 %) und 1.090 katholisch (7,3 %), während 11.490 keiner oder einer sonstigen Konfession angehörten (73,7 %).[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung der Stadt
Jahr EW
1834 03.844
1871 6.404
1875 6.784
1880 6.820
1885 7.211
1890 7.749
1910 11.533
1925 11.165
1933 11.426
1939 (17.5.) 14.483
1946 (29.10.) 13.862
1950 (31.8.) 14.331
1955 14.981
1956 14.931
1957 14.857
1958 14.876
1959 14.944
Jahr EW
1960 14.888
1962 15.461
1963 15.350
1964 15.905
1965 16.236
1966 16.585
1967 16.657
1968 16.618
1969 16.528
1970 16.653
1971 16.532
1972 16.289
1973 16.315
1974 18.221
1975 18.001
1976 18.052
1977 18.030
Jahr EW
1978 18.001
1979 17.898
1980 18.143
1981 18.410
1982 18.377
1983 18.410
1984 18.339
1985 18.269
1986 18.323
1987 18.229
1988 18.126
1989 18.016
1990 (3.10.) 19.954
1997 18.882
1998 19.013
1999 19.136
2000 19.010
Jahr EW
2001 18.848
2002 18.606
2003 18.440
2004 18.308
2005 18.129
2006 18.009
2007 17.802
2008 17.431
2009 17.171
2010 16.990
2011 (30.11.) 16.819

Bei den Werten von 1834 bis 1950 handelt es sich um Volkszählungsergebnisse, danach überwiegend um Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Sie entsprechen bis 1989 dem jeweiligen Gebietsstand, ab 1990 dem heutigen. Konnte ein anderer Stichtag als der 31. Dezember ermittelt werden, ist dieser angegeben.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus von Kamenz

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Kamenz zählt 22 Stadtverordnete und setzt sich seit der letzten Kommunalwahl am 25. Mai 2014 wie folgt zusammen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2014 2009
 % Sitze  % Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 29,2 7 20,6 5
Die Linke (LINKE) 27,2 7 27,5 7
Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile 14,6 3 12,9 3
Wählervereinigung Wir für Kamenz 11,1 2 10,3 2
Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 7,3 1 9,2 2
Freie Demokratische Partei (FDP) 7,0 1 10,6 3
Bündnis 90/Die Grünen (GRÜNE) 3,8 1 3,3 0
gesamt 100,0 22 100,0 22
Wahlbeteiligung 48,1 % 48,5 %

Kamenz ist die größte Stadt Deutschlands, in deren Stadtrat die SPD nicht vertreten ist.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau eine goldene Zinnenmauer mit geöffnetem Tor und silbernen Flügeln, auf der Mauer zwei sechseckige goldene gezinnte Türme und je drei unbelichtete Fenster. Zwischen den Türmen auf der Mauer gestellt ein goldener Dreiecksgiebel, der in einer gekürzten goldenen Lilie ausläuft. Auf den Türmen wachsend je ein rotgekleideter goldenes Hifthorn blasender Turmwärter ein rotes Wappenschild mit einem silbernen aufgerichteten goldgekrönten doppelschwänzigen Löwen haltend.

Auf dem Vollwappen ein goldener gekrönter Bügelhelm mit rot-silberner zur rechten und blau-goldener Helmdecke zur linken Seite. Die Helmzier zwischen dem schwarzen Flug ist ein wachsender silberner goldgekrönter doppelschwänziger Löwe.

Im Jahr 1319 nahm die Stadt Kamenz nach ihrem Lossagen von der Grafenherrschaft ein neues Stadtwappen an. Die goldenen Zinnenmauer steht im Wappen für die Wehrhaftigkeit der Stadt und der doppelschwänzige Löwe bekundet die böhmische Oberhoheit.[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick über die Kamenzer Innenstadt
Marktplatz

Theater[Bearbeiten]

Kamenz unterhält ein Theater, das 1999 wiedereröffnet wurde und seitdem, außer für Schauspiel, auch für Kabarett, Konzerte und ähnliches genutzt wird.

Museen[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es drei Museen: Das Lessing-Museum widmet sich dem berühmtesten Sohn der Stadt Gotthold Ephraim Lessing. In der Klosterkirche und im Sakralmuseum St. Annen werden die Kunst- und Kirchenschätze der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Kamenz gezeigt. Das Museum der Westlausitz präsentiert vorwiegend Ausstellungen zur regionalen Natur, Landschaft und Geschichte.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Rathaus Kamenz wurde 1847 bis 1848 durch Carl August Schramm im Stil der italienischen Neorenaissance erbaut. Auf dem Markt vor dem Rathaus befindet sich der Andreasbrunnen mit Justitia-Statue aus Sandstein.

