Kamjanez-Podilskyj

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Kamjanez-Podilskyj
(Кам'янець-Подільський)
Wappen von Kamjanez-Podilskyj
Kamjanez-Podilskyj (Ukraine)
Kamjanez-Podilskyj
Kamjanez-Podilskyj
Basisdaten
Oblast: Oblast Chmelnyzkyj
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: keine Angabe
Fläche: 26 km²
Einwohner: 99.398 (1. Januar 2005)
Bevölkerungsdichte: 3.823 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 32318
Vorwahl: +380 3849
Geographische Lage: 48° 41′ N, 26° 35′ O48.67777777777826.587222222222Koordinaten: 48° 40′ 40″ N, 26° 35′ 14″ O
KOATUU: 6822400000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Olexandr Masurtschak
Adresse: Майдан Відродження 1
32300 м. Кам’янець-Подільський
Statistische Informationen
Kamjanez-Podilskyj (Oblast Chmelnyzkyj)
Kamjanez-Podilskyj
Kamjanez-Podilskyj
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Kamjanez-Podilskyj (ukrainisch Кам'янець-Подільський; russisch Каменец-Подольский/Kamenez-Podolski, rumänisch Cameniţa, polnisch Kamieniec Podolski) ist eine Stadt in Podolien mit 93.300 Einwohnern (2004). Heute liegt sie in der Oblast Chmelnyzkyj der Westukraine.

Lage[Bearbeiten]

Französische Karte von 1691 mit Stadt und Festung. Gut zu erkennen ist, wie beide durch einen Seitenarm des Flusses Smotrych umflossen werden

Kamjanez-Podilskyj liegt ca. 20 km nordöstlich von Chotyn in einer landschaftlich reizvollen und strategisch außergewöhnlichen Lage. Der Fluss Smotrytsch mäandert hier ca. 60 m tief eingeschnitten in den Kalkstein der podolischen Platte. Einer dieser Mäander umschließt einen ca. 700 × 500 m großen Umlaufberg, auf dem mit Unterstützung von Befestigungsmauern die Altstadt errichtet wurde. Der Zugang zu dieser strategisch so günstig liegenden Stadt wurde zusätzlich durch den Bau einer Festung gesichert. Heute verbindet eine moderne Brücke die Altstadt mit der im Osten nahezu im Schachbrettmuster errichteten Neustadt.

In der Festung begann am 20. Mai 1784 die erste Ballonfahrt in Osteuropa.

Geschichte[Bearbeiten]

Kamjanez-Podilskyj ist eine der ältesten Städte der Ukraine. Das genaue Alter der Stadt lässt sich nicht angeben. In Chroniken wird der Ort aber schon im Jahr 1106 als Stadt erwähnt. Vom 14. bis 18. Jahrhundert erlebte Kamjanez Aufschwung- und Blütezeit. Ab 1373 stand sie unter polnischer Herrschaft als Sitz der Woiwodschaft Podolien; von 1672 bis 1699 gehörte die Stadt zum Osmanischen Reich. Seit dem 14. Jahrhundert war Kamjanez eine der bedeutendsten polnischen Festungen in der Ukraine. 1793 kam Kamjanez zum Russischen Reich und war Hauptstadt des Gouvernements Podolien. 1918 wurde hier die Nationale Iwan-Ohijenko-Universität als erste ukrainische Universität gegründet und 1919 war die Stadt Interimssitz der Ukrainischen Nationalregierung. 1922 wurde die Ukraine eine Teilrepublik der Sowjetunion.

Ende August 1941 kam es beim Massaker von Kamenez-Podolsk, der bis dahin größten Mordaktion des Holocaust, zur Ermordung von mehr als 23.000 Juden. 1944 litt die Stadt in der Kesselschlacht von Kamenez-Podolski. Bei der Einkreisung der 1. Panzerarmee (Wehrmacht) hatte die Rote Armee die Stadt erobert; sie wurde dann aber von den Deutschen zurückerobert, bevor der Kessel nach Westen „wanderte“. Der Entlastungsstoß des aus Frankreich herangeführten II. SS-Panzerkorps (9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ und 10. Panzer-Division) kam aus dem Raum Stanislau, das noch bis Juni 1944 von den Deutschen gehalten wurde.[1] Erst nach Kriegsende konnte der Wiederaufbau der Stadt beginnen. Die Stadt trug bis dahin den russischen Namen Kamenez-Podolsk/Каменец-Подольск, am 9. August 1944 wurde sie dann per Ukas in Kamenez-Podolski/Kamjanez-Podolskyj umbenannt.[2]

Die Einwohnerschaft von Kamjanez wurde im Wesentlichen von vier Bevölkerungsgruppen bestimmt: Polen, Ukrainern, Armeniern und Juden. Jede Bevölkerungsgruppe hatte bestimmte Wohnquartiere und hinterließ Spuren in der gesamten Stadtarchitektur. In der Blütezeit der Stadt soll es über 30 Kirchen und Klöster gegeben haben. Viele sind oder werden restauriert.

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kamjanez unterhält eine Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Kalisz.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kamjanez-Podilskyj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg im Breisgau
  2. УКАЗ от 9 августа 1944 года Об уточнении наименований городов: Тарнополь, Черновицы, Каменец-Подольск, Владимир-Волынск, Чертков Украинской ССР