Hauptkirche St. Marien
Lessingturm auf dem Hutberg

Im Süden der Altstadt sind Reste der mittelalterlichen Stadt- und Klosterbefestigung zu sehen, vor allem der Rote Turm, die Stadtschreiberbastei („Pichschuppen“), die Mönchsmauer und das Klostertor. Die evangelische Hauptkirche St. Marien (erbaut 1275 bis 1479, spätgotische Hallenkirche) ist die einzige aus Granit erbaute Hallenkirche nördlich der Alpen. Unmittelbar daneben steht die Katechismuskirche (Wehrkirche, vor 1358). Ebenfalls im Süden der Stadt liegt das Barmherzigkeitsstift mit Bönisch-Mausoleum, ein 1826 fertiggestelltes Krankenhaus für die Ärmsten der Armen.

Am Nordrand der Altstadt steht die Klosterkirche St. Annen (ca. 1510) mit insgesamt fünf spätgotischen Schnitzaltären und weiteren sakralen Kostbarkeiten. Gegenüber befindet sich die Lessing-Gedenkstätte am ehemaligen Standort des Geburtshauses Lessings. Das Lessinghaus gehört zu den 20 kulturellen Gedächtnisorten in den neuen Ländern. Weiter westlich steht eine Kursächsische Postdistanzsäule, errichtet 1725 am ehemaligen Königsbrücker Tor, heute Bönischplatz. Die vierte evangelische Kirche der Stadt ist die Begräbniskirche St. Just, die bereits als Pilger-Kapelle vor 1377 genannt wird.

Am äußersten Westrand der Kernstadt liegt die Hutbergbühne, eine Freilichtbühne für bis zu 10.000 Zuschauer. Am Ortsausgang Richtung Pulsnitz steht ein Königlich-sächsischer Ganzmeilenstein aus der Zeit von 1859 bis 1860. Eine Gedenktafel am Fabrikgebäude Herrental Nr. 9 erinnert an 125 KZ-Häftlinge, die Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Natur[Bearbeiten]

  • Hutberg (297 m) – Parkanlage mit Rhododendren, Azaleen und verschiedenartigen Gehölzen.
  • Etwa 32 Prozent des umgebenden ehemaligen Landkreises Kamenz stehen unter Landschafts- bzw. Naturschutz, es existiert ein gut ausgebautes Rad- und Wanderwegenetz.

Sport[Bearbeiten]

In Kamenz ist der SV Einheit Kamenz beheimatet, dessen 1. Fußball-Männermanschaft in der Landesliga Sachsen spielt.

Im alten Stadtbad befindet sich ein Skaterpark, dessen Skater verschiedene Meisterschaften gewonnen haben.

Erstmals fand 2004 durch die VDH e. V. (Vereinigung Deutscher Handywerfer e. V.) die erste deutsche Meisterschaft im Handywerfen in Kamenz statt, wo 2005 auch die ersten Europameisterschaften auf deutschem Boden ausgetragen wurden und 2006 die erste Weltmeisterschaft nach Version der IAMPT.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Kamenzer Forstfest (jährlich in der Woche, in die der 24. August (Bartholomäustag) fällt)
  • Blütenlauf auf dem Kamenzer Hutberg
  • Kamenzer Lessing-Tage (jährlich im Januar und Februar)
  • Fête de la Musique jedes Jahr am 21. Juni
  • Karneval in Kamenz
  • Pfingstkonzert der Rockgruppe Puhdys (jährlich am Pfingstsamstag auf der Hutbergbühne)

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Eine besondere Spezialität der Stadt ist das Kamenzer Würstchen, kurz auch „Kamenzer“ genannt. Die Knackwurst wird roh oder in Wasser erhitzt gegessen und ist bei vielen Kamenzer Familien zusammen mit Kartoffelsalat das traditionelle Gericht am Heiligen Abend. Die Füllung besteht zu je einem Drittel aus magerem und fettem Rindfleisch sowie aus durchwachsenem Schweinefleisch. Manche Fleischer mischen auch Schafsfleisch bei. Das Brät wird mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Zwiebel und Paprika gewürzt, in Saitlinge abgefüllt und dann heiß geräuchert. Es wird vermutet, dass das Rezept ursprünglich aus dem nahen Städtchen Wittichenau stammt. Inzwischen wurden die Kamenzer Würstchen durch in Kamenz ausgebildete Fleischergesellen auch in anderen Teilen Ostsachsens bekannt gemacht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Kamenz

Die nächstgelegene Anschlussstelle Burkau zur A 4 befindet sich etwa 12 km südlich. Von dort besteht Anschluss über die Staatsstraße S 94 Burkau–Kamenz–Bernsdorf und von der Anschlussstelle Pulsnitz über die S 95 Radeberg–Pulsnitz–Kamenz–Hoyerswerda. Weitere Staatsstraßen, die die Stadt erschließen, sind die S 93 von Kamenz nach Grüngräbchen an der Landesgrenze zu Brandenburg, die S 97 von Kamenz nach Zerna und die S 100 Radeburg–Königsbrück–Kamenz–Salzenforst. Am nordöstlichen Stadtrand befindet sich der Flugplatz Kamenz. Die zur Rhenus Veniro-Gruppe gehörende Regionalbus Oberlausitz GmbH betreibt ein Stadtbus-Netz mit drei Linien (Linie 21, 22, 23).

Kamenz liegt an den eingleisigen Hauptbahnen Lübbenau–Kamenz und Kamenz–Pirna. Nach Dresden verkehrt eine Regionalbahnlinie im Stundentakt. Der Bahnhof Kamenz (Sachs) ist heute Endpunkt der Linie SB 34 der Städtebahn Sachsen aus Dresden. Zum brandenburgischen Senftenberg verkehren seit Ende der 1990er Jahre keine Reisezüge mehr, nur noch Güterverkehr. Die Bahnstrecke nach Bischofswerda wurde komplett stillgelegt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Werk der Li-Tec Battery GmbH
Optik-Experiment vom VEB Kamenzer Spielwaren im DDR-Museum Pirna

Die Stadt beherbergt vorwiegend kleinere und mittlere Betriebe aus den Bereichen Textil, Maschinenbau, Kaolinverarbeitung und Plastikverarbeitung. Größte überregionale bekannte Arbeitgeber sind hierbei ein Abfüllwerk des Spirituosenherstellers Jägermeister, der Textilwerbemittelspezialist Sachsenfahnen und der Batteriehersteller Li-Tec Battery. Allerdings soll Li-Tec bereits nach kurzer Zeit wegen hoher Produktionskosten aufgrund zu geringer Nachfrage nach Elektrofahrzeugen seinen Betrieb wieder einstellen.

Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber in Kamenz sind verschiedene Behörden, wie das Landesamt für Statistik, dessen Sitz sich hier befindet. In Zukunft ist zudem mit einer wachsenden Bedeutung des Tourismus zu rechnen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Der wohl bekannteste Sohn der Stadt Kamenz ist der Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781), dessen Vater, Johann Gottfried Lessing, Pastor an der Hauptkirche St. Marien war. Das Geburtshaus Lessings wurde beim letzten großen Stadtbrand 1842 vernichtet, doch erinnert heute ein Museum an den berühmtesten Sohn der Stadt.
  • Bruno Richard Hauptmann (1899–1936), ein deutscher Emigrant, der wegen der Entführung und der Ermordung von Charles Lindberghs Sohn Charles Lindbergh III zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, ist ebenfalls in Kamenz geboren worden.
  • International bekannt ist zudem Georg Baselitz (* 1938 als Hans-Georg Kern im Ortsteil Deutschbaselitz), der einer der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart ist.

Persönlichkeiten, die vor Ort wirken oder gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kamenz. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 9, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 422.
  • Westliche Oberlausitz zwischen Kamenz und Königswartha (= Werte unserer Heimat. Band 51). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-05-000708-7.
  • Tino Fröde: Privilegien und Statuten der Oberlausitzer Sechsstädte – Ein Streifzug durch die Organisation des städtischen Lebens in Zittau, Bautzen, Görlitz, Löbau, Kamenz und Lauban in der frühen Neuzeit. Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf 2008. ISBN 978-3-933827-88-3
  • Sächsische Heimatblätter 57(2011)3 – Thematisches Heft zum „Tag der Sachsen“ mit Beiträgen zur Stadt Kamenz, u.a.
    • Uwe Ulrich Jäschke: Kamenz – Die Stadt am Stein (S. 180–185)
    • Matthias Herrmann, Thomas Binder: Kamenz in der Oberlausitz – Du Ärmste der Sechsstädte, reich an Kultur und Geschichte (S. 186–191)
    • Stefan Krabath: Stadtarchäologie in Kamenz – Blick auf eine über 200jährige Forschungsgeschichte (S. 236–242)
  • Lutz Mohr: Die Hussiten in der Oberlausitz unter besonderer Berücksichtigung ihrer Feldzüge in den Jahren von 1424 bis 1434. Sonderausgabe Nr. 2 der Reihe "Geschichte und Geschichten aus Neusalza-Spremberg", Greifswald u. Neusalza-Spremberg 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kamenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kamenz – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Kamenz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Kamenz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Informationsbroschüre Kamenz (Version vom 27. Dezember 2008 im Internet Archive)
  3. Vgl. L. Mohr 2014, S. 26ff
  4. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 517f
  5. Digitales Historisches Ortsverzeichnis
  6. Zensusergebnisse 2011
  7.  Dr. Siegfried Schlegel: Die Oberlausitz – Ein liebenswertes Stück Deutschland. 1. Auflage. Lausitzer Druck- & Verlagshaus GmbH, Bautzen 2008, ISBN 3-930625-45-8